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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. SS. Wochenbsilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «S.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
M 87. Mittwoch, den 29. Oktober 1913. 64. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 11350. Am 1. Dezember d. Js. findet wiederum eine allgemeine Viehzählung verbunden mit einer Obstbaumzählung statt.
Die näheren Vorschriften für diese Zahlung sind in den den Herren Bürgermeistern und Gutsvorsteher in den ersten Tagen zugehenden Anweisungen und in den Anmerkungen zu den Zählformularen enthalten.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher wollen diesen Vorschriften gemäß das Weitere rechtzeitig ver< Massen, insbesondere die Bildung der Zählbezirke/j,die Annahme der Zähler, die Verteilung der Zählkarten, die demnächstige Einsammlung, Nachprüfung, Vervollständigung und rechtzeitige Einsendung des Zähl- niaterials ordnungsmäßig bewirken.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, denen die Zählformulare, A, A 1, B bis E bis zum 3. November d. Js. nicht zugegangen sein sollten, trollen wir dies sofort anzeigen; etwaiger Mehrbedarf an Formularen ist alsbald anzumelden.
Den für die Einsendung des Zählmaterials an mich festgesetzten Termin (siehe § 7 der Anweisung für die Behörden) ersuche ich pünktlich einzuhalten. Dasjenige Zählmaterial welches bis zum 10. Dezember d. Js. hier nicht eingehen sollte, wird am nächstfolgenden Tage auf Kosten der Säu- Niigen durch Eilboten eingeholt werden.
Schlüchtern, den 27. Oktober 1913.
Der Königliche Landrat: Valentinen.
Bmtsches Reich.
— Der Kaiser weilte am Sonntag als Gast des Kaisers Franz Josef in Schloß Schönbruun bei Wien und kehrte in der Nacht nach Potsdam zurück.
— Berlin. Nachdem in der Plenarsitzung des Bundesrates der Vertreter der herzoglich braunschweig- liineburgischen Regierung, Staatsminister Hartwig, unter Vorlegung der Verzicht-Urkunde davon Mitteilung Macht, daß Seine Königliche Hoheit der Herzog von Cumberland auf den Thron Braunschweigs verzichtet habe, beschloß der Bundesrat einstimmig, dem Antrag Preußens wegen der Thronfolge in Braunschweig zu- zustimmen,
- Der Ausfall der Badischen Landtagswahlen hat einen deutlichen Ruck nach rechts gezeitigt und den Zusammenbruch der badischen Großblockmehrheit so gut wie besiegelt. Nach den endgültigen amtlichen Ermittlungen wurden bei den Wahlen zur Zweiten badischen Kammer gewählt: 29 Zentrumsabgeordnete, & Konservative, 8 Nationalliberale, 1 Wilder, 1 Fort- schrittler und 9 Sozialdemokraten, zusammen 53 Ab
geordnete, sodaß noch 20 Stichwahlen stattzufinden haben. Die Zweite Badische Kammer zählte bei ihrer Auslösung 26 Zentrumsabgeordnete, 3 Konservative, 17 Nationalliberale, < Fonschrittler und 20 Sozialdemokraten.
— Der mecklenburgische Landtag ist in Schwerin zu einer neuen Tagung zusammengetreten und durch den dirigierenden Landrat im Konzertsaale des Großherzoglichen Hoftheaters eröffnet worden. Eingegangen sind die Erlasse der beiden Regierungen.
— Die Kammer der Reichsräte in Bayern ist zu einer Sitzung zusammengetreten, die Zeitungsmeldungen zufolge in der Hauptsache einer Besprechung der Königsfrage und der Bekanntgabe der Stellung der Reichsräte dienen soll. Man rechne mit einer baldigen Entscheidung in der Königsfrage, nachdem die bürgerlichen Parteien des Landtags faktisch eine Verständigung erzielt hätten. Die Staatsregierung arbeite eine Vorlage über eine Verfassungsänderung aus.
