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mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

Telefvrr Nr. @5. lVochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. xcicto« Mr. es.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 70.

Samstag, den 30. August 1913.

64. Jahrgang.

Amtliches.

Grundstücksverkänfe!

Souuabend, den 13. September d. Js. Abends 7 Uhr, wird in der Nau'schen Gastwirtschaft zu Herolz die alte Kreisbaumschule, bestehend in Wohn­haus mit Nebengebäude und za. 2 ha Acker- u. Garten­land, eingeteilt in 810 Parzellen, auch zu Bauplätzen geeignet, öffentlich meistbietend verkauft.

Schlüchtern, den 26. August 1913.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentin er.

Zwetschenverkauf.

Auf meine kürzliche Becaunkiuachung hin, nach welcher Herr Kreisgärtner ^Wüstenhagen auf Wunsch den Verkauf von Zwetschen vermittelt, ist die Nach­frage (namentlich nach gepflückten Zwetschen) von auswärts bisher größer als das Angebot aus dem Kreise. Dies ist um so auffälliger, als die Zwetschen- bäume vielerorts im Kreise sehe voll hängen. Damit nun keine Käufer unnötig abgewiesen werden müssen, ist es dringend erforderlich, daß die V e r k ä u f e r von Zwetschen umgehend den Herrn Kreisgärtner be­nachrichtigen, wieviele Mengen Zwetschen sie ab­geben können.

Nur wenn der Kreisgärtner weiß, welche Mengen von verkäuflichen Zwetschen vorhanden sind, kann ein. erfolgreiche Verkaufsvermittelung durchgeführt werdene

Schlüchtern, 26. August 1913.

Der Landrat. gcz.: Valentine r.

Zum 2. September.

Du hohes Lied vom deutschen Siege, Ertöne neu durch alles Land!

Verkünde laut vom Heil'gen Kriege,

Der Deutschlands Völker einig fand:

Wie aus der Brüder treuem Bund allein Das Reich erwuchs, und frei nun ist der Rhein!

Was jetzt, erhöht zum stolzen Baue,

Ein Bollwerk ist für Licht und Recht, Zersplittert lag's in manchem Gaue, Des Neides und der Zwietracht Knecht:

Und in des Bruderzwistes düsterm Schein War Deutschland machtlos, und bedrängt der Rhein.

Doch als nach bangen Schmerzenstagen

Erlösend uns die Stunde schlug,

Verwehte beides, Leid wie Klagen,

Des deutschen Adlers kühner Flug:

Als Schutz der Heimat zogen im Verein Die deutschen Brüder all zur Wacht am Rhein.

Verbotene Ffade.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 62

Fritz," sagte im Hofe auf einmal der Detektiv und streckte dem Stallburschen seine Hand hin,Fritz, hier ha­ben Sie einen Fünfziger, gehen Sie in die Gaststube und trinken Sie ein Glas Bier und taufen Sie sich auch ein paar Zigarren. Aber fix, ich werde solange hier warten, denn ich darf ja, wie Sie wissen, nicht nach Bier rie­chen, soll's mir nicht ebenso ergehen wie meinem Vor­gänger."

Fritz staunte den Spender an, dann aber kam die Freude über sein Gesicht und seine Hand streckte sich:Ich ich danke auch vielmals, Caspar."

Wie ein freudevoller Zehnjähriger hatte er Kehrt ge­macht und war im Lokal verschwunden.

Paffend, lachend, tarn er nach fünf Minuten wieder. Der Wallach vor dem Wagen wieherte und scharrte, die Zügel lösten sich, ein paar Sohlen knirschten auf dem Trittbrett, und fort ging's von dem Hofe desRoten Löwen".

Als das Gefährt vor das kleine Gasthaus ratterte, in welchem der Detektiv übernachtet hatte, kam die Wir­tin neugierig herbeigelaufen:Nanu, was ist denn los, mein Herr? So schnell ging das? Und verschwunden sind Sie heute morgen, ohne mir zu verraten, daß Sie schon was in petto hatten?"

