Besondere Beunruhigung rufen die Bestrebungen dea Ententemächte hervor, Griechenland durch Ausdehnung ihrer Stellungen bei Saloniki nach Westen vom Vierbund völlig abzuschneiden; Penidze Wardar ist bereits von den Franzosen besetzt. Allgemein herrscht das Gefühl, daß die Lage unerträglich und eine Entscheidung unausbleiblich ist, sobald der Vormarsch der Verbündeten auf Saloniki beginnt.
Der Balkartzug
Am Sonnabendmorgen gegen < llhr hat der erste Balkanzug Berlin verlassen. Der Zug bestand aus einem Packwagen, zwei Personenwagen erster und zweiter Klasse, einem Schlafwagen und einem Speisewagen. Alle Wagen trugen in großen Buchstaben die Ausschrift „Balkanzug" und Schilder mit der, Angabe des Reiseweges: Berlin—Konstantinopel über Dresden —Wien—Belgrad—Sofia. — Berlin—Konstan tinopel! Mag dieses Ereignis auch in unseren Tagen in der Fülle der großen Ereignisse nicht die Beachtung finden, die ihm zu anderen Zeiten gegeben würde, so werden die Schatten, die es in die Zukunft wirft, um so mächtiger sein. Der Balkanzug zeigte wahrhaft den Weg der Zukunft, auf dem die Völker sich zu neuen Gruppierungen zusammenfinden werden-
*
Rückkehr belgischer Flüchtlinge
, Amsterdam, 11. Januar.
„Nieuwe van den Dag" meldet von der Grenze von Nordbrabant, daß im letzten Monat 15000 Flüchtlinge nach Belgien zurückgekehrt sind.
Auf Korfir
Haag, 15. Januar. (Zeus. Bln.)
Die „Times" melden aus Athen, daß der österreichische Konsul auf Korfu verhaftet worden sein. (Tgl. Rdsch.)
* *
Amerikaner und Mexikaner.
WTB. El Paso, 16. Januar. (Nichtamtl.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Huerta ist tot. Das Kriegsrecht ist erklärt. Die Polizli, amerikanische Soldaten und Bürger, umzingeln die Mexikaner, um sie zu vertreiben. Ein heftiger Kampf ist im Gange; viele sind verwundet.
Deutsches Reich.
— wtb. Berlin. Der preußische Landtag ist im Weißen Saale des Schlosses von dem Ministerpräsidenten eröffnet worden In der Thronrede heißt es: Wie unsere Feinde uns den Krieg aufgezwungen haben, so tragen sie die Schuld und die Verantwortung, daß sich die Völker Europas weiter zerfleischen. Vor eine eiserne Probe stellt die Vorsehung unser Volk. Großes wird gefordert, Großes aber auch geleistet. Aus eigener Kraft sichert die Landwirtschaft die Ernährung der Bevölkeruug, aus eigener Kraft Industrie und Handwerk, wessen wir zur Verteidigung bedürfen und über dem allen stehen die Taten unseres Volkes in Waffen, unaussprechlich ist Größe und Heldentum. Mit König und Kaiser gehen wir voll Gottvertrauen und Siegeszuversicht dem Schicksal entgegen. Als Gruß für den Landtag hat die Thronrede Worte heißen Dankes den Kämpfern draußen und daheim. Sie kündigt sodann die Erhöhung der Zuschläge zur Einkommen- und Ergänzungssteuer an, ferner die Bereitstellung weiterer Mittel für Ostpreußen und den Ausbau des Eisenbahnnetzes. Sodann heißt es: Der Geist des gegenseitigen Verstehens und des Vertrauens wird auch im Frieden fortwirken in der gemeinsamen Arbeit des ganzen Volkes am Staat und Ausdruck finden in unserer Verwaltung, in unserer Gesetzgebung und in der Gestaltung der Grundlagen für die Vertretung des Volkes in den gesetzgebenden Körperschaften. In Stürmen ist der preußische Staat groß geworden, in Stürmen steht er auch jetzt unerschütterlich da. Was die Feindschaft an Zwang ausübt, ist Freiheit auf Ordnung gebaut. Gott schütze Preußen auch in Zukunft und bewahre es als starken Träger des Reiches!
— Der Hauptausschuß des Reichstages beendete seine Beratungen und vertagte sich dann bis März. Bei der vertraulichen Erörterung des „Baralong-Falles" wurde unseren U-Boot-Führern und Mannschaften das höchste Lob gespendet. — Die sozialdemokratische Fraktion hat den Abg. Liebknecht wegen seiner fortgesetzten gröblichen Vorstöße gegen seine Pflichten als Fraktionsmitglied aus der Partei ausgeschlossen.
