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lchterner Mung

mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «s.wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr.«s.

erdete. Mittwoch und Samstag. - pr-ir milLr-isblatt" vi-rt-Ijährlich 1 M. - An,-ig-n kft-n di- N-in- A-il- «d-r d-r-n »Mm'lL'vfa.

Samstag, den 29, Januar 1916

67. Jahrgang

Dom Kriegsschauplatz. Siegreicher Sturm Sei Wimp-Aeuvisse.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 27. Januar 1916. Westlicher Kriegsschauplatz.

In Verbindung mit einer Beschießung unserer Stel­lungen im Dünengelände durch die feindliche Land- artillerie belegten feindliche Monitore die Gegend von Westende mit ergebnislosem Feuer.

Beiderseits der Straße Vimy Neuville stürmten unsere Truppen nach vorangegangener Sprengung die französische Stellung in einer Ausdehnung von 500 bis 600 Meter, machten einen Offizier, zweiundfünfzig Mann zu Gefangenen und erbeuteten ein Maschinen­gewehr und drei Minenwerfer. Nach fruchtlosen Gegen­angriffen des Feindes entspannen sich hier und an anderen in den letzten Tagen eroberten Gräben lebhafte Handgranatenkämpfe.

Die Stadt Lens lag unter starkem feindlichen Feuer.

In den Argonnen zeitweise heftigeArtilleriekämp e.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Abgesehen von erfolgreichen Unternehmungen kleinerer deutscher und österreichisch-ungarischer Abteilungen bei der Heeresgruppe des Generals von Linsingen ist nichts von Bedeutung zu berichten.

Balkan-Kriegsschauplatz:

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung. *

*

*

Wolkige Wiche in Montenegro.

Oesterreichisch ungarischer Tagesbericht.

WTB. Wien, 27. Januar. (Nichtamtl.)

Amtlich wird verlautbart:

Keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz:

Gestern ließ die Kampftätigkeit allgemein nach. Ber Oslavija brächte unser Geschützfeuer noch 50 Ueber- läufer ein. ,

Südöstlicher Knegsschauplatz.

In allen Teilen Montenegros herrscht, ebenso wie im Raume von Skutari völlige Atuhe. Der größte Teil der montenegrinischen Truppen ist entwaffnet. Die Bevölkerung verhält sich durchaus entgegenkommend.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Höser, Feldmarschalleutnant.

* * *

Dienstpflicht in England.

Das englische Unterhaus hat die Mtütardtenstblll

-^

Krauenlieöe.

Roman von Clara Aulepp-Stübs.

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Er braucht sich doch gar mcht dabei aufzuregen. Wenn ich nun Lust hätte, Musik zu treiben, wie wäre es denn? Und Mutti ich bm zu allem entschlossen, denn Gio - o, Mutti, Du weißt, Du mußt esJa ge« merkt haben - er sucht sich zu betäuben, wenn die Un­ruhe über ihn kommt, und das das darf nicht sem das dulde ich nicht, und deshalb muß ich auf Abhilfe sinnen. Die aber ist nur möglich, wenn ihm Gelegen­heit geboten wird, das zn haben, was er so heiß er­sehnt,' und das ist in diesem Falle: seine Musik.

Lotti hatte sich von ihrem Platze erhoben, ging aus- aereat im Zimmer auf und ab. .

,Ach, Kinder, unsere tiefste Sehnsucht gilt immer dem Unerreichbaren, und am liebsten möchte man ge­wöhnlich das tun, was man nicht kann," mahnte Frau Doktor mit milder Stimme.

, Aber Gio könnte es haben, Mutti. Es wäre eine Kleinigkeit; warum wird es ihm verweigert, warum?"

Ich weiß nicht, Liebling aber es müssen doch recht ernste Gründe vorliegen. Frau Bankier Czerny deu­tete mir seinerzeit einmal an, daß der Kommerzienrat ständig von der Furcht beseelt ist, sein Sohn könnte noch die Künstlerlaufbahn betreten."

c^eht noch? Eine fixe Idee von ihm. Laßt Gio Mu­sik trüben so viel er will, dann glätten sich allmählich die Fluten seiner großen Leidenschaft, währeiü» jetzt m der Entbehrung die Wogen ihm über dem Kopf zu- fammenschlaaen. Nein, ich sehe ba§ 118^ noch heute soll ihm werden, was er braucht. Ja, Mutti, noch heute. Ich tue es auf meine eigene Verantwortung, und so mag mein Schwiegervater es erst erfahren, wenn

^Wenn das nur gut geht. Liebling, keine bösen Fol­gen hat," Frau Doktor Falk sah bekMWtt auf.

mit 338 gegen 36 Stimmen in dritter Lesung ange­nommen. Daß die Bill auch im Oberhaus angenommen wird, ist selbstverständlich. Gesetzlich hat also England jetzt einen Anspruch auf ein Riesenheer. Wie es aber diesen Anspruch in die Tat umsetzen wird, darauf kann man gespannt sein. Heere werden nicht durch Gesetze geschaffen, nicht aus der Erde gestampft, sondern in jahr­zehntelanger Arbeit geschaffen. Das galt schon früher und gilt für heute im verstärkten Maße.