— Die Enthüllung des Stettiner Kaiser Friedrich- Denkmals fand in Gegenwart des Prinzen Eitel- Friedrich (als Vertreters des Kaisers) und zahlreicher Ehrengäste statt. Die Weiherede hielt Oberbürgermeister Dr. Ackermann. Nach dem Fallen der Hülle des Denkmals brächte der Oberbürgermeister ein Hoch auf das Kaiserpaar und den Prinzen Eitel Friedrich als den Statthalter von Pommern aus. Unter Führung von Professor Manzel, der das Denkmal geschaffen hat, fand sodann eine Besichtigung des Denkmals statt, wobei Prinz Eitel Friedrich im Auftrage des Kaisers einen Kranz niederlegte. Der Prinz nahm dann noch die Grundsteinlegung der neuen Garnisonkirche wobei der Militäroberpfarrer Geheimer Konsistorialrat Caesar die Weiherede hielt.
— Der braunschweigische Landtag ist zu einer außerordentlichen Session einberufen worden. Die Stadtverordnetenversammlung von Braunschweig hat bereits mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten einen Betrag von 25 000 M. zur Ausschmückung der Stadt bei dem festlichen Einzüge des Herzogspaares bewilligt.
— Zum Präsidenten der Ansiedlungskommission ist der Vortragende Rat im Ministerium für Landwirtschaft Geheimer Oberregierungsrat Gänse ernannt worden.
— Der neue Krupp-Prozeß richtet sich gegen den Verfasser und Absender der sog. Kornwalzer, Brandt, und gegen ein Mitglied des Krupp-Direktoriums, Eceius. Brandt ist wegen Bestechung der Zeugfeldwebel angeklagt, die ihm das Material zu den Kornwalzern geliefert haben, Eccius wegen Beihilfe dazu. Auch dieser Prozeß dürfte, nach den bisherigen Ergebnissen zu urteilen, beweisen, daß das sozialdemokratische
Gerede von einem „Panama in der deutschen Heeresverwaltung und Großindustrie" unnützes Geschrei und eine fast gewissenlose Verdächtigung der für die Sozial- demokratie allerdings recht 'unbequemen Heeresorganisation war.
— Die Jubiläumsausstellung ß der Königlichen Porzellanmanufaktur wurde im Berliner Kunstgewerbemuseum aus Anlaß des 150jährigen Bestehens der Manufaktur vom Kaiser selbst im Beisein der Kaiserin eröffnet. An Ehrengästen waren u. a. erschienen die Minister Sydow, Delbrück und Lentze, der Minister a. D. Möller, der Ministerialdirektor Schmidt, Präsident Dr. Kaempf, Oberbürgermeister Wermuth, Polizeipräsident von Jagow. Minister Sydow sprach den Dank der Manufaktur für das Erscheinen des Kaiserpaares aus, betonte das eindringende Interesse des Kaisers für die Arbeiten der Manufaktur und die Förderung der Ausstellung durch die Hergabe kostbarer Stücke aus den Königlichen Schlössern und endete mit dem Ausdruck des Gelöbnisses unverbrüchlicher Treue der Angehörigen des Betriebes für den Urenkel seines Begründers. Der Minister schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf den Kaiser. Geheimer Oberregierungsrat Dönhoff gab einen Rückblick auf die Entwicklung der Manufaktur. Der Kaiser erklärte darauf die Ausstellung für eröffnet, und es folgte eine Besichtigung durch die Majestäten und die Ehrengäste.
AuslaKZ.
— Der Jagdbesuch Kaiser Wilhelms in Konopischt hat einen ausgezeichneten Verlauf genommen. Der Empfang durch den Erzherzog Franz Ferdinand und die Herzogin von Hohenberg war überaus herzlich. Der Erzherzog trug preußische Ulanenuniform, der Kaiser und sein Gefolge deutsche Hofjagduniform. Kaiser Wilhelm reichte jedem der ihm Vorgestellten die Hand und zeichnete alle durch kurze Ansprachen aus. Im Schloß Konopischt hatten sich zur Begrüßung eingefunden Fürst und Fürstin Lobkowitz, Fürst und Fürstin zu Fürstenberg, Fürst und Fürstin Starhem- berg, Graf und Gräfin Clam-Martinitz, Graf Ernst Hoyos, Graf und Gräfin Majlath, Gräfin Elisabeth Sattlet de Latour und Gräfin Henriette Chotek.