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, den 18. Januar 1916.
—* Anmeldung neuer Fernsprechanschlüffe. Wir machen die Leser unserer Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüffe, deren Herstellung in der Zeit vom 1. April (Beginn des ersten Bauabschnittes) bis Ende Juli gewünscht wird, spätestens bis zum 1. März bei der Fernsprech-Vermittelungsanstalt angemeldet sein müssen, an welche die Sprechstelle angeschlossen werden soll.
—* Das Generalkommando teilt gemäß K. M. Nr. 2667/12. 15. A 7 V mit, daß die Deutsche Benzolvereinigung in Bochum entoluoltem Benzol, das in diesem Zustande bei kaltem Wetter erstarrt und somit als Motorenbetriebsstoff unverwendbar wäre, zur Erhöhung der Kältebeständigkeit von nun an Schwefel- äther beimischt. Für die Mischungen, die von der Inspektion des Kraftfahrwesens genehmigt sind, werden
gemäß § 4 der „Bekanntmachung über die Verwendung von Benzol und Solventnaphta sowie über Höchstpreise für diese Stoffe" Nr. 235/7. 15. A 7 V vom 1. August 1915 folgende Höchstpreise für je 100 kg festgesetzt : Gemisch I (90 Teile Benzol, 10 Teile Schwefel- äther) 70.— Mk. Gemisch II (85 Teile Benzol, 15 Teile Schwefeläther) 74 50 Mk. III (80 Teile Benzol, 20 Teile Schwefeläther (78.50 Mk.
—* Papiergeld wird häufig in gewöhnlichen Briefen verschickt. Besonders viel geschieht das, seitdem es die kleinen Darlehenskassenscheine zu 1 und 2 Mark gibt. Auch Angehörige des Feldheeres versenden vielfach Papiergeld in gewöhnlichen Briefen nach der Heimat, so daß sich jetzt das Kriegsministerium in einer besonderen Verfügung damit beschäftigt hat. Für den Verlust gewöhnlicher Briefe wird keinerlei Ersatz geleistet. Die Unteroffiziere und Mannschaften sollen hierauf von Zeit zu Zeit aufmerksam gemacht werden. Sie sollen ferner daraufhingewiesen werden, daß die Ueber- mittlung von Geldbeträgen bis 800 Mark nach der Heimat durch Postanweisung nicht nur kostenfrei, sondern auch sicher erfolgt. Es wird ihnen deshalb empfohlen, kein Papiergeld in Briefen nach Hause zu schicken.
—* Postanweisungen an Kriegsgefangene in Frankreich können jetzt wieder bis zum Meistbetrage von 1000 Frcs. abgesandt werden Die kürzlich angeordnete Beschränkung, daß von einem Absender an einem Tage nicht mehr als 180 Frcs. eingezahlt werden durften, ist weggefallen.
' —* Die drei Tannen sind als Schutzmarke der berühmten Kaisers Brust-Caramellen in allen Kreisen des Volkes bekannt geworden. Dieses echte deutsche Warenzeichen ist im Verlaufe der Jahrzehnte in Millionen von Packungen in alle Welt gewandert,hat Eingang gefunden in Dorf und Stadt, in Palast und Hütte. Wie notwendig eine solche Schutzmarke übrigens ist ersieht man aus der Tatsache, daß es eine Menge von Nachahmungen gibt, von denen aber nicht eine einzige auch nur annähernd jene Volkstümlichkeit ec- langte, wie Kaisers Brustkaramellen, welche den Vorzug angelegentlicher ärztlicher Empfehlung genießen, und die jetzt, während des Krieges, fast jedem in der Front stehenden Krieger aus den Millionen kleiner roter Päckchen bekannt sind, welche als postfreie Kldpostpackung so gerne versendet werden.
