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Dom Kriegsschauplatz.

Aer Krieg in der Luft.

" Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 24. Januar. 1916

Westlicher Kriegsschauplatz.

Rege Artillerie- und Fliegertätigkeit auf beiden

Seiten. , _

Ein feindliches Geschwader bewarf Metz mit Bom­ben, von denen je eine auf das biscböfliche Wohnge- bäude und in einen Lazaretthof fiel. Zwei Zivilpersonen wurden getötet, acht verwundet. Ein Flugzeug des Geschwaders wurde im Luftkampf abgeschossen, die In­sassen sind gefangen.

Unsere Flieger bewarfen Bahnhöfe und militärische Anlagen hinter der feindlichen Front; sie behielten dabei in einer Reihe von Luftkämpfen die Oberhand.

OestliLer Kriegsschauplatz.

Nördlich von Dünaburg wurde von unserer Ar­tillerie ein russischer Eisenbahnzug in Brand geschossen.

Balkan-Kriegsschauplatz:

Ein von griechischem Boden aufgestiegenes feind­liches Flugzeuggeschwader belegte Bitolj (Monastir) mit Bomben. Mehrere Einwohner wurden getötet oder verletzt.

Oberste Heeresleitung.

* * »

Deutsche Itugzeugöomöeu auf Dover.

WTB. Berlin, 24. Januar. (Amtlich )

In der Nacht vom 22. zum 23. Januar belegte eines unserer Wasserflugzeuge den Bahnhof, die Kasernen und die Dockanlagen von Dover mit Bomben.

Außerdem haben am 23. Januar nachmittags zwei unserer Wasserflugzeuge die Luftschiffballen in Hougham (westlich Dover) mit Bomben belegt; starke Brand- wirkung wurde einwandfrei festgestellt.

Der Chef des Admiralstabes der Marine. * * *

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Türkisch-persische Lage.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 23. Jan. (Nichtamtl.) Nach Meldungen von der persischen Grenze haben Ab­teilungen türkischer Truppen und eingeborener Krieger am 16. Januar die Stadt Kengwar zwischen Kerman- schah und Hamadau besetzt und sie aus den Händen der Russen befreit. Die türkischen Truppen und einge­borenen Krieger setzen ihren Vormarsch fort und haben die Städte Assadabad, Choj und Parkom wieder in Be­sitz genommen. Sie schlugen ein russisches Reiterregiment zurück, das von Maragha aus einen Angriff in der Richtung gegen Miaudoab unternahm; es verlor hier­bei etwa 100 Tote. Ein anderes russisches Regiment wurde südlich Urmia geschlagen.

Lokaler und LroMieUes.

Schlüchtern, den 25. Januar 1916.

* Vergangene Woche wurden in der Nacht von Freitag auf Sonnabend im hiesigen neuen Kranken­hause eine Anzahl Schwaclemagen gestohlen. Den Dieb konnte man bis jetzt noch nicht ermitteln. Es ist zu bedauern, daß man dem Roten Kreuz in der jetzigen schweren Zeit einen solchen Verlust zufügt. Vielleicht helfen diese Zeilen dazu bei den Dieb habhaft zu machen.

* Am Montag wurden die beiden Einbrecher Peter Weigand und Friedrich Wallher die die Fracht­güter auf Bahnhof Jossa erbrachen und zum Teil ent­wendeten, zu 4 Monaten Gefängnis wegen schweren Diebstahls vor der Strafkammer zu Hanau verurteilt. Zu dieser Ueberführung trug seiner Zeit der hiesige Polizeihund Eddy die Hauptsache dazu bei.

npt. Unsere Kriegsgewinne. Vo i besonderer landwirtschaftlicher Seite schreibt manuns: Aus der allge­

