große Armeerevolver, aus denen er blindlings losschoß. Der Polizeidiener erhielt zwei Schüsse, der Nachtwächter einen. Man mußte den Mörder zunächst wieder loslassen. Wo sich Menschen zeigten, wurden sie von Wagner angeschossen. Im ganzen tötete er acht Personen, nämlich sieben Bürgersleute und ein elfjähriges Mädchen, deren El.ern sehr schwer verletzt wurden. Die Zahl der Verletzten beläuft sich aus elf, von denen die Hälfte lebensgefährlich verwundet wurde. Schließlich stürtzte der bereits verwundete Polizeidiener mit einem Eisenbahnacbeiter auf Wagner los, und es gelang ihm die Revolver -u entwinden. Man überwältigte ihn. Die inzwischen allgesammelte äußerst erregte Bevölkerung mißhandelte ihn schwer. Eine Hand wurde ihm abgeschlagen und auch am Kopf wurde er schwer verletzt. Schließlich brächte man ihn nach dem Armenhaus und machte sich an die Löfcharbeiten. Mit Hülfe des herbeigerufenen Militärs wurde man des Feuers Herr.
— Degerloch. Die Wohnung des wahnsinnigen Lehrers Wagner wurde am Freitag vormittag von der Staatsanwaltschaft geöffnet. Wagner hat, bevor er sich nach Mühlhausen begab, seine Frau und seine vier Kinder umgebracht. Man -fand die Frau mit durchschnittener Kehle im Bett liegend vor. Die vier erstochenen Kinder lagen gleichfalls im Bett.-
— Petersburg. Die Choleragefahr. Die Stadt- Hauptmannschaften Odessa, Nikolajew und Rostow a. D- sind für cholerabedroht erklärt worden.
— Mehr Zwetschenmus wie je. Die Meinungen über den Ausfall der Zwetschenernte gingen seither sehr auseinander. Der Deutsche Pomologenverein in Eisenach gibt nun folgendes bekannt: „In diesem Jahre ist in Deutschland mit einer reichen Zwetschen- ernte zu rechnen, nur in wenigen Zwetschenbezirken fällt die Ernte gering aus. Nach sorgfältigen Er- mittelungen darf mit einer Gefamternte von etwa 450 000 Doppelzentnern gerechnet werden. Wenn man davon ein Drittel für Hausbedarf und für den lokalen Kleinhandel abrechnet, so ist immer noch für Konserven- und Musfabriken mit einer deutschen Zwetschenernte von 300 000 Doppelzentnern zu rechnen. Für die häusliche Pflaumenmusbereitung sind in diesem Jahre besonders günstige Aussichten vorhanden, denn die Zwetschen sind gut ausgebildet, wurmfrei und versprechen bei günstigem Wetter eine besondere Güte zu erreichen. Es ist deshalb für die deutschen Hausfrauen jetzt an der Zeit, daran zu denken, die Vorräte rechtzeitig einzukaufen oder zu bestellen, damit die Züchter in den verschiedenen Bezirken die Aufträge in bester Weise ausführen und auch dafür Sorge tragen können, daß die Ware in trokenem Zustand in den Besitz der Käufer gelangt."
— Jüdische Mischehen in Preußen. Nach den Ergebnissen der Volkszählung gibt es in Preußen 5516 jüdische Mischehen. Und zwar ist der Prozentsatz in den sozial höher gestellten Schichten größer, als im Kleinbürgertum. In den 5516 Fällen war 3712 mal der Mann und 2476 mal die Frau jüdisch. Sehr bemerkenswert ist, daß diese Mischehen einen auffallenden Kindermangel aufweisen. Auf die 5516 Ehen entfielen nur 7785 Kinder, von denen aber nur 1802 im jüdischen Glauben erzogen werden.
