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mit amtlichem Rreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 6». IVochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr.«».
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
eM 71. Mittwoch, den 3. September 1913. 64. Jahrgang.
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Amtliches.
J.-Nr. 4543. K. A. Am Samstag, den 13, September 1913 Vormittags von 10 Uhr ab findet in Schlächtern an der Stadthalle eine
Aiegenboek-ALvUttg statt.
Zu dieser sind nicht nur die Böcke vorzuführen, deren Ankörung erstmalig gewünscht wird, sondern auch sämtliche bisher schon angekörten Ziegenböcke mit Ausnahme der am 21. Mai d. Js. angekörten.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, auf vorstehende Bekanntmachung wiederholt in ortsüblicher Weise (Schelle etc.) in ihrer Gemeinde aufmerksam zu machen.
Schlächtern, den 30. August 1913.
Der Landrat. Valentiner.
J.-Nr. 9787. Nach Mitteilung der Großherzoglich Hessischen Militär-Intendantur tritt die für den hiesigen Kreis bestimmte Flurabschätzungs-Kommission sofort nach Schluß der Herbstübungen (17. September 1913) zusammen.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich daher mit Bezug auf die Verfügung im Krcisblatt Nr. 32 vom 5. ds. Mts. — I. Nr. 7625, — Flurschäden sobald wie Möglich anzumelden. Nur auf diese W-ise wird eine alsbaldige Schätzung und Bezahlung der Schäden möglich sein.
Schlüchtern, den 30. August 1913.
Der Königliche Landrat: J. V.: Heuser.
J.-Nr. 4456. K. A. Die Herren Leiter der Volks- bibliotheken mache ich auf die im Verlage von Dr. Ed. Rose zu Neurode in Schlesien erschienenen Veröffentlichungen der deutschen Gesellschaft zur Verbreitung guter Jugendschriften und Bücher E. V. in Berlin- Wilmersdorf „Illustrierte Heldenbibliothek. Geistesund Kriegshelden aller Völker und Zeiten", herausgegeben von Georg Gellert aufmerksam. Bis jetzt sind nachfolgende 12 Bündchen erschienen:
1. Friedrich der Große. 7. Bunsen
2. Goethe. 8. H. von Wißmann.
3. Bismark. 9. Buddha.
4 Richard Wagner. 10. Bronardo da Vinci.
5. Zeppelin. 11. Philipp Reis.
6. Michelangelo. 12. Krupp.
verbotene Ffade.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 63
Und der Revolver, wo blieb der? — Nein, nein, nicht einen Schritt weiter war er in den vier Wochen gekommen, genau auf demselben Punkte stand er noch, auf dem er schon als „Vertreter Emil Würzberg" gestanden. Himmeldonnerwetter, zu schlau ging man um indiesemSchlosse — zu schlau und zu vorsichtig. Aber die Hilfe mußte dennoch kommen für Wenzel Koczmierski, sie mußte kommen, und sollte er sich auch auf den Kopf stellen, denn auf der rechten Fährte befand er sich, das stand bombenfest. Mehr hören mußte er vor allen Dingen, was verging im Boudoir der Baronin — mehr hören, und war's nicht sein Ohr, so mußte es ein anderes sein. Aber wessen — wessen?--
An die Stirn klatschte jetzt die Hand des Detektivs. Ah, ah, er hatte es schon: künstliche Ohren gab's heute in der Welt, künstliche Ohren, denen nichts entging, und künstliche Zungen, die sich regten nach einem Druck. Einen Phonographen, jenen Sprechapparat würde er sich kommen lassen, und den dann im Boudoir der Baronin auf den mit einem hohen Aufsatz versehenen Ofen stellen. Und dann weiter? Wie den Apparat eingeschaltet, daß er überhaupt hören konnte, wenn er, Herbert Balthasar, nicht selber ins $ immer hinein konnte ? — Bah, da stand er nun wieder! — « A^i^At«^
Herrgott noch mal, da kam's ja schon, da war's ja schon da: er hatte doch eine elektrische Klingel in seinem Zimmer, deren Drähte nach den sämtlichen Gemäöbern der Baronin liefen. Einfach den Strom durch Neben- drähte abgeleitet im blauen Zimmer, und zwar hinter schweren Portiere der Eingangstür, hoch oben den ^»Uckknopf angebracht, auf dem Ofen im Boudoir den Hebel befestigt, — und der Apparat konnte elektrisch be« kl^ werden. Niemand würde das bemerken, denn hier schütztz $eit $eR Drrbt dep Ofen, und dort die Por
Weitere Bände sind in Vorbereitung.
Die „Illustrierte Heldenbibliothek" kann in einzelnen Heften (Ausgabe B.) a. 30 Pfennig oder in starken Bänden, bestehend aus je vier verschiedenen Heftchen (Ausgabe A.) zum Preise von 1 Mark von jeder Buchhandlung bezogen werden.
