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Schüchterner Zeitung

mit amtlichem Ursisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratg^.

rcks»» Nr.«». Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon 9ir. es.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 104

Samstag, den 27. Dezember 1913,

64. Jahrgang

^'b ^ 04 Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schluchtern und Wert noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Pvstabonnenten, welche bis spätestens 29. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,

Wer eine IMmlM.............................

. , . m u daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar 1914 ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt,

muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Post­anstalt und feder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestelluugeu auf das mit dem 1. Januar 1914 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Dtutfches Reich.

Berlin. (Prinz Eitel Friedrich im Kriegs- ministerium). Prinz Eitel Friedrich, Major und Kommandeur des I. Bataillons des Ersten Garde- Regiments zu Fuß, der zweite Sohn des Kaisers, in» formirt sich seit einiger Zeit im preußischen Kriegs­ministerium über Verwaltungs-Dienstzweige, die für seine militärische Ausbildung von Wert und In­teresse sind.

Zum Abschied des Kronprinzen aus Danzig fand ein Abschieds Essen des Ossizierkorps dcs 1 Leib- Husarenregiments statt, an dem auch der kommandierende General des 17, Armeekorps, General der Kavallerie von Mackensen, und der Kommandeur der Leibhusaren­brigade, Generalmajor Graf von Schmettow sowie Prinz Friedrich Sigismund teilnahmen.

Die Verabschiedung des Mecklenburgischen Landtages ist durch Großherzogliches Reskripl erfolgt. Nach dem Reskript nimmt der Großherzog die Be­willigung der ordentlichen Landeskontribution an und genehmigt die zur Deckung der Bedürfnisse der LandeT- steuerkasse für das Rechnungsjahr 1914/15 von den Ständen bewilligte Erhebung der Einkommensteuer zum Einheitssätze des Steuertarifs nach § 16 des neuen Einkommensteuergesetzes sowie die Ergänzungssteuer nach dem Steuertarif desselben Gesetzes ferner den Voran­schlag der Eisenbahnverwaltung für 1914/15 nach Maßgabe der geführten Verhandlungen.

Zur Richtigstellung von Gerüchten in der Welfenfrage schreibt dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" an bevorzugter Stelle folgendes: Auf einer Generalversammlung des deulsch-haunöverschen Vereins in Nienburg hat nach Zeitungsmeldungen der Reichs- tagsabg. Freiherr von Scheele unter anderem gesagt, der Herzog von Cumberland wünsche, daß die Partei den Kampf um die Wiederherstellung des Königreichs Hannover fortsetzte. Wenn dabei daran gedacht sein sollte, daß die Welsen die Wiederherstellung Hannovers von einer freien Tat Preußens erwarten so hat der Reichskanzler im Reichstage deutlich genug gesagt, daß

dies leere Hirngespinste sind. Bei einem anders ge­dachten Kampfe kann sich die Partei nach den Er­klärungen, die der Herzog von Cumberland wiederholt dem Reichskanzler abgegeben hat, nicht auf den Willen des Herzogs berufen.

Einige Aenderungen der Wehrordnung sollen demnächst getroffen werden. So soll u. a. die An­meldung der Militärpflichtigen zur Rekrutierungs­stammrolle in der Zeit vom 2. bis 15. Januar er­folgen ; die Zahl der an einem Tage zu musternden Militärpflichtigen darf 130 nur ausnahmsweise über­steigen. Zurückstellungen Militärpflichtiger auf Grund besonderer, im Gesetz nicht ausdrücklich vorgesehener Verhältnisse, können ausnahmweise von der Ersatzbe­hörde dritter Instanz verfügt werden. Die vorläufige Entscheidung über auszuschließende Militärpflichtige kann auf Grund der von dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission beigebrachten Unterlagen ohne ärzt­liche Untersuchung von den ständigen Mitgliedern der Ersatzkommission schriftlich getroffen werden. Die Be­fugnis zur vorzeitigen Entlassung von Mannschaften aus dem aktiven Dienst aüs^ BtMgkeitSgrüuden geht auf die Ersatzbehörden dritter Instanz über.

Ausland.

Ueber Kupfererzfunde in Deutsch-Südwestafrika wird gemeldet, daß vielverheißende Funde dieser Art in Okatamba, östlich von Windhuk, gemacht worden find, die von dem Direktor der Otaviminen besichtigt wurden. Die Ausschließung ist indessen für die Ueber­nahme durch die Otaviminen noch nicht genügend durchgeführt. Eine Entschließung in dieser Beziehung erfolgt deshalb erst später.