meinen Preissteigerung der land- und viehwirtschastlichen Erzeugnisse wird vielfach der Schluß gezogen, daß den Landwirten daraus erhöhte Gewinne zufließen. Dabei wird aber übersehen, daß den vermehrten Einnahmen noch weit stärker angewachsene Ausgaben gegenüber- stehen. Während der Erzeuger für die Tonne Roggen 215 bis 230 Mk. und für Weizen 255 bis 270 Mk. erhält, muß er Getreideschrot, das jetzt in beschränktem Umfange von der Reichsgetreidestelle zu beziehen ist, mit 300 Mk. zurückkaufen. Weit mehr noch fällt aber ins Gewicht, daß für Kraftsuttermittel das Drei- und Vier­fache des normalen Preises gezahlt werden muß. Da­zu kommt der Ausfall an Kleie und der Mangel an Hafer, der zum allergrößten Teil für die Heeresver waltung beschlagnahmt wurde und dazu noch in diesem Jahre eine besonder« schlechte Ernte gab, und die, ge­ringe Grünfutterernte infolge der großen Dürre dieses Frübjahres. Ferner fehlen der Landwirtschaft die eiweißreichen Rückstände der Oelgewinnung und der Brauerei ganz. Infolgedessen muß sie zu eiweißarmen Futtermitteln, wie Trockenschnitzeln, Kartoffeltrocken fitster, Zuckerfuttermitteln usw., greifen, die aber auch erheblich teuerer geworden sind. Dieser Mangel an Eiweiß beim Futter hat zur Folge, daß der Milcher­trag aus dem Kichstall um 40% und mehr zurück­gegangen ist. Mit der Verteuerung der Milcherzeugung haben" aber die Milchpreise für den Landwirt nicht gleichen Schritt gehalten. Kostete früher die Milch 16 Pfg. ab Stall, so wäre heute ein Preis von min­destens 24 bis 26 Pfg. berechtigt, der aber selten er­reicht wird.

Dasselbe gilt für die Viehzucht und vor allem die Schweinezucht. Bei den eiweißarmen Futtermitteln dauert die Mast natürlich länger als früher, was sie wiederum verteuert. Die Kartoffel endlich hat für den Landwirt infolge des Mangels an anderen Futter­mitteln einen außerordentlich großen Futterwert ge­wonnen, der sich in vielen Fällen mit dem Höchstpreis für Speisekartoffeln deckt oder ihn wenigstens beinahe erreicht. Die Meinung, daß der Landwirt jetzt für die Kartoffeln besonders hohe Preise erhalte, ist daher unter diesen Umständen durchaus irrtümlich. Die Preise sind an sich gewiß nicht niedrig, für den Erlös aus seiner Kartoffelernte muß der Landwirt aber wieder andere, weit teuere Futtermittel kaufen. Das erste Kriegsjahr hat allerdings der Landwirtschaft durch die Anschaffungen der Heeresverwaltung und die rasche Abgabe von Vieh und Hackfrüchten einen gewissen Kapitalzufluß ge­bracht. Er ist aber durchaus nicht gleichbedeutend mit reinen Kriegsgewinnen. Zu berücksichtigen ist auch, daß der Ertrag des Jahres 1914 beim Getreide nur eine schwache Mittelernte war, und daß die Kartoffelernte erheblich hinter der des Vorjahres zurückblieb.

Berühmte Redner haben allerhand Mittel, durch welche sie ihre Stimme beziehungsweise die ge­samten Atmungsorgane zielbewußt kräftigen und vor Schädigungen schützen. Eines der bekanntesten dieser Mittel sind Kaiser's Brust-Caramellen, welche ja seit Jahrzehnten gegen Husten, Heiserkeit und sonstige Er­krankungen der Atmungsorgane sich bestens bewährt haben. Schon nach Genuß auch nur einiger dieser Caramellen läßt sich die gute Wirkung feststellen. Kaiser's Brust Caramellen die übrigens durch die 3 Tannen-Schutzmarke vor wertlosen Nachahmungen ge­schützt sind, sind in den meisten Apotheken und Dro­gerien wie auch in vielen besseren Kolonialwarenge- schäften zu haben.

* Am 27. Januar, dem Geburtstage S. M. des Kaisers, wird der Post-Schalter-Telegraphen- und Fernsprechdienst wie an Sonntagen abgehalten. Auch findet an diesem Tage nur eine einmalige Orts- und Landbestellung (vormittags) statt.

* Heeresangehörige im Felde erhalten häufig Zu­sendungen aus der Heimat mit beigefugten Zahlkarten, die größtenteils schon durch Druck oder handschriftlich mit Aufschrift versehen sind. Diese Zahlkarten werden von den Feldpostanstalten bei.dem Versuche der Einzah­lung zurückgewiesen, weil der Zahlkartendienst im Feld- postvertehr wegen mancherlei Bedenken nicht hat zuge­lassen werden können. Zahlkarten den Sendungen an Heeresangehörige im Felde beizufügen, ist daher zwecklos.

* Hk, Forderungen in Serbien. Nach einer Mitteilung des Herrn^ Generalquartiermeisters wird das Oberkommando der Heeresgruppe v. Mackensen deutsche Gläubiger serbischer Firmen und deutsche Forderungen in Serbien ebenso schützen wie österreichisch- ungarische und bulgarische. Deutschen Gläubigern wird daher empfohlen, Gesuche um Sicherungsmaß­nahmen, Anträge auf Zureisegenehmigung usw. auch dann an das Oberkommando der Heeresgruppe o. Mackensen zu richten, wenn die betreffenden Tcile Serbiens von bulgarischen oder österreichisch-ungarischen Truppen besetzt sind.

