chluchterner Zeitung
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
mit amtlichem Areisblatt.
Telefon Nr. 65.
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^L 16.
Mittwoch, den 23. Februar 1916.
67. Jahrgang.
3u I A I 3358.
Strohkrastsutter.
Veröffentlichungen des Preußischen Landwirtschaftsministeriums.
Der während des Krieges fehlende Import von Futtermitteln zwingt dazu, mit den vorhandenen Beständen hauszuhalten und nach Möglichkeit neue Futter- quellen zu erschließen.
Schon durch die 1900 von Geheimrat Kellner- Möckern veröffentlichten Versuche war bekannt, daß die durch chemische Behandlung des Strohs gewonnene Strohzellulose, der sogenannte Strohstoff der Papier- fabriken, bei der Verfütteruug an Rindvieh gleichwertig mit Stärkemehl ist. Spätere Versuche von Professor Fingerling haben gezeigt, daß auch das Schwein in der Lage ist, den Strohstoff außerordentlich hoch zu verwerten. Daß der Strohstoff zu Friedenszeiten nicht zur Verfütterung herangezogen wurde, lag außer an seinem Preise und an dem reichlichen Vorhandensein anderer Futtermittel darin, daß keine geeignete Form für die Verfütterung bekannt war. Nachdem es Herrn Dr. Oexmann gelungen ist, diese Schwierigkeiten zu beseitigen und aus Strohstoff ein Futtermittel herzustellen, das infolge seiner schrotartigen Beschaffenheit vom Vieh sehr gern genommen wird, sind mit Unterstützung des Reiches und des Preußischen Staates durch den Kriegsausschuß für Ersatzfutter eine Reihe von Fabriken für die Herstellung des sogenannten Stroh- kraflsut:ers erbaut worden, die zum Teil bereits im Betriebe sind, zum anderen Teil in allernächster Zeit in Betrieb kommen und deren Erzeugnisse durch die Kommunalverbände zu beziehen sind.
Die mit Strohkrastsutter seit Monaten an wissenschaftlichen Instituten und in der Praxis durchgeführten suche haben übereinstimmend gezeigt, daß wir es hier mit einem sehr hochwertigen, wenn auch eiweißarmen Futtermittel zu tun haben.
Geheimrat Zuntz-Berlin hat eingehende Versuche im Respirations-Apparat durchgeführt, die einen überraschend hohen Nährwert des Strohkraftfutters für Pferde ergaben; er kommt in seinem Berichte zu dem Endergebnis:
„Man wird unbedenklich 5 kg Hafer durch 4 kg Strohkraftfutter + 120 g Eiweiß ersetzen können".
Geheimrat Ellenberger, Rektor der Tierärztlichen Hochschule in Dresden, hat fast vier Monate hindurch Versuche mit der Verfütterung von Strohstoff an einigen 20 schwer arbeitenden Pferden gemacht und kommt zu folgendem Ergebnis:
„Nach meiner Ansicht kann man z. B. stark arbeitenden Pferden 4—5 kg Körner durch 4-5 kg Strohkrastsutter ersetzen, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Es dürfte sich aber empfehlen, dabei doch eine gewisse Menge (1—2 k§) Hafer zu geben wegen dessen günstiger Einwirkung auf die chemischen und mechanischen Verdauungsvorgänge und sonstigen damit zusammenhängenden Lebensprozesse. Bringt man aber eine so erhebliche Menge Körnerfutter in Wegfall, dann empfiehlt es sich, dem Futter Eiweiß (Portein) in Form kleiner Gaben von Robos, Hefe, leimartigen Stoffen und dergleichen zuzufügen.
Das Schlußergebnis unserer Versuche ist dahin zusammenzufassen, daß bei der Fütterung der Pferde ein erheblicher Teil der üblichen Hafer- bezw. Körner- ration durch das Oexmannsche Strohfutier bei sachgemäßer Anwendung und unter Beachtung der vorstehend von mir gemachten Ausführungen ersetzt werden kann, ohne das gesundheitliche Nachteile und eine Minderung der Leistungsfähigkeit und Körperkraft der Tiere zu befürchten sind."
Aehnlich günstige Erfolge wurden bei Versuchen erzielt, die Herr Ober-Staatöveterinär Professor Dr. Bongert und Herr Hauptmann Freiherr von Lepel- Freistadt sowohl bei ruhenden wie bei arbeitenden Pferden des I. Garde-Feld-Artillerie-Regiments burch- sührten.
Auch Herr Dr. von Lochow-Petkus hat umfang- reiche Fütterungsversuche bei Pferden mit bestem Erfolg durchgeführt. Auf seine guten Erfolge mit Stroh- kraftfutter bei der Schweinemast hat er bereits bei der letzten Hauptversammlung der Deutschen Landwirtschasts- Gesellschaft hingewiesen. Seitdem sind Mastversuche in verschiedenen Betrieben mit bestem Erfolge durch- gesührt worden. Das Reichs«Marineamt hat an verschiedenen Stellen Monate hindurch unter genauer Aufsicht Schweinemastversuche mit Strohkrastsutter machen
lassen, die zu einem Auffrage auf Lieferung von 70 000 Zentner dieses Futters an die Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte führte.
