zumal ja auch die zahllosen Schlächter, die direkt beim Landwirt kaufen, in Betracht gezogen werden müssen, wohl nicht überall möglich gewesen sein, daß schon bis zum 15. Februar alle Ausweiskarten zugestellt werden, konnten. Die Oberpräsidenten sind daher ermächtigt worden, gewisse erleichternde Uebergangsbe- stimmungen zu treffen. Es sollen sogenannte Jnte- rimsausweiskarten eingeführt werden, damit der Viehhandel nicht stockt. Nachdem die Ausweiskarten den Verbandsmitgliedern zugestellt sind, besteht für sie die Pflicht, über alle Ankäufe von Vieh im Lande den zuständigen Verbänden eine Anzeige zu erstatten und zwar anf gründ eines besonder svorgeschriebenen Musters. Diese etwas bürokratische Kontrolle war aber notwendig, um ein Bild, eine Grundlage für alle weiteren Maßnahmen zu bekommen. Eine weitere Verpflichtung besteht darin, daß jeder Viehhändler über seine Ankäufe Buch zu führen hat, eine Maßnahme, die bei den Händlern, die sich nicht gern in die Karten schauen lassen, nicht ganz widerspruchslos ausgenommen worden ist. Aber gerade das war notwendig, um Klarheit über die Preisgestaltung zu bekommen. Die Organisation des Verbandes besteht darin, daßder Verband vertreten wird durch seinen Vorstand. Dieser Vorstand ist zusammengesetzt aus einem Vorsitzenden und einem Stellvertreter, die beide in der Regel Staatsbeamte und infolgedessen zur Wahrnung absoluter Neutralität verpflichtet sein müssen. Die eine Hälfte der Mitglieder des Vorstandes wird aus dem Vichhandelsstand genommen. Die andere Hälfte entstammt der Landwirtschaft und, wird vorgeschlagen von der Landwirtschaftskammer. Die wichtigsten Beschlüsse sind abhängig gemacht von der Genehmigung des Oberpräsidenten. Dem Vorstand zur Seite fleht ein Beirat, der aus 12 Mitgliedern sich zusammensetzt, nur in der Rheinprovinz ist er größer. S chs Mitglieder werden hierfür in der Mitgliederversammlung gewählt, die übrigen sechs Mitglieder bestehen aus drei Vertretern Der Landwirte, drei Vertretern des Handels und drei Vertretern der größeren Städte, um in dieser Weise den Konsumenten eine gewisse Vertretung zu sichern. Weiter ist vorgesehen eine alljährliche Mitgliederversammlung, in der ein Jahresbericht, ein Geschäftsbericht und eine Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben vorzulegen ist. Um die durch den größeren Apparat, der durch die Ausstellung der Ausweiskarten, durch die Kontrolle über sdie Buchführung und über die Anzeigen notwendig wird, entstehenden Kosten zu decken, ist ein einmaliger Betrag für die Ausweiskarte von jedem eingeinen Müglied zu bezahlen. Diese Kartengebühr richtet sich nach der Gewerbesteuerklasse. In der höchsten Gewerbesteuerklasse sind 150 Mark dafür zu zahlen. Dann fällt sie rasch staffelsörmig und der Gewerbe- steuerfreie hat nur noch Mk. 10.— zu zahlen. Diese Gebühr ist auch sür Nebenkarten für gewisse Aufkäufer vorgeschen. Da ist weiter daran gedacht, daß von jedem gerauften Vieh höchstens 7» Prozent Kaufpreis an den Verband abzuführen ist. Um der Besorgnis vorzubeugen, daß dadurch eine Verteuerung des Fleisches eintreten würde, soll darauf gehalten werden, daß diese Höchstgrenze von ’A Prozent in der Regel niemals erreicht wird, sondern daß die abzuführende Gebühr viel niedriger gehalten wird. Aber der geloissenhaften Kontrolle wegen soll andererseits auch darauf gehalten Werden, daß eine solche Beitragszahlung erfolgt.