He *

Ein Miueufeld losgeviffeu

Wie aus zahlreichen an der norwegischen Südwest- und Westküste angetriebenen Minen hervorgeht, riß der Sturm ein ganzes englisches Minenfeld los.

Alesfto von den Oesterreichs» besetzt.

Bern, 27. Januar. (Zens. Bln)

DieJdea Nationale" meldet: Die Oesterreicher haben gestern früh mit starken Abteilungen Alessio besetzt. Sie solle bereits bis zum Jsmifluffe vorge­stoßen sein. (B. Z.)

* *

Griechenland abgeschnitten

DDP. Konstantinopel, 27. Jan. (Zens. Bln.)

Seit drei Tagen sind alle Verbindungen mit Griechen­land unterbrochen. Weder Telegramme noch Briefe treffen mehr ein. Ein Diplomat bestätigt, daß man die Lage Griechenlands sehr ernst auffaßt. Eine an­gesehene Persönlichkeit, die in Sofia eintraf, versicherte, daß man sich auch dort nicht der geringsten Täuschung über die Bewegungsfreiheit mehr hingebe.

DDP. Stockholm, 27. Jan. (Zens. Bln.)

Im Unterhause äußerte Lord Cecil, die Regierung verfüge nicht über neuere Meldungen, da die telegraphische Verbindung mit Griechenland unterbrochen sei.

San Giovanni di Medna besetzt.

.......»^B ^ e^.^, JrEr,

Nachrichten aus Durazzo zufolge tauchten in Mittel­albanien die ersten serbischen, von Skutari geflüchteten Kolonnen auf.

San Giovanni di Medua ist von den Oejterreichern bereits besetzt worden.

Aus Tirana wird ein bei Elbassan erfolgter Zu­sammenstoß albanesischer Truppen unter Essad Pascha mit einer von Ochrida vorstoßenden bulgarischen Vor-

Hut gemeldet.

*

Japanische Schiffe im Mittelmeer

Lugano, 27. Januar. (Zens. Bln.)

Nach demSecolo" werden die Nachrichten vom baldigen Eintreffeu eines starken japanischen Geschwa­

Schlimmer, als wenn nichts geschehen würde und ich meinen Mann jetzt gewähren ließe, kann es sicher­lich nicht werden, Mutti."

Die Befürchtung seines Vaters konnte aber unmer- hin "noch eintreten." Die Worte tarnen sehr zaghaft von den Lippen der Mutter.

Lotti sah sie lange an, bann wandte sich ihr Blick dem Fenster zu. , r

Die weite Wasserfläche flimmerte und gleißte un hel­len Frühlingssonnengold und auch im Auge der Frau wurde es hell. In ihrer Seele stieg es auf,. stark und mächtig, ihre Brust hob sich im Kraftgefuhl ihrer Liebe und ruhig, fast feierlich sagte sie zur Mutter:Und wenn dein so wäre, dann würde ich die letzte sem, d,e $" Mer^die' Firma hier, der ganze, große Betrieb ? Be- denke nie würde der Kommerzienrat seine Emwüli- gung geben und ohne diese-Giovmmi ist abhängig von seinem Vater besäße er gar keine Mittel.

Fa ja ich weiß! Aber trotzdem, es kann so Nicht weiter gehen, Mutter! Gio ist krank, hustet sehr und auält sich mit der vielen Arbeit drüben. Man sieht ihm deii stivang an, den Widerwillen, unb dann, dann kommt immer das schreckliche -" Lotti brach kurz ab .

will jetzt gehen," sagte sie dann nach einer klei­nen WeileWieDu mirdrüben fehlst, Mutti!"

Kind, ich muß doch aber jetzt hier sem; es ist besser so. Der alte Klaus hat ganz recht, so viel Personal und niemand die Oberaufsicht, das ist nichts.

Lotti nickte bloß, dann noch em herzlicher Abschied ""^Als 'das ^Mowrboöt drüben landete und ihre Augen sinnend die Front des Direktorhauses streiften, sah sie einen dunklen Lockenkopf sich neigen, eine schmale, weiße Hand ihr grüßend winken.

Eine leise Röte der Freude stieg ,hr ins Gesicht. Wre lieb von Gio, sie zu erwarten. Sie grüßte lächelnd hin­auf. ,

ders am Suezkanal eifrig und beifällig erörtert. (L.-A.)

