Neue Taten eines deutschen V-Bootes
DDP. Sofia, 31. Dez. (Zens. Bln.)
Ein deutsches Unterseeboot versenkte laut „Kambana" abermals zwei große englische Schiffe in der Nähe der ägyptischen Küste.
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Etwas Starkes
Athen, 3. Jan. (Nichtamtl.)
Von dem Berichterstatter des Wolffbureaus. General Sarrail ließ den norwegischen Generalkonsul in Saloniki, Seefelder, verhaften.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 4. Januar 1916.
—* Petroleumkarten zur Regelung des Petro- leumverbrauchs werden durch eine Anordnung des Kreis-Ausschusses, veröffentlicht in der heutigen Nummer des Kreisblattes, für den hiesigen^Kreis ein- geführt. Die Petroleumkarten können von Mittwoch, 5. Januar ab auf den Bürgermeisterämtern abgeholt werden. Mit dieser neuen Anordnung werden die Klagen über Bevorzugungen oder Benachteiligungen der Verbraucher^durch Händler hoffentlich abgestellt.
—* Die Arbeitsleistung der Reichspost hat in den letzten Monaten weiter stark zugenommen. Nach einer Briefzählung im November 1915 werden gegenwärtig allein im Reichs-Postgebiet, Bayern und Württemberg also nicht ntit eingerechnet, täglich 28,8 Millionen Briefsendungen, einschließlich der nach dem Felde bestimmten und der von den Kriegsgefangenen herrührenden, aufgeliefert. Gegenüber der Tagesbriefauflieferung im letzten Friedensjahre 1913 von 17 Millionen Briefsendungen ist die derzeitige Tagesauflieferung um 69% größer, während sonst die durchschnittliche jährliche Steigerung beim Briesverkehr nur 7 bis 8%, für zwei Jahre also 15% ausmacht. Allein der, tägliche Feldpostbriefverkehr des Reichs Postgebiets nach und von dem Felde sowie im Reichs-Postgebiet selbst übersteigt jetzt schon mit seinen 18,7 Millionen Sendungen die gesamte Tagesbriefauflieferung des Reichs- Postgebiets von 1913. Dabei steht etwa ein Drittel des Reichspostpersonals, d. s. gegen 90 000 Mann, im Felde, sodaß die Reichspost in weitem Umfange mit Aushilfskräften arbeiten muß.
—* Hk. (Stückgüter und Wagenladungen nach Rußland.) Firmen, welche sich in die Firmenlisten der „Amtlichen Handelsstelle deutscher Handelskammer" haben eintragen lassen, um an den durch sie gebotenen Vorteilen beteiligt zu-Werden, können die zum Bekleben der nach Rußland zu versende >. den Stückgüter und Wagenladungen dienenden blauen Zettel mit Aufdruck nebst zugehöriger Anweisung von der Handelskammer zu Hanau beziehen, __________ _
—* Mit den, 4. Januar 1916 tritt eine zweite Nachtragsverordnung zu der Bekanntmachung, betreffend Kautschuk (Gummi), Guttapercha, Balata und Asbest, sowie von Halb- und Fertigfabrikaten unter Verwendung dieser Rohstoffe — V. I. 663/6. 15. K. R. A. — in Kraft. Hiernach sind Fahrraddecken (montiert und unmontiert) mit Garantie und Fahrradschläuche (montiert und unmontiert) mit Garantie, die bisher nur meldepflichtig waren, ebenfalls beschlagnahmt. Diese Gegenstände dürfen vom 4. Januar 1916 ab in Bayern nur noch an die Traindepots des I. und II. Bayerischen Armeekorps, in Sachsen nur noch an die Königliche Munitionsfabrik in Dresden, in Württemberg nur noch an die König« lich Württembergische Artillerie- und Traindepot- Direktion und in sämtlichen übrigen Bundesstaaten nur noch an die Königliche Gewehrfabrik in Spandau oder an deren durch schriftlichen Auftrag ausgewiesene
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Krauenlieöe.
Roman von Clara Aulepp-Stübs. 38
Der alte Herr sagte dann wie beiläufig zu seinem Sohn: „Weißt Du, daß Heinz in Afrika verwundet wurde?"
Giovanni erschrak ebenso wie Lotti und Frau Doktor.
„Heinz verwundet? Nein, ich weiß noch nichts davon!"
„Papa, Heinz verwundet? Ach, schnell, sage doch, gefährlich?" Lottis Augen hingen gespannt an des Kom- merzienrats Lippen. Sie dachte an Ria Förster, Heinz' heimliche Braut. O, wie ihr diese leid tat! Aber vielleicht war es noch nicht so schlimm.