Die erste Aufgabe bei der Tätigkeit des Verbandes ist die Reinigung des Handels von Elementen, die nicht hineingehören. Aber es soll nun nicht etwa jede Pro« vinz einen Staat im Staate bilden, sondern es sollen auch Händler aus anderen Provinzen zugelassen werden, sofern sie nur zum alten legitimierten Handel gehören. Die zweite Aufgabe des Verbandes ist die Schaffung von Unterlagen über die Preisgestaltung, über die Absatzverhältnisse, um so die Möglichkeit zu schaffen, zu angemessenen Preisen den vorläufigen Bedarf im Lande^zu decken. Zu diesen ersten Aufgaben werden allmählich noch eine ganze Reihe wichtiger hinzukommen. So lange wie irgendmöglich, wird es natürlich der Wunsch der Staatsregierung sei, daß die Be- tätigung des Viehhandels auf eigene Rechnung und
Gefahr erfolgt und daß eine Störung in den Absatzverhältnissen nicht eintritt. Aber wenn die Ereignisse stärker werden sollen, wenn namentlich bei der Früh- jahrsversorgung Schwierigkeiten sich herausstellen sollten, so läßt es sich' wohl denken, daß dabei unter Umständen die Händler nur noch als Kommissionäre zu einem bestimmten vorgeschriebenen Preise beschäftigt werden. Und dann läßt es sich auch denken, daß die Absatzgebiete genau vorgeschrieben werden. Das größte Augenmerk muß der Preisgestaltung gewidmet werden und man wird dazu kommen müssen, daß nicht nur die Schweinepreise, sondern auch die Rindviehpreise reguliert werden. Bei dem Rindvieh würde es sich nicht dann um starre Höchstpreise für das ganze Land, sondern um bewegliche örtliche Preisregulierungen handeln, die in der Hand von Sachverständigen liegen, denen auch die Ueberwachung zur Einhaltung der Preise übertragen ist. Daraus ergibt sich auch, daß die einzelnen Verbünde ihre Aufgaben nicht losgelöst von den einheitlichen Direktiven der Zentralbehörde lösen können. Und um eine Zentralstelle zu schaffen, soll möglichst bald ein Zentralverband der Viehhändlerverbände für Preußen geschaffen werden, der vor. allen Dingen ausgleichend bei der Preisregulierung wirken soll. Dieser Zentral« verband ist nach denselben Grundsätzen wie die Einzelverbände organisiert. Jeder Verband ist darin durch seinen Vorsitzenden vertreten. Der Zenttaloerdand hat einen aus 12 Mitgliedern bestehenden Beirat, 4 Ber- tretern der Landwirtschaft, vier des Handels und vier der größeren Städte. Es handelt sich bei der ganzen Syndizierung des Viehhandels zunächst um eine Organisation, die nur für Preußen da ist, aber die Rückwirkungen auf die anderen Bundesstaaten werden nicht ausbleiben und soll bei anderen Bundesstaaten der Anschluß an den Zentralverband ermöglicht werden. Bei Bundesstaaten, die das nicht wollen, soll wenigstens ein Kartellverhältnis hergestellt werden. Es ist zu hoffen, daß dieses erste große Werk segensreich wirken wird, dieses große Werk, das zweifellos noch manche einschneidende Folgewirkung haben wird und haben muß. Nachdem jetzt der Handel syndiziert worden ist, wird den Großstädten, die, ihre vaterländische Pflicht nicht immer erkannt zu haben scheinen, garnichis anders übrig bleiben, als auch den Verbrauch besser als bisher zu regulieren. Nachdem das Zubringen von Fleisch geregelt ist, muß durch die Städte mit Hilfe des Zusammenschlusses der Schlächter auch die Verteilung in geordnete Wege geleitet werden. Die Hoffnung ist ge geben daß manche verteuernde Zwischenglieder ausgeschaltet und die Verbindung des Konsumenten, Produzenten und umgekehrt eine den modernen Verhältnissen angepaßte befriedigendere wird.
