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SchlüchtemerZckum

mit amtlichem Rreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6$. ZVochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 91.

Mittwoch, den 12. November 1913,

64. Jahrgang.

Amtliches.

Pferdeverficherungs-Anstalt für den Kreis Schlächtern.

Im 1. Halbjahr 1913=1.41.10 mußten für 15 Stück krepierte oder unbrauchbare Pferde an Entschädi­gungen bar gezahlt werden 4433,75 Mk.

Die Schadensfälle und die gezahlten Entschädigungen haben sich gegen die früheren Halbjahre, im letzten Halbjahre, mehr wie verdoppelt.

Der Kreis-Ausschuß war gezwungen, zur Deckung dieser Schäden folgende Prämiensätze für das erste Halbjahr festzusetzen:

2 Mark von Hundert Mark Versicherungsbetrag für Pferde von Beamten, Gewerbetreibenden usw.

l/*a Mark vom Hundert für Pferde, welche nur im Landwirtschaftsbetrieb tätig sind.

Die Hebelisten sind festgestellt und ergeben die Ge- samt-Einnahme von 4367,50 Mk., sodaß immer noch 66,25 Mk. ungedeckt bleiben.

Die Prämien-Beträge sind binnen 14 Tagen an die Kreiskommunalkasse einzuzahlen.

Schlüchtern, den 7. November 1913.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Gelnhausen, den 5. November.

Der Landrat.

J.-Nr. 5554 a.

Bei den verendeten Gänsen des Bürstenmachers Jean Christanz in Gelnhausen, Brentanostraße, ist die Geflügelcholera festgestellt worden.

gez. Graf von Wartensleben.

Bentsches Reich.

. Der Kaiser begab sich zum Jagdaufenthalt nach Königsivusterhausen, wo auch König Friedrich August von Sachsen eingetroffen ist.

Die Kaiserin ist am Freitag abend auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel eingetroffen.

Der Besuch des Königs der Belgier bei Kaiser Wilhelm in Potsdam legt ein neues Zeugnis ob von den freundschaftlichen Beziehungen der beiden Herrscher. Mit politischen Gründen und Zwecken steht er nicht in Verbindung. Auch ohne solche Zusammenhänge aber wird das Erscheinen König Werts auf deutschem Boden und sein Verweilen am deutschen Kaiserhofe in unserer Oeffentlichkeit mit der Sympathie begrüßt, die dem Monarchen des benach­barten und befreundeten Belgien in Deutschland wtgegegenbracht wird. Zu Ehren des Königs fand

Kriminalroman von Otto Viehofer.

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Aber halt, was war das? Johanns Blick streifte so­eben sein, Herbert Balthasars, Fenster? Und noch ein­mal? Der würde doch wohl nicht etwa?

Mit einem Satz war der Detektiv an seinem Bett und warf sich so wie er ging unb stand darüber und fing an laut zu pusten und ganz, ganz leise zu schnar­chen.

Und richtig: mit einem Mal ward ganz leise an seine Tür gepocht, und als er sich nicht meldete, ging die Tur auf und Johann stand mitten im Zimmer und rief ihn cn:He, Freund Kaspar he!" Und nochmals und zum dritten Mal.

Nein, nichts erreicht hatte Johann mit seinen Wor­ten, und da ging er nun zur Tat über. Er trat ans Bett heran und rüttelte und schüttelte Freund Kaspar, baß er beinahe aus dem Bett kollerte. ,

Da endlich taten sich Kaspars Augen verwundert auf, und als sie vor dein Bett Johann erblickten, verwan­delte sich ihre Verwunderung sofort in freudigen Glmiz, und die erfreute Stimme kam ihnen zu Hilfe:Ach, Sie sind es, ' ' ' " '

Sie meinen

und

jtxuix glimme min - ' " , v

Freund Johann ? Wie mich das freut, daß .....len Besuch so schnell erwidern. Ach, nehmen Sie nur nicht übel, daß Sie mich schlafend angetroffen haben, die Sonne scheint so marin heute? und da uver- 'nannte mich die Müdigkeit. Sie missen ja, man hat hier täglich eine ganze Menge Tritte zu machen. Aber neh­men Sie Nur bitte Platz, Johann."

Kaspar stand schon auf den Füßen und drückte Jo­hann auf den Stuhl am Fenster nieder.So, sagte er dann,nun werde ich mir ebenfalls einen Stuhl heran- Ichleppen unb baun können wir hier aus erster Hand °je schöne Frühlingsluft genießen und dabei ungestört Gedanken und Erfahrungen anstauschen. Oder aber ist

löhnen lieber, daß wir daßun Parke selber tun, daiu

im Neuen Palais eine Festtafel in kleinerem Kreise statt.