Die Lage in Mexiko scheint für Huerta an­dauernd schwieriger zu werden, da die Macht der Re­bellen wächst. Der Washingtoner Agent der Rebellen hat den Londoner Agenten aufgefordert, dem Sekretär von Lloyds mitzuteilen, daß die Streitkräfte der Konsti- tutionalisten sich nach den Regeln des Völkerrechts als berechtigt betrachten, jeden Dampfer, gleichviel welcher Nationalität, zu zerstören, der für Huerta bestimmte

Kriegsmunition nach den merikanischen Territoriale- wäffern bringen sollte. Wie amtlich mitgeteilt wird, haben die Aufständischen Tampico von neuem ange­griffen. General Villa hat einen Befehl erlassen, in dem er erklärt, daß jeder, der bei der Plünderungfjoder beim Angriff auf fremdes oder mexikanisches Eigentum betroffen werde, hingerichtet werden würde. Sechs Aufständische, die den Wohnsitz eines Mexikaners plün­derten, sind erschossen worden.

Belgrad. Die Verluste der Serben in den Balkankriegen. Das Kriegsministerium veröffentlicht eine Liste, die die Verluste der Serben in den beiden Balkankriegen enthält. Danach haben die Serben im ersten Balkankriege 6500 Tote und 7500 Verwundete zu verzeichnen gehabt. Im Kriege gegen Bulgarien hatten sie 16 000 Tote und 17 000 Verwundete. Der Cholera sind 4700 zum Opfer gefallen.

Die Annahme des österreichischen Heeresbudgets durch die Delegation ist erfolgt. Im Laufe der Debatte ging der Kriegsminister Feldzeugmeister Ritter von Krobaiin auf die seitens der Delegierten vorgebrachten B,chtverd«n jinh Anreaunsen em und -gedachte in Worten des allerwärmsten ^yaltT^'^erimiwtren Unterstützung und des wohlwollenden Verhaltens der Bevölkerung während der letzten Krise sowie der voll­wertigen Leistungen der einberufenen Reserveoffiziere. Der Kriegsminister betonte, die Beziehungen zwischen der Armee und der Bevölkerung seien überall ohne Ausnahme die besten gewesen. Ferner halte er das Verhältnis zwischen Offizier und Mannschaft für ein vorzügliches und vertrauensvolles. Zum Schluß be« tonte er nachdrücklich, es gehöre ^u den schönsten Traditionen des österreichischen Heeres, daß es alle Nationen mit gleicher Liebe und Achtung umfasse.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 27. Dezember 1913.

* Die Kerzen am Weihnachtsbaum sind erloschen und der hellaufjauchzende Jubel freudiger Überraschungen und Dankbarkeit, der unter dem lichterstrahlenden Tannen- baum so viel Rührung verursacht, ist verstummt.

Aus großer Zeit.

Roman von O. Elster.

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Auf einer flachen Anhöhe stand regungslos die lange, dürre Gestalt eines Schäfers auf seinen langen Stab gestuft und sah träumenden Auges in den niedersinkenden, ver­schleierten Sonneuball hinein. Wie ein dunkler Schatten, über das menschliche Maß hinausreichend, hob sich der Umriß seiner Gestalt gegen den erleuchteten Himmel ab. Ihm zu Füßen lagerte die Herde der kleinen, braunen Heidschuucken int Gras und Kraut, und als eifriger Wächter umkreiste der struppige Hund ruhelos die ihm anvertraute Herde. Landleute zogen auf den kaum sicht­baren Wegen der Heimat zu. Als einzelne Oasen gleich­sam erhoben sich die Gehöfte aus dem weiten Heide­meer, umgeben von den Gärten und Feldern, sich in wei- tem Umkreise um das alte Kirchlein lagernd, zu dessen Sprengel sie gehörten. , .

Zusammenhängende Ortschaften, rote roeiter ofthqj, wie jenseits der Elbe oder weiter südlich nach Thürin­gen zu, gab es hier in der Marschgegend kaum. An der uralten Sitte der Vorväter festhaltend, lagen die Ge­höfte der Bauern weit zerstreut und das Auge des Frem­den vermochte nicht zn erkennen, wie weit sich eine 4Jrt» i jchaft erstreckte.

Aber auf diesen Gehöften wohnte ein starkes, zähes Bauerngeschlecht. Festhaltend an denalten Sitten und Gewohnheiten, treu der heimischen (Scholle, treu dem Vaterlande und dein angestammten Furstengeschlechte, lebten sie in einer abgeschlossenen Welt für stch. und selbst die gewaltigsten Kriegsereigmsse der letzten Jahre, der Zusammenbruch des alten deutschen Reiches, der Sturz Preußeils und die Zerstückelungdes deutschen Va­terlandes vermochte sie nicht aus ihrer schweigsamen Ruhe aufzuriitteln. Aber in ihrem Herzen nagte und wühlte der Gedanke, daß ihre Heimat jetzt unter fremder Herr­schaft stand, daß ihre Söhne jetzt den Fahnen deskor^

fischen Eroberers folgen mußten, um für dessen ehrgei­zige Ziele zu fechten und zu bluten; in ihrem Herzen nagte und wühlte der Gedanke, daß ihre alten Sitten und Gewohnheiten durch französischen Machtspruch be­seitigt roerben sollten, und zähneknirschend, mit geball­ter Faust gehorchten sie nur dem fremben Machthaber.