Aie Arotversorgung.
.Jm^Verlauf der Abgeordnetenhaussitzung am 16.
MichaMs, Set
Präsident der Reichsgetreidestelle, folgende bemerkenswerte Ausführung über unsere Brolgetreideversorgung: Es sind verschiedene Mitteilungen über das Ergebnis der Nachprüfungen in der Oeffentlichkeit gemacht worden. Im Juli nahmen wir eine Schätzung der Ernte vor. Sie ergab 10 7a Millionen Tonnen. Das war außerordentlich wenig in Hinsicht darauf, daß wir bei einer guten Ernte sonst 14 bis 15 Millionen Tonnen haben. Man hatte damals die Hoffnung, daß das Endergebnis größer sein würde. Am 16. Novemher wurde eine Bestandsaufnahme vorgenommen und alle waren der Meinung, es würde mehr herauskommen. Das war aber nicht der Fall, sondern in einer geradezu unbehaglichen Weise war das Ergebnis weit zurück hinter der Schätzung und hinter dem Bedarf, sodaß sich die maßgebenden Stellen veranlaßt sahen, einschränkende Maßnahmen anzuordnen, um unsere Vorräte dem Bedarf anzupassen. Als wir diese Beschlüsse faßten, wurde eine Stichprobe gemacht und diese ergab, daß die Bestandsaufnahme vielfach geringer angegeben worden war. Wir haben nun eine Nachprüfung gemacht und wir haben die erfreuliche Feststellung machen können, daß der Fehlbetrag, der vorhanden war, gut und sicher gedeckt ist. (Leb-
am
hafte Zustimmung.) Sie dürfen nun aber nicht glauben, daß das ein Plus ist über unseren Bedarf. Wir haben dieses Plus nötig gehabt, um das Fehlen an dem Bedarf zu decken. Wir kennen den Bedarf ziemlich genau und diesem Bedarf gegenüber können wir uns nicht mehr täuschen und wir brauchen jetzt alles bis zu einem recht erheblichen Ertrag, um den Fehlbedarf zu decken. In unserem Bedarf steht auch eine Reserve, sie beträgt aber bloß 200 000 Tonnen.
Diese 200 000 Tonnen haben wir nötig, da wir nicht wissen, wie es werden wird. Wir haben einen großen Teil von Flächen, bei denen die Ernte erst später fertig ist und auch vieles Getreide ist bis zum 15. August noch keineswegs mahlfähig. Wenn wir bloß mit 200 000 Tonnen Reserve in die neue Ernte übergehen, dann wäre es sehr knapp und darum kann ich heute mit großer Befriedigung konstatieren, daß schon heute feststeht, daß sehr wohl der Fehlbetrag gedeckt ist und daß weiter die Hoffnung besteht, daß auch die zu geringe Reserve von 200 000 Tonnen um etwas erhöht wird. (Lebhafte Zustimmung).
Es ist in der Presse in den Berichten über die Verbesserung unserer Bestandsaufnahme vielfach eine Kritik geübt worden, die irreführend und für die Stimmung für unserer Bevölkerung geradezu schädlich ist. Es wird gesagt, es wäre Getreide verschwiegen worden und die Zahlen wurden nun in einer geradezu kindlichen Weife geschätzt. Ein Irrtum bis zu 5 oder 7 Prozent ist sehr leicht möglich. Und daraus, daß sich jemand so geirrt hat, kann man niemanden einen Vorwurf machen, Wenn alle die Nachrichten richtig wären, so müßten wir in Getreide schwimmen.
