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mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Mochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. .... Telefon Nr. «Z.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile od^r bereit Raum^^ jpfg"

X 105.

Mittwoch, den 31. Dezember 1913.

64. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 14359. In Sterbfritz ist die Schweineseuche wieder erloschen.

Schlüchlern, den 29. Dezember 1913.

Der Königliche Landrat: I. V.: Schultheis.

Sylvesterträume.

Vorüber, rasch vorüber

Ein Jahr, so bald vorbei!

Es welkte manche Rose, Manch volle, Dornenlose, Die sich erschloß im Mai.

Vorüber, rasch vorüber, Süß lächelnd zog das Glück: Aufleuchten!) wie die Sonne, Ein Meer von Farbenwonne Sank es in nichts zurück.

Vorüber, rasch vorüber Weit über Zeit und Raum;

Rauschte in wilden Wogen,

Von mancher Fahrt betrogen,

Der Sehnsucht stiller Traum.

Vorüber zog, vorüber

Auch mancher bittre Harm,

Und aus der Nacht der Sorgen

Entstieg ein goldner Morgen,

So hell und frühlingswarm.

Vorüber muß, vorüber Rasch alles, was einst war Halb freudig, halb befangen, Mit Hoffen und mit Bangen Trat' ich ins neue Jahr.

Hermann Haase.

Neujahr.

Prosit Neujahr!" so tönts morgen auf den Straßen:Prosit Neujahr:" so ruft einer dem andern zu.Prosit Neujahr:" d. h. das neue Jahr möge dir Nutzen bringen! Doch was sind der Menschen Wünsche? Sie sind ein Hauch, im besten Falle ein Hauch der Liebe; aber Kraft, Kraft zur Erfüllung bergen sie nicht in sich. Die liegt allein in der Lebensfülle unsres Gottes und Heilandes. Darum wohl dem Menschengeschlechte, daß Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit, am ersten Tage des neuen Jahres, wieder vor unser Angesicht tritt. Er steht vor der Türe und klopft an. Möchten wir ihn als Geleitsmann für das neue Jahr

annehmen, möchte kein Haus ohne diesen Gott und Herrn, kein Herz in Stadt und Land ohne diesen Heiland sein! Dann würde unser Leben im begonnenen Jahre nach Leib, Seele und Geist des tragenden, sicheren Heilsgrundes nicht entraten; dann würde gut wohnen im Hause sein, ob es Sonnenlicht umflutet oder ob es der heulende Sturm umtost.

Ein Schleier liegt über dem neuen Jahre; niemand kann ihn heben. Wir sollen es auch nicht können Vertrauen sollen wir, vertrauen von ganzem Herzen dem Munde, der in seiner Gnade uns so Großes ver­heißen hat, der treuen Gottesliebe, die uns nichts Böses gönnen kann, die uns dies Jahr in allen Stücken zu einem Gnadenjahre machen möchte. Wer freilich an einen persönlichen Gott nicht glaubt, wessen Gott ein blind waltendes Schicksal ist, der mag wohl mit Bangen, ja mit Grauen an der dunklen Schwelle des neuen Jahres stehen und in dumpfer Ergebung erwarten, was es über ihn ergehen lassen wird. Und da das Herz einmal so beschaffen ist, daß es nicht aller geistigen Regungen bar bleiben kann, wird ein solcher zum heidnischen Fatalisten oder zum aber­gläubischen Feiglinge, der zitternd und zagend, viel­leicht gar durch allerlei närrische Zaubermittel sein Schicksal" um die Zukunft befragt, wohl gar glaubt, es sich günstig stimmen zu können. Wir beneiden solcheAufgeklärte" nicht. Wie viel glücklicher sind die, die, auf dem Boden der christlichen Weltanschauung stehend, wissen: Es kann mir nichts geschehen, als was er hat ersehen und was mir dienlich ist."

Das Reich Gottes geht gewiß auch ohne der Menschen Gunst seinen Lebensgang und Siegeslauf durch die Welt, aber wie köstlich wäre es, wenn das neue Jahr recht viele treue Arbeit und herzliche Für­bitte fände für die großen Aufgaben und Ziele der Nation und der Kirche. Wer nur eigensüchtig an sich denkt, vergißt seine Pflichten gegen die nationale und kirchliche Gesamtheit, wer aber in heiligem Eifer die Angelegenheit des Ganzen an seinem Teile auf sich nimmt, wird für sein Einzelleben dabei die Gewißheit und Zuversicht erlangen:Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl."

Deutsches Reich.

Ueber die Aufwandsentschädigungen an söhne- reiche Familien schreibt dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung": In dem Gesetz betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushaltetat für das Rechnungsjahr 1913 ist bekanntlich die Zahlung von Aufwandsentschädigungen an solche Familien vorgesehen, von denen bereits drei Söhne ihrer gesetzlichen zwei- oder dreijährigen Dienstpflicht im Reichsheer oder in

der Marine als Unteroffizier oder Gemeine genügt haben oder noch genügen, und zwar in Höhe von 240 M. für das Jahr während der gleichen gesetzlichen Dienstzeit eines jeden weiteren Sohnes in denselben Dienstgraden. Zurzeit sind die beteiligten Ressorts mit der Ausarbeitung der erforder­lichen AusführungSvorschriften befaßt. Ueber die zahl­reichen Anträge, die auf Grund der neuen Bestimmungen an die zuständigen Reichs- und Staatsbehörden ge­richtet werden, kann daher augenblicklich noch nicht ent­schieden werden. Es steht indes so viel fest, daß die Beträge nachträglich in Halbjahresraten gezahlt werden sollen. Da die Vorschrift über die Zahlung von Aufwandsentschädigungen gleichzeitig mit d^r neuen Wehrvorlage am 1. Oktober 1913 in Kraf' getreten ist, wird die erste Halbjahresrate im Betrage von 120 M. Anfang April 1914 zur Auszahlung gelangen.

Zur Frage der Einsuhrscheine hat der Ausschuß des Ostpreußischen Konservativen Vereins folgende Entschließung angenommen:Der Ausschuß des Ost« preußischen Konservativen Vereins erhebt entschiedenen Einspruch gegen die von sozialdemokratischer und liberaler Seite betriebene Zerstörung des Systems der Getreideeinfuhrscheine. Dieses wirkt ausgleichend auf die Preise im Osten und Westen des Reiches, macht - so die durch Klima und Lage benachteiligte Land­wirtschaft des Ostens, insbesondere Ostpreußens, wenig« stens einigermaßen konkurrenzfähig und bildet zugleich, wie die Königsberger Kaufmannschaft wiederholt be­kundet hat, eine unentbehrliche Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung der Provinzialhauptstadt. Ostpreußen schuldet den konservativen Neichstagsabge- ordneten. insbesondere dem Grasen. Kanitz, Dank für ihre energische Abwehr jener das ganze Wirtschafts­leben der Provinz schwer bedrohenden Bestrebungen, wobei zu bedauern ist, daß die nichtkonservativen ost­preußischen Reichstagsabgeordneten sich durch den Parteistandpunkt bisher von einer ebenso energischen Vertretung der Lebensinteressen unserer Heimatprovinz haben abhalten lassen."

Die Verurteilung eines sozialdemokratischen Redakteurs in Hamburg enthüllte wieder einmal die schamlose Art und Weise, wie die rote Presse das Volk zu verhetzen und zu verbittern sucht. Der ver­antwortliche Redakteur Pertersohn vom sozialdemo- kratischen HamburgerEcho" wurde wegen Beleidigung des Kriegsgerichts der zweiten Marineinspektion in Wilhelmshaven und wegen Beleidigung sämtlicher Offiziere und Unteroffiziere der deutschen Armee, be­gangen durch zwei einzelne selbständige Artikel, zu insgesamt 1400 Mk. Geldstrafe bezw. 140 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein Artikel des Blattes hatte

Aus großer Zeit.

Roman von O. Elster. 7

Benjamin Stöckel erhob sich.Ich will mich auf den Heimweg machen. Eh' ich heimkomme, ist's Nacht. Also merkt Euch, Christian Ahrendt Ihr seid alt und krank Karl ist Euer einziger Sohn, muß den Hof bewirt­schaften und will in vierzehn Tagen heiraten."

Ja, ja, ich merk mir's schon, Stöckel,"

Guten Abend denn."

Guten Abend, Schulmeister, und laßt Euch draußen in der Küche von meiner Alten die versprochenen Speck­seiten geben."

Danke schön, Ahrendt, soll alles besorgt werden," lachte der kleine Mann, nickte Karl frenndlich zu und schlüpfte wie ein Wiesel aus der Tür.

Vater und Sohn standen sich allein gegenüber. Die Aehnlichkeit beider war unverkennbar. Beide große, kräf­tige Gestalten, die des Alten nur etwas nach vorn ge­beugt; beide große, blitzende, blane Augen unter vollen, gegen das lichte Haupthaar dunklen Brauen, auf bei­den Gesichtern ein etwas schwermütiger Zug, der in der Erregung zum finsteren Trotz und unbeugsamer Starr­heit sich verwandelte, beide das Urbild eines auf eigener Scholle stehenden, in sich selbst gefestigten Bauern, der rucht um eines Fingers Breite von dem, was ihm recht scheint, abweicht.

