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SchlüchternerZeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage-. Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6». Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 12.

Mittwoch, den 9. Februar 1916.

67. Jahrgang.

Dom Kriegsschauplatz.

Keftige Artillerie Kämpfe zwischen La Aassö und Arras.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 7. Februar 1916.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heftige Artilleriekämpfe zwischen dem Kanal von La Bassse und Arras, sowie südlich der Somme. Die Stadt Lens wurde in den letzten Tagen vom Feinde wieder lebhaft beschossen.

In den Argonnen sprengten und besetzten die Französin auf der Höhe 285 (La Fille Worte) nordöstlich von La Chalade einen Trichter, wurden aber durch einen Gegenstoß sofort daraus vertrieben.

Oestlicher Kriegsschauplatz:

Eine in der Nacht zum 6. Februar von uns ge­nommene russische Feldwachestellung auf dem östlichen Scharauser an der Bahn Baranowitschi-Ljachowitschi wurde erfolglos angegriffen. Der Gegner mußte sich unter erheblichen Verlusten zurückziehen.

Südwestlich von Widsy fiel ein russisches Flugzeug, dessen Führer sich verflogen hatte, unversehrt in unsere Hand.

Balkan-Kriegsschauplatz:

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

*

Englische Angriffsversuche aögewiesen.

Amtlicher Tagesbericht.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 6. Februar. (Amtl).

Westlicher Kriegsschauplatz.

Kleinere englische Abteilungen, jüdtpchlich m Messines und südlich des Kanals von La Basse vor- zustoßen vorsuchten, wurden abgewiesen.

Französische Sprengungen bei Berry-au-Bac, auf der Combreshöhe und im Pnesterwalde verliefen ohne besonderes Ergebnis.

Bei Bapaume wurde ein englischer Doppeldecker zur Landung gezwungen. Die Insassen sind gefangen.

Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz.

Keine Ereignisse von Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

*

Oesterreichs) ungarischer Tagesbericht

WTB. Wien, 6. Februar. (Nichtamtl.)

Amtlich wird verlautbart:

Der gestrige Tag verlief auf allen Kriegsschau­plätzen ohne besondere Begebenheiten.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs:

von Höser, Feldmarschalleutnant.

Irauenkiebe.

Roman von Clara Aulepp-Stübs.

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Seit einer Woche weilte Ria Förster als Gast m Lottis trautem Heim und heute hielt sie der Freundm endlich das ersehnte Telegramm entgegen, welches ihr die Heimkehr ihres Verlobten meldete. Wie sie aber fast mit Bestimmtheit vorausgesehen, kam Heinz Holm nicht direkt nach Hans, sondern ging nach Kairo, um sich in dem milden Klima Aegyptens erst gänzlich von den Folgen seiner Verwundung zu erholen, ehe er nach Kiel zurückkehrte.

Und von dieser Verwundung war die simge Braut nun auch unterrichtet. So totenblaß mich ihr Antlitz geworden ivar, so hatte sie doch tapfer den Trauen ge­wehrt. Er war ja fast hergestellt, bald auf der Heim­reise. . .

Dennoch zitterte sie. Und wenn es braußen so bös aussah wie heute, so grau in grau, als ob die ganze Welt nur voll Seufzer und Stöhnen sei, dann kroch die Angst ihr übers Herz. Und dennoch kam gerade heute die freudige Nachrickt, daß Heinz au Bord gegangen. Nun konnte sie genau die Tage zählen bis zu seinem Eintreffen in Kairo.

Geheimrat Förster hatte seiner jmmsten Tochter brieflich das Versprechen zur feierlichen Emholnngdes nicht offiziellen" Bräutigams gegeben. Wer war glück­licher als Ria? , ..

Sie wußte ja, Heinz hatte bereits vor seiner Abreise noch eine inhaltsschwere Unterredung mit dein gehabt; aber daß letzterer sich nun entschloß, seine dies­jährige Sommerreise aufzugeben und dafür feinem Toch- terchen den Bräutigam zuzuführen, das war doch groß-

Als einzige Schwester drei bedeutend älterer Brü­der, war Ria überhaupt etwas verwöhnt.

, Aber eine feinsinnige Mutter leitete daö empfang'

Ein englischer Kreuzer von einem Zeppelin versenkt.

WTB. Köln, 6. Febr. (Nichtamtl.)

DieKöln. Zig." meldet von der holländischen Grenze vom 6. Februar: Bei dem letzten Luftangriff auf England ist der englische kleine KreuzerCarolina" auf dem Humber durch eine Bombe getroffen worden und mit großen Menschenverlusten gesunken.