Schlächtern, den 29. August 1913.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
I -Nr. 595 K.-A. Fortgesetzte Klagen und Beschwerden der Wegebauverwaltung veranlassen mich, die zum Schutze der Straßen und Wege erlassene Kreispolizeiverordnung vom 12. Februar 1851 und die Bezirkspolizeiverordnung vom 22. April 1892 erneut in Erinnerung zu bringen. Hiernach ist das Weiden von Vieh in den Straßengräben und auf den Banketten und Böschungen gänzlich verboten. Ferner aber müssen beim Austrieb zur Weide die Tiere zusammengekoppelt und so geführt werden, daß sie die Bankette nicht betreten. Die Landwirte des Kreises ersuche ich, die Vorschriften gewissenhafter als seither zu beachten. Uebertretungen müßte ich in Zukunft bestrafen.
Schlächtern, den 24. April 1913.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Deutsches Reich.
— Berlin. Als Gäste des Kaisers bei der Herbst- parade am 2. September werden anwesend sein: der Herzog Albrecht von Württenberg und dessen ältester Sohn Herzog Philipp Albrecht, ferner die Prinzen Alfons und Franz von Bayern.
— Der Reichsanzeiger veröffentlicht zahlreiche Ordensverleihungen und sonstige Auszeichnungen an Bewohner der Provinz Posen anläßlich des Aufenthalts des Kaisers. Ueberwiegend sind es Beamte, die ausgezeichnet worden sind, hier und da auch Kaufleute. Dem Grafen von Hütten- Czapski, Schloßhauptmann von Posen, in Smogulee, wurde das Prädikat Exellenz verliehen.
— Breslau. Nachdem der Kaiser am Donnerstag in Posen dem Prinzregenten vor dessen Rückreise nach München einen einstündigen Besuch abgestattet hatte, reiste er mit der Kaiserin im Extrazuge nach Breslau, wo er um 3 Uhr 45 Minuten eintraf. Auf dem Bahnhöfe fand großer militärischer Empfang statt.
— Den Posener Kaisertagen haben sich die Bres- lauer Kaisertage unmittelbar angereiht. Auch sie nahmen einen glänzenden Verlauf. Der Kaiser erwiderte auf die Ansprache des Oberbürgermeisters, es habe ihn umsomehr gefreut, in diesem Jahre nach Breslau kommen zu können, weil die Stadt ihren so ganz besonderen Anteil an den großen Erinnerungen
tiere. Aber wann das nur zu Wege bringen, wann? Wenn die Baronin doch nur auf einen halben Tag das Schloß verlassen wollte, dann würde es sich schon machen lassen, der Zofe und dem Stubenmädchen würde er da schon eine Nase drehen. Die Klingel funktionierte einfach nicht, und die besserte er eben aus, wenn sie kommen und die Hälse recken sollten. Ha, fein war das ausgedacht, fein belauschen konnte da der Apparat den „Ponto" und sein Lieb, einmal solange sich die Walze drehte, und das andere Mal. War die eine Platte voll, so kam eben eine andere heran in der nächsten Nacht, bis — ja, bis er es hatte. Aber ein kleines Tänzchen mußte er dennoch wagen, denn mit List allein war das Schießeisen auch fernerhin nicht zu erlangen. Nun, das schadete weiter nichts, die Sache würde er schon drehen. Also an der Baronin fehlte es nur noch.--
Es klingelte draußen an der Eingangstür. Herbert Balthasar war aus seinenGedanken emporgefahren und eilte hinaus, um zu öffnen.
Der Briefträger ivar es.
„Verzeihung," ging er den Diener an und zog aus seiner Ledertasche einen mächtigen Brief hervor, aus dessen einem Ende noch ein zusammengelegter Bogen heraus-
Verzeihung, ich habe hier einen Gerichtsbrief für die Frau Baronin, es ist eine Terminsvorladung. Wollen Sie den, bitte, der Frau Baronin übermitteln, oder ist es angenehm, wenn ich ihn selber—?"
„Nein, nein," unterbrach ihn Herbert Balthasar, „geben Sie den Brief nur her, ich trage ihn schon zur Frau Baronin; es ist heute noch früh, und folglich meine Herrin noch für niemand zu sprechen."
