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chlüchtemer Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «s.

| Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 7. Samstag, den 22. Januar 1916. 67. Jahrgang.

Dom Ariegsschauplatz.

Amtlicher Tagesbericht.

! WTB. Großes Hauptquartier, 19. Januar. 1916

Westlicher Kriegsschauplatz.

An der Aser-Front stieß eine kleine deutsche Ab- teilung in den feindlichen Graben vor und erbeutete D ein Maschinengewehr.

Lebhafte beiderseitige Sprengtätigkeit auf der Front | westlich von Lille bis südlich der Somme.

Nachts warfen feindliche Flieger Bomben auf Metz, f Bisher ist nur Sachschaden gemeldet. Ein feindliches KFlugzeug stürzte gegen Morgen südwestlich von Thiau- |court ab: von der Insassen ist einer tot.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

An der Front nichts Neues.

Deutsche Flugzeuggeschwader griffen feindliche Ma- 'gazin-Orte und den Flughafen von Tarnopol an.

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Balkan-Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

*

*

Amtlicher Tagesbericht.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 20. Januar (Amtl).

Westlicher Kriegsschauplatz.

Unsere Stellungen nördlich von Frelinghien wurden . gestern abend von den Engländern unter Benutzung von Rauchbomben in einer Breite von einigen Hundert z Metern angegriffen; der Feind wurde zurückgeschlagen, | er hatte starke Verluste.

Feindliche Artillerie beschoß planmäßig die Kirche -von Lens.

Ein englischer Kampfdoppeldecker mrt^wer Ma- schinengewehren wurde bei Tourcoin von einem deutschen Flugzeug aus einem feindlichen Geschwader herunter­geholt.

An der Dser zwang das Feuer unserer Ballonab­wehrgeschütze ein feindliches Flugzeug zur Landung in der feindlichen Linie. Das Flugzeug wurde sodann durch unser Artilleriefeuer zerstört.

Die militärischen Anlagen in Nancy wurden gestern nacht von uns mit Bomben belegt.

Oestlicher Kriegsschauplatz:

S ^*E"iekämpj^und Vorpostengeplänkel an mehreren

Balkan-Kriegsschauplatz: Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

Vier russische Angriffe abgeschlagen.

Oefterreichisch ungarischer Tagesbericht.

WTB. Wien, 19 Januar.

Amtlich wird verlautbart: 19. Januar 1916.

Russischer Kriegsschauplatz.

Der gestrige Tag verlief ruhig. Heute in den frühesten Morgenstunden entbrannte an der Grenze östlich von Czernowitz bei Teporontz und Bojan eine neue Schlacht. Der Feind setzte abermals' zahlreiche Kolonnen an und führte an einzelnen Stellen vier An­griffe nacheinander. Er wurde jedoch überall von den tapferen Verteidigern zurückgeworfen.

Sonst keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz:

Angriffe schwächerer Abteilungen bei Lusern und nördlich des Tolmeiner Brückenkopfes wurden abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Bei der Besetzung von Birpazar haben unsere Trnp- pen wie nachträglich gemeldet wird zwanzig Stahlkanonen erbeutet.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Höser, Feldmarschalleutnant.

-i- * *

Kohle und Kriegführung.

Eine italienische Drohung.

Bern, 18. Januar. (Zens. Bln)

Der Abgeordnete Bissolati teilte dem römischen Ver­treter der ZeitungMorning Post" mit, Italien werde den Krieg nicht fortführen können, da die Engländer nicht verstünden, daß die norditalienischen Fabriken schließen müßten und Tausende arbeitslos gemacht würden, wenn nicht England endlich Kohlen zu annehm­baren Preisen liefere.

?°'^~^ltf7?**|«^^ WjjEjSO" ' ist -;^^WAWI^'Mf- r|rcrjrc£IT7~^?7r"^

Ei« Staatsstreich iu Griechenland?

Berlin, 10. Januar. (Zens. Bln).

Wie der Amsterdamer Berichterstatter derB. Z." erfährt, ist in London eine Meldung aus Paris einge­troffen, wonach Venizelos mit der französischen Re­gierung zusammenarbeitet, um einen Staatsstreich in Griechenland herbeizuführen. Nach einer Privatmeldung aus der Umgebung des belgischen Königs hätten sich die inneren Verhältniße in Griechenland dermaßen zugespitzt, daß die Venizeloianer zu einem Staatsstreich, der Griechenlands Zukunft entscheiden solle, bereits die er­forderlichen Vorbereitungen getroffen hätten.

* *

Der Zar au der bestarabischeu Front.