Die vor kurzem von Professor Schneidewind-Halle veröffentlichten nicht so günstigen Ergebnisse beruhen auf Verfütterung eines Materials, das ihm bereits im Juli vorigen Jahres geliefert wurde und das in wesentlich anderer Zusammensetzung und nach einem inzwischen als weniger brauchbar verlassenen Verfahren in einer längst stillgelegten Versuchsanlage hergestellt wurde.
Der beste Masterfolg bei Schweinen wird erzielt, wenn nur etwa 1 kg der normalen Kraftfutterration durch Strohkraftfutter ersetzt wird.
Da es sich um ein fast völlig eiweißarmes Futter« mittel handelt, dessen Wert erst bei der Zufütterung von Eiweiß zur vollen Geltung kommt, wird es seitens der Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte, die den Alleinverkauf in Händen hat soweit wie möglich mit Hefe oder hocheiweißreichen Futtermitteln gemischt, durch die Kommunalverbände in den Verkehr gebracht. Nach Zusatz von 6% Eiweiß in Form von Trocken« Hefe z. B. ergibt sich ein Futtermittel das im Stärkewert und Eiweißgehalt gleichwertig mit Maisschrot ist.
In der heutigen ernsten Zeit ist es Pflicht jeden Landwirtes, nicht nur mit den übrigen Futtermitteln, sondern auch mit dem Stroh aufs äußerste hauszuhalten. Als Einstreu ist Stroh dieses Jahr zu wertvoll. Schon der außerordentlich hohe Preis des Strohes wird jeden denkenden Landwirt bewegen, als Einstreu Laub, Kraut, Reisig oder auch Sand und ähnliches zu benutzen. Aber auch bei der Verfütterung von Stroh muß Maß gehalten werden, da sein Wert bei Verfütterung großer Massen immer geringer wird. Stellt^der -Lrurdmirt fein Stroh dmch-dir Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte oder unmittelbar der Ersatzfutterherstellung zur Verfügung, trägt er wesentlich zur Vermehrung unserer Futterbestände bei, die er ja auch seinerseits wieder durch den Kommunalverband beziehen kann, wobei er trotz der hohen Transport- und Verarbeitungskosten die Futtereinheit billiger erhält, als er sie im Stroh fortgibt. Dabei ist der im Stroh enthaltene Futterwert natürlich nur in beschränktem Umfange ausnutzbar, während an Stroh- kraftfutter Mengen verfüttert werden können, die dem Vielfachen der normalen Häcksel- oder Strohrationen entsprechen.
Wird seitens der Landwirtschaft Stroh in genügender Menge zur Verfügung gestellt, sollen die Strohkraftfutterfabriken entsprechend vermehrt werden, und steht zu erwarten, daß damit auch für Friedenszeiten eine dauernde gute Verwertung des Strohs gesichert wird. Ein Fünftel einer normalen Strohernte, das durch vorsichtiges Wirtschaften sich, ohne anderer Stelle Schaden zu stiften, hierfür würde erübrigen lassen, ergäbe nach der Verarbeitung eine Futtermenge, die dem Import der letzten Friedensjahre an Kohlehydraten entsprechen würde.__
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 22. Februar 1916.
—* Herrn Apotheker Zeiffe in Sterbfritz, z. Zt. Oberapotheker in einem Feldlazarett wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
—* Erhöhung der Druckpapierpreise. Der Verband deutscher DruckpapierfabriUn G. m. b. H. in Berlin hat, wie berichtet wird, in seiner letzten Sitzung am 8. d. Mls. beschlossen, den Preis für Druckpapier um 8 Mt. für 100 Kg. für das zweite Quartal (April, Mai, Juni) heraufzusetzen. Die erhebliche Preiserhöhung ist nach Ansicht maßgebender Mitglieder des Verbandes dadurch notwendig geworden, daß sämtliche Rohmaterialien, die Arbeitslöhne und — durch die Be> triebseinschränkungen — auch die Gestehungskosten sich verteuert haben.
