Einzelbild herunterladen
 

Telefon Nr. 63. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt- Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mit,.,Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

32 10. Mittwoch, den 2. Februar 1916. 67. Jahrgang.

Amtliches.

Ausführungsanweisung für die Erhebung derBorräte an Erzeugnissen der Kartoffeltrocknerei und Kartoffelstärkesabrikatiou am 15. Februar 1916.

Auf Anordnung des Reichskanzlers findet am 15. Februar 1916 im Deutschen Reiche auf Grund der Be­kanntmachung über Vorratserhebungen vom 2. Februar 1915 (R.G.B. S. 54) eine Aufnahme von Erzeugnissen der Kartoffeltrocknerei und Kartoffelstärkefabrikation statt, für deren Ausführung im Gebiete des Königreichs Preußen folgende Bestimmungen gelten:

1. Die Aufnahme erstreckt sich auf

a) Kartoffelschnitzel,

b) Kartoffelflocken, Kartoffelgriesflocken,

c) Kartoffelwalzmehl,

d) Kartoffelstärkemehl,

e) trockene Kartoffelstärke,

f) feuchte Kartoffelstärke,

g) Stärkesirup, Bier-, Essig- und Rumcouleur,

h) Stärkezucker (Traubenzucker), i) Dextrin,

k) sonstige Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei und Kartoffelstärkefabrikation.

Ausländische Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei und Kartoffelstärkefabrikation jeder Art sind ebenfalls anzuzeigen.

2. . Wer Vorräte der vorbezeichneten Waren am 15. Februar 1916 im Gewahrsam hat, ist verpflichtet, diese Vorräte und ihre Eigentümer anzuzeigen.

Vorräte, die sich am 15. Februar 1916 auf dem Transporte befinden, sind unverzüglich nach dem Empfang vom Empfänger anzuzeigen.

Bou der Anzeigepflicht sind diejenigen-befreit, devLN. Vorräte an den vorbezeichneten Waren insgesamt (b. h. alle Waren zusammengenommen) 25 Doppelzentner nicht übersteigen.

3. Wer der ihm hiernach obliegenden Anzeigepflicht nicht nachkommt, verfällt den Strafbestimmungen des § 5 der Bekanntmachung über Vorratserhebungen vom

2. Februar 1915, der lautet:

Wer vorsätzlich die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder wissentlich unrichtige und unvollständige Angaben macht, wird mit Ge­fängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geld­strafe bis zu 10 000 Mark bestraft; auch können Vorräte, die verschwiegen worden sind, im Urteil für dem Staat verfallen erklärt werden.

Wer fahrlässig die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt, oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögens­falle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft.

4. Die Anzeige erfolgt nach einem Vordruck, der, soweit er den Beteiligten nicht bereits von der Trocken- kartoffelverwertungsgesellschaft m. b. H. durch Ver­mittlung gewerblicher Berufsvereinigungen zugegaugen ist, in Stadtkreisen bei dem Magistrat oder ber von ihm bestimmten Stelle, in Landkreisen bei dem Landrate (Oberamtmann) erhältlich ist.

Bis zum 18. Februar 1916 sind die ansgefüllten Vordrucke von den Anzeigepflichtigen, auch von denen, die den Vordruck durch die gewerblichen Berufs- vereinigungen erhalten haben, in Stadtkreisen dem Magistrate, in Landkreisen dem Landrate (Oberamtmann) zu übermitteln.

5. Die Landräte (Oberamtmänner) und die Magistrate der Stadtkreise sorgen für öffentliche Bekanntmachung der Erhebung und geben die bei ihnen angeforderten Vordrucke an die Anzeigepflichtigen ab. Die Landräte (Oberamimänner) versenden außerdem je ein Stück dieser Anweisung an jeden Gemeinde- und Gutsvorsteher ihres Kreises mit der Weisung, in geeigneter Weise für öffentliche Bekanntmachung der ErhebungSorge zu tragen.

Die eingehenden Vordrucke prüfen die Magistrate der Stadtkreise und die Landräte (Oberamtmänner) darauf, daß kein anzeigepflichtiger Betrieb fehlt, und senden sie danach unverzüglich unbearbeitet an das Kaiserliche Statistische Amt in Berlin W. 10, Lützowufer 6/8. Besteht die Vermutung, daß ein anzeigepflichtiger Betrüb keine Anzeige erstattet hat, so ist er unverzüglich zur Aeßerung aufzufordern.

6. Werden bei den zu 4. genannten Behörden mehr

Vordrucke als übersandt gebraucht, so ist die benötigte Zahl unmittelbar von der Tlvckenkartoffelverweriungs- gesellschaft m. b. H. in Berlin W. 9, Köthenerstr. 37, nachzufordern.