*

Basel, 27. Januar. (Zens. Bln.)

Aus Tokio wird berichtet, daß das nach Marseille entsandte japanische Geschwader zum Schutze einiger wichtiger Frachten dienen soll. (L.-A.)

Das sogenannte meerbeherrschende England braucht Schiffshilfe aus dem fernsten Ostasien. Der Nimbus Englands verblaßt immer mehr. Was mögen die Japaner denken, die schon in der Schlacht bei den Falklandsinseln verächtlich auf die englischen Bundes­genossen Herabzusehen lernten.

Ier Geburtstag des Kaisers.

Der Geburtstag unseres Kaisers hat wieder die ganze Liebe aufstrahlen lassen, die Wilhelm II. von seinem dankbaren Volke entgegengebracht wird. Fahnen wehten durchs weite deutsche Land bis hinauf inS kleinste Bergdörfchen, und die flatternden Zeichen vater­ländischen Sinnes tun es offen vor aller Welt kund, daß der letzte deutsche Bürger inmitten des grenzen­losen Kriegsleides die Freude darüber im Herzen be­wahrt hat, an der Spitze von Volk und Heer einen Kaiser zu wissen, der nur das eine hohe Ziel kennt, seinem Volke zu dienen. Alle Blätter, groß und klein, huldigten dem deutschen Kaiser in Dank und Wunsch, und weit über Deutschlands Gaue hinaus durchhallt die uns treu verbündeten Länder der Helle Jubelruf: Heil Kaiser Wilhem!

Diese Geburtstagsfreude im Vierländerbund ist mehr als Eintagslust, der die Kriegsnot nimmer Raum ge­währte, sie ist ein Bekenntnis Deutschlands und seiner Verbündeten zu dem einhelligen, von keinem Feinde zu erschütternden Willen, unter Hintansetzung aller Persön» lichen Wünsche durchzuhalten, zu siegen und einen nommen sein, die zu uns bringt] und immer nur das eine freng verrät, die Liebe zu unserem Kaiser.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 28. Januar 1916.

* Herr Landrat Valentiner, welcher den hiesigen Kreis seit etwa 10 Jahren verwaltet, verläßt Schlüchtern Ende dieses Monats, um als Landrat nach Burgdorf (Hannover) überzusiedeln. Unter den Kreisinsafsen dürfte wohl kaum Einer sein, der den Weggang des beliebten, für Jedermann zu jeder Zeit zugänglichen KreischesS nicht aufrichtig bedauert.

* Kaisers Geburtstag wurde im Semmare am

Es fiel ihr mit einmal auf, wie schmal sein Antlitz war, wie blaß er aussah.Armer Gio! Nun warte, ich bringe Dir eine Freude!" Sre eilte förmlich m» Haus.

Auf der Diele trat ihr Giovanni entgegen. Er nahm ihr den Mantel ab, fragte nach seinem Vater und war so zärtlich und liebevoll, daß Lotti sich eng in feine Arme schmiegte.

Sie setzten sich im Eßzimmer aufs Sofa. Das Mäd- chen servierte das Lunch: eine leichte, warme Speise und dann allerhand Kompots, Früchte, wie sie Gio­vanni so gern. Dabei plauderten sie harmlos, allerhand nichtige Kleinigkeiten, und empfanden ihr Ber- sammensein, genossen es, wie etwas ihnen neu Gescheut- teg

Gio hatte Maiblumen gekauft. Er legte ein Sträuß- chen neben ihren Teller, die anderen steckte er in Die Vasen und gab sie dem Mädchen.

Geben Sie den Blumen Wasser! Es kam ein armes Kind und da kaufte ich gleich alle," sagte er dann wie entschuldigend zu Lotti.

Sie lächelte ihn an, nahm ihr Sträußchen und sog den Duft ein. Da wurde sie plötzlich blaß; ein lerseS Frösteln ließ sie erschauern.

Ihr Mann legte den Arm um sie.Was ist, Lieb?"

Sie hob die schöllen, blauen Augen.Gio gestern Abend ich saß auch hier, hatte auch Blumen eine Rose für Dich sie wurde welk!"

^äb stiea es in dem Manne auf, ein heißes Reue- und Schamgefühl packte ihn. Er drückte das Gesicht der Frau an feine Stuft; es war ihm nicht möglich, letzt in diese kindlichen Allgen zu schauen. Er preßtedre Lip­pen auf den blonden Scheitel, flüsterte heiße Worte der Liebe und der Entschuldigung. .

Einige Minuten lang duldete sie seine Zärtfichkelr. doch Dann richtete sie sich auf. 219,18 4