*

DieKöln. Ztg." bemerkt dazu: Der kleine KreuzerCarolina" war erst am 21. September 1914 vom Stapel gelaufen. Er hatte einen Wasserverdrang von 3800 Tonnen und eine Geschwindigkeit von 30 Seemeilen. Bestückt war er mit drei Geschützen von 15,2 Zentimeter und sechs von 10,2 Zentimeter. Er hatte zwei Torpedodoppelrohre. Seine Besatzung be­trüg 400 Mann.

Vor dem neuen englisch französischen Angriff?

Berlin, 6. Febr. (Zens. Bln).

Ueber sich ankündigende Angriffsbewegungen des Feindes im Westen meldet der Kriegsberichterstatter der Soff. Ztg." in einem aus Douai vom 5. Februar datierten Berichte u. a.:

Auf Augriffsabsichten des Gegners scheint in jüngster Zeit, seit dem Aufhörer der Regenzeit, eine erhöhte feindliche Angriffstätigkelt auf der ganzen Front, im Artois und französisch Flandern, hinzudeuten. Mehr und mehr ist man darauf aufmerksam geworden. Zu den Anzeichen, die dafür sprechen, gehört auch die dauernde Beschießung von Lens und anderen Orten hinter unserer Front, nicht minder die gesteigerte Tätigkeit

Flieger, yiUmJ^e Um^. , dir. sich wüt« »LrdUL bei den Engländern bemerkbar macht, so die Sprengungen, die sie bei Hulluch Vornahmen, und seit kurzem auf­fallend regere Betätigung ihrer Patrouillen. Erst diese Nacht wurde wieder eine starke englische Patrouille bei La Bassee aufgerieben.

Ob wir in all dem bereits Vorboten eines neuen, großen französisch-englischen Angriffes zu erblicken haben, sei dahingestellt, möglich jedenfalls, daß man damit zu rechnen hat. Nun, wir sind gerüstet, den Feind zu empfangen, wenn das blutige Spiel noch einmal be­ginnen soll. Nach diesesmal wird es seiner Uebermacht nicht gelingen, durchzubrechen. Dafür bürgen unsere neu befestigten Verteidigungsstellungen, unsere starke Artillerie, die Verbesserung der Unterkünfte und des ganzen technischen Betriebes und nicht zuletzt die trotz aller Strapazen und Leiden bewundernswerte zuver­sichtliche (Stimmung unserer Truppen. Gegen Ueber- raschungen sind wir geschützt und vollauf gewappnet,

liche, junge Gemüt und ganz unbemerkbar versuchte sie es auch gegen die Rauheiten und Härten des Lebens etwas mehr zu wappnen, als dies sonst in diesen Krei­sen üblich ist.

Ria sagte zu Lotti einmal ziemlich unvermittelt: Weißt Du, Lotti, Dein Gio könnte auch einmal ein paar Atemzüge voll Italien gebrauchen, er hustet viel!"

Die junge Frau sah die Freundin bekümmert au: Ach, Ria, Du hast recht! Er muß hier fort; er hustet schon den ganzen Winter. Hier draußen ist es kalt und feucht, nicht gut für ihn. Ich habe mich schon so viel ge­sorgt, aber ivas kann ich tun?"

Könntet Ihr denn währenddes Winters nicht in der Stadt wohnen? Was braucht Dein Mann stets hier­auf dem Bureau zu sitzeu, tun ja andere Leute auch nicht. Er müßte sich doch viel mehr schonen!" ,

Das geht nur nicht sowie Du denkst!" lächelte Lotti etwas herb.Mein Schwiegervater hat ltils dieses Haus als Wohnung angewiesen unb wünscht durchaus eine vollständige Betätiguug seines Sohnes im Geschäft!"

So und deshalb steckt er Euch aude Waterkante" was? Netter Schwiegervater das! Kannst mir glau­ben, der alte Herr hat mir schon auf Eurer Hochzeit durchaus nicht gefallen, unb was ich so nach und nach hier höre" erboste sich Ria ein wenig,da verlangt mich wirklich nicht danach, ihm eine Visite abzustatten!"

Aber Ria!"

Nun ja, wenn es doch wahr ist! Ich will Dir et­was sagen, mein Herzenskind, Dein Schiviegervater ist einfach ein Tyrann, und wenn das nicht wahr ist, dann packe Deine Koffer und Deinen Gio zusammen und komm mit nach Kairo; verstehst Du, mein Lieb?"

Ach, Ria! Was Du denkst! Eine solche Riesenfirma hier und gerade jetzt, wo der Schwiegervater krank ist

Ach was, Dein Mann ist auch traut, fiel die ener­gische Freundin ein,und sieh Dich um, wo die Chefs derartiger Firmen herumbnmmeln? Sind sie nicht in

jedem Ansturm Stand zu halten. Das mag man sich in der Heimat gesagt sein lassen.

* *

^rinzKskar v.Ireußen teicht verwundet.

WTB Berlin, 7. Febr. (Amtlich.)