Berlin, am 19. Januar 1916.

Der Minister des Innern. I. A.: Dr. Freund.

J.-Nr. 1016. Die vorstehende Ausführungsanweisung wird hiermit veröffentlicht. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, Beteiligte auf diese Aussührungsanweisung aufmerksam zu machen. Anzeige­pflichtige, denen ein Anzeigevordruck durch die gewerb­lichen Berufsvereinigungen nicht zugeht, erhalten diesen Vordruck auf Anfordecn von hieraus.

Bis zum 18. n. Mts. sind die ausgesüllten Vordrucke hierher einzureichen.

Schlüchtern, den 31. Januar 1916.

Der Königl. Landrat. I. V.: Schultheis, Kreissekretär.

vom Kriegsschauplatz.

Mmer Zeppetinangriff auf Uaris.

Amtlicher Tagesbericht.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 31. Januar. (Anal).

Westlicher Kriegsschauplatz.

Unsere neuen Gräben in der Gegend von Neuville wurden gegen französische Wiedereroberungsversuche be­hauptet.

Die Zahl der nordwestlich des Gehöfts La Folie gemachten Gefangenen erhöht sich auf dreihundertacht- zehn Mann, die Beute auf elf Maschinengewehre.

Gegen die am 28. Januar südlich der Somme von schlesischen Truppen genommene Stellung richteten die Franzosen mehrfache Feuerüberfälle.

Allgemein litt die Gefechtstätigkeit unter dem nebe- uyCii Welier.

In Erwiderung des Bombenabwurfs französischer Luftfahrzeuge auf die offene außerhalb des Operations­gebietes liegende Stadt Freiburg haben unsere Luft­schiffe in den beiden letzten Nächten die Festung Paris mit anscheinend befriedigendem Erfolge angegriffen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Russische Angriffsversuche gegen den Kirchhof von Wisman (an der Aa westlich von Riga) scheiterten in unserem Infanterie- und Artilleriefeuer.

Die Lage auf dem

Balkan-Kriegsschauplatz, ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

* *

Luftangriff aus Paris.

Vergebliche Abwehrmatzregeln.

WTB. Paris, 30. Jan. (Nichtamtl.)

Meldung der Agence Hava. Während dichten Nebels erschien Samstag abend gegen 11 Uhr ein Zeppelin und warf über Paris, mehrere Bomben ab, denen ziemlich viele Personen zum Opfer fielen. An einem Punkte wurden 15 Personen getötet, an einem anderen ein Mann und 3 Frauen. Ein Haus wurde zerstört. Auch sonst ist vielfach Materialschaden an- gerichtet. Die Jagd der Flugzeuge auf den Zeppelin blieb vergeblich. Bis 1 Uhr lag Paris völlig dunkel.

Englische Schiffe im Skagerag.

DTP. Kopenhagen, 31. Jan. (Zens. Bln).

Kristiania Morgenblabet" meldet, daß in den letzten Tagen an der norwegischen Südküste und im Skagerag eine große Anzahl englischer Kriegsschiffe beobachtet worden sei. Englische Kreuzer hätten nor­wegische und schwedische Schiffe angehUten und durchsucht.

Zehn Flottenstützpunkte auf griechischen Inseln.

Budapest, 30. Jan. (Zeus. Bln.)

Az Est" meldet aus Genf: Die Vertreter des Bierverbandes in Athen haben der griechischen Re­gierung mitgeteilt, daß der Vierverband im ägäischen Meer und im mittelländischen Meer für Torpedofahr- zeuge 10 Flottenstützpunkte auf den griechischen Inseln errichten werde, um die heimlichen Lager und Unter« schlupfe der feindlichen D-Boote aufzuftöbern. __

Lokales und provinzielles.

Schlüchtern, den 1. Februar 1916.

* Verliehen wurde der Frau Oberpräsident Lydia

Hengstenberg uud der Frau Generalleutnant Elfe Müller in Cassel, der Freifrau Luduvika v. Stumm auf dem Schloß Ramholz die Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse.