* Gelnhausen. Schwer heimgesucht haben Ein­brecher die ehemalige Pfarrkirche in dem Spessartorte Oberbessenbach, welche nur noch als Kunstdenkmal er­halten wird. Gestohlen wurden: Zwei Oelgemälde aus den Ausbauten der Sßitenaltäre, das eine die hl. Ottilie, das andere den hl. Valentinus darstellend, zwei Oelgemälde in dunklem Rahmen, vermutlich die bl. Luzia und die hl. Agatha darstellend, zwei Engels­figuren in sitzender Stellung (Altarfiguren), eine Statue des hl. Wendelin u. a. mehr. Von den Dieben fehlt jede Spur.

* Birstciu. Ueberschreitung der Höchstpreise. Wegen Ueberschreitung der Höchstpreise wurde eine Butter­händlerin mit 105 Mark bestraft. Auch sieben Land­wirte in Untersotzbach, welche die Butter zu höheren Preisen als vorgeschrieben verkauft hatten, erhielten empfindliche Strafen.

* Mücke. (Oberhesseu). Hohes Lebensalter. Sein 97. Lebensjahr vollendete der Wirt Konr. Bräuning I dahier in noch körperlicher und geistiger Friiche. Er hatte 14 Kinder, von denen 7 noch am Leben sind, und 16 Enkel.

* Gersfeld. Am vergangenen Donnerstag verstarb auf dem Kreuzberg (Rhön) der in allen Rhöntouristen- Kreisen bestbekannte Gasthosbesitzer Herr Georg Braun, gebürtig aus Gersfeld, im 56. Lebensjahre.

* Aschaffenburg. Unausrottbarer Leichtsinn. Ein Unglück, das durch die begleitende Umstände noch krasser wird, ereignete sich im Vorort Damm. Der Wagen­wärtergehilfe Anton Kaupp kam auf Urlaub nach Hause. Beim Mittagessen legte Kaupp seinen ihm unbequemen Revolver auf den Tisch. Diesen ergriff sein 11jähriger Sohn, wobei sich die Waffe entlud und die Kugel den Vater mitten ins Herz traf, daß der Tod WjtF' blicklich eintrat.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Evangelische Gemeinde.

Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers. Donnerstag, den 27. Januar 1916. Vormittags 10 Uhr Gottesdienst.

Katholische Gemeinde. Donnerstag, den 27. Januar 1916. Vormittags 10 Uhr Gottesdienst. Amt mit Predigt und Te Deum.

Herr Kaplan Ramb.

Israelitische Gemeinde: Donnerstag, den 27. Januar 1916. Nachmittags 4 Uhr Gottesdienst.

Irauenliebe.

Roman von Clara Aulepp-Stübs. 44

Hast Dir noch viel?" Sie deutete auf die Briefe.Ist es nicht besser. Herr Vogel kommt herüber?"

Nein, nein! Laß nur, ich muß das selbst erledigen."

Da ging Lotti wieder zurück und schrieb weiter. In ihr warmes, zuckendes Herz hatte sich gestern Abend etwas mie Trotz gestohlen. Ein Gefühl, dem verwandt, was sie einst im Kampf um die Existenz empfunben und doch nicht dasselbe.

Nein, nicht dasselbe, denn dort war es eifrigstes, heiligstes Pflichtgefühl, währeud"gesteru Abend ein trotzi­ges Auflehnen in ihr erwacht war. Ein Sichwehren und Stemmen gegen ein widriges Geschick, das sie zu Boden drücken wollte. Zu Boden? In den Schmutz?

Nein und tausendmal nein! In den Schmutz ließ sie sich nicht ziehen! Und Giovanni auch nicht! Nie, nie!

Sie würde ihn halten, mit diesen ihren Frauenhänden vom Abgrund zurückreißen, würde sümpfen für ihn sie wußte, was ihin fehlte, wonach seine tiefste Sehn­sucht ging. Es war bitter für sie, daß selbst ihre Liebe ihn seine Leidenschaft nicht vergessen machen konnte, aber es war nun einmal so und sie mußte ihm helfen, ehe es zu spät war.

Sie war fertig.Hier, Gio!"

Ihre Stimme hatte mit einem Mal etwas Hartes.

Ihr Mann sah sie verwundert an.Gib her!"

Er nahm ihr die Bogen aus der Hand.

Ich werde HerrnVogt kommen lassen, dann brauchst Du nicht mehr in diese rauhe Märzlust hinaus. Es ist besser, Du schonst Dich und gehst heute gar nicht aus I" sagte sie dann.

Aber ich muß doch noch einmal bei meinem Vater vorschauen!"

Jetzt ? Bei dein Wetter und Deiner Erkältung ? Kei­nesfalls 1 Ich habe Mutti einige Zeilen gesandt unb sie

wird ausführlich schreiben, wie es geht. Morgen früh können wir beide zusammen hinüberfahren."

Giovanni wollte auffahren, er wandte sich brüsk um, schaute Lotti an, da traf ihn ihr Auge und, seltsam, es mußte wohl in dem Blick des jungen Weibes etwas gelegen haben, was die Zornesflamme dämpfte, die in dem seinen loderte, er sagte nur:Na gilt, das können wir machen."

Da nickte sie ihm zu imb verließ das Zimmer.

Dicht vor der Tür blieb sie stehen und preßte die Hand auf das Herz. Begann er nun der Kampf?

Sie warf den Kopf hoch

Blick' nur dem Grauen fest entgegen,

Bleib' nur dem Gotte in Dir selber treu

So ähnlich stand es in Paul FriedrichsLied vom Lebeu". Ja, sie wollte dem Grauen fest entgegenblicken imb der Gott in ihr ihre große Liebe, die ihr ja der Allmächtige selbst ins Herz gepflanzt, die würde ihr auch die Kraft zum Kampf geben und sie zum Sieg führen. Auch zum Sieg über den Starrsinn des Kom- merzieurats; denn Giovanni sollte und durfte nicht län­ger die Musik entbehren. Sie war sein ureigenstes Le­bens element.

Die ihr schon früher so oft aufgefallene Unrast, das fieberhaft Hastige, Unstätige in ihres Mannes Wesen hatte beängstigend zugenommen. Früher hatte er sich bann gewöhnlich in einen tollen Wirbel von Zerstreu­ung gestürzt, um die Widerwärtigkeiten und Qualen seines ihm aufgezwungenen Berufes zu vergessen unb jetzt ivas tat er jetzt?

Lotti schauderte. Vor ihreil Augen stand die Szene in der Fischerhütte. Wie die Frau dort das trug? Das stille, fast trotzige Gesicht mit dem herben Zug um den Mund, die auSgemergelte Gestalt Life Larsens ging Lotti nicht aus dem Sinn. Wo nahm sie die Kraft her? Lange, lange Arbeitsstunden, dürftigste Kost und vier Kipper.

Als die junge Frau in das behagliche Wohnzim­mer eingetreten war, sah sie sich wie prüfend um. O, wie gut hatte sie es doch jetzt gegen jene! Ihr Herz quoll über in Mitleid.

Nein, sie wollte nicht klagen, wollte tapfer sein und mutig den Kampf wagen! Im Grunde genommen er­schien ihr es gar nicht so schwer, dem Schwiegervater entgegen zu treten, und wunderte sie sich eigentlich, daß ihr Mann ihm nachgegeben hatte. Was war denn nun dabei, wenn Giovanni ein paar Stunden täglich Musik trieb?

Sie hatte ja keine Ahnung, daß der Kommerziell- rat seinem Sohn nur unter der Bedingung, daß er sich ganz dem Geschäft widmete, den Direktorposten über- geben und ihm dadurch allein seine Heirat ermöglicht hatte. O, der Kommerzienrat wußte, was er tat!

Aber sollte er sich dieses Mal nicht doch verrechnet haben? Denn mit des Mannes Liebe hatte er wohl gerechnet, aber nicht mit der der Frau! Oder erschien ihm dieselbe zu schwach, hatte die Erfahrung ihn ge­lehrt, daß mit Frauenliebe leicht zu sümpfen sei?

10. Kapitel.

Ueber der Föhrde hatten sich die trüben Wolken verzo­gen ; die wilden Winde hatten ihr Pfeifen, Heulen unb Sausen eingestellt, und ein heller, blauer Himmel lachte auf die Erde nieder.

Doch in den Augen von Mutter und Tochter, die sich im Arbeitszimmer des Kommerzienrats Arnh im gegenüber saßen, erglänzte kein froher Wiederschein: sie blickten ernst, kummervoll.

Ja, liebes Kind, wie willst Du denn aber bloß die Verantwortung übernehmen? Der Arzt hat jede Alts - gung streng verboten und Du weißt doch, es ist .er wunde Punkt im Leben Deines Schwiegervaters! Während seiner Krankheit mit ihm darüber zu spre­chen, halte ich für ganz unmöglich," sagte Frau Dol.or Falk soeben, / 219.13'