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Schlucht?

mit amtlichem Areisblatt.

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Telefon Nr. 65.

, Monatsbeilage: kandwirtschaftlicker Ratgeber.

Wochenbeilags: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mttw-ch und Samstag. - Preis mitKreteHott" »i-rl-ljähEch 1 «W. - Anzeigen k-ft-n Sie kr-in- gelte °K- d-r-n L>um 12 pf^

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Werden Bestellungen auf die

Schlüchterner Zeitung"

mit amtlichemKreisblatt"

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

InCAnüifiii finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- ern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Horch! Wie auf Engelsschwingen schwebt es gen

Himmel empor, Kirchenglocken erklingen im gewaltigen Chor .... Eiw geheimnisvoll Weben reget sich unsichtbar, Hcule tritt ja ins Leben wieder ein neues Jahr I Wie die Sterne erbleichen bei der Sonne Beginn, Muß das alte Jahr weichenmüde geht es dahin. Bettet sich still zum Schlummer in sein urewiges Grab, Nähnt' es doch all' unsern Kummer, unser Leid mit hinab!

Die, welche Rückschau halten in die entschwundene Zeit, Grüßet in Wort und Gestalten heut die Vergangenheit; ziäisspstKcheh' K iMvWiHW ' Doch ward mi^ Leben umwunden

utschlän

siegreicher Ar!

Ob sich's zum Frieden nun wende ob weiter der Kampf besteht

Was uns das Schicksal auch spende, was unser Sinn auch erfleht,

Klaglos und tapfer tragen wollen wir immerdar, Was an dunklen Lagen bringt uns das neue Jahr. .

Laßt in die Zukunft uns schauen siegreich in heiterem Mut

Und hüten das Gottvertrauen als unser heiliges Gut Laßt uns in allen Geschicken, wie sich das Los auch gewandt,

Gottes Willen erblicken und seine Vaterhand. Horch! Wie auf Geisterschwingen schwebt's zu den

Wolken empor:

Menschenstimmen erklingen gläubig in betendem Chor

Iraurnkieöe.

Roman von Clara Anlepp-Stübs. 36

Ja, warum sollte denn die Frau die Hände in den I Schoß legen? Und vielleicht war es auch gar nicht so | schlimm mit ihrem Mann? Die Leute übertreiben im­mer so gern.

Aber die blassen, hohlwangigen Gesichter, die dürf­tige Kleidung, der ärmliche Hausrat und dann in den Augen der Frau diese verstohlene Angst.

Auch die beiden älteren Kinder galten diesen Aus­druck. Sie arbeiteten so lantloS, so emsig. Anch die Kin- ; der in der Ecke gaben keinen Lallt von sich, es herrschte ein Schweigen in der kleinen Stube, das Lotti nun J mit einem Male fast unheimlich empfanb und deshalb W mit der Frage unterbrach:Was bekommen Sie für ein g solches Kleidchen?"

Je nun, das ist verschieden! ES macht doch eins ? mehr Arbeit als das andere. Ich rechne so den Durch« schnittSverdienst auf sechs Pfennige in der Stunde!"

Aber Frau Larsen, das kann doch nicht möglich | fein, das ist doch zu wenig!"

Nee, das is genug; Ich werde noch ganz gut be­zahlt, viele Geschäfte geben weniger als meinS, für das : ich nun zwölf Jahre arbeite."

Und wie lange arbeiten Sie denn täglich?"

Frau Larsen ivars einen forschenden Blick auf ihren Besuch, besann sich einen Moment und sagte dann ru­hig:Vierzehn Stundeu müssen sein und da helfen noch die Kinder mit I

/Ich bitte Sie, Frau Larsen! Warum müssen Sie vierzehn Stunden arbeiten? Sie brauchen doch nicht allein für sich und Ihre Kiilder zu sorgen, Sie*

Ein laute- Poltern in der Kammer nebenan ließ Lotti jählings verstummen.

41 Frau Larsen war aufgesprungen und ging rasch hin»

Samstag, den 1. Januar 1916

Deutschland Gott doch erhalte!" Hoch schwingen die Klänge sich.

Gott, zum Heil es uns walte! Neujahr wir grüßen dich!"

Neujahr im Weltkrieg.