—* Die Höchstpreise für Brotgetreide sind — wie aus der Bekanntmachung im Kreisblatt vom 26. Januar Nr. 8 ersichtlich ist, geändert worden. Von verschiedenen Seiten hat diese Aenderung eine zum Teil scharfe Kritik erfahren, ja sie wurde sogar als eine „Prämie für Drückeberger" bezeichnet. Demgegenüber dürfte es angezeigt erscheinen, einmal sachlich diese veränderte Höchstpreisfestsetzung zu betrachten. Die Bundesratsverordnung über die Höchstpreise für Brotgetreide vom 23, Juli 1915 sieht in § 5 vom 1 Januar
1916 ab halbmonatliche Zuschläge zu den Höchstpreisen von je 1,50 M. pro to. vor. Diese Zuschläge sollen eine Entschädigung für Lagerung und entgehende Zinsen sowie für Schwund, Kosten der Bearbeitung und dergleichen mehr darstellen. Sie entsprechen auch bei dem Getreide- händler etwa den bezeichneten Unkosten usw., schließen dagegen beim Landwirt, der Lagerräume und Arbeitskräfte ohnehin zur Verfügung hat, noch einen gewissen Gewinn ein. Dabei waren die Landwirte nach den Erfahrungen des Vorjahres zu der Annahme berechtigt, daß die Ablieferung des Getreides an die Kommunalverbände bezw. an die Reichsgetreidestelle sich bis gegen Ende des Wirtschaftsjahres hinziehen würde. Inzwischen hat aber die Reichsgetreidestelle festgesetzt, daß bis zum 10. Februar mindestens 85 Prozent der gesamten abzuliefernden Brotgetreidemenge an die Reichsgetreidestelle abgeführt werden, während die Lieferung des Restes für den Monat März vorgeschrieben werden wird. Infolgedessen müssen die Landwirte, die sonst einen Teil ihres Brotgetreides erst im Frühjahr oder noch später zu verkaufen pflegen, sofort ihr Getreide abliefern und können also von den Preiszuschlägen späterer Monate, auf die sie mit Grund rechnen konnten, jetzt keinen Nutzen mehr ziehen. Es kommt hinzu, daß sie durch den Ablieferungszwang auch genötigt sind, Getreide auszudreschen und abzuliefern, das sie andernfalls wegen Feuchtigkeit noch einige Zeit gelagert und bearbeitet hätten und dann keine Abzüge wegen Feuchtigkeit vom Höchstpreis erhielten. Es erschien daher billig und gerecht, die ganzen Zuschläge zu den Höchstpreisen auf die Zeit der Ablieferungsfrist zusammenzu- drängen und sie schon in den nächsten Wochen zu gewähren. Danach ist eine Zusammendrängung der Zuschläge zum Höchstpreise, der sogenannten „Reports", auf die Zeit bis zum 1. April erfolgt. Die Zuschläge H zu vielem Zerrpunkts erreichen dabei une Grsamt- höhe von 18 Mk. Die nach der Höchstpreisverordnung in ihrer früheren Fassung vorgesehenen halbmonatlichen Zuschläge bis zum Ablauf des Erntejahres würden allerdings insgesamt 22,50 Mk. betragen haben. Diese Höhe braucht jedoch nicht erreicht zu werden, da bei früherer Gewährung der Reports, wie sie jetzt eintritt, ein Zinsgewinn des Empfängers in Rechnung zu stellen ist. Wenn die Zuschläge nach der Neuregelung mit dem 31. März ihr Ende erreichen, so daß dann die gewöhnlichen Höchstpreise ohne jeden Report wieder in Kraft treten, so erscheint auch dies für die Landwirtschaft unbedenklich, weil über diesen Zeitpunkt hinaus, entsprechend den Lieferungsausschreiben der Reichsge- trerdestelle, sich kaum noch Getreide in den Händen der Landwirte befinden wird. Wenn im übrigen der erste Zuschlag besonders hoch bemessen worden ist, so sollte dadurch der Anreiz zu einer möglichst schnellen Lieferung gegeben werden, während gleichmäßig in größeren Sätzen steigende Zuschläge umgekehrt den Anreiz zu einer Ver- zögerung der Ablieferung geboten hätten, um den späteren höheren Zuschlag zu erzielen. Durch diese Aenderung der Höchstpreise für Brotgetreide steht zu erhoffen, daß nicht nur die Reichsgetreidestelle, fondern nicht minder auch die selbstwirtschaftenden Kommunalverbände rechtzeitig in den Besitz der Brotgetreidemengen gelangen werden, die sie sich zur Erfüllung der ihnen gestellten großen und schwierigen Aufgabe der Versorgung der Bevölkerung mit Brot und Mehl bis zur nächsten Ernte unbedingt sichern müssen.
—* Kriegstagung des Raiffeisen-Unterverbandes des Kreises Schlüchtern. Wie sehr der diesjährige Unterver- bandstag dem Bedürfnis und den Wünschen der Raiffeisen- leute entsprach, wurde bald deutlich, als am Montag, den 14. d. Mts, der Saal im „Stern" zu Schlüchtern, der Ort der Tagung, seit mehr als 20 Jahren, sich sehr bald füllte. Nach Eröffnung der Tagung konnte zur allgemeinen Freude festgestellt werden, daß alle 19 Raiff- eisenvereine Vertreter entsandt hatten, von den 5 Con- sumvereien war nur einer unvertreten. ^rofc des sehr ungünstigen Wetters hatten auch die am entferntesten Wohnenden sich nicht abhalten lassen zu kommen. Um 2 Uhr eröffnete der Unterverbandsdirektor Pfarrer Frischkorn aus Wallroth die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch. Als Gäste konnte er folgende begrüßen: Herrn Hauptmann Berta als Vertreter der Kreisverwaltung, unseren Landtagsabgeordneten Herrn Kriegsgerichtsrat Hengsberger, der eigens zur Teilnahme am Unterverbandstag von Berlin hierhergekommen war, Herrn Superintendent Orth als Vertreter der Kirche. Von der Verbandsleitung war