„Papa, sag doch!" bat sie nochmals.
„Na, heut früh war von Heinz ein Kainerad bei mir. Er sollte außer geschäftlichen Sachen von Heinz Grüße bestellen und sagen, er hoffe in etwa einem Monat so weit wiederhergestellt zu sein, um sich dem Rücktransport anschließen zu können."
„Ja, aber von seiner Verwundung hätte man doch etwas erfahren müssen," meinte Giovanni.
„Das hat er nicht gewollt, sich ausdrücklich verbe-
„Ach, ich verstehe — um Rias willen; sie sollte sich nicht ängstigen. Sie war ja außer sich, als er trotz ihrer Verlobung doch noch einmal hinausging. Es war ja auch zu schrecklich!"
„Ja, Kind, wenn die Pflicht ruft — Heinz ist Soldat."
„Die Pflicht! — Das Wort erinnerte die junge Frau wieder an das, was zu tun für sie auch eine Pflicht war. Sie konnte ihre Ungeduld kaum mehr bezwingen, bis sie nach Tisch das Gespräch wieder darauf bringen konnte.
Beauftragte verkauft oder geliefert werden. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Meldepflicht für Fahrraddecken und Fahrradschläuche durch die Beschlagnahme nicht geändert wird. Der Wortlaut dieser Nachtragsverordnung ist im amtlichen Kreisblatt einzusehen.
—* Zu der Bekanntmachung betreffend Bestandserhebung von tierischen und pflanzlichen Spinnstoffen und daraus hergestellten Web-, Wirk- und Strickgarnen (W. M. 58/9. 15. K.R.A.) ist ein Nachtrag erschienen, dessen Anordnungen am 31. Dezember 1915 in Kraft treten. Durch diesen Nachtrag wird der § 3 der vorgenannten Bekanntmachung dahin erweitert, daß allmonatlich meldepflichtig sind auch samt liche Vorräte folgender tierischer Spinnstoffe:
I. Mohair VI. Ziegenhaare
II. Kameelhaare VII. Kälberhare
III. Alpaka VIII. Rinderhaare IV. Kaschmir IX. Fohlenhaare
V. Zickelhaare X. Pferdehaare mit Ausnahme von Schweif- und Mähnenhaaren und die aus den Stoffen zu 1—IV hergestellten Web-, Wirk- und Strickgarne. Meldepflichtig sind jedoch nur Vorräte einer jeden Gruppe, die mindestens 100 kg betragen. Der Wortlaut der Nachtragsbekanntmachung ist in der Beilage zum amtlichen Kreisblatt einzusehen.
—* Eine am 31. Dezeuiber 1915 in Kraft tretende Bekanntmachung betrifft ein Veräußerungs- und Ver- arbeilungsverbot von reiner Schafwolle, Kameelhaaren, Mohair, Alpaka, Kaschmir oder anderen Tierhaaren sowie deren Halberzeugnissen und Abgängen. Die Bekantmachung verbietet die Veräußerung und Verwendung der von ihr betroffenen Spinnstoffe und Tierhaare, deren verschiedene Sorten einzeln aufgeführt sind, anders als zu Heeres oder Mannezwecken. Die Anordnungen bestimmen genau, welche Veräußerung oder Verwendung als eine solche zu Heeres- oder Marrnezwecken anzusehen ist. In der Bekanntmachung sind bestimmte Ausnahmen festgesetzt. Insbesondere beziehen sich die Anordnungen nicht auf die Mengen Spinnstoffe, welche nach dem 14. August 1915 und auf die Mengen Tierhaare, welche nach dem Inkrafttreten der Bekanntmachung aus dem Auslande eingeführt sind. — Besondere eingehende Bestimmungen sind für Kammgarnspinner getroffen. Der Wortlaut der Bekanntmachung kann in der Beilage zum amtlichen Kreisblatt eingesehen werden.