Budapest, 18. Jaruar. (Zens. Bln.)

Nach einer Bukarester Drahtung desPester Lloyd"

wird aus Ungeni gemeldet, daß man dort die Ankunft des Zaren an der beffarabischen Front erwartet.

(Deutsch. Tgsztg.)

Aas wandernde Serbien.

Serbische Truppen zwangsweise nack AeaNvten.

Budapest, 18. Januar. (Zens. Bln.)

Wie hiesige Blätter berichten, ist ein großer Teil des serbischen Heeres, das sich auf griechisches Gebiet über Florina flüchtete, jetzt in Saloniki eingetroffen. Die Truppen wurden trotz des Einspruches des Königs Peter und trotz ihres eigenen Einspruches samt ihrer Ausrüstung nach Aegypten gesandt.

Lokales und Provinzieller.

Schlächtern, den 21. Januar 1916.

* Der Gefreite Fritz Eckhardt von hier, z. Zt. in einem Landwehr - Feldartillerie - Regiment in Rußland e. hielt für große Tapferkeit auf Vorposten- patrouille dasEiserne Kreuz 2. Masse".

* Die Durchschnittsbeträge der höchsten Tages­preise für den Ctr. Hafer, Heu und Stroh mit einem Aufschlag von fünf vom Hundert, welche für die Ver­gütung der im Monat Januar 1916 und für den Kreis Schlächtern maßgebend sind, betragen für Hafer 15,49, Heu 7,35, Stroh 3,67 Mk. pro Ctr.

* In der hiesigen Ortsgruppe der Deutschen Kolo- nialgesellschaft wird Herr Marinepfarrer Wangemann am 31. Januar über das Thema sprechen: Welchen Wert hatten die Deutschen Kolonien bisher? An­schließend werden Lichtbilder, eine Wanderung durch die Deutschen Kolonien darstellend, zur Vorführung LLldLLL^ -Die Mpn des, auf tKvniqlemGebiei be- wanderten Redners und seine bekannten Beziehungen zu hervorragenden Kolonialpolitikern sowie die ge­wählten Themata dürften einen anregenden und unter­haltenden Aden) versprechen, dessen Besuch nur warm empfohlen werden kann.

* Eine neu erschienene Bekanntmachung ordnet die Bestandserhebung von Drogen und Erzeugnissen aus Drogen an. Hiernach ist der am 20. Januar 1916 vorhandene Bestand einer großen Anzahl im einzelnen aufgeführter Drogen bis zum 30. Januar 1916 an die Medizinal- Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums in Berlin zu melden. Von allen von der Bekanntmachung betroffenen Drogen und Erzeugnissen aus Drogen sind bestimmte Mindeft- mengen meldefrei gelassen, sodaß die Bekanntmachung insbesondere für Privatpersonen oder kleinere Betriebe kaum in Betracht kommen dürfte. Jeder Meldepflichtige

Irauenkiebe.

Roman von Clara Anlepp-Stübs. 43

Und jetzt gestand sich Lotti mit Beschämung, daß sie viel zu wenig an ihres Schwiegervaters ernste Er­krankung gedacht; ja, daß sie sogar ihres Mannes Ab­wesenheit kaum mit dieser in Beziehung gebracht, sie hatte das wohl nur ganz instinktiv vvrhin dem Mädchen gegenüber getan.

D Sie beobachtete, wie das Boot anlegte. Zwei Herren Wiegen aus. Nach einem lebhaften Hin- und Herreden Mtieg der Kleinere von beiden wieder ein und während sich das Boot mit ihm pfeilschnell entfernte, wandte Mch der Größere dem Direktorhans zu. Es war Gio­vanni!

| Vergessen war die Qual der einsamen Stunden, ein Etrom heißer Zärtlichkeit, hingebendster Liebe quoll in ^ver grau auf und ließ sie nach der Haustür eilen.

Gio wird sicher den Schlüssel nicht mit haben," er« wog sie schnell, nahm fürsorglich einen an sich und öffnete selbst.

Aus dein Dunkel des Souterrains tauchte Marthas rotes Gesicht auf. Schwerfällig und müde wollte sie die L Treppe heraufkommen.

Lassen Sie nur, Martha, gehen Sie nur schlafenI" tief sie ihr zu.

M In ihrer Stimme lag so viel innere Freude, daß die Köchin den Kopf schüttelte.Na hab' Dich doch nicht V so! Die Ahnung in min Semänb bedreiget mi nich '»östnoch mäunichmal warte müsse."