* Abschied zu nehmen von ihrem während fast zehnjähriger Zusammenarbeit liebgewonnenen und all­seitig verehrten Landrat Valentiner hieß es gestern für die Insassen des hiesigen Kreises. Die Kriegszeit ver­bot jede größere Veranstaltung aus diesem Anlaß, aber die Vertreter der Bevölkerung im Kreisausschuß und Kreistag, der Geistlichen und Lehrer der Kreisstadt Schlüchtern, auch der Vertreter des Kreises im Preußischen Abgeordneten Haus war herbeigeeilt und die Beamten des Kreises ließen es sich nicht nehmen, wenigstens im engeren Rahmen bei einfachem Mahle dem Scheidenden zu bekunden, wie ungern sie ihn verlieren, doppelt ungern in der jetzi"n schweren Zeit. Ein kurzer Spruch des Scheide den auf Sr. Majestät den Kaiser, dessen Geburtstag eben zum 2. mal in Kriegszeit begangen wurde, war kauuz verhallt, da erhob sich Herr Kreisdeputierter Hauptmann Berta um Dolmetscher zu sein der Gefühle der Liebe, der Verehrung und der Dankbarkeit, von welchen die Kreis­insassen ausnahmslos für Herrn Landrat Valentiner beseelt sind, dessen Name durch seine Werke für immer mit der Geschichte des Kreises Schlüchtern verbunden bleiben und fortleben werde in dankbarer Erinne­rung noch bei den Kindern und Kindeskindern der jetzigen Generation. Des Redners Wunsch:Möge Herr Landrat Valentiner mit seiner Familie einer glücklichen Zent entgegengeben" fand freudigen Wider­hall in dreifachem kräftigen Hoch aus den Scheidenden. Herr Kreisdeputierter Forstmeister Hebel hob die Verdienste der Frau Landrat um den Kreis hervor und betonte, mit Recht, daß auch sie der Kreis ungern MALN sieht. - OLL tälvittiilti^^ der

Kreisstadt Schlüchter'! , Herr GütermuHTbegkuWünschte den Kreis der künftigen Wirksamkeit des Herrn Landrat Valentiner, und rief dem Scheidenden, in welchem der Kreis Schlüchtern nicht nur einen tüchtigen Ver­waltungsbeamten, sondern auch einen echten, wahren Menschenfreund verliert, ein herzliches Lebewohl zu. Herr Superintendent Orth feierte in feinen Abschieds- worten den Idealisten, nicht den Idealisten der im Wolkenkukuksheim lebt, sondern den Idealisten der an den Sieg des Wahren, Schönen, Guten glaubt und dessen Glaube dazu führt, daß er seine Seele in seine Arbeit legt, der den Beruf und die Kraft in sich fühlt, daß sein Wirken dem Ideal nahe kommt. Herr Kantor Freund dankte Herrn Landrat Valentiner namens der Lehrer für alle die wertvolle Förderung die er den Lehrern und der Schule des Kreises habe zu Teil werden lassen. Wenn der Herr Landrat auch körperlich aus dem Kreise scheide, die guten Einrichtungen die er im Kreise geschaffen, würden sortlcben. Mit der größten Liebe, Hochachtung und Dankbarkeit werde die Lehrer­schaft des Kreises stets des Herrn Landrat Valentiner gedenken. Herr Kreis Sparkaffendirektor, Rentmeister Psalzgraf sprach als ältester der Kreisbeamten für diese:Daß der Herr Lanorat Valentiner ein Jahr­zehnt unser Chef gewesen, das verdanken die Beamten einem gütigen Geschick, Ihnen, Herr Landrat aber ver- danken wir noch mehr. Sie, Herr Landrat, haben uns den kategorischen Imperativ des großen Königs- bergers hierher gebracht:Das Gute, das du sehen willst, das lebe selbst vor." Sie waren uns ein gutes Vorbild. Ihre Werke werden Ihnen nachfolgen. Die neuen Bauten die sie geschaffen werden für sie Zeuge sein und die Saat die Sie gesät, wird gute Früchte tragen. Wenn sie in Ihrem neuen Wirkungskreis an unser Gebirgsland zurückdenken, so werden sie nicht Gold und Silber finden, aber einen guten Menschen­schlag. Und wenn Sie hierher zurückdenken, dann soll es Ihnen eine beruhigende Gewißheit sein, daß dank­bare und liebende Herzen hier für Sie schlagen und für Sie beten auch für Ihre Gemahlin." In längerer Rede, fichtllch bewegt, gedachte sodann Herr Landrat Valentiner der Zeilen, die er sich mit dem Kreise verbunden fühlte noch ehe er ihm als Landrat näher trat, gedachte er seiner Wirksamkeit in demselben, der ihm zur' zweiten Heimat geworden, dankte allen, die ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden bei der Verwaltung des Kreises, namentlich auch der Lehrer­schaft, deren Beruf er als einen der wichtigsten ansehe. Allerherzlichste und beste Wünsche für den Kreis lasse er zurück, eine glückliche Zukunft wünsche er dem Kreis, Gott segne seine Aecker, Wiesen und Wälder, Gott