Einzelbild herunterladen
 

ZWchterner Zeitung

mit amtlichem Rreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «s.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

32 102. Samstag, den 20. Dezember 1913. 64. Jahrgang.

Wer eine «MM

Die im 64. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Znsernte in derselben wirksame Verbreitung.

daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 29. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, " ----------g daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar 1914 ab pünkilich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt,

muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Post­anstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1914 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung"

KsMsches Reich.

Der Kaiser und die Kaiserin sind Montag vor, mittag um 10 Uhr 50 Minuten auf dem Hauptbahn­hof in München eingetroffen und von dem König und der Königin von Bayern sowie den Mitgliedern des Königlichen Hauses herzlich empfangen worden. Zum Empfange der Kaiserlichen Majestäten hatte die Haupt­stadt München ein prächtiges Festgewand angelegt. Die Presse widmete bem hohen Besuch herzliche Be­grüßungsartikel. Der Kaiser sowohl wie König Ludwig haben zahlreiche Ordensauszeichnungen und Geschenke verliehen.

Am Abend sind der Kaiser und die Kaiserin im Sonderzuge wieder abgereift. Der Kaiser hatte vorher für die Armen von München 3000 Mark und für den bayrisch-preußischen Hilfsverein 500 ' Mark gespendet.

Der Kronprinz ist auf seinen Wunsch vom Kommando des Danziger Leibhusarenregiments ent­hoben und zum Generalstab der Armee versetzt worden. Kommandeur der ersten Leibhusaren wird an Stelle des Kronprinzen Major von Eicke und Polwitz, der bisherige Kommandeur des ersten Dragonerregiments in Tilsit. Der Kronprinz hat sich von seinem bis­herigen Regiment bereits verabschiedet. In seiner Ansprache betonte er, daß er die beiden Jahre an der Spitze der ersten Leibhusaren zu den schönsten Jahren seines Lebens zähle. Major v. Borcke dankte dem Kronprinzen und brächte ein Hoch auf ihn aus. Der Kronprinz winkte darauf den Standartenreiter heran, ergriff das seidene Fahnenband des Feldzeichens und drückte einen Kuß darauf. Sodann sprengte er im Galopp davon. Die Stadt Danzig hat an das Kron­prinzenpaar ein Telegramm gerichtet, das dem Schmerze der Stadt über den plötzlichen Abschied ihren Ausdruck gibt.

Eine Vermehrung ber Richter- und Staals- anwaltstellen bei den Land- und Amtsgerichten wird der nächste preußische Etat wiederum beantragen.

/ WWWWW»WWWMWWWWWMMWWWWWWWW»WWWWWWWWWWWMWW ; Aus großer Zeit.

Roman von O. Elster. 2

Gesine hob die schwere Stange aus dem Wasser und ließ sie rasch wieder niederfallen, daß das Wasser hoch aufspritzte und den jungen, kecken Franzosen über und über benetzte.

Teufel! Ihr seid unhöflich!" stieß der Dragoner hervor und wischte sich das Wasser aus den Augen.

Was habt Ihr hier zu stehen? Geht zu Eurem Pferde," sagte Gesine kurz.

Die Kameraden Jean Bonnets lachten. Eine heiße Glut schlug in seinen Wangen empor.Für Deine Uu- Höflichkeit mußt Du bestraft werden. Sofort gibst Du mir einen Kuß!"

Herr, treibt den Spaß nicht zu weit!"

Wenn Du nicht willst, dann nehme ich mir einen."

lind der Dragoner umschlang Gesine und wollte ihr einen Kuß rauben. Das kräftige Mädchen richtete sich hoch empor, stieß den Soldaten zurück, daß er taumelte. Laßt mich in Ruh!"

Aber Jean Bannet ließ keine Ruh, das Lachen seiner Kameraden reizte ihn, er erfaßte Gesinens Hand, doch da wie es gekommen, wußte eigeutlich niemand zu sagen ein Ruck und ein Stoß und der junge, heiß­blütige Franzose flog über den Bordrand des flachen Bootes und verschwand mit einem Schrei in den Wellen der alten, breit dahinflutenden Weser.

Himmeldonnerwetter, das geht zu weit, ist das Mädel denn toll geworden ? Werft dem Jean ein Tau zu"

So tobten die Franzosen durcheinander. Mehrere dran­gen auf Gesine ein, ihr drohend die geballten Fäuste ent- gegenstreckeud. , ...... c

Wer mir zu nah kommt, den schlag ich nieder! rief das Mädchen, die schwere Ruderstange halb emporhebend.