W — Ein Urteil Juanschikais über die deutschchinesischen Beziehungen, das der Präsident von China kürzlich einem deutschen Journalisten gegenüber gefällt hat, hebt hervor, daß sich die Beziehungen zwischen China und Deutschland andauernd befestigten, und daß davon für beide Teile zunehmende politische und Handelsvorteile zu erwarten sein. Der Präsident schätze die deutsche Industrie hoch. Die Regierung bereite eine allmähliche Einteilung Chinas in mehrere Militärbe-
Wröotene Ufade.
Kriminalroman von Otto Viehofer.
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Mo-
„Daß ich mich in diesem höchst kritischen weilt nicht fürchtete, brauche ich Dir, mein Lieb, wohl nicht erst zu versichern, denn Du kennst mich ja, im Gegenteil, in mir tobte und brannte das Blut wie ein wildes Feuer, und mit Gewalt zog's mich vorwärts, vorwärts auf den Feind. Aber dennoch floh ich — floh mit Riesenschritten dem Schlund meiner eigenen Waffe, ehe er noch zum zweiten Male Feuer spie, und zwar — der Liebe wegen. Ja, ich mußte fliehen, ich durfte dem Tode nicht eine Sekunde länger ins Auge schauen nur allein um Deinetwillen. Dir mußte ich mich erhalten auch fernerhin, auf immer — auf ewig. Wiewohl ich nun der Vorsehung tausendfältig danke, daß ich Dir erhalten blieb, so bedauere ich doch aufs tiefste, daß mir der Revolver verloren ging. Nicht nur allein darum, daß er ein altes Erbstück war und als solches eine der ältesten Schießtech- nikeu verkörperte, sondern — sondern, na, Du weißt ja, was ich meine. Der Teufel soll wissen, durch wieviel und wessen Hände dieses alte Eisen noch gehen kann. Ich würde zwar noch Mittel und Wege finden, jenem frechen Strolch mein Erbe abzujagen, aber leider, leider sind mir ja nach allen Seiten die Hände gebunden. Machtlos sitze ich den Dingen nun gegenüber — machtlos und völlig ierknischt. Und weiter bin ich zerknirscht, daß ich Dich am kommenden Abend meiden muß, ja nicht nur am kom- menden Abend, sondern wahrscheinlich mindestens eine ^vche. lang. Denn derKampfmitjenem verruchten Strolch hat mich derartig mitgenommen, daß ich mich nicht nur momentan sehr elend fühle, sondern daß dieser Zustand me ganze genannte Zeit anhalten dürfte. Zwar hat der ■Sube mein Antlitz verschont, aber umsomehr traf er meinen Körper. In der Brust, in den Armen, in den Schultern und im Rücken sitzt der Schmerz, so daß ich mich lauin zu rühren vermag. Angesichts meiner nichtsahnen
den lieben Mama und all der Leute eine heikle Sache. Aber ich werde mich tapfer halten, werde aufrecht gehen in meinem Schmerze wie bisher, weiß ich doch, daß es ein Wesen gibt, das da teilet mit mir auch in dieser Stunde: meine Ena.