„Bitte," überreichte ihm der Postbeamte den Brief, „und das daheraussteckt,ist derBehändigungsschem, den möchte die Frau Baronin unterschreiben, und dann brm- gen Sie ihn mir wieder zurück,"
r .Gut, gut!" _ ______
der Zeit vor hundert Jahren habe; denn es sei der Bürgerschaft Breslaus vorbehalten gewesen, in die Herzen des unter dem Druck der Zeit schwer leidenden Königs und der Königin den ersten Sonnenstrahl hineinzuführen. Dieser Sonnenstrahl habe das Feuer angefacht, das dann durch das ganze Land gegangen sei: die Erhebung gegen die Fremdherrschaft. Der Kaiser schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es auch ferner gelingen werde, unter dem Schutz des mächtigen deutschen Heeres, das einer der Hauptpfeiler des europäischen Friedens sei, diesen Frieden dauernd aufrechtzuerhalten und so auch die Stadt Breslau unter den Segnungen des Friedens an friedlicher Arbeit teilnehmen zu lassen.
— Während die nationalliberale Presse, allen voran die „Nationalliberale Korrespondent, sich entweder höhnisch oder gehässig gegen das auf dem Leipziger Mittelstandstage beschlossene Kartell der schaffenden Arbeit geäußert hat, nimmt die „Altnationlliberale Reichs-Korrespondenz" eine ganz andere Haltung ein. Sie legt dar, daß die Hineintragung eines parteipolitischen Momentes den an der Leipziger Verhandlung beteiligten Kreisen gewiß fern gelegen habe. So weit der Versammlungsbericht es erkennen lasse, hätten die Vertreter der drei hauptsächlichen Frage kommenden Organisationen, der Industrie, der Landwirtschaft und des Mittelstandes, einmal aus dem Streite der Parteien herausheben wollen, was über alle verschiedenen Einzelinteressen hinweg den drei großen Berufsständen gemeinsam sei. Was der Referent Kükelhaus gesagt habe, es sei eine trostlose Beobachtung, daß viele Menschen selbst den gesündesten und reinsten wirtschaftlichen Bestrebungen vielfach parteipolitisch nicht neutral gegenüber treten könnten, sei durch die jetzige parteipolitische Erörterungen bestätigt worden. Die „Allnationalliberalle Reichs-Korrespon- denz" setzt weiter auseinander, wie notwendig angesichts der bevorstehenden Erneuerung der Handelsverträge ein Zusammengehen der großen Berufsstände sei, und daß man bei den Parteiverhältnissen im Reichstag sich den Luxus gegenseitiger Bekämpfung nicht gestatten könne. Das ist durchaus richtig und verständig und wird von jedem Patrioten unterschrieben werden.
— Im Haag hat die Einweihung des Friedenspalastes stattgefunden. Der holländische Minister des Aeußern, von Marees van Swinderen, Präsident des Ständigen Schiedsgerichtshofes, gab im Namen des Verwaltungsrats des Schiedsgerichtshofs der Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Eröffnung des Palastes der internationalen Justiz Tatsache geworden
Herbert Balthasar klopfte schon an die Tür zum Speisezimmer der Baronin.
„Herein!" lud es von drinnen ein.
Baronin von Paltzow saß beim Morgenkaffee und sah erstaunt zum Diener hin.
„Verzeihung, gnädigste Frau Baronin," verneigte sich der, „der Briefträger brächte hier eine Terminsvorladung, inhaltlich noch einen Behändigungsschein, welch letzteren er, von der Frau Baronin unterschrieben, sogleich zurück erbittet."
Die Augen der Baronin waren noch größer geworden: „Eine Terminsvorladung? — Ach Gott ja doch, zum Schwurgerichtstermin wird es sein, daran habe ich ja gar nicht mehr gedacht. Oeffnen Sie!"
Herbert Balthasar öffnete auf dem silbernen Teller den Brief, entfaltete den Behändigungsschein und legte dann beides auf den Kaffeetisch seiner Herrin.
Sie tat einen gespannten Blick hinein l „Natürlich, der Mörder meines Mannes und seines Kutschers soll verurteilt werden. Zum einundzwanzigsten dieses Monats, vormittags neun Uhr bin ich geladen. Erinnern Sie mich daran, Kaspar, damit ich den Termin ja nicht versäume 1“ .
„Sehr wohl, Frau Baronin."
Der Diener holte eine in Tinte getauchte Feder herbei und reichte sie der Frau Baronin. Im Nu standen deren große, steile Schriftzüge auf dem Papier.
Herbert Balthasar trug die Feder wieder an ihren Ort, trocknete mit einem Löscher die Schrift, und über- brachte den Behändigungsschein draußen dem Briefträger. /
So, nun wußte er ganz genau, an welchem Tage er den elektrischen Hebel anbringen konnte. Den ganzen Tag würde die Baronin am einundzwanzigsten ihrem Schlosse fern bleiben — den ganzen Tag. Ei ei! Mochten sie Wenzel Koczmierski inzwischen nur ruhig verurteilen in Berlin, das schadete nichts, dessen Kopf lag nicht gleich I unterm Henkerbeil nach dem Termin. ^^^ ^ 197,18*