Wir haben nun durch die Berichtigung noch lange nicht den Anlaß, das wir über die Sorgen hinaus wären. Wir sind über eine direkte Nahrungssorge hinaus, aber das Getreide ist schlecht in der Qualität und wir brauchen das schlechte Getreide in diesem Jahre. Das Getreide muß voll erfaßt werden, und wir müssen weiter dafür sorgen, daß das Getreide gesund erhalten bleibt. Und dann werden wir es erreichen, daß unsere Bevölkerung bis zuletzt zu angemessenen Preisen mit ausreichendem Brot versorgt werden kann. (Lebhafte Zustimmung).
Dann rechtfertigt der Präsident der Kriegsgetreidegesellschaft, was er bereits im Reichstage getan hat, die Mühlenpolitik der Kriegsgetreidegesellschaft und erklärt, daß es unrichtig sei, wenn von irgend einer Bevorzugung gesprochen werde. Wir werden im dritten Jahre versuchen, eine gewisse Syndizierung der Mühlen her« beizuführen, um so eine richtige Verteilung beim Mahlen zu erreichen. Wir wollen alle Mühlen beteiligen, aber nur einen Teil davon beschäftigen. Auf die Weise hoffen wir aus den jetzigen Schwierigkeiten herauszu» kommen. Dabei werden wir auch die Kommunalver« bände mit heranziehen müssen. Wir hoffen auch, daß die näMe Ernte besser sein wird, als die diesjährige;
'wenn" wir auch wir haben,' Ne"so schlecht ist, wie in diesem Jahre, bann wird schon jetzt gesagt werden können, daß die Müller über die Not hinwegkommen können, in der sie sich befinden, und dann wird auch keine Sorge bestehen, daß wir der Bevölkerung genügend Brot geben können. (Lebhafte Zustimmung.)
“ WWcher Anzeiger für HHMchtern.
Evangelische Gemeinde.
Sonnabend, den 19. Febr., Nachmittags 1 Uhr:
1 Uhr Beichte: Herr Superint. Orth. Sonntag, den 20. Februar 1916.
Vorm. 10 Uhr: Herr Missionar Wöll aus Kamerun. (Hl. Abendmahl.)
Um ^2 Uhr: Missionar Wöll. Wochendienst : Herr Pfarrer Rollmann.
Nachmittags 4 Uhr: Versammlung des Evangel.
Kirchl. Blaukreuz-Verein Gäste sind willkommen.
Katholische Gemeinde.
Sonntag, den 20. Februar 1916.
Vorm. 10 Uhr: Amt mit Predigt. Herr Kaplan Ramb. Nachmittags 2 Uhr Andacht.
Erklärung.
Es ist im Kreise erzählt worden, daß ich Hafer und Gerste zu Saatzwecken zu 50 Mark bezw. 48 Mark den Doppelzentner verkauft habe. Ich erkläre mich bereit, einem Jeden, der mir den Nachweis für die Richtigkeit solcher Behauptungen erbringt
Eintausend iark
zu zahlen. Wer Behauptungen obiger Art aber weitererzählt, ohne die Richtigkeit nachweisen zu können, ist ein Lügner.
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Die gp Färberei*«
ist wieder in Betrieb. Ich bitte um baldige Einlieferung von zu färbenden Sachen.
Friedrich Schäfer.
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Kgl. Obers ölst Salm finster.
Donnerstag, den 24. Ieöruar d. Is.
vormittags 9 Uhr
werden im Gasthaus „Zum Engel" in Salmünster versteigert:'
1. Die Reste des vorjährigen Einschlags aller Schutzbezirke mit 74 Eichen-Abschnitten mit 33,08 Fm. Inhalt und 3,60 Hundert Eichen-Reiserwellen.
2. Aus dem diesjährigen Einschlag der Schutzbezirke Alsberg und Ahl, Distrikt 111, 113, 147 und 149.
Eichen: 47 Rm. Scheit, 17 Rm. Knüppel.
Buchen: 710 „ „ 120 „ „ 76jRni. Neiserknüppel.
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