—* Hk. Handelsverkehr mit Russisch-Polen. Nachdem sich der zur Förderung des Geschäftsverkehrs zwischen Deutschland und den besetzten Gebieten Rußlands errichteten Amtlichen Handelsstelle deutscher Handelskammern (Sitz Bromberg) nunmehr 63 Handelskammern aus allen Teilen Deutschlands angeschlossen haben, hat der Voi stand beschlossen, die Bedingungen für die Benutzung der Amtlichen Handelsstelle seitens deutscher Firmen wesentlich zu erleichtern. Vom 1. Januar dsi Js. an Haben daher die der Amtlichen Handelsstelle deutscher Handelskammern beigetretenen Firmen für die mit den besetzten Gebieten Rußlands getätigten Geschäfte keine Verwaltungsgebühr mehr zu bezahlen, sondern lediglich eine Eintragungsgebühr, wobei auch die Zuschläge für die Eintragung in mehreren Geschäftszweigen in Fortfall kommen. Die Rechte der Amtlichen Handelsstelle sind inzwischen wesentlich erweitert worden. Sie genießt Zensurfreiheit für ihre dienstlichen Mitteilungen, auch kann nunmehr ein Fernsprechverkehr von der Geschäftsstelle Bromberg nach den Geschäftsstellen in Warschau, Lodz, Wloclaweck usw. stattfinden. Firmen, die der Amtlichen Handelsstelle deutscher Handelskammern beizutreten wünschen, wollen sich bei der Handelskammer in Hanau melden, die die Meldung an die amtliche Handelsstelle (Brom- berg) weitergibt. Beigetre>ene Firmen können unentgeltlich von dem Büro der Handelskammer Zettel zum Bekleben von Stückgütern und Waggonladungen, die eine bevorrechtigte Beförderung der Waren auf den Eisenbahnen in Russisch-Polen gewährleisten beziehen.
—* Nach elf Monaten Nachricht. Wiederum hat eine jetzt aus Sib rien in Greiz eingetroffene Nachricht gezeigt, daß Angehörige von auf russischen Schlacht- feldern vermißten Kriegern selbst in fast aussichtslosen Fällen noch Hoffnung hegen dürfen. Die Witwe eines früheren Greizer Apothekers hatte seit elf Monaten von ihrem einzigen Sohne keine Nachricht mehr. Als Kriegsfreiwilliger war er mit nach Rußland gezogen uud sollte gefallen fdn. Ein Kamerad wollte bestimmt wissen, daß er begraben worden sei, ein anderer hatte ihn mit schweren Wunden liegen sehen, ein dritter glaubte mit Bestimmtheit versichern zu können, daß er in Gefangenschaft geraten sei. Wer beschreibt die Freude der Mutter, als jetzt von einer der deutschen Schwestern, die die deutschen Gefangenenlager in Sibirien besucht haben, die Nachricht in Greiz eintraf, daß sie den seit elf Monaten vermißten Sohn in einem sibirischen Gefangenenlager angetroffen habe.
* Guudhelm. Dem Gefreiten Georg Blum, von hier 8 Komp. Ins. Regt. Nr. . . . wurde für besondere Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.
* Fulda. Für die Erweiterung des Bahnhofes in Fulda ist in den diesjährigen Staatshaushaltsplan eine fernere Rate von 1 Million Mark eingestellt worden.
* In Neuhaldensleben stieß ein Einwohner in seinem Hausgarten beim Pflanzen eines Baumes auf eine Konservenbüchse in der sich 1200 Mk. in Gold (10; und 20-Markstücken) befanden.
* Aus Kurhessen. In Bodes beschlagnahmte die
Polizei bei einem Bauern 50 Zentner Getreide, die f nicht angemeldet waren. Das Korn verfiel dem Staat, ! der Bauer erhielt eine hohe Geldstrafe.
* Schlitz. Ein Hofgut niedergebrannt. Das be f Solms gelegene Hofgut Engelbach ist nachts nieder gebrannt. Sämtliche Ernte- und Futtervorräte würd e ein Raub der Flammen, auch verbrannte Groß- und Kleinvieh.
npt. Herstellttngkostett in der Landwirt- schaft. Ein namhafter landwirtschaftlicher Sachverständiger, der in seinem Beruf an hervorragender Stelle j steht, schreibt uns: Aus einem zu diesem Thema im i „Berliner Tageblatt,, erschienenen Artikel des Reichs- I tagsabgeordneten Dr. Wendorff-Toitz hat die halbamtliche „Nachrichtendienst für Ernährungsfragen in Sperr-f druck einen Abschnitt wiedergegeben, welcher in nicht | sachkundigen Kreisen mehr verwirren als ausklaren, da- f gegen in sachverständigen Kreisen höchste Verwunderung i hervorrufen mußte und hervorgerufen hat.