—* Eine Bekanntmachung betreffend Veräußerungs-, Verarbeitungs- nnd Bewegungsverbot für Web-, Trikot-, Wirk- und Strickgarne tritt am 31. Dezember 1915 in Kraft. Von dieser Bekanntmachung werden sämtliche Vorräte ungefärbter, gefärbter, " melierter Webgar^a, Trikotgarne- sowie StrickgE!—kKTkMk^ gleichviel, ob diese Garne hergestellt sind aus reiner Wolle, Kamelwolle, Mohair, Alpaka Kaschmir irgend welcher Art oder aus Spinnstoffen aus reiner Wolle Kamelwolle, Mohair, Alpaka, Kaschmir oder aus reiner Mischung der vorgenannten Spinnstoffe ohne oder mit einem Zusatz von Kunstwolle. Die Veräußerung aller vorbezeichneten Garne zu anderen als zu Heeres- oder Mannezwecken ist vom 31. Dezember 1915 ab verboten. Als Veräußerung zu Heeres- oder Marinezwecken gilt nur eine an die Kriegswollbedarf- Aktrengesellschaft, Berlin SW. 48, Verlängerte Hedemannstraße 3, oder eine mit Genehmigung der K iegs- Rohstoff-Abteilung des Preußischen Kriegsministeriums an Militär« oder Marinebehörden vorgenommene Veräußerung. Von den Garnen, deren Ankauf die Kriegswollbedarf-Akliengesellschaft ablehnt, sind Muster an dre Knegs-Rohstoff-Abteilung zu übersenden, die über die Verwendung dieser Garne befinden wird Die
Der Kommerzienrat blieb kalt ihrer Entrüstung gegenüber. „Ja, Lotti, da ist vorläufig nichts zu machen. Die Geschäftsleute müssen ihre Ware billig absetzen, weil die Konkurrenz das verlangt, folglich können sie auch nur niedrige Löhne zahlen."
„Ja, ich verstehe das wohl, aber eine Abhilfe muß es da geben, und wenn es eben noch keine gibt, so muß eine geschafft werden!" Die junge Frau war von ihrem Platz aufgestanden; sie war zu erregt.
Ihr Schwiegervater bemerkte weiter: „Man tut, was man kann, aber um Fraueneriverb kümmere ich mich nicht, die Männer machen mir schon genug zu schaffen."
Giovanni lächelte. Er kannte seinen Papa, wußte, warum dieselben ihm zu schaffen machten, schwieg aber.
Frau Doktor Falk bemerkte: „Da sind so viele Wohl- tätigkeitsvereine, so viel Stiftungen, könnte denn von dieser Seite nicht etwas geschehen?"
„Einigen Familien geholfen werden, o ja! Aber die Heimarbeiter bilden eine ganze Jndustriegruppe für sich, da wird nicht viel zu machen sein," äußerte sich Giovanni.
„O, das wollen wir doch sehen!" riefLotti mitblitzenden Augen. „Soll eine deutsche Frau vielleicht die Hände in den Schoß legen und ruhig zusehen, wie ihre armen Mitschwestern zugrunde gehen? Mögen andere das fertig bringen — ich kann es nicht und werde auch Mittel und Wege finden, die ich gehen kann, um zu helfen."
«Lotti, laß Dich in den Reichstag wählen, das ist der nächste Weg dazu," sagte Giovanni, um die ernste Stimmung hinwegzuscherzen, aber es gelang ihm nicht, das sorglose Lächeln wieder hervorzuzaubern, das ihn vorhin so sehr entzückt.
Lotti blieb ernst, obwohl liebenswürdig und unterhaltend rote immer. Es ging ihr viel zu viel durch den Kopf. Da war nun auch Ria, die arme Ria, die ihr leid tat. Wenn nun ein tückischer Zufall ihr die Nachricht
Bekanntmachung enthält eine Reihe von Ausnahmen von dem Veräußerungsverbot. Insbesondere fallen nicht unter das Veräußerungsverbot: alle im Haushalt ode. in Hausgewerbebetrieben zum Zwecke der eigenen Verarbeitung befindlichen Mengen; 10 vom Hundert der Vorräte, die sich beim Inkrafttreten der Bekanntmachung bereits in Warenhäusern, und 30 vom Hundert der Vorräte, die sich zu diesem Zeitpunkt in sonstigen offenen Ladengeschäften zum Kleinverkauf und zum Verkauf an Hausgewerbebetriebe befinden. An diese Ausnahme ist die Bedingung geknüpft worden, daß die Gegenstände auch tatsächlich für die Verar- Heilung im Haushalt und zum Verkauf in Hausgewerbebetrieben weiterhin feilgehalten werden und ihr Verkaufspreis nicht höher bemessen wird als vor dem Inkrafttreten der Bekanntmachung erzielte. Das Färben, Zwirnen, Verweben, Verstricken, Verwirken sowie jede andere Art der Verarbeitung und Verwendung der von der Bekanntmachung betroffenen Garne ist künftighin verboten. Sie darf nur zur Herstellung solcher Erzeugnisse vorgenommen werden, deren Anfertigung von den in der Bekanntmachung näher bezeichneten militärischen Stellen in Auftrag gegeben ist. Von diesem Verarbeitungs- und Verwendungsverbot bestehen eine Reihe von Ausnahmen. U. a. sind nicht betroffen die Garne, die sich vor dem 31. Dezember 1915 bereits im Web-, Wirk- oder Strickprozeß be- fanden; die Mengen, die die Kriegs Rohstoff-Abteilung aus ihren Beständen durch bestimmte in der Bekanntmachung bezeichnete industrielle Verbände verkauft hat; bestimmte Teile der Bestände eines jeden Eigentümers: die Strickgarne, die im Wege des Kleinverkaufs in den Haushalt oder in Hausgewerbebetriebe übergegangen sind. Jeder Wechsel im Gewahrsam der von der Bekanntmachung betroffenen Garne ist — mit bestimmten Ausnahmen — verboten. Der Wortlaut der Bekanntmachung, die verschiedene Einzelb stimmungen enthält, ist in der Beilage zum amtlichen Kreisblatt einzusehen.