— Am Altar vom Tode ereilt. Einen tragischen Ausgang nahm eine Trauung, die vor beut Standes - ntiite in Wiesbaden stattfinden sollte. Die Braut, eine 24 Jahre alte Näherin names Anna Sträub, die seit sieben Jahren mit ihrem Bräutigam verlobt war, erlitt während der Trauhandlung einen Herzschlag und starb kurz darauf. Die Trauung war noch nicht beendet.
— In der Familie eines Zahntechnikers in Karls« ruhe sind 10 Personen nach dem Genuß von Schokolade und Vanillecreme erkrankt. Der 20jährige Sohn ist bereits gestorben. , .. ..
— Bei der Wirtschaftlichen Zentralgenostenschaft, die in Dortmund ein Kornhaus unterhält, sind Unter« schlagungen aufgedeckt worden. Der Geschäftsführer Sickel, der seit Jahren als Geschäftsführer des Kernhauses tätig ist, wurde wegen der Unterschlagungen, die sich auf etwa 200 000 Mark belaufen sollen festgenommen. ,
— Eine Tyhusepidemie in München. .jn mr bayerischen Hauptstadt ist infolge des Genusses typhöjer Milch eine Typhusepidemie ausgebrochen. Der Herkunftsort der verdorbenen Milch ist bekannt, der Besitzer des betreffenden Bauernhofes wird zur Verantwortung gezogen werden. In Münchener Hospitälern liegen 41 Personen schwer krank darnieder. Die Polizei veranstaltete zur Ermittelung weiterer Typhuskranker Streifen durch die Stadt. Gestern sind neuerdings 5 Personen wegen Thyphus ins Krankenhaus kingeliefert worden. Im ganzen befinden sich 50 Typhuskranke und Typhusverdächtige in Krankenhäusern.
- Mannheim. Grausige Tat einer Muttrr. Wie die „Neue Badische Landeszeitung" meldet, ermordete bte Ehefrau des Kernmachers Freiler ihre beiden Kinder im Alter von 1'/, und 3 Jahren und verübte darauf Selbstmord. Die Frau durchschinlt dem jüngeren Kinde den Hals, so daß der Tod sofort eintrat, bei dem älterem Kinde, dem sie beide Arme am Oberarm abtrennte, trat bald nach der Einlieferung im Krankenhause der Tod ein. Der Grund für die Tat soll m Streitigkeiten mit Verwanden zu suchen sein.
— München. Eine entsetzliche Bluttat beging m Rheinhausen bei Regensburg ein offenbar geistes
gestörter siebeneinhalb Jahre alter Knabe. Er schlachtete die zweieinhalb Jahre alte Tochter des Tagelöhners Braun buchstäblich, nachdem er das Mädchen vorher durch Schläge mit einem Holzknüttel betäubt hatte. Noch bei Ausführung des Verbrechens wurde er überrascht und gestand lackend die Tat ein.
— München. In Gastolshofen bei Ried in Bayern brach ein Balkon mit sechs Frauen, die sich dort in der Sommerfrische befanden, zusammen. Drei Frauen blieben auf der Stelle tot, zwei wurden schwer, eine leichter verletzt.
—■ Petersburg. Maßnahmen gegen die Cholera. Die Stadt Cherson ist für cholerabedroht erklärt worden. Es sind dort vom 26, bis 28. August drei bakteriologisch festgestellte Cholerafälle vorgekommen. Die energischsten Maßregeln wurden getroffen.
Parteikasse = Pumpkasse.
Die sozialdemokratische Parteikasse hat in den verflossenen letzten zehn Iah en nach ihren eigenen Berichten 2 141 537,33 Mk. verborgt und 862 120,49 M. zurückerhalten, also noch lange nicht die Hälfte. Die noch aussteheuden Forderungen betragen sonach 1 279 416,84 Mk., ein ganz nettes Sümmchen, das wohl zum großen Teil verloren ist.