Eine Bismarckrede unseres Reichskanzlers bildete den Mittelpunkt der Berliner Tagung des Vereins zur Errichtung eines Bismark-Nationaldenk- mals auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück". Herr v. Bethmann Hollweg, der Ehrenpräsident dieser Organisation , ist, dankte zunächst für die Be­grüßungsworte des Staatsministers Freiherrn v. Rheinbaben und kam dann auf die verdienstvollen Bestrebungen des Vereins zu sprechen.Ich wüßte nicht," erklärte er,wie dieses großen vaterländischen Erinnerungen geweihte Jahr einen besseren Abschluß finden könnte als in dem Appel, Bismarcks eingedenk zu sein und zu bleiben. Das Werk der Befreiung Deutschlands von der Fremdenherrschaft und alle die Mühen und Siege, deren wir in erhebenden Feiern gedacht haben, wären vergebens gewesen ohne das Werk der Einigung, das uns Bismarck gebracht hat. Daher darf sein Name am wenigsten fehlen in der Reihe der großen Deutschen, deren wir in diesen Tagen gedenken. Darum aber auch sollen alle, die sich Deutsche nennen dürfen, zusammenhalten, wenn es gilt, mit einem Denkmal hoch über dem Rhein ein Wahrzeichen aufzurichten nicht nur der Dankbar­keit, gegen Bismarck, sondern auch ein Symbol der heißen Vaterlandsliebe, der zu jedem Opfer bereiten Hingaben an die Nation, in der Bismarks Leben auf» ging. Diesen bismarckschen Geist, der sein heiligstes Vermächtnis an Deutschland ist, soll uns das Denk­mal mahnend und warnend verkörpern".

Ein Parlamentarier-Jubiläum konnten in diesen Tagen sechs Mitglieder des Abgeordnetenhauses feiern, uämlich Freiherr von Bodenhausen zu Lebusa, Dr. von Heydebrand und der Läse auf Klein-Tschukawe bei Gontkowitz (Ichlesün), Heye zu Wulzen bei Hoya, Humann zu Neuenkirchen Kreis Wiedenbrück Bezirk Minden, von Kölichen auf Kittlitstreben (Schlesien) und Dr. von Krause zu Nikolassee. Diese Herren wurden bei der allgemeinen Neuwahlam 6. November 1888 zum ersten Male in das Abgeordneten­haus gewählt und sind die wenigen von 433 damals gewählten Abgeordneten, die dem Hause nach einem Bierteljahrhundert heute noch angehören.

Eine versehentliche Grenzüberschreitung deutscher Soldaten wird von der französischen Grenze gemeldet. Neunzig Soldaten des 130 Infanterieregiments zu Metz, die von einem Leutnant und einem Feldwebel geführt wurden, überschritten aus Versehen die Grenze bei Arnaville und marschierten bis zur Zollstation. Als sie von einem Brigadier der Zollstation unter­richtet worden waren, daß sie auf französischem

gehen wir meinetwegen auch hinaus, wir sind da jetzt ebenfalls ungestört, denn Sie wissen ja, die Frau Ba­ronin schläft um diese Zeit."

O nein, Kaspar," wehrte Johann, ab,lassen Sie uns nur ein bißchen hier im Schatten sitzen, denn auch mich hat die mittägliche Müdigkeit ein wenig übermannt, den Park werde ich schon noch genießen in Hülle und Fülle. Ich wollte nur oben nicht ebenfalls ins Bett fal­len, und da kam ich eben herunter, um zu sehen, was mein junger Freund eigentlich treibe."

Kaspar zog nun die Fensterflügel weit zurück, holte sich den zweiten Stuhl herbei, und dann flogen die Worte hinüber und herüber. Von seinem Häuschen am Gen­fer See erzählte Johann und von seiner Marie und von den Sommergästen, die sich, trotz der frühen Jah­reszeit, dort bereits in Scharen eingefunden hätten. Und Kaspar verbreitete sich über Sternen und Umgegend, über seine dort inne gehabten Stellungen und auch überfeine famose Tante, die ihin erst unlängst eine Menge Wäsche geschickt hätte.

Und auf einmal war es dterUhr geworden und da trennten sich die beiden Freunde wieder. Johann trip­pelte die Treppe zu feinem Zimmer empor, und Ka­spar rückte seine Frisur, und Livree zurecht, um wieder tadellos vor seiner Herrin erscheinen zu können.

Den Kopf schüttelte er wieder dabei. Nein, nein, es war absolut nichts zu machen bei dem alten Johann, der verriet sich mit Worten nimmermehr. Scharf abge- *..... snnmüHnn. so waren auch jetzt dessen

grenzt wie am Vormittag, so waren auch jeS Erzählungen gewesen, und nicht dre geringste Lücke war ihm, Herbert Balthasar, offen geblieben, um Hmemschauen zu können in dessen geheimnisvolle Seele. Schade, schade, denn Herbert Balthasar hätte obschon er vorhin genug neieben batte, doch gerne auch noch etwas gehört. Jtur eines hätte er noch hören wollen, wieviel der Herr Ker- sten und seine Marie denn eigentlich zu verzehreuhat- L..,>d was dessen Häuschen gekostet hatte. Aber ge- rabe daS war ja eben der Punkt gewesen, über den der

Gebiet seien, maschierten sie wieder auf deutschen Boden zurück. Es handelt sich lediglich um einen Zug Reservisten, die dort vollkommen fremd waren und in der Dunkelheit hinter Novöant das Grenzzeichen nicht gesehen hatten.

Die Lage in Mexiko ist andauernd kritisch. Auf Felix Diaz wurde in Havana ein Anschlag ver­übt. Er, erhielt einen Stich hinter das Ohr und mehrere Schläge mit einem Stock. Der Täter konnte verhaftet werden. Diaz wurde ins Hospital gebracht. Auch auf Huerta soll ein Attentat verübt worden sein. Wie berichtet wird, wurden bei einer Ausfahrt Schüsse auf ihn abgegeben, ohne ihn jedoch zu verletzen. In einer Versammlung des mexikanischen Kabinetts wurde die Antwort Huertas auf die Forderungen der Vereinigten Staaten eingehend besprochen. In dieser Antwort wird bestritten, daß die Vereinigten Staaten irgendein gesetzliches oder sonstiges Recht haben, das Ausscheiden Huertas zu verlangen.

Der Stillstand in den griechisch-türkischen Ver­handlungen wird in Griechenland lediglich der Türkei zur Last gelegt. Die griechische Regierung habe sehr bedeutende Zugeständnisse gemacht, während die Türken sich stets darauf beschränkten, nach Konstantinopel zu berichten, ohne bisher auf die griechischen Forderungen eine Antwort erteilt zu haben. Es sei hervorzuheben, daß, als die Verhandlungen mit Galib Bei und Abro Bei wieder ausgenommen wurden, an sie die Frage gerichtet wurde, ob sie Vollmachten besäßen, die ihnen das Recht zu unterhandeln und zu unter­zeichnen gäben. Erst nach Vorweisung der Dokumente, worin ihnen in der Tat das Recht zu unterhandeln und zu unterzeichnen verliehen wird, sind die Ver­handlungen ausgenommen worden. Trotz ihrer Vollmachten aber berichteten die ottmanischen Dele­gierten nach Konstau liuopel, und als das Subkomitee die Arbeiten über die Muftis und die Vakufs beendet hatte, und die türkischen Delegierten sämtliche Zuge­ständnisse, welche die griechische Regierung machte, zur Kenntnis genommen hatten, verlangten sie die Wiederaufnahme der Verhandlungen, ohne alle erforder­lichen Instruktionen zu besitzen.

Die Deutsch-Ostafrikanische Landes-Ausstellung Daressalam 1914 wird von einem Heimischen Arbeits- Ausschuß vorbereitet, der vor einiger Zeit in Berlin eine Sitzung abhielt. Die Beratungen galten im wesentlichen der endgültigen Festsetzung der für reichs- deutsche Aussteller bestimmten Ausstellungsbedimmungen. Auch wurde beschlossen, sich an weitere interessierte Kreise wegen der Beschaffung der notwendigen Geld-

MemaameiaamgmmiiimMmwmwmBWMM« andere sich nicht verbreitet, über den der auch seinem besten Freunde gegenüber Stillschweigen bewahrt hatte. Ein nichtssagendes Lächeln hatte er für diese Fragen ge­habt, weiter nichts. Nun ja, Herbert Balthasar konnte es dem Johann nicht verdenken, denn über solche Dinge gab niemand gerne Auskunft.

Der Brief, den Johann an die Baronin geschrieben hatte? Gott, was wollte das sagen, wenn es darin hieß:Und das schadet ja schließlich auch nichts, wenn ich diese Reise nach Deutschlandzweimal mache in die- fem Jahr, an dem nötigen Mammon fehlt es ja nicht, dafür haben die gütige Frau Baronin ja gesorgt."

Nein, das genügte Herbert Balthasar nicht, er wollte eine bestimmte Summe wissen, wollte auch in diesem Punkte genau so gewissenhaft sein wie in all den an­deren. Denn nicht ein Strichelchen sollte fehlen an dem Bilde, das er dem Staatsanwalt überreichen würde. Aber vielleicht traf es sich doch noch einmal.

Herbert Balthasar klopfte an die Türe zum Speise­zimmer der Baronin und fragte drinnen, ob er den Kaffee bringen dürfe.

Ja, er durfte ihn bringen, und zwei Minuten später durchflutete der liebliche Mokkaduft bereits Speisezimmer wie Korridor.

Herbert Balthasar wandle sich im Speisezimmer be­reits wieder der Tür zu, als die sanfte Stimme seiner Herrin ihn noch einmal herumfahren ließ.

Den Johann bitten Sie mir um sieben Uhr in den Salon, Kaspar," befahlBaroninvonPaltzow.SagenSie ihm, ich möchte einmal etwas Näheres hören von seiner neuenHeimatzvonseinemHäuschenund von seinerFrau."^

Sehr wohl, Frau Baronin."

Herbert Balthasar war schon wieder draußen, und da durchzuckte ihn plötzlich ein neuerGedanke, hören mußte er, was da gesprochen werden würde zwischen dem Jo­hann und dessen einstiger Herrin. Ja, hören unbedingt. Vielleicht kam es da, worauf er wartete was ihm noch fehlte als letztes Glied, 197,18*