Herr Wendorff glaubt aus der Mitteilung, daß sich i seine Wirtschaftsausgaben in dem Kriegsjahr — (1. August 1914/15) — gegenüber dem Durchschnitt der; drei Vorjahre von 104 auf 100, also um vier Prozent ! vermindert haben, einen Beweis dafür ableiten zu können, ! daß die Herstellungskosten nicht in gleichem Maße wie i die Verkaufspreise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse i gestiegen seien. Daß Herr W. in seiner Wirtschaft für i künstliche Düngemittel und Kraftfuttermittel — einfach, । weil sie nicht zu haben waren — weniger ausgegeben i hat als in Friedensjahren und daß bei einer geringeren | Ernte auch seine Werbungskosten geringer gewesen sein - mögen sich selbst seine baren Einnahmen durch Verkäufe : von Gespannpferden an die Heeresverwaltung oder anderes höher als in Friedensjahren gestellt haben
Eine ganz andere Frage aber ist die nach den wirk- : lichen Herstellungskosten seiner Erzeugnisse. Welche Zu- oder Abnahme hat denn in diesem Jahr der Nährstoffvorrat seines Toitzer Ackers und besonders der Wert seines Viehstandes, — kurz der Substanzwert seiner ganzen Wirtschaft erlitten ? —
Hierbei handelt es sich nicht um Differenzen von wenigen Prozenten der Betriebskosten, sondern es kann sich um sehr viel höhere Prozente des gesamten Substanzwertes der Wirtschaft, also vielleicht um das 50; oder 100fache der ersparten Wirtschaftskosten handeln. Wenn nun hierdurch zwar die — allen praktischen Landwirten bekannte — Erfahrung eine neue Bestätigung findet, wie schwierig — ja fast unmöglich — es ist, in einem auf die Herstellungskosten eines einzelnen Erzeugnisses auch nur annähernd zutreffend zusberechnen, so läßt sich anderseits doch die relative Sleigerug der Herstellungskosten der einzelnen Erzeugnisse durch Ver- leuerung der dabei in Frage kommenden Produktionsmittel mit fast mathematischer Genauigkeit berechnen.
Zur Ausmästung eines Schweines bis zum Gewicht I von 250 Pfund gehören — nach allgemein anerkannten! Erfahrungssatz — neben der Verfütterung von Kar- ; toffeln oder sonstigen Wurzelgewächsen — mindestens | 5 Zentner Kraftfutter. — Die Preise für unsere gangbarsten Kraftfuttermittel stellen sich nach amtlicher Notierung (Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschafts- | rares) im freien Verkehr durchweg um mindestens 30,— M. pro Ztr. höher als in Friedenszeiten. Ja bei einzelnen hauptsächlich in Betracht kommenden Futtermitteln — wie Mais, Roggenschrot — stellt sich diese Preissteigerung noch wesentlich höher. Rechnen wir aber nur mit 30,— M. pro Ztr. so stellt sich die Ausmästung eines Schweines, insoweit sie nicht mit den geringen Mengen von Kraftfutter bewirkt werden kann, welche den Landwirten durch die Kommunalverbände geliefert werden können, um 5 X 30 = 150,— M. — also pro Ztr. Lebendgewicht um rund 60,— M. höher als in Friedenszeiten.
Ganz ähnlich stellt sich die Rechnung beispielsweise bei der Milcherzeugung. Um in einem Viehstapel von 100 Milchkühen den durchschnittlichen Milchertrag auf täglich 10 Liter per Kuh zu halten, müssen mindestens 5 Pfd. Kraftfutter per Tag und Haupt gefüttert werden, also auf 100 Kühe zur Erzeugung von 1000 Litern Milch wieder mindestens 5 Ztr. Kraftfutter, welche — wie oben berechnet 150,— M. mehr als in Friedenszeiten kosten, d. h. die Herstellung eines Liters Milch um 15 Pfennig verteuern, — alles dies ganz abgesehen von sonstigen durch die Kriegswirtschaft herbeigeführten Betriebsverteuerungen. — ,'Jn beiden Fällen also bleibt die — an sich ja tief bedauerliche — Preissteigerung bei den Erzeugnissen doch weit hinter derjenigen bei den Herstellungskosten zurück.
Es ergibt sich hieraus mit mathematischer Sicherheit, daß unter den jetzigen Preisverhältnissen nur diejenigen Landwirte noch ohne Verlust produzieren können, welche ihre Produktion so weit einschränken, daß sie ohne den an sich rationellen und im Frieden üblichen Zukaus von Produktionsmitteln (Kraftfutter und Kunstdünger) aus- kommen. — Das aber gerade ist — sowohl im Interesse der Landwirtschaft als unserer Volksernährung das Bedenkliche bei einer zu weitgehenden Herunter- d'ückung der Preise für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse, daß sie unweigerlich mit der Zeit die Produktion einschränken muß.
Es wäre hiernach für eine einwandfreie Beleuchtung des heutigen Verhältnisses der Schweine-, Milch- und Butterpreise zu den Herstellungskosten wohl von größerem Wert gewesen, wenn Herr Wendorf anstatt des für die Frage völlig bedeutungslosen Rückganges seiner Wirtschaftsausgaben veröffentlicht hätte, welche Zu- oder