Da lies das Schreiben, Du sollst französischer Soldat werden," sagte der Alte ohne weitere Einleitung und deutete auf das Papier, das noch auf dem Tische lag.

Während Karl las, färbten sich seine Wangen dunkler und seine Augenbrauen zogen sich finster zusammen. Dann stieß er hervor:Ich französischer Soldat?Das fehlte mir gerade noch. Eher geh' ich in die Welt."

Gemach, gemach, ich bin auch Soldat gewesen, beim Regiment Hardenberg. Du wirst Dich doch nicht fürch-- Jen not der Muskete?"

Fürchten? Vater, ich sollt' meinen, daß ich Euer Sohn bin."

Recht so."

Aber gerade deshalb kann ich nicht französischer Sol­dat werden."

Sollst ja königlich westfälischer Soldat werden."

Das ist einerlei westfälisch oder französisch, ich tu's nicht."

Ja, was willst denn anfangen? Die Gendarmen werden Dich holen."

Ich geh' in die Welt."

Sprich nicht so dumm. In die Welt gehvn, das ist leichter gesagt, wie getan. Nein, hierbleiben sollst Du, den Hof bewirtschaften sollst Du, heiraten sollst Du, da­mit wir, ich und Deine Mutter, uns aufs Altenteil setzen können."

Vater?" Ein freudiger Schimmer leuchtete in Karls Augen auf. Er dachte an Gesine.

Ja, wenn ich nicht stets für Dich sorgte," fuhr der Alte schmunzelnd fort.Also paff' auf. Der Schulmeister setzt ein Schreiben an das Departement auf, in dem es heißt, daß ich zu alt und zu schwach bin, um den Hof noch länger bewirtschaften zu können, daß"

Aber das ist ja nicht wahr, Vater."

Was kümmert's Dich? Das nennt man reklamieren. Also, die Mittel hab' ich auch nicht, um mir 'nen tüch­tigen Knecht zu halten. Su bist mein einziger Sohn, Du willst Dich gerade verheiraten und den Hof übernehmen, da müßten die Herren im Departement doch einsehen, daß Du nicht dem Kalbfell folgen könntest. Bist Du da­mit einverstanden?"

Wenn's hilft ja Vater. Und für's heiraten ist ja auch gesorgt, ich hab' schon eine."

Ja, Du kannst gleich morgen nach'm Heidehof ym- überreiten unb um die Marie anh alten."

Was - Vater!"

Um die Marie anhalten," entgegnete der Alte scharf.

Sie wird nicht nein sagen, ich hab' schon mit dem Vater gesprochen."

Wieder zogen sich die Augenbrauen Karls finster zu­sammen, während ein tiefer Atemzug seine Brust hob. /

Nein, Vater," sagte er kurz,das tu ich nicht."

Was tust Du nicht?"

Um die Marie vom Heidehof anhalten. Ich mag das Mädchen nicht."

Donnerwetter!" Der Alte schlug so heftig mit der Faust auf den Tisch, daß die Fenster klirrten.Dir steckt wohl noch immer die blonde Hexe aus dem Fährhaus, im Kopfe?"

Ja, Vater, ich habe die Gesine lieb, wie sie mich lieb hat, und kein anderes Mädchen wird mein Weib."

Der Alte lachte rauh auf.Die Jungfer Habenichts? Die Tochter des alten Matrosen? Das wär' mir die richtige Frau im Ahrendthof, nee, mein Junge, daraus j wird nichts! Ich hab' znDeinerLiebschaft mitdemMäd-, chen nichts gesagt, so 'ne Dummheit begeht jeder mal. wenn er jung ist, aber heiraten? Da hab' ich ein Wört-, chen mitzureden."

Karl war leichenblaß geworden, er ballte die Hände und bebte am ganzen Körper.

Vater," stieß er hervor,Ihr könnt mich so viel schelten, wie Ihr wollt, das ist Euer Recht, aber Ge- sine zu beschimpfen, dazu habt Ihr kein Recht."

Wer will's mir verbieten ?" fuhr der Alte auf.

Ich, Vater!" entgegnete Karl, sich hoch emporreckend.

Da hob der Alte im vollem Zorne feine Faust, um den Sohn zu schlagen. Karl sah ihn starr und finster in das Auge, ohne im mindesten zurückzuiveichen oder mit der Wimper zu zucken. Des Alten Faust blieb ein-, porgehoben, ohne zum Schlage niederzufallen.

Schlagt zu, Vater," sprach Karlmit heiserer Stimme, ich muß es ja dulden, denn ich bin Euer Sohn, aber das sag ich Euch, von dem Augenblick an habt Ihr keinen Sohn mehr."

Des Alten Faust sank herab ^ « 210,18*