Frau Wirtin," lachte der Detektiv, der schon neben ihr auf der Schwelle stand,heutzutage muß man hin­terher sein, will man flink wo unterkriechen. Und bei dem Rennen vergißt man dann leicht so manche Rücksicht, ent­schuldigen Sie nur."

Und wo haben Sie Stellung gefunden, Trampitzer Fuhrwerk ist das doch nicht etwa?"

Ja, ja, der Trampitzer Wagen ist's, Frau Wirtin, dort bin ich schon fest auf ein Jahr."

Und Sieg nach Sieg auf Frankreichs Boden Errangen sie mit ihrem Blut,

Bis aus der stillen Saat der Toten Erblüht' der Deutschen bestes Gut:

Das Deutsche Reich erstand aus Nacht und Pein, Der Friede herrscht, und unser ist der Rhein!

O hohes Lied vom deutschen Siege,

Verklinge nie im Deutschen Land, Urenkeln künde noch vom Kriege, Aus dem des Reiches Macht erstand:

Daß durch der Brüder festen Bund allein Es mächtig ward, und frei der deutsche Rhein!

Was ist uns Sedan?

Welch eine Wendung durch Gottes Führung!" In diesen Worten, die am 2. September 1870 den Schluß der Depesche Wilhelms I. an seine erhabene Gemahlin bildeten, hat der greise Herrscher mit be- wundernswert sicherm Blick der geschichtlichen Be­deutung jenes Tages Rechnung getragen.

Nicht, daß eine dreitägige, blutige Schlacht mit einem Siege der Deutschen geendet hatte, war das Bedeutende, das diesen Waffenersolg so himmelhoch über die scko» errungenen erhob, fonbmt die Tatsache, daß mit der Ucbergabe von Sedan, mit der Ge­fangennahme Napoleons das Schicksal des Kaiserreichs Frankreich besiegelt und der Boden geebnet war für die Verwirklichung des alten Traumes der Deutschen, für die Möglichkeit, des alten Reiches Herrlichkeit aufs neue erstehen zu lassen in einem Kaisertum, das alle deutschen Stämmevon der Maas bis an die Memel, von der E'sch bis an den Bell" umfassen könne. Und in der Tat zeigte schon die allernächste Zukunft durch die Verhandlungen mit den deutschen Fürsten, daßSedan" wirklich die Grundlage für den Wiederaufbau das alten deutschen Kaiserreiches geworden war. Die Verhandlungen gediehen unter Bismarcks zielbewußter Leitung, und unter bem Jubel ganz Deutschlands wurde Wilhelm I. im Schlosse zu Versailles am 18. Januar 1871 zum Deutschen Kaiser proklamiert. Dieses hohe Ziel wäre nie erreicht, der Herzenswunsch aller Deutsch n nie erfüllt worden, ohne den Tag von Sedan. Denn der Tag von Sedan war es, der alle deutschen Stämme zu der begeisterten Einigkeit verbrüdert hatte, die den Gedanken an den gewaltigen Bund eines großen Deutschen Reiches schließlich zur mannhaften Tat hat reifen lassen.

Wegen dieser weltgeschichtlichen Bedeutung, wegen dieser Verkörperung deutscher Einheit und deutschen

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Die Wirtin machte wieder große Augen und wollte etwas sagen, aber der Diener war schon in dem Zim­mer verschwunden, indem er logiert hatte.

Als er, mit seinem Koffer beladen, ins Lokal zurück- kam, konnte er doch nicht umhin, die Neugierde der Wir­tin zu befriedigen. Er erzählte ihr in kurzen Umrissen, wie er heute morgen die Annonce in der Zeitung ge­funden, wie er sich sofort auf den Weg gemacht hatte, und wie man ihn auf Schloß Trampitz gleich engagiert habe. