Zchluchterner Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
rcksm, Nr. «L.Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Trlcso» Nr.«».
Erscheint Iliittwoch und Samstag. — Preis mit „Äreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Aeile oder deren Raum 12 Pfg.
F 97.
Mittwoch, den 3. Dezember 1913.
64. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 13426. Der Maurer Heinrich Lauer in Kerbersdorf ist zum Schlachtvieh- und Fleischbeschauer unb zum Trichinenschauer für den Gemeindebezirk Kabersdorf bestellt und ihm gleichzeitig die Stellver- ltttung des Fleischbeschauers und Trichinenschauers W zu Romsthal übertragen worden.
Zum Stellvertreter des p. Lauer habe ich den Schlachtvieh- und Fleischbeschauer Theodor Roll in Romsthal ernannt.
Schlüchtern, den 28. November 1913.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 13427. Der Zimmermann Georg Rott in Zmitersbach ist zum Schlachtvieh und Fleischbeschauer und zum Trichinenschauer für den Gemeindebezirk Ziintersbach bestellt worden. Zum Stellvertreter des p. Rott habe ich den Schlachtvieh- und Fleischbeschauer Heinrich Ullrich in Schwarzensels ernannt.
Schlüchtern, den 1. Dezember 1913.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr 5904 K.-A. Samstag, den 13. Dezember 1913, vormittags 10 Uhr findet in
Sterbsritz eine
Bullenkövttng
statt.
Schlüchtern, den 29. November 1913.
Der Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 12748. Auf Antrag der zuständigen Forst-. Verwaltungsbehörde habe ich die aushilfsweise Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei folgenden der Königlichen Oberförstern Mottgers ungehörigen Forstschutzbeamten übertragen:
a) für die Gemarkung Mottgers dem Hegemeister Taggeselle und dem Förster o. N. Wagner zu Mottgers, b) für die Gemarkungen Breunings und Weipcrz dem Hegemeister Hoff zu Breunings,
c) für die Gemarkungen Neuengronau, Breunigs und Weiperz dem Förster o. R. Diete zu Neuengronau, d) für die Gemarkung Altengronau dem Hegemeister Strippe! zu Altengronau,
e) für die Gemarkungen Schwarzensels und Ziintersbach dem Hegemeister von Czarnecki zu Schwarzenfels. Schlüchtern, den 20. November 1913.
Der Königliche Landrat. Valentiner.
Deutsches Reich.
— Der Reichstag überwies am Donnerstag unter grundsätzlicher Zustimmung der Parteien den Gesetz- lutivurf betreffend ^Aenderung der Gebührenordnung
Mröotene ^fabe
Kriminalroman von Otto Viehofer. 93
Das war im Nu geschehen und der Staatsamvalt Befahl weiter: „Binder, setzen Sie nun den Hut des ermordeten Kutschers von den Fenstern aus gerechnet vor den Schweinskopf."
Auch das war im Augenblick getan, und nuA nahm der Staatsanwalt den mitgebrachten Revolver vom Tisch, kniete, während die anderen vorsichtshalber zurücktraten, Einen Schritt vor dem Tisch nieder, zielte von unten nach oben und mit Blitz und Knall war die Revoloer- b>gel zuerst durch den hohen Hut und dann durch den vchweinskvpf gefahren, um zuletzt noch klatschend an die Wand zu schlagen.
Der Staatsanwalt hatte sich wieder erhoben und fing nun an, zwischen den von dem Sekretär herbeigebrach- än Photographien zu kramen.
Nur zwei davon suchte er: die von der Leiche des Ermordeten Kutschers Friedrich und die von dessen Hut.
Aha, da hatte er sie schon herausgefunden.
Den Schweinskopf drehte jetzt der Staatsanwalt und Ipahte, jso weit er geöffnet, in den Schußkanal hinein, "wohl von der Einschußöffnung aus als auch von der klustrittsöffnung.
.. Und dann sah sein Blick vergleichend auf die Wunde, da auf der stark vergrößerten Photographie sich zeigte.
»Da, sehen Sie es sich an, Herr von Behlow/'sagte “ un keineswegs vorwurfsvollen Ton auf ein Mal zu Kriminalkommissär, „sehen Sie es sich an, genau übereinstimmend sind Wundrand und Schußkanal des chweiuskopfes mit denen auf der Photographie. Un- Wglich sieht man schon mit dem bloßen Auge: die Ku-
! den Kopf des Kutschers durchschlug, war dieSchwe- derjenigen, die soeben diesen Schweinskopf durch- ^°n. Aber berühren Sie, bitte, die Wundränder nicht,
für Zeugen und Sachverständige an eine besondere Kommission, nahm dann die Vorlage über die Beschäftigung von Hilfsrichtern beim Reichsgericht in erster und zweiter Beratung an und überwies den Gesetzentwurf über Errichtung eines Kolonialgerichts- Hofes ebenfalls an eine Kommssion. Als Sitz dieses Gerichts wurden Berlin, Leipzig oder Hamburg in Vorschlag gebracht. Mit der ersten Beratung des Gesetzentwurfs wegen Abänderung der §§ 56 und 56 c der Gewerbeordnung (Hausierhandel, Wanderlager) schloß der arbeitsreiche Tag. — Die Freitagsverhandlungen waren mit der Erledigung kurzer Anfragen und mit Wahlprüfungen ausgefüllt. Unter den kurzen Anfragen, an deren Beantwortung sich u. a. auch der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Jagow beteiligte, war die bedeutsamste die der Elsäßer über die Vorgänge in Zabern. Kriegsminister Generalleutnant von Falkenhayn betonte in seiner Erwiderung, daß selbstverständlich Ungehörigkeiten im Heere nicht geduldet würden, im vorliegenden Falle sei jedoch gegen niemanden eine Beleidigung gefallen. Soweit die Aeußerung des Offiziers mißverstanden worden sei, sei sie äußerst milde zu beurteilen. Strenge Bestrafung dagegen verdienten die Soldaten, die durch Ausplaudern dienstlicher Vorgänge die straffe Manneszucht verletzt hätten. Die durch klare Sachlichkeit, militärischen Schneid und verständnisvolles Wohlwollen ausgezeichnete Rede des Kriegsministers hinterließ einen trefflichen Eindruck, der auch durch die zuchtlosen Zwischenrufe d er Sozialdemokratin nicht beeinträchtigt werden konnte.
— Bei der Eröffnung der badischen Ständeversammlung hielt der Großherzog eine Thronrede, in der er u. a. die günstige Finanzlage des Landes hervorhub, gleichzeitig aber betonte, daß die allgemeine Wirtschaftslage Deutschlands und damit auch das Erwerbsleben Badens sich leider wieder ungünstiger zu gestalten beginne.
— Durch den Tod des Reichstagsabgeordneten Zürn ist der Wahlkreis Rosenberg-Löbau erledigt. Pfarrer Zürn-Bellschwitz (Rp.) gehörte dem Reichstag erst seit den letzten Wahlen an, wo er als Kompromißkandidat gewählt worden war. Es entfielen auf ihn 11119 Stimmen gegen 8778 polnische und 309 sozialdemokratische Stimmen. Der Wahlkreis war ständig durch Anhänger der konservativen Partei vertreten. _______________________________________
Ausland.
— Die Bundestreue Oesterreichs zum Dreibund betonte mit erfreulicher Entschiedenheit Ministerpräsident Graf Tisza gelegentlich eines Banketts. Er sagte u. a.
denn der Photograph soll da noch seines Amtes walten."
Staatsamvalt Hobrecht trat einen Schritt seitwärts, um dem Kommissar und auch dem sich nun herandrängenden Detektiv Platz zu machen, und dann prüfte er die beiden Löcher im Hut sowie die dazugehörige Photographie.
Ja, genau dasselbe wie bei dör Wunde war auch hier der Fall: der Schuß, der am Mordtage den Hut des Kutschers durchlöchert, war aus demselben Lauf gekommen, wie der heutige. Bis aufs Härchen stimmte die Gewebsfaserzerstörung der beiden Löcher überein.
Der Staatsanwalt hob den Kopf: „Nun, nicht wahr, Herr Kommissar, das stimmt so mit dem Schweinskopf?"
„Jawohl, Herr Staatsanwalt, daistjederZweifelausgeschlossen," erwiderte der Kommissar.
Und der Staatsamvalt fuhr fort: „Und nun sehen Sie sich auch einmal den Hut hier an und die Photographie von ihm. Sagen Sie mir dann, was Sie an ihm gefunden. Aber wieder bitte ich Sie, berühren Sie nicht die Gewebsfasern, denn auch der Hut soll nochmals photographiert werden.
Vier Augen bohrten sich nun wieder in die Locher des Hutes: die des Kommissars und die des Detektivs. Sie bohrten sich hinein und glitten dann über die Pho- tographie^it ^.^ ^al sagte Kriminalkommissär von Beblow: „Beide Löcher stimmen völlig überern, Herr Staatsanwalt, sie sind geschossen worden.mit ein und demselben Revolver." , „ ,. „
Jawohl," sagte der Staatsanwalt, „sie sind geschossen worden mit dem Revolver eines Grafen Peter von Bruck- Hoff des Gutsnachbarn der Baronin von Paltzow
J Aufgerissen hatten sich die Augen des Kommissars, und der Detektiv, der sich bisher ledes Urteils absichtlich enthalten hatte, konnte sich eines Lächelns nicht erwehren.
folgendes: Unsere Feinde suchen namentlich in französischen Finanzkreisen den Glauben zu erwecken, daß es gelingen würde, gewiffe mit den Lebensinteressen unseres Landes im Widerspruch stehende politische Ziele zu erreichen, falls Frankreich seine Kapitalien unserer Volkswirtschaft entzöge, da wir sonst infolge der ablehnenden Haltung des französischen Geldmarktes der größten finanziellen Bedrängnis ausgesetzt sein würden. Ich kann nur mein Bedauern darüber ausdrücken, daß ein Führer der oppositionellen Partei wie Graf Michael Karolyi sich diese Meinung gewisser Zeitungsorgane zu eigen gemacht hat und solche Unkenntnis unserer wirtschaftlichen Verhältnisse verrät, daß er sich zu gewissen, gegen den öffentlichen Kredit gerichteten Aeußerungen hat hinreißen lassen.
— Eine französische Milliardenanleihe ist von dem Finanzminister Dumont vorgeschlagen worden. Es wird bestätigt, daß die Anleihe, die 1300 bis 1400 Millionen betragen wird, den Typus der dreiprozentigen ständigen Renten haben wird. Jedoch werde der Finanzminister ermächtigt werden, alljährlich einen Teil oder das Gesamterträgnis der geplanten Kapitalerbschaftssteuer zum börsenmäßigen Rückkauf einer Anzahl Rententitel zu verwenden. Der Ausgabekurs der neuen Rente werde voraussichtlich erst am Tage vor der Emission festgesetzt werden, die zwischen dem 6. und 15. Dezember erfolgen dürfte.
— Ein Ausruf des Königs von Montenegro beschäftigt sich mit der Einverleibung der neuen Gebiete, deren Umfang er trotz der Herausgabe von Skutari als bedeutend erklärt. Es werde die Sorge der Regierung sein, den Untertanen in den neuen Gebieten Sicherheit der Person und des Eigentums zu verbürgen und ihnen die Wohltaten einer guten Justiz, eines modernen Unterrichts und der Religions- und Gewissensfreiheit zu sichern. Hinsichtlich der Verwaltung der neuen Gebiete erklärt der Aufruf, daß diese bis zu einer gesetzlichen Regelung unter Anwendung der bestehenden Gesetze verwaltet werden sollen.
— Die irische Bewegung greift weiter um sich. In Dublin wurde die Gründung eines nationalen Freiwilligenkorps beschlossen die gemeinsamen Rechte des gesamten irischen Volkes zu sichern. Es handelt sich dabei um eine nationalistische Bewegung im Gegensatz zu den Vorgängen in Ulster.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 2. Dezember 1913.
—* Sonntag, den 14. d. Mts., wird auf Veranlassung des Heimatbundes der rühmlichst bekannte Sänger Kothe ein Konzert veranstalten, das in der
Aber Staatsanwalt Hobrecht war ernst und ruhig ge« blieben.
„Binder," befahl er dein Sekretär, „photographieren Sie nun den Schweinskopf sowohl wie den Hut, aber mit möglichster Hervorhebung der Wunde respektive deS zweiten Loches. Und dann werden die Photographien ebenfalls vergrößert. Verstanden?" ^
„Jawohl, Herr Staatsanwalt."
„Und wann sind die Bilder fertig?"
Der Sekretär überlegte einen Augenblick, und dann sagte er: „Uebermorgen früh um sieben Uhr, Herr Staats- anwalt."
„Gilt."
Der Staatsanwalt wandte sich an den Bureaudiener: „Und Sie, Kammer, bergen zunächst die Revolverkugel, die vorhin noch an die Wand klatschte, und dann nehmen Sie den Schweinskopf unter den Arm und tragen ihn nach Hause für Ihre zahlreiche Familie. Er dürfte, trotz des Loches, recht schmackhaft sein."
„Ich danke gehorsamst, Herr Staatsanwalt," klappt«, der Bureaudiener schmunzelnd die Hacken zusammen.
„So, und wir, meine Herren,"sagte der StaatSanwalt nun zu den beiden andern, „wir wollen uns wieder auf mein Zimmer verfügen, und da wird es dann für den Herrn Kommissar noch mehr Ueberraschungen geben."
Sie gingen die breiten Steinstufen hinauf,voran der lange Staatsanwalt, hinterdrein der schmunzelnde Detektiv, und zuletzt der Kommissar mit abermals geweiteten Augen.
Zunächst zeigte der Staatsanwalt in seinem Bureau dem Kommissar die beiden Briefe.
Und kaum, daß er sich von dem Staunen erholt, da fing der Sprechapparat an zu erzählen. — Nein, daS hatte Kriminalkommissär von Behlow nicht gedacht von diesem Balthasar. Bei Gott, er wäre ihm sonst, als er ihn damals an der Trampitzer Schloßmauer traf, anders entgegengetreten. Ja, er verdiente es, der Gottbegua- dete. — 197.18*
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