Und wenn ich dann wieder hergestellt bin, dann eile ich frei und frank zu eben derselben Ena und hole alles nach. Jawohl, wundere Dich nur: frei und frank, das heißt am hellichten Tage, werde ich in Zukunft zu Dir kommen. Nicht wieder soll ein Strolch Gelegenheit finden, mich in finsterer Nacht anzufallen wie seinesgleichen. „Aber die Leute, was würden denn die Leute dazu sagen?" höre ich Dich, mein Herzensschatz, schon wieder entrüstet sagen. Nun, mein Lieb, darüber nur keine Kopfschmerzen, denn wir haben uns brav gehalten bis jetzt, und durchaus korrekt. Sieh, nur zweimal galt Dir mein offener Besuch, der formelle Besuch gleich zu Anfang Deiner Witwenschaft, dann blieb ich Dir offen fern bis auf den heutigen Tag. Und wenn ich nun, da Du fast sechs Monate den Witwenschleier trägst, frei und frank wieder Dein Haus betrete, so können die Leute doch wirklich nichts daran finden. Selbst dann nicht, wenn sie eine Werbung vermuteten. Ewig kannst Du den schwarzen Schleier doch nicht tragen! Also, freue Dich nun mit mir, es geht unserm Ziel eutaegen früher, als wir es selber dachten. Nein, nein, nicht länger steige ich nächtlicherweile über die Mauer wie ein Dieb. Wann ich nun kom-
men kann, werde ich Dir noch schreiben, aber auch nur dann, denn meine Briefe an Dich dürfen sich keinesfalls jagen. Und nun, mein Lieb, sorge Dich ja nicht so sehr um den verloren gegangenen Revolver, denn der wird schließlich doch wohl nur da enden, wo sein jetziger Träger endet: fernab seinem Ursprung hinter irgend einem verwitterten Zaun, unbeachtet von der großen Welt. Kein Hahn wird da krähen nach dem Revolver eines Vagabunden, und noch viel weniger nach dem — eines Gra- --------- fen von Bruckhoff. Das ist zu guter Letzt meine felsen- Ort, und da h feste Ueberzeugung, und nur allzu schwarz habe ich, wohl j abend für heute.
noch zu sehr erregt von dem Ueberfall, am Anfang dieses Briefes gesehen. Und weiter sorge Dich nicht zu sehr um mich, schwelge vielmehr in Freuden über unsere Zu» kunft und sei gegrüßt und geküßt von Deinem Ponto."
Herbert Balthasar erlosch seine Lampe und trat inS Zimmer zurück. Da hatte er's ja: ein neuer Schuldbeweis war dieser Brief. Teufel, der strotzte javollends von Selbstbekenntnissen. Ja, ja, „Pvnto" hatte jetzt viel zu leiden, seelisch und körperlich. Fort war der Revolver, fern das Lieb, und die Beulen schmerzten. Ha, die saßen, die Stöße Herbert Balthasars, selber lobte sie der Empfänger. Aber lammen wollte er wieder — offen wollte er kommen. Nun, dann nur zu, Herbert Balthasar hatte nichts dagegen. Aber der Brief, der Brief — der mußte vor allenDingen photographiert werden,und dann wieder flugs in das Schubfach der Baronin wandern, denn morgen schon würde sie ihn dort vermissen. Wie gut, wie gut nur, daß er, Herbert Balthasar, auch den photo» graphischen Apparat noch in seinen Koffer gepfropft hatte.
Der Detektiv hing seine dunkle Bettdecke vor das Fenster, darüber noch seinen großen Dienermantel, und dann zündete er auf dem Tische die große, sehr hell leuchtende Lampe an. Hin schritt er zu seinem Koffer und wieder zurück, und da thronte auf dem Tische schon der „Lili- put" — der winzige photographische Apparat.
Genau eine halbe Stunde später barg der Detektiv die Platte in der „Dunkelkammer," das war sein Spind, und den Brief „Pontos" wieder in dem Schreibtisch der Baronin. Liegen konnte er nun da, der Brief, bis zum gegebenen Moment, bis man trotzdem noch die Finger nach ihm ausstrecken würde. Und lag er dann nicht mehr indem parfümierten Kasten, nun, dann pfiff man schließlich auf das Original, dann begnügte man sich eben mit dem Konterfei. —
So, und auch der „Liliput" und der „Lauscher" auS der Baronin Boudoir befanden sich nun wieder an sicherem' Ort, und da hatte der Detektiv Herbert Balthasar Feier-
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