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eitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65. Wochenbeilags: illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr.«».
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
.M 4. Mittwoch, den 12. Januar 1916. 67. Jahrgang.
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Dom Ariegsschauplatz.
Erfolge fiel Massiges.
42.3 Franzosen gefangen, 5 Maschinen gewehre erbeutet.
Amtlicher Tagesbericht.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 10. Januar (Anal).
Westlicher Kriegsschauplatz. W
Nordwestlich von Massiges in Gegend .s Gehöftes Maison de Champagne führten Angn^r unserer Truppen zur Wegnahme der feindlichen Beobachtungsstellen und Gräben in einer Ausdehnung von mehreren hundert Metern. Vierhundertunddreiundzwanzig Franzosen, unter ihnen sieben Offiziere, fünf Maschinengewehre, ein großer und sieben kle ne Minenwerfer fielen in unsere Hand. Ein französischer Gegenangriff östlich des Gehöftes scheiterte.
Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die feindlicher Etappeneinrichkungen in Furneß an.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert.
Bei Berestiany wurde Vorstoß einer stärkeren russischen Abteilung abgeschlagen.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Oberste Heeresleitung. *
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Deutscher Sieg am Kirzstein.
Amtlicher Tagesbericht.
WTB. Großes Hauptquartier, 9. Januar. 1916.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Südlich des Hartmannsweilerkopfes, am Hirzstein, gelang es gestern, die letzten der am 21. Dezember in Feindeshand gefallenen Gräben zurückzuerobern, dabei
zu nehmen und fünfzehn Maschinengewehre zu erbeuten.
Oestlicher« und Balkan-Kriegsschauplatz:
Die Lage ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
» *
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Oesterreichs Wordringen in Montenegro.
Oesterreichisch ungarischer Tagesbericht.
WTB. Wien, 10 Januar.
Amtlich wird verlautbart: 10. Januar 1916.
Russischer Kriegsschauplatz.
Auch gestern fanden in Ostgalizien und an der Grenze der Bukowina keine größeren Kämpfe statt. Nur bei Toporoutz wurde abends ein feindlicher Angriff abgewiesen.
Sonst nichts Neues.
Irauenkiebe.
Roman von Clara Aulepp-Stübs.
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„Die verdammten Schlaganfälle in der Familie! murmelte er mit blassen Lippen. Er klingelte, trat dem Dienstmädchen entgegen und teilte ihr das Gesehene mit.
In einer Viertelstunde war der Arzt da. Rasch und umsichtig ging Klaus ihm zur Haud; alles wurde besorgt; die Mädchen verwies er streng zur Ruhe.
„Mit dem Leben kommt er ja noch davon, aber die Lähmung wird wohl bleiben — ganze rechte Seite, schlimm, sehr schlimm!"
Weiter hörten die Mädchen nichts durch ihn.
Der junge Herr kam. Bestürzt und aufgeregt wollte er ins Krankenzimmer eilen, doch der Arzt hielt ihn zurück, beruhigte ihn erst. Eine Pflegerin trat ihn, entgegen. Es war schon alles getan, was nur möglich war.
Giovanni sah erschüttert in das bläuliche, verzerrte Gesicht seines Vaters. Sie hatten sich im Zorn getrennt, waren im Groll auseinander gegangen.
Der Sohn ließ den Kopf tief auf die Brust sinken. Er dachte nach, fühlte ein heftiges Reuegefühl in sich aufsteigen. Ja, war er denn schlecht gewesen? War er denn überhaupt ein schlechter Mensch? — Ein Spiel- ball seiner Launen, seiner Leidenschaften?
Er atmete tief und schwer. Dann schüttelte er ganz wenig den Kopf, richtete sich straffer auf. Nein, schlecht war er nicht das konnte ihm wohl niemand nacksta- gen. Aber Leidenschaften besaß er — und gerade die gewaltsame Unterdrückung seiner größten, ererbten Leidenschaft machte ihn — nun zu was denn, zu was denn? — Nein', nein! — Noch nicht —- noch war er das nicht! Wieder schüttelte er den Kopf. In sein Ge- ficht trat ein Ausdruck höchster Seelenqual; er stöhnte
Teilnehmend trat die Krankenschwester zu ihm, sprach ^röstend auf ihn ein.