Martha Steffens schritt bedächtig den Gang im Son- kerrain entlang unb öffnete mit einem befriedigten Auf- flMzen die Tür zu ihrer Stube. Nun konnte sie sich doch mit Ruhe zu Bett legen.He war doch tau Hus," und was nun wurde, das sollte sie heute weiter nicht kümmern.

M^Wte ungeduldig Lotti war, ehe sie die Haustür auf-

bekam. Sie besam erst den Schlüssel gar nicht herum. Natürlich, das machte doch nur die Unruhe in ihr, denn das Schloß war kinderleicht zu öffnen. Endlich! Sie drückte die Tür auf, trat mit raschem Schritt auf die Schwelle.

Ach!" Im nächsten Augenblick hatte sie die Arme um des Mannes Hals geschlungen und schluchzte ein paar mal laut auf.

Sie wußte selbst nicht, wie es kam, aber es war ihr als sei er soeben einer großen Gefahr entronnen, als sei er ihr neu wieder geschenkt. Fassungslos hing sie an seinem Halse, küßte ihn hier auf der Bordschwelle, iu ihrer Erregung gar nicht merkend, daß er ihre Zärtlich­keit nicht erwiderte.

Die Hand durch seinen Arm schiebend, zog sie ihn dann über die Schwelle. Sie ließ ihn gar nicht los/drehte mit einer Hand den Schlüssel im Schloß herum und zog ihn ab.

So, nun fomm, erzähle! Ich habe mich halbtot geängstigt." Geschäftig öffnete sie ihm die Knöpfe seines Üeberziehers.So mach doch, Gio! Hilf doch!"

Da machte der Mann eine torkelnde Bewegnng, öff­nete die Lippen:Bin ich müde! müdeI"

Ein Hauch starken Weinduftes schlug der Frau ins Gesicht.

Ach, Gio!" Ein unterdrückter Schrei tiefsten Er­schreckens, dann faßte sie energisch den Arm ihres Mannes. Komm!" Es klang fast rauh.

All die weiche Zärtlichkeit, die demütige Liebe des jungen Weibes trat zurück, vorder sie höhnisch angrin­senden Wirklichkeit. Ein einziger Moment der Schwäche noch, in welchem sie versucht war, laut aufzuschreien vor Widerwillen undQual; dann war sie ganz ruhig und fest.

Sie sorgte dafür, daß der Mann zur Ruhe kam, er­widerte auch den Händedruck, mit welchem er ihr dankte, als er in den Kissen lag.Du bist gut sehr gut!"

Nur als er sie zu sich hinab ziehen wollte, um sie

zu küssen, da rang sie ihre Hand aus der seinen und wandte sich ab.

Daß sich ihr Mann den anderen Tag md)t wohl fühlte, wunderte Lotti weiter nicht. Er blieb bis Mit­tag im Bett liegen und ließ Nachmittag die Herren herüber bitten. Sie konferierten dann einige Stunden und als sie gegangen waren, trat Giovanni zu Lotti inl Wohnzimmer. . ,

Lieb, es ist so mancherlei, willst Du nur helfen?" Seine Hand fuhr nervös durchs dunkle Lockenhaar;« sah blaß nnd abgespannt ans.

Aber gewiß gern." Sie war sofort bereit. Er legte den Arm um sie und sie gingen hinüber. Sie ließ sich orientieren und setzte sich dann an den Mitteltisch, während er sich am Schreibtisch niederließ.

Eine Weile war es still im Zimmer, nur das zeit­weilige Kritzeln der Federn war hörbar und das Rau« schen des Papieres, wenn der Mann einen mit seiner Un­terschrift versehenen Brief beiseite legte unb dann einen neuen nahm. Da hnstete er plötzlich kurz auf.

Die Frau hob den Kopf, sagte aber nichts, sondern warf nur einen angstvollen Blick auf den ruhig weiter Arbeitenden. Nun flog auch ihre Feder wieder überS

Da' war wieder der Husten und dann in immer kürzeren Intervallen. ,, m

Lotti stand auf und trat zu ihrem Mann.Du bist erkältet, Gio!"

Er zuckte gleichmütig die Achseln.Das kann wohl sein!" unb schrieb weiter.

Ist Dir nicht wohl?" Sie legte ihm die Hand an die Stirn, sie war fieberhaft heiß.

Wohl ?" Er lachte bitter auf.Wann wäre mir wohl einmal wohl gewesen?"

Gio, sprich nicht so! Du darfst Dich anch nicht ver­sündigen, etwas muß schließlich jeder Mensch entbehren, nur nicht bitter werden!" Sie strich ihm liebevoll ÜberS Haar. 219,18",