Zu Hilfe! Zu Hilfe!" ertönte es halb erstickt von den Lippen des eben wieder auftauchenden Dragoners.

Diese Vermehrung ist erforderlich geworden durch | den von Jahr zu Jahr steigenden Umfang der Geschäfte.

Zum Schutztruppenkommandeur von Ostafrika ist an Stelle von Oberstleutnant von Schleinitz, der nicht wieder als Kommandeur nach Ostafrika geht, Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck ernannt worden.

Unter den Pressestimmen znc Reichskanzlerrede über die auswärtige Politik interessiert besonders durch die Klarheit unbefangenen Urteils und durch freund­schaftlichste Gesinnung ein Artikel derRossija", der die UeberschriftDie Kanzlerrede" trägt. Es heißt dort: Die Ausführungen des deutschen Reichskanzlers müssen in Deutschland und im Auslande beruhigen. Mit der ihm eigenen Vorsicht und Umsicht beschränkte sich der Kanzler auf die Beleuchtung der politischen Lage des Augenblicks. Die Unterstreichung der Soli­darität der Großmächte in den türkischen Angelegen­heiten beweist Deutschlands Friedensliebe. Die Er­wähnung der erfreulichen Tatsache freundschaftlicher Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland ist nicht nur eine Formel internationaler Höflichkeit.

Der Kaiser hat Armeesportwettkämpfe im Deutschen Stadion genehmigt: diese turnerischen und sportlichen Schaustellungen und Weltkämpfe zwischen Angehörigen der Armee sollen im Mai 1914 statt« finden. Beteiligen dürfen sich Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften. Der Kronprinz hat das Protektorat übernommen. Die Einzelheiten der Ausschreibungen werden zurzeit von einem durch den Kriegsminister zusammenberusenen Ausschuß unter dem Vorsitz des Kommandeurs der Militärturnanstalt bearbeitet. Die mit der Sache zusammenhängenden Veröffentlichungen werden im Militärwochenblatt erscheinen. Die Wett« sümpfe werden für die Vorbereitung der Olympiade von großer Bedeutung sein und deshalb wohl bei allen Freunden des Sports lebhaftes Interesse er­wecken.

Die Soldaten beugten sich über den Rand des Boo­tes, die Pferde wurden unruhig, das Boot geriet in hef­tiges Schwanken.

Ruhig, still gesessen, oder wir sind alle verloren," rief der alte Fährmann und stemmte sich mit aller Kraft gegen die Stange.

Aber wir müssen ihn retten, er tarnt nicht schwim­men. Ich verhafte Eure Tochter," rief der Korporal.

Macht keine Flausen, es war Notwehr. Und seht da, Euer Kamerad bekommt Hilfe!"

Ein kleiner Nachen, dessen zwei lange, schmale Ru­der ein junger Mann kräftig handhabte, schoß durch die Wellen auf die Stelle zu, wo der Dragoner eben zum zweiten Male emportauchte und festig und krampf­haft mit den Armen um sich schlug. Vom Fährboot hatte man ihm eine lange Stange zugeworfen, an der er sich nur notdürftig über Wasser hielt. Jetzt war der so uner­wartet erschienene Nachen in seiner Nähe.

Nur noch einen Augenblick haltet Euch!" rief der Mann in dem Nachen.Da faßt das Ruder"

Erhielt dem Versinkenden das Ruder hin. In krampf­hafter Hast erfaßte Jean Bonnet das Holz und der im Nachen Sitzende zog ihn langsam in sein schwankendes, kleines Fahrzeug, wo der Soldat erschöpft niedersank.

Danke, das tat Not," stöhnte der Gerettete.

Ja, 'ne Minute später und Ihr märet verloren ge­wesen," lachte sein Retter, ein junger, schlanker Bauern­bursche.

Warte, die rote Hexe soll es büßen!"

Das frische Gesicht des Bauernburschen verfinsterte

sich.

Laßt die Gesine in Ruh, Herr oder es könnt Euch noch schlimmer ergehen. Seid froh, daß sie Euch nicht den Hirnschädel mit der Ruderstauge eingeschlagen hat."

Und dann will ich Euch aber noch eins sagen, ich habe Euer Spiel vom Ufer aus beobachtet, seht, da hinter uns, in jenem Weidengebüsch liegt meines Va-- ters Hof - '--------

, in jenem Weidengebusch liegt meines Aa- - und da sprang ich in den Kahn ^md ru-

Auslanö.