Ruhe und Frieden in der Natur! Aber Kampf und Unfrieden in der Welt! Kriegsgeschrei und Waffenlärm! Trompetengeschmetter und Trommelgerassel! Hufge­stampf und Knirschen der Geschütze! Knattern der Klein- gewehre und Gebrüll der Kanonen!

Ruhe und Frieden in der Natur! Aber Groll und Haß im Herzen der Menschen! Schmerz und Leid! Un­frieden und drohender Zorn! Unfrieden und Groll, Kum­mer und Sorge auch in dem Herzen Karls, als er lang­sam dahintrieb auf den Wellen der Weser und sinnend in dievorüberflutenden schimmernden Wogen schaute.

Sein elterliches Besitztum, der Ahrendtshof, einer der größten Bauernhöfe der Gemeinde Nienhagen, lag dem kleinen Fährhaus des alten Hans Heinrich Allerkamp schräg gegenüber, nur durch den breiten Fluß getrennt. Als Kinder schon hatten sie zusammen gespielt, Karl Ah- rendt und die blonde Gesine Allerkamp. Mit dem Va­ter waren sie zusammen zum Fischen gefahren, und wäh­rend der Alte stundenlang am Ufer saß und nach der Angelrute schaute, streiften sie Hand in Hand in der Heide umher, pflückten die roten und blauen Heideblu­men, beobachteten die fleißigen Bienen, die von Blüte zu Blüte flogen, haschten die bunten Schmetterlinge oder suchten nach Vogelnestern in den Hecken und Bäumen. Dann wieder lagerten sie in dem Heidekraut neben dem alten Schäfer Jeremias Tovote, der so wunderbare Ge­schichten erzählen konnte, von Feen und Nixen, von Ge­spenstern und dem wilden Wotansheer, das im Früh­lings- und Herbststurme über die Heide brauste. Oder sie fuhren mit Vater Allerkamp weit, weit hinunter den rauschenden Strom, bis die Türme der Stadt Bremen

auftauchten und der Anblick der großen Stadt ihre klei­nen Herzen mit unbestimmter Sehnsucht erfüllte.

Und auch als sie älter wurden, waren sieunzertrennliche Gefährten und keiner dachte daran, daß es jemals anders werden könnte, und inniger wurde ihr Bündnis, als aus der Freundschaft der Kinderjahre die Liebe des Jüng­lings und der Jungfrau emporbliihte, wie die duftende Blume aus der Knospe. Und das sollte jetzt mit einem Male vorüber sein? Nur, weil Gesine die Tochter des armen Invaliden und Fährmanns war, während Karl der Sohn des reichen Bauern vom Ahrendtshof war? Was hatten Reichtum und Armut mit ihrer Liebe und Treue zu schaffen?

War Gesine nicht ein schönes und stolzes Mädchen, auf das alle Burschen der Umgegend mit heimlichein Verlangen blickten ? War sie nicht klug und fleißig ? Wes­sen Händen hätte Karl sein Glück, sein Leben besser an­vertrauen können? Lag sein Leben in ihren Händen, in ihrem treuen, starken Herzen nicht gesichert für alle Zeit? Was kümmerte ihn seines Vaters Reichtum und seiner Eltern Erbe! Er wollte glücklich sein, und aller Reichtum konnte ihm die Liebe Gesines nicht ersetzen. Trotzig warf er den Kopf in den Nacken und griff zu den Rudern. Rascher flog der Nachen dahin und schoß auf die Anlegestelle im Garten des Ahreudtshofes zu, dessen strohbedeckte hohe Giebel über die Obstbäume em- porragten. Noch heute abend wollte Karl mit dem Va­ter sprechen! Er sprang ans Land, befestigte die Kette des Kahnes und ging mit festen Schritten dem Wohn» Hause zu.

3. Kapitel. 210,18*

Das Haus des reichen Bauern Christian Ahrendt un­terschied sich nur durch seine Größe von den anderen Bauernhäusern der Umgegend. Da war dasselbe spitze, hohe Strohdach mit den beiden sich kreuzenden Pserde- köpfen am Vordergiebel, die scheunenartige Haustür, welche auf eine große Tenne führte, zu bereit beiden Seiten die Ställe für Pferde und Kühe sich befanden, ^