Jahrzehnte rauschen hinaus ins Meer der Ewigkeit, ohne sichtbare Spuren zurückzulassen; aber dies ver- flossene Jahr hat seine blutigen Fußstapfen tief der armen Erde eingeprägt. Unser Herz hat viel miterlebt und viel miterlitten, bei Siegen gejubelt und bei Ver­lusten getrauert, Ströme Blutes sind geflossen, unerhörte Taten getan, ungeheure Erfolge errungstk^Mid doch sind die Ereignisse nicht abgeschlossen, sondern eine ereiguis- schwere Erbschaft überlätztoas alte Jahr dem neuen, ohne daß wir wissen, wie weit der Umfang reicht, und wann das Ende sein wird. Gleichwohl erhebt uns der Jahreswechsel auf eine höhere Warte und gestattet uns weitere Umschau. Das stauneude Auge liest im Buch der Weltgeschichte eine Flanuuenschrift waltender Gottesge­rechtigkeit, die keine Hand verlöschen und kein Staub ver­dunkeln darf. Gleich hellen Fanalen leuchten die Namen wichtiger Schlachtorte, auf denen die deutschen Truppen und ihre Verbündeten glänzende Siege erfochten. Weite Gebiete feindlicher Länder sind in deutschem Besitz und die Waffenrüstung unserer Feinde ist zumeist in Scherben geschlagen. Hoch oben thront der allmächtige Gott, der unsere Zuflucht für und für g e- w e s e n i st. Menschen durften seine Werkzeuge sein, und Gottlob, daß es nicht an Menschen gefehlt hat, die seine Gedanken und Pläne ausrichteten: da die Staats­männer und hier die Feldherren und ihnen voran der erlauchte Hohenzollerusproß, eines Hauses von halb­tausendjähriger ruhuireicher Vergangenheit, der nach der Ueberlieferung nichts anderes als der erste Di.-mer seines Staates sein will, Wilhelm n

XA? 111-*!»^«^^^ ----- ' v kunft stumm; aber desto lauter redet Gottes Wort m Verheißungen der Hilfe und Kraft. Wunden bluten, Tränen fließen, Herzen klopfen weiter bei den Fragen der kommenden Zeit; aber unsere Akot ist nicht ohue Trost, und unser Glaube ist unverzagt, und unser Mut keNnt die ewige Quelle, woraus er sich immer wieder erneut. Nicht die Wucht unserer Mörser, nicht die Menge unserer Maschinengewehre und nicht die Zahl unserer Zeppeline und Unterseeboote schafft den endlichen Sieg, sondern nach der Erfahrung des verflossenen Jahres bauen wir auf den ewig treuen Gott, und was sie uns gelehrt, halten wir freudig fest: Gott s i tz t i m R e g i m c u t e und führet alles wohl!

Lokales und Krovinsielles.

Schlüchtern, den 31. Dezember 1915.

* Gute Tage mehr denn solche, von denen man sagt, sie gefallen uns nicht, mögen unsere Leser im

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ein. Man hörte sie sprechen; ihre Stimme klang beschwich- tigend.

Betty und Hinrichsen sahen ängstlich auf Lotti, die blaß geworden rvar. Die Kleinen in der Ecke drückten sich wie scheue Küchlein aneinander; sie hatten die Schür­zen über die Köpfchen geworfen, wie es Kinder tun, die sich verstecken wollen. Und nun von der Kammer her immer wieder die sanfte, jetzt angstvoll erhöhte Frauen­stimme.

Lotti stand auf.Ich will gehen, Kinder! Grüßt die Mutter, ich komme ein andermal wieder!"

Sie reichte den Kindern die Hand, knöpfte die Pele­rine zu und wandte sich zur Tür; alles in einer dump­fen Benommenheit, einend gequälten Horchen nach der Kammer zu. .

Jetzt trat Frau Larsen wieder ein, kam hastig zu ihr.

Gnädige Frau seien Sie mir nicht böse bitte gehen Sie lieber jetzt!"

Sie stieß die Worte förinlich heraus, ihre Brust wogte, als ob sie eben eine furchtbare Anstrengung gehabt hätte mit jemand gerungen vielleicht?

Lotti preßte die Hände der Frau.

»Ich gehe schon, beruhigen Sie sich nur!" sagte sie warm., ,

Ich bin ganz ruhig!" Sie zwang sich, dem Besuch ins Gesicht zu sehe,!. ... r

Lotti erschrak vor dem Ausdruck tu demselben. Mit einem abermaligem Händedruck wollte sie gehen, öffnete schon die Tür zum Borraum, wandte aber erschrocken den Kopf, als hinter ihr lautes, dröhnendes Sprechen erscholl.

Airs der Kammertür torkelte eine hühneuhafte Man- nergestalt in die Stube. Lotti snh ein rotes, aufgedun­senes Gesicht, einen Wald von hellblonden Haaren, einen kurz gehaltenen wirren Backeubark.

In dre Düwels Namen, D«nn«Wg, Kaffee her! Eine mächtige Mist schlug auf die Tischplatte.

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neuen Jahre auf dem Wandkalender zu verzeichnen haben, welche der heutigen Auflage unserer Zeitung beigelegt ist. Das ist der Wusch, mit dem wir diese kleine Gabe all unseren Lesern von fern und nah hierdurch überreichen.