Im Jahre 1913 wurden 396 543,53 Mk. verborgt 99 242,80 Mk. zurückgezahlt. Im Jahre vorher wurden 225 600 Mk. verborgt und 203 653,10 Mk. zurückgezahlt, in beiden Jahren zusammen 622 143,53 M. verborgt und 312 895,90 Mk-, also die Hälfte, zu- rückgezahlt. Es bleibt also beim Alten. Hier die Uebersicht über die Pumpwirtschaft seit 1904:
geführten und nach sozialdemokratischer Art verrechneten Darlehn zusammen, so erhält man die Summe von 396 1)43,53 Mk., die tatsächlich verborgt ist — eine Geschäftsführung, die ahnen läßt, wie die Regierung im $ Zukunftsstaat mit den Geldern umspringen
Es ist auch lehrreich zu verfolgen, wohin die größten Darlehn gehen, wo überhaupt die meisten Partelgelder Hinfließen. Groß-Berlin, Hambnrg- -ubeck tiefern nur Geld in die Kasse hinein und er« halten nichts. Bremen hat zwar auch nichts erhalten - aber auch nichts abgeliefert: Es streikt also im Geldpunkt. Anders sieht es schon bei Leipzig und Dresden aus. Leipzig lieferte 35 779,45 Mk. ab und erhielt 700 Mk. Zuwendungen, Dresden lieferte 41 580,79 Mk. und erhielt 70 787,40 Mk., also mehr, als es zahlte. Aber es gibt weit 'teurere Bezirke. Württemberg z. B. brächte 23 808,54 Mark auf und bekam 111 344,60 Mk., also mehr als das Vierfache, darunter 40 000 Mk. zur Wahlagitation und 64 660 Mk. Darlehn. Auch Mecklenburg-Schwerin ist kostbar. Eingekommen sind von dort nur 1044,98 Mk. in sieben Wahlkreisen, aber erhalten haben sie 20 264,40 Mk., also fast das 20 sächsle!
Man könnte noch weitere Zahlen anführen, doch das Vorstehende dürfte genügen, um sich ein zutreffendes Bild von der Finanzwirtschaft der Sozialdemokratie zu machen. Wenn aber ein armer Teufel sich an den „Vorwärts" mit der Frage wendet, wo man etwas Geld geborgt bekommen kann, so antwortet das Blatt im Briefkasten: «Das können wir ihnen nicht sagen.
1904
verborgt 84 600,00 M. zurückqez. 41 250,00 M.
1905
152 144,00 „
ff
55 262,50 „
1906
327 606,00 „
ff
15 360,60 „
1907
208 093,40 „
94 940,00 „
1908
223 701,45 „
130 597,50 „
1909
ff
122 209,35 „
86 271,74 „
1910
ff
152 565,60 „
ff
52 554,55 „
1911
248 474,00 „
73 018,30 „
1912
ff
225 600,00 „
203 653,10 „
1913
ff
396 543,53 „
99 242,80 „
Summa
2141 537,33 M.
862 120,49 M.
Das Jahr 1912/13 ist demnach mit nahezu 400 000 Mk. das Rekordjahr! Nun kommt die Sozialdemokratie, wenn man ihr diese eigenartige Finanzwirtschaft vorhält, mit der famosen Entschuldigung: In den Berichten steht, wohin die Darlehen gegeben wurden. Richtig! Das ist aus den Berichten zu entnehmen. Sehen wir uns den von 1912/13 für den kommenden Parteitag zu Jena einmal an. Wir finden die Angaben auf Seite 49.
Agitationsbezirk Brandenburg Darlehn Mk. 500
„ Görlitz " „ „ 13 000
„ CkftL Westfalen „ „ 30 000
„ Niederrhein „ „ 79141,53
usw.
Also, werter Genosse, merke dir: Aguationsbezirk Niederrheiu 79 141,53 Mk. Darlehn! Nun bist du klug geworden und weißt genau, wer das Darlehn bekommen hat und wofür es gegeben wurde. Und die Genossen sind mit solcher Abrechnung zufrieden; denn wenn sie sich unterstehen, zu muksen, geht es ihnen schlecht. Zieht man alle die auf Seite 49 an
Ihr Element.