Italienischer Kriegsschauplatz:
Von Geschützkämpfen im Görzischen, im Gebiete des Col di Lana und im Abschnitte von Vilgereuth abgesehen, fand an der Südwestfront keine Gefechtstätig- keit statt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unsere gegen Berane vordringenden Kolonnen haben die Montenegriner neuerlich von mehreren Höhen geworfen und Bioca erreicht. Nördlich dieses Ortes ist das östliche Lim-Ufer vom Feinde gesäubert. Die Truppen, die auf den Höhen über einen Meter Schnee zu überwinden haben, leisten Vorzügliches. An der Tara Artillerietätigkeit und Geplänkel.
Die Kämpfe an der Südwestgrenze Montenegros dauern an.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes:
v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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Die russtschen Angriffe eingestellt.
Kefferreichischungarischer Hagesöericht.
WTB. Wien, 9. Januar. (Nichtamtl.)
Amtlich wird verlautbart:
Russischer Kriegsschauplatz?
Vor zwei Tagen neuerlich an allen Punkten Ost- galiziens und der bessarabischen Grenze unter großen Verlusten zurückgeschlagen, hat der Feind gestern seine Angriffe nicht wiederholt, sondern nur zeitweise sein Geschützfeuer gegen unsere Linien gerichtet. Er zieht Verstärkungen heran. Am Korminbach in Wolhynien versprengten unsere Truppen russische Aufklärungsabteilungen. Sonst keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz:
Nichts neues.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nordöstlich von Berane haben sich die Monteneg- ' ' - -----------.. Q-n™*____<t :~ »"" ?*->•'". f.»? 4-; —i» Anker» wurden erstürmt, wobei wir, ein Geschütz eröerliecrii. An der Tare Geplänkel. An der herzegowinischen Grenze und im Gebiete der Bocche di Cattaro sind unsere Truppen im Kampfe gegen die montenegrinischen Stellungen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Höser, Feldmarschalleutnant.
Schweres Geschütz vor Na«ey
WTB. Amsterdam, 8. Januar. (Nichtamtl.) Einem hiesigen Blatte zufolge erfährt die „Times" aus Paris, daß die Stadtbehörden in Nancy beschlossen haben, den Museumsinhalt zu entfernen, da die Deut- schen begannen, die Stadt mit Schiffsgeschützen zu beschießen.
Da na^m er sich zusammen, erwiderte nur ein paar Worte und ging dann hinaus. O — jetzt nur nicht Ruhe heucheln müssen, wo in seinem Innern ein wildes Chaos widerstreitendster Empfindungen herrschte. Er war sich bewußt, daß seine Leidenschaft keine unedle war. Warum, warum nun hielt sein Vater so zäh, so starrsinnig an seinem Verbot fest? Diese wenigen Monate hatten ihm gezeigt, daß es selbst sein Weib nicht vermochte, die ihn so marternde Unrast zu bannen.
Und sie ivar gefährlich, die Unrast. — Betäubungs- Mittel wurden nötig.-- . „ .
Giovanni Arnheim ging den verlassenen Strandweg zu Düsterubrook hinauf. Es war ihm jetzt nicht mög» lich, heimzukehren. Er drückte den weichen Frlzhut sich in die Stirn, zog den Mantel fester zu und sümpfte gegen den Wind, der vom Wasser her kam. .
Es war noch kein Frühlingswiud, sondern ein scharfer Ostwind, der ihm durch die Kleider drang und ihn frieren machte. Mit einem Mal ging es ihm durch der» Sinn, er durfte sich dem nicht aussetzen, hatte der Arzt gesagt, seine Lunge sei schwach.
Schwach —! Er lächelte bitter.Schwach!—Schwach war er ja wohl überhaupt? Was war denn eigentlich stark an ihm? Nichts, nichts - bis auf das eine das eine! — Da lag seine Stärke — da lag sie — «nt diesen seinen Händen greifbar, lag sie vor ihm, diese Stärke, sie drohte ihm die Brust zu sprengen.
Er hob den Kopf, riß den Mantel auf und öffnete durstig die Lippen.
Ah _ wie das wohl tat, wie sich feine Brnst weitete, als er sie den hastiger wehenden Winden preis- gab. Ha, er war kein Schwächling 1 Er durfte nur feine Stärke nicht zeigen.
Aber mußte er denn wirklich dem Manne dort gehorchen, der da drinnen auf feinem Lager lag, tottraut, unbeweglich? Diesem starrköpfigen Alten, der sich Vater nannte und der ihm doch sein bestes raubte — feine
Die verhaftete« Konsuln in Tonlon.
WTB. Toulon, 8. Januar. (Nichtamtl.)
Meldung der Agence Havas. Die Konsuln der feindlichen Staaten, die in Saloniki verhaftet wurden, sind an Bord des Kriegsschiffes, auf dem sie interniert wurde,, hier eingetroffen. Sie werden zur Verfügung der Behörden gehalten.
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Der erste Balkanzug.
WTB. Breslau, 9. Januar. (Nichtamtl.)
Die Königliche Eisenbahndirektion teilt mit: Der Balkanzugverkehr beginnt von Berlin und München am 16. Januar, von Konstantinopel am 18. Januar.
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Die erste« Balkanzüge.
Wie nunmehr bestimmt ist, werden die Balkanzüge Berlin-Konstantinopel und München-Konstantinopel mit Anschluß von Frankfurt erstmals am Sonnabend den 15. Januar und dann ferner jeden Mittwoch und Sonnabend ab Berlin und München verkehren. Ab Konstantinopel fahren die Züge an jedem Dienstag und Sonnabend. Abfahrt des Balkanzuges 9,40 Uhr früh. Preise der Fahrkarten ab München nach Belgrad 1. Klaffe 109,30 Mark, 2. Klasse 69,40 Mark, nach Konstantinopel 1. Klasse 271 Mark, 2. Klaffe 177,20 Mark, nach Sofia 1. Klasse 171 Mark, 2. Klasse HO Mark, nach Adrianopel 1. Klaffe 222,60 Mark, 2. Klasse 144,90 Mark. Zivilreisende müssen am Fahrkartenschalter Paß mit Photographie und Passierschein, ebenfalls mit Photographie, vorzeigen. Nur gegen Vorzeigung dieser Ausweise dürfen Fahrkarten ausgegeben werden.
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Gallipoli vom Feinde frei.
WTB. Konstantlno^^9. Januar. (Nichtamtl).
Kampfe unter großen Verlusten Sedd ül Bahr. Die Halbinsel Gallipoli ist vom Feinde gesäubert.
Ein englisches Schlachtschiff gesunken.
wtb. London, 9. Januar 1916. (Nichtamtl.)
Amtliche Meldung: DaS Schlachtschiff „Edward VII." ist auf eine Mine gestoßen und mußte wegen des hohen Seeganges aufgegeben werden. Es sank bald darauf. Die Besatzung konnte das Schiff rechtzeitig verlassen. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Zwei Mann sind verletzt.
Das Schiff hatte eine Wasserverdrängung von 17 800 Tonnen und stammt aus dem Jahre 1903.
Stärke! Der ihn zum elenden Schwächling machte — 8Um@inen Moment laug starrte er vor sich hin, dann reckte er sich energisch in die Höhe. Nein, nein und lau. sendmal nein! So ging das nicht weiter. Er blieb sie- hen, schaute in die Weite. Sein Blick hatte jetzt etwas Durchdringendes, Forschendes.
Sollten ihm die Wangen künden, was er tun sollte $ — Oder suchten seine Augen hinter den schweren, hän- «enden Wolken ein sonniges Land? Em Land voll Sonnenglut und Schönheit, voll lockender, süßer Me- lobten und berückender Farbenharmomen?
„Dahin, dahin laß mich mit Dir, o mein Gelieb- 1er, zieh'n!-
Lange Minuten stand Giovanni Arnheim sinn«« auf dem Strandweg zu Düsterubrook; lange, bange Mi- nuten vergingen, ehe er sich dem mörderischen Ostwrnd entzog und langsam den Rückweg autrat
An der Villa des Kommerzrenrats trat ihm Lott, entgegen. Sie war ihm nachgekommen, hatte nach ihrem Schwiegervater sehen wollen und «" ihrer Verwund^ rung ihren Mann dort nicht getroffen. Sie konnte sich seine Abwesenheit nicht erklären. Nachdem sie bis mS Innerste erschüttert in das verzerrte Antlitz deS Kran- ken geschaut, einige Worte mit der Ps^gerui gewechselt und dann mit KlauS und der Köchin verhandelt, trieb sie eine folternde Unruhe aus Fenster.
Und da sah sie dann Giovanni daher kommen. Im nffe„en wehenden Mantel, den Kopf hoch erhoben, in deuAugeueM Leuchten und auf. den Wangen dunkle
Fm Nu war sie draußen am Gitter, welches hier den Vorgarten gegen die Düsterubrooker Allee hin ab- schloß; sie klinkte die Tür aus.
„Gio, wo bleibst Du? Ich habe mich so um Dich geängstigt!" Er schaute sie ernst an, sagte aber nichts, sondern ging stumm mit ihr ins Haus.