Die deutsche Militärmission für die Türkei, be­stehend aus General Liman von Sanders und acht Offizieren ist in Konstantinopel eingetroffen und von türkischer Seite offiziell begrüßt worden. Zum Em­pfange hatten sich außer beu Vertretern der deutschen Botschaft u. a. der Kriegsminister Jzzet Pascha, der interimistische Kommandant des ersten Armeekorps Dschemal sowie die Stabsoffiziere eingefunden. Sodann erfolgte die Vorstellung des Generals beim Großwesir auf der Pforte und die Audienz beim Sultan, wobei der General die Grüße des deutschen Kaisers über­mittelte. Das Kriegsministerium hat an alle Armee­korps ein Rundschreiben gerichtet, in dem es heißt, daß General Liman v. Sanders für die Dauer von ö Jahren in türkische Dienste genommen worden .sei, und zwar als Chef eincrReforkmmisfion. Er werde das Kom- mando des 1. Armeeorps, das in Konstantinopel und Umgebung liegt, übernehmen. Außerdem werde er Mitglied des Kriegsrat sein.

Das Gerücht von der Demission des Großwesirs wird von zuständiger Stelle in Konstantinopel ent­schieden in Abrede gestellt. Der Großwesir habe sich lediglich wegen einer Erkältung nicht auf die Pforte begeben. Es heißt, der Marineminister Mahmud Pascha werde zum Generalstabschef des 1. Armeekorps mit der Eigenschaft eines Beirats der deutschen Militär- mission ernannt werden. Ein Mitglied der türkischen Regierung veröffentlicht Erklärungen, in denen es sein Erstaunen über die Befürchtungen wegen der deutschen Militärmission äußert. Die Pforte soll auch den Mächten des Dreiverbandes die .Versicherung gegeben haben, daß eine Aenderung des Gleichgewichtes am Goldenen Horn nicht eintreten wird.

Ueber Grausamkeiten und schweres Unrecht in Mexiko wird gemeldet, daß General Villa, der unbe­schränkter Machthaber von Chihuahua sei, die Forderungen der Vertreter des Auslandes zurückweist und sich des Eigentums der Ausländer, das auf 5 Millionen Dollar eingeschätzt wird, bemächtigt hat.

bette hierher, um der Gesine beizustehen, denn sie ist meine Braut und dankt Gott, daß ich zur rechten Zeit kam, aber wenn Ihr nochmals versuchen solltet, die Gesine zu küssen, dann sollt es mir leid tun, daß ich Euch aus dem Wasser gezogen und wahrhaftig, ich würfe Euch mit diesen beiden Händen wieder hinein., So, nun wißt Ihr es, und könnt Euch danach richten."

Wenn Ihr mir nicht das Leben gerettet hättet, so würde ich Euch anders antworten. Aber nun rudert mich rasch ans Land, das Fährboot landet soeben."

Nicht eher, als. bis Ihr mir versprecht, der Gesine nicht wieder nahe zu treten."

Der Himmel bewahre mich vor der wilden Katze!"

Nun gut, dann will ich Euch aus Land setzen."

Von den kräftigen Ruderschlägen des Bauernbur­schen vorwärts getrieben, näherte sich der Nachen rasch dem Ufer, wo Jean Bonnets Kameraden mit dem Aus­schiffen der Pferde beschäftigt waren. Der alte Fahr-, wann kettete ruhig das Fährboot an, als wäre nichts geschehen und Gesine war schweigend in das Haus ge­gangen.

Lachend empfingen die Reiter den durchnäßten Ka- meraden.Habe ich Euch nicht gewarnt, Jean Bannet?" brummte der Korporal.Weshalb müßt Ihr mit jeder Schürze anbandeln?"

Soll denn das Mädchen so ganz ohne Strafe ab­kommen, Korporal?" fragte ein anderer Reiter.

Der Korporal blickte sich vorsichtig um. Der alte Fährmann und der junge Bauernbursche standen an der Tür des kleinen Hauses, jeder von ihnen hatte ein schweres, kurzes Ruder in der Hand, als wären sie be­reit, jedem, was es auch sei, den Eintritt in das Haus zu verwehren. Sie sprachen kein Wort, aber ihre Au­gen blitzten drohend und in ihren Gesichtern drückte sich eine finstere, feste Entschlossenheit aus. Obgleich die Rei­ter sich jetzt in französischer Sprache unterhielten, schie­nen die beiden Männer doch den Sinn der Worte zu verstehen. 210,18*