* Fulda. Die beiden Ortschaften Großentaft und Soisdorf in der Rhön feierten in diesen Tagen das Fest ihres 1100jährigen Bestehens.
* Fulda. Wegen Schubkarren Diebstahl pp. wurde von der Strafkammer zu Fulda der vielfach vorbestrafte 52jährige Schäfer Gregor Eckert aus Sonder- nau und die 43jährige, von ihrem Mann getrennt lebende Frau Luise Vütz geb. Fischer aus Offenbach, ersterer zu 3 Jahre Zuchthaus, letztere zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
* Frankenberg. Unter den Schafzüchtern unseres Kreises macht sich seit einiger Zeit das Streben bemerkbar, das seit Jahren nunmehr gezüchtete englische Schaf allmählig abzuschaffen und durch durch das
W Wen- Das englische Schaf war..... sehr beliebt wegen seines Fleisches, wenn es auch weniger Wolle brächte. Das Frankenschaf ist dagegen mit dem ; schlechtesten Rindfutter zufrieden und gibt mehr Wolle als das englische. Es sind in der letzten Zeit schon wertvolle Zuchtböcke aus Süddeutschland bezogen worden. Gewiß war auch noch vereinzelt das alte hessische Landschaf zu finden; dieses hat aber auch eine rauhe Wollet'und ist auch mit geringerem Futter zufrieden. In Oberhessen hat sich dieses Schaf . bis heute erhalten, und die Winterschäfer, welche jeder einzelne etwa 500—800 Stück auf seinen Weidereisen von der Winterberger Hochfläche mit sich führt, haben meistens auch dieses Schaf.
* Cassel. Im staatlichen Auftrage ^sollen in der Provinz Hannover 64 000 Schweine für die Städte Hannover,^Cassel, Wiesbaden und Düsseldorf bis zu je 225 Pfund gemästet werden. Die Landwirte, die sichZzur^ Mast^bereiterklärten, erhalten fünf Zentner
von ihres Bräutigams Verwundung zutrug — ohne die mildernde Geivißheit, daß er bald geheilt zurück- kehrte? — O, das wäre doch furchtbar! Sie liebte ihren Heinz doch so sehr I Lotti sah unwillkürlich ihren Mann an und dachte sich an Rias Stelle.
Da hob Gio gerade wieder das Glas und, als er ihren Blick auf sich gerichtet sah, trank er ihr zu: „Auf Dein Wohl!"
Sie nickte, dann bat fiel „Trink lieber nicht mehr, es bekommt Dir schlecht."
Er lachte etwas gezwungen. „Wie Du nur so etwas sagen kannst!"
„Ja, mein Sohn. Deine Frau hat ganz recht." Der Kommerzienrat lachte höhnisch.
Das brächte Giovanni furchtbar auf. „Papa! Du — o Du!"
Er war aufgesprungen, schleuderte den Stuhl zurück. Im Nu war Lotti neben ihm.
„Gio. so schlimm war es doch nicht gemeint," versuchte sie ihn zu begütigen.
„Soo? Ja, das ist nun so'ne Art, einen zu quälen und zu reizen und dann zu sagen — schlimm war's nicht gemeint! Das ist wohl schließlich dasselbe, wie einem lebenden Tiere das Fell abziehen und es dann fragen: Es tut doch nicht weh? He, oder bist Du vielleicht für die Vivisektion, Lotti? — Und wenn nicht, nun, dann lern' von Deinem Schwiegervater, laß Dir von ihm die Nerven zeigen, die am empfindlichsten sind, und wenn dann die Sonde sie trifft, sie zucken und beben dann, mein Kind, wundere Dich nicht, wenn das Versuchstier sich aufbäumt und wenn — wenn es schließlich die Fesseln zerreißt!"
Giovanni hatte laut in sich überstürzenderHast gesprochen, als ob er befürchtet, unterbrochen zu werden. Doch niemand dachte daran. Es war da plötzlich eine Leidenschaftlichkeit, ein Unterton, der zur Vorsicht mahnte. 219,18*