„Nun, Kinder, merkt auf und nennt geschwind Mir, welches die Elemente wohl sind!"
So fragt der Herr Lehrer. Klein Elschen, die gerad' Die Pfiffigste, hat schon die Antwort parat: «Das Wasser, das Feuer, die Luft und . .Persil!" Da lacht der Herr Lehrer verwundert: „Soviel Ich weiß, ist die „Erde" das vierte im Bund." Doch Elschen, mit Nichten verlegen, tut kund: „Als Mama vor kurzem die Waschfrau bekam, Die neue, die sie aus Empfehlung hin nahm, Da fragte die Frau, ob „Persil" sei im Haus, Sonst könnt" sie nicht kommen, sonst hielt" sie"s nicht aus; „Zum Waschen ich dieses allein nur verwend'; Denn Henkel's Persil ist mein „Element!"
W. H.
—* Für den Kreis Schlüchtcrn stellen sich die Ergebnisse der Bewilligung von Alters-, Invaliden- und Kranken-Renten in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1913 wie folgt:
Einhe- gange. ne Anträge.
Davon sind erledigt durch.
Gesammt- Jahresbetrag der bewilligten Renten
^ ^
Von den Rentenempfängern bezw. den «erst. Ernähr, bezw. waren beschäftigt
Nach Abgang durch Tod rc. bleiben noch zu zahlen
Ren-, ten-Be- willi- gung
Ablehnung
1 Tod der Antrag- steiler
in der Land- wirthschaft
in der In- dustrie
im Handel und Verkehr
durch
Lohnarbeit wechselnder Art
im Staatsdienst
im Ge. finde dienst
Posten
.* 4
Altersrenten
266
166
86
12
21508,20
96
19
3
14
24
10
21
3816,80
Invalidenrenten
935
706
164
59
107407,30
318
183
22
67
55
61
352
56399,70
Krankenrenten Witwenrenten Waisenrenten
49
4
4
49
3
2
8351,40
252,6c
16
21
3
2
5
1
4
4
3
1075,80
252,60
Zusammen:
1258
924
252
71 |137519,50|
430
226
27
86 |
80
75 | 380
61544,90
baden
Von der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau, deren Bezirk die Regierungbezirke Cassel und Wies sowie das Fürstentum Waldeck umfaßt, sind seit dem 1. Januar 1891 überhaupt bewilligt:
Gesamt-Jahresbetrage '
11206 Altersrenten
56 256 Invalidenrenten
6 004 Krankenrenten
263 s Witwenrenten Witwerrenten
Hiervon sind
im
//
ff
ff
</
von
//
ff
1621 494
9 078 323
1042 518
20 306
Mk
80
//
//
70
80
40
Pf.
ff
tf
M
11 Witwenkrankenrenten
823 Waisenrenten „
ff
tf
74563 Renten mit einem Gesamt-Jahresbetrage
fr von
830
64 655
w
60
20
»
11 828 129 Mk. 50 Pf.
nach Berücksichtigung der durch Tod rc. erfolgten Gesamt-Jahresbetrage
1 937 Altersrenten
25 685 Invalidenrenten 626 Krankenrenten 263 j Witwenrenten
(Witwerrenten
im //
ff
ff
//
Abgänge Ende Juni 1913 noch zu zahlen: 324 253 Mk. 70 —
von
4 371513
112 154
20 306
Pf.
ff
10
40
//
10 Witwenkrankenrenten
800 Waisenrenten „
ff ff
ff
ff
ff von
780
62 793
20
//
zusammen: 29 321 Renten mit einem Gesamt-Jahresbetrage Der von dem Reiche zu leistende Zuschuß beträgt
4 891 800 Mk. 40 Pf.
1466 050 „ — „
Mithin bleiben Ende Juni 1913 aus Mitteln der Landes-
Versicherungsanstalt Hessen-Nassau an Renten zu zahlen jährlich 3 425 750 Mk. 40 Pf.