Oberst Prinz Oskar von Preußen, Königliche Hoheit, ist an der Ostfront durch Granatsplitter am Kopf und einem Oberschenkel leicht verwundet worden.

* *

Künftige Wendung der deutsch-ameri­kanischen Merhandtungen.

Rotterdam, 7. Febr. (Zens. Wn.)

Die letzten Drahtungen aus Amerika scheinen. auf eine Entspannung in demLusitania"'Streitfall hinzu­deuten. Von englisch-amerikanischer Seite wurde die Lage als einer ernsten Entscheidung nahe hinzestellt. Associated Preß" berichtet aber heute, daß die Verhand­lungen eine günstige Wendung zu nehmen scheinen. (L. A)

Der Höhepunkt des*Krieges

Wie die Neutralen die Erfolge unserer neuen S«fl' offensive bewerten, dafür ist ein Leitartikel M der dänischen ZeitungPolitiken" bezeichnend Es heißt da u. a.:Es ist erstaunlich, wir 6n deutsche Luft­waffe sich verbessert hat. Im ersten Stadium war man froh, die englische Ostküfte zu erreichen. London schien nicht gefährdet. Dann kamen die zahlreichen Zeppelinzüge über London. Jetzt befinden wir uns in einem dritten Stadium des Luftkrieges, wo ganze Ge­schwader von Luftfahrzeugen England bis zur Westküste über fliegen und alle größeren Städte bewerfen. Es muß 7fhm ausgesprochen werden, daß es jetzt um die Tye^-reen von engumos unu?arischer Unver­letzbarkeit doch schlecht bestellt ist. Sie haben den Todesstoß erlitten. Ein höchst unglücklicher An­fang des vierten Kriegshalbjahres! Der Krieg hat seinen Höhepunkt offenbar noch nicht erreicht." Politiken hat recht! Das vierte Kriegshalbjahr hat höchst unglücklich für unsere Gegner eingesetzt, und wenn der Krieg seinen Höhepunkt heute noch nicht erreicht hat, so sind doch wir Deutschen es, die oben sind, und unsere Gegner, die unten liegen. Und wir werden dafür zu sorgen wissen, daß dieser Zustand sich noch weiter zu unseren Gunsten verbessert, zu Lande und zu Wasser, in der Luft und unter der Erde!

Lokales und Provinfielles.

Schlüchter«, den 4. Februar 1916.

* Der Nachfolger des Herrn Landrats Valen­tine!, Herr Regierungsrat von Trott zu Solz traf am 5. d. Mts. ein und übernahm die Dienstgeschäfte.

Paris oder Monte Carlo oder Nizza, dann sind sie aber zum mindesten in Wien oder Berlin oder sonst irgend einem anderen fashionablen Ort der Welt, wo es waS zu amüsieren gibt, glaube es mir nur, Lotti! Du scheinst mir in dieser Beziehung wirklich noch das reine Neuge­borene zu sein!" t

Ja, aber Du? Woher willst Du denn das wissen?"

Na, man hat doch Brüder! Da erfährt man manch- mal so etwas von der internationalen Weitenbumme­lei 's ist Mode jetzt l"

So?" Lotti staunte. Da fiel ihr ein, daß Gio sich schon früher bitter darüber beklagt hatte, wie sein Va­ter ihn zurückhielt, ihm auch nicht die geringste Freiheit gegönnt habe, und sie sagte:Davon gehört habe ich durch meinen Mann, aber Du übertreibst denn doch ein bißchen! Ich wäre ja glücklich, wenn nur Gio reifen könnte! Wenn eS nötig ist, kann ich ihn schon zuwei­len vertreten, Herr Vogt hat mich über vieles orien* interessiert sich doch dafür. ES macht mit

tiert; man interessiert sich doch dafür. ES macht nur solche Freude, Gio ein wenig unterstützen zu können, unb das mußt Du doch sagen, es ist ein groß angeleg­tes, schönes Werk hier!" , .

das ist es ja I" gab Ria Förster bereitivrllrg zu.

Nun sieh, und vieles davon die Arbeit eines gan- zen Lebens das des KommerzienratS! Man muß ge­recht sein, Ria; ich billige seine Härten nicht, aber ich Der» leugne auch daS Gute naht, was er geschaffen!"

Nun, das tue ich auch nicht! Aber für wen hat er eS denn qeschaffen, doch für seinen Sohn? Und den hält er wie einen Beamten! Nein, Lotti, Du bist viel zu gut, Du willst den Eigensinn des alten Herrn durch­aus ,licht erkennen!"

Da stieg ein herbes Wehgefühl in der Frau auf; ein Wort des Widerspruchs schwebte ihr auf der Zunge, denn wie viel hatte sie gerade unter dem Eigensinn desselben zu leiden gehabt! Aber sie schaute vor sich auf den Boden und schwieg. ^ 219,18 V