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ulytemerIntung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

T-lcfo» Nr.«» lVochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. m.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitRreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

«JS 3. Samstag, den 8. Januar 1916. 67. Jahrgang.

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Werden Bestellungen auf die

Kchlüchterner Zeitung"

mit amtlichemKreisblatt"

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner

Zeitung den meisten Erfolg

Inserate

da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- ern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Dom Kriegsschauplatz.

Neue Luftkämpfe im Westen.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 6. Januar. 1916.

Westlicher Kriegsschauplatz.

An der Front fanden stellenweise teilweise lebhafte Artilleriekämpfe statt; die Stadt Lens wird vom Feinde fortgesetzt beschossen. Nordöstlich von Le Mesnil wurde der Versuch eines feindlichen Handgranatenan- angriffs leicht vereitelt. Ein gegnerischer Luftge­schwaderangriff auf Donai blieb erfolglos. Durch deutsche Kampfflieger wurden zwei englische Flugzeuge abg-l^slssen hn$ eine, durch Lensno«^ Rmckkp ^ b- ^ das siebente feindliche Flugzeug außer Gefecht ge- setzt hat.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Eine im Walde südlich von Jakobstadt vorgehende Erkundungsabteilung mußte sich vor überlegenem feindlichem Angriff wieder zurückziehen. Bei Czartorysk wurde eine vorgeschobene russische Postierung ange« griffen und geworfen.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Nichts neues.

Oberste Heeresleitung.

* *

*

Amtlicher Tagesbericht.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 5. Januar (Amtl.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Artillerie- und Minenkämpfe an mehreren Stellen der Front.

Oestlicher« und Balkan-Kriegsschauplatz:

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

*

Eine englische Schlappe in Indien.

DDP. Kopenhagen, 6. Jan. (Zens. Bin.)

Die Streitkräfte ges Emirs von Afghanista haben die Grenze überschritten und sind in Nordindien einge­drungen. Wie der in Bagdad erscheinendeSelai 3Ha" mitteilt, hat zwischen 10 000 afghanischen Reitern und indischen Truppen ein erbitterter Kampf stattge- funden, in dem die Engländer eine empfindliche Nieder­lage erlitten haben.

Die Gärung unter der mohamedanischen Bevölke­rung Nordindiens hat durch die Erfolge der Afghanen neue Nahrung erhalten. Die englischen Behörden be­mühen sich jetzt, die revolutionäre Bewegung einzu- dämmen. Ueber 400 mohammedanische Einwohner wurden ins Gefängnis geworfen.

* *

Die Kämpfe an der ägyptischen Westgrenze.

Kairo, 5. Januar. Amtlich. Unsere Truppenab- teilung, die von Matruh vorrückte, um das Lager von Marun zu umzingeln, fand, daß die Feinde sich eiligst zurückgezogen und für viele Monate Vorräte hinterlassen hatten, darunter 400 Schafe, 90 Kamele, 200 Zelte. Nach dem Kamps bei Maj'd wurden 12 000 Runden Munition für Handfeuerwaffen, 200 Schafe, 84 Kamele und fünf Tonnen Gerste erbeutet. Außerdem wurden 60 Kamele durch unser Artillerie- feuer getötet.

French von Ypern". .................. ~., » . ^ i I, !# «^ r .... Wird Feldmarschall French, der den Titel Discount erhielt, das Prädikat von Ypern annehmen.

*

DieHerren" von Saloniki

WTB. Paris, 4. Januar. (Nichtamtl.)

Die Agence Havas meldet amtlich: Die in Saloniki verhafteten feindlichen Konsuln, die nach Marseille ge- bracht werden, werden gleich nach ihrer Ankunft in diesem Hafen zur schweizerischen Grenze gebracht werden.__ _____________

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 7. Januar 1916.

- (Unsere Deutsch-Amerikaner). Gelegentlich der Weihnachts- bezw. Neujahrsfeier wurde unseren lieben Verwundeten eine rechte Freude bereitet. Ein in Amerika lebender Schlüchterner Sohn, Präsident des