* Warnung vor dem Versandt alkohol­haltiger Genußmittel an Soldaten. Zu Be­ginn der kälteren Jahreszeit ist wieder mit dem An- Preisen alkoholhaltiger Liebesgabin in verschiedenster Form zu rechnen. Im vergangenen Winter sind zahl­reiche derartige Erzeugnisse in den Verkehr gelangt, die vielfach minderwertig und viel zu teuer waren. Vor solchen Zubereitungen wird dringend gewarnt. Aber auch von der Versendung anderer alkoholischer Mnußmitrel an die Soldaten ist^rnüsich abzüralen, weil em unkomrolllerbarer Alkoholgenuß den Truppen nur Schaden bringt, indem er die Gesundheit und Wider­standskraft herabsetzt, die Umsicht, Besonnenheit, Aus­dauer und Entschlossenheit beeinträchtigt und die Zucht und Ordnung gefährdet. Es muß allein der Heeres­verwaltung überlassen bleiben, die Abgabe von Alkohol an die Truppen nach ihrem sachverständigen Ermessen zu regeln. Wer Alkohol unmittelbar an die Soldaten schickt erweist ihnen keinen Liebesdienste sondern schädigt ihre Kriegstüchtigkeit.

* Im Interesse unserer Leser Reifen wir auf dir im Anzeigenteile enthaltene Bekanntmachung des Königlichen Hauptzollamtes m Hanau gern hin und bemerken auf Ersuchen zur näheren E läuterung noch folgendes: Nach dem neuen Stempelsteuergesetz sind sämtliche während der Dauer eines Jahres in Geltung gewesenen Miet- und Pachtverträge über die in der Bekanntmachung angegebenen Gegenstände (auch die vG mündlich ahMchlMenen^ steuerpflichtig. Dabei Jahr hindurch, oder nur^eme türze zeulang in Krd gewesen ist. Befreit sind nur solche Verträge bei denen der für die ganze Dauer des Vertrages zu ent­richtende Zins zusammen 150 Mk. nicht übersteigt. Dem Zinse sind alle WlAeld bestehenden Nebenleistungen an Vermieter für SchornsteiuMnigung, Müllabfuhr, Beleuchtung, Warmwasserversorgung, Zentralheizung, Fahrstuhlbenutzung usw. zur Berechnung seiner steuer­pflichtigen Höhe zuzurechnen. Auf die Verpflichtung der Vermieter zur Ausstellung und Besteuerung der Mietver- zeichnifsrist es ohne Einfluß, ob sie selbst die Räume von einerandern gemietet haben und sie möbiliert oder un- möbiliert weiter vermieten. Befreit sind nur solche Mietverträge durch die Gastwirte oder Zimmerver­mieter Fremde zur Beherbergung, also nur vorüber­gehend aufnehmen. Für die Vermietung von Wohnungs­und Geschäftsräumen ist zu beachten, daß die Hälfte

Mußt Du denn ümmer so grasig fluchen, Badding? Kumm, gah man ersten besten litten, hier!"

Frair Larsen-schob dem Mann den Stuhl an den Tisch. Doch dieser torkelte jetzt auf die Ecke beim Ofen zu, ivo neben dem Kindertifch ein alter, abgenutzter Rohr­sessel stand.

Oho wllllt wot taun hörn kriegen? Sall ick die tau nichts slahn?" brüllte er und ballte die kräftigen Fäuste gegeil die Frau.

Dann sah er die Kinder, die sich noch mehr tn die Ecke gedrückt hatten.Oho, de lütten Görn!" Er stieß ein grimmiges Lachen aus, packte die Kinder und zog sie hervor. Die Kinder weinten laut vor Angst. Da warf der Mann sie der Mutter vor die Füße:In dre Düwels Namen, Dnnnerslagg, schall ickju all tau nichts slahn?"

Ladding, Vadding, sie gand!" flehte die Frau und drückte mit Bitten und Schmeicheln den Riesen m den alten Sessel neben dem Ofen, während die kleinen Mäd­chen schmerzvoll wimmerten und die ältesten m« angit- verzerrten Gesichtern Stich an Stich reihten, still, mut­los, sie mußten ja arbeiten, jede verlorene Minute war kost­bar,jede Minute von der Stunde zu |'ed)S Pfennig.

Ein Schauder schüttelte Lottis Körper. Sie suhlte ein unendliches Erbarmen, aber zugleich einen ü\d. Um. ue« ser trieb sie fort: Nur fort, fort, den Menschen oder das Tier da nicht sehen, denn das war doch kemMensch, der da mit zottiger Mähne n- dem alten Stnhl sich rekelte und brüllte, das war doch kem Mensch? -

So weit konnte sich doch ein Mensch nicht vergeffen, dau er seine armen, imschnldigen Kinder so brutal Miß- fianbelte und seinem Weibe mit Totschlag drohte? Das tat doch kein Mensch? 219,18*

Während sie den Strandweg zurückging und mit Grausen an die Szene dachte, deren Zeugin sie eben gewesen, überfiel sie eine lähmende iSchwäche. Die zit­ternden 'Kniee wollten ihr den Dienst versagen. Es ivar gut, daß der Wind ihr jetzt half, sie vorlvälts trieb. ^