Schlüchterner FreundschaftSbundes" in New Dork, Herr Philipp Freund, Bruder des Seminar- ökonoms Konrad Freund, hat von Heimatliebe und Begeisterung für die deutsche Sache getrieben, unseren Pfleglingen im Krankenhause 30 sogen. Sandkuchen überreichen lassen. Eigentlich sollte nach dem Willen des freundlichen Spenders mehrere ausgezeichnete Torten, wie früher schon einmal geschehen, geliefert werden; aber die mit der Lieferung betraute Firma konnte infolge Verbots des Verbrauchs von Sahne denen nicht entsprechen und half sich wie angegeben aus der Verlegenheit. Dem freundlichen Spender der Erquickung besten Dank für seine willkommene Gabe sowohl als auch für seinen Patriotismus, der sich be­sonders darin offenbart, daß auf seine Anregung sie in dem genannten VereinSchlüchterner Freundschafts­bund", zu dem ja wohl alle Schlüchterner New Porter zählen, zu Gunsten von Witwen und Waisen Schlüchterner Krieger 2145 Mk. zusammengekommen sind. Wie wir hören, hat derselbe Verein im vorigen Sommer eine Summe von mehreren tausend Dollar für das Rote Kreuz" in Deutschland gestiftet auch hierfür be­sonders innigen Herzens Dank. s.

* Die Durchschnittsbeträge der höchsten Tages­preise für den Ctr. Hafer, Heu und Stroh mit einem Aufschlag von fünf vom Hundert, welche für die Ver­gütung der im Monat Dezember 1915 und für den Kreis Schlüchtern maßgebend sind, betragen für Hafer 16,27, Heu 5,77, Stroh 4,20 Mk. pro Ctr.

* Der Kommunallandtag des Reg. Bezirks Casfel wird zum 28. Februar 1916 einberufen werden.

* Der Konfirmationstermin im Jahre 1916 kann mit Genehmigung des Königlichen Konsistoriums in allen Gemeinden des Konsistorialbezirks, in denen es auf HM' "PKtNcMOm'M-Apc^-- werden. Wo ganz besondere, durch die KriegSlage bedingte schwieriege Verhältnisse einen noch früheren Konfirmitionstermin wünschenswert erscheinen lassen, kann die Konfirmation schon am 9. April gestattet werden. L ,

* Schweinezuchtstationen der Landwirtschafts­kammer sind errichtet für weißes Edelschwein bei Oberamt­mann F. Schwarz-Baiersröderhof (Kreis Hanau) und Gutsbesitzer Oekonomierat R. Rusche-Kleinenglirs (Kreis Fritzlar), für veredeltes Landschwein bei Domänen- Pächter Lüking-Marienrode (Kreis Homberg), Ritter­gutspächter Karl Koch-Bruderdiebacherhof (Kreis Hanau), Domänenpächter Oberamtmann Selhausen - Gesund­brunnen (Kreis Hofgeismar), Rittergutspächter Nickel» Losyausen (Kreis Ziegenhain), Rittergutspächter Kloster- mann'Nienfeld (Grafschaft Schaumburg) und Rrtter-

Irauentiebe.

Roman von Clara Aulepp-Stübs. 39

Als der junge Mann sich auf seinen Sessel warf und beide Fäuste an die Stirn preßte, trat Lotti zu tym, legte den Arm um seine Schultern, sagte aber kein Wort, obwohl ihr ganzes Innere zitterte vor Angst.

Der Kommerzienrat und Frau Doktor waren ins Wohnzimmer gegangen. Man hörte, wie sich ersterer verabschiedete. Eine Weile darauf trat Frau Doktor Falk wieder ein. Sie kiißte Lotti zärtlich. Diese sah sie be­kümmert an, fd)wieg aber noch immer. Nun drückte Frau Doktor auch auf Giovannis dunkle Locken einen leisen

Da sprang er wie elektrisiert auf, umschlang beide Frauen mit seinenArmen und rief wie außer sich:Lottc, Mutter, so schützt mich doch! Schützt mich doch vor nur selbst ich, ich kann es ja nicht mehr meine beste Kraft ist fort er hat sie mir genommen!"

Er schüttelte die Faust nach der Tür, durch die sein Vater vorhin gegangen war.

Frau Doktor seufzte schwer auf.Er ist ein Phan­tast; ihm fehlt ganz und gar jeder reale Sinn", hatte der Kommerzienrat vor seinem Weggehen zu ihr gesagt. Sie konnte ihm nicht so unrecht geben; Giovanni fehlte wirklich der Sinn fürs Reale, er war eine Künstler­natur ! Ein Jammer, daher keiner geworben war. Aber ein Schrecken durchzuckte ihr Herz. Was hatte er doch vorhin zu Lotti gesagt?Wundere Dich nicht, wenn das Versuchstier sich auf bäumt und ^meFesseln zerreißt!" Um Gotteswillen! Nie, memals dürfte es hin kommen. Ihr armes Kind, ihre Lotst sollte 1 Mann verlieren, den sie liebt?

Sie faßte sacht Giovannis Hände.Du bist jetzt aufgeregt, Gio. Laß gut sein für heute. Wir spreche" ^em andermal über die Sache, die Dich quält, ja? ^etzt

denke auch an Lotti. Sie bedarf dringend der Ruhe

schone sie." ,

Blicke trafen sich, da nahm Giovanni Lotus Kopf zwischen seine Hände und sah in ihre Augen.

Komm!" sagte er dann innig und legte seinen Arm um sein junges Weib. t .

Sie reichten noch einmal der Mutter die Hand, dann gingen sie hinaus.

9. Kapitel.

Das Motorboot des KommerzieuratS durchschnitt pfeilschnell die dunkle Flut. Der heulende Wind konnte ihm nichts anhaben, es stemmte sich energisch dagegen und setzte ruhig seinen Kurs fort.

Der einsame Mann in der KapUe starrte finster vor sich hin.Er ist ein Phantast, ehe er das tut die Frau verläßt; nein, ich brauche nichts zu befürchten !

Er zog den Lodenmantel fester um den Körper, ihn fröstelte. Komisch, Hellmut Arnheim war eine durchaus gesunde, wetterfeste Natur heute fröstelte ihn.

In der Villa erwartete ihn Klaus, wie immer. Er bestellte sich ein Glas Glühwein, trank es dann so heiß, wie es ihm möglich war, doch das Frösteln wollte nicht weichen. Im Schlafzimmer waltete dann Klans geräusch­los seines Amtes. Eben wollte er die Leitrrng der Dampf­heizung abstellen, da rief der Kommerzienrat ihm zu: Laß sie offen, weiß der Himmel, ich zittere wie ein altes

Der *err Kommerzrenrat haben sich vielleicht er- kältet," erlaubte der Diener sich zu bemerken.

Erkaltet ich? Du bist ivohl ganz und gar ver­rückt," polterte er los.Ich erkältet I"

Ein höhnisches Lachen klang hinter Klans her, der sich zurückzog, nachdem er noch einmal mit kritischem Blick das Zimmer gemustert, ob auch ja alles ordent­lich besorgt war.

Der langjährige Diener war aber vielleicht der Ein­zige, der seinen Herrn richtig zu schätzen wußte. Er hatte sich von dem harten Gesichtsansdruck des Herrn nie be-

einfluffen lassen; er wußte, was er wußte sagte aber nichts.

Wird schon noch die Zeit dazu kommen," murmelte er wohl zuweilen vor sich hin. Einstweilen tat ihm nur sein junger Herr leid. Nun saß er da drüben mit ferner jungen Frau im Direktorhaus, als ob hier in der gro- ßen Villa nicht Platz genug wäre. Und die Frau Doktor, was die Mutter war, hätte auch noch ihre Zimmer ge» funden. .

So standen die schönen Räume verödet. In der oberen Etage waren die Jalousien geschlossen, und in dem Dämmerschein blickten nur zuweilen hier ein paar Prismen des Kronleuchters, dort ein goldener Bilder- rahmen auf, und wenn dann ein verlorener, seltner Sonnenstrahl sich durch die feinen, grünen Stäbchen stahl, dann zuckte er auch wohl manchmal über ein wundes schönes Frauenautlitz, dessen Lächeln so süß und doch so dunkel war, wie von einem geheimen Weh umfpon-

Klaus wartete schon eine geraume Welle vergebens auf das Klingelzeichen, das ihn jeden Morgen m das Zimmer seines Herrn rief. Endlich wagte der Diener eur Klopfen, unb als daraufhin keine Antwort erfolgte, öffnete er die Tür spaltbreit uird lugte hinein.

Alles rubig, der Herr Kommerzienrat schien noch zu schlafen Es war aber noch nicht vorgekommen, so lange er betitelt konnte, daß sein Herr bis sieben Uhr schlief. War er vielleicht traut ?

Klaus wagte es, einzntreten und sich auf leisen Sohlen dem Lager zu nähern. Ja, der Herr schlief noch.

Der Diener stand ratlos vor dem Bett. Ob^er ihn weckte? Unterließ er es, würbe er wahrscheinlich Schelte betont» wen. Er sah jetzt aufmerksam in des Schläfers Gesicht. Sein Auge weitete sich; er schaute scharfer hin und schüt­telte den Kopf. Die rechte Gesichtshälfte des Kommer- zienrats war bläulich rot, man merkte auch nicht, daß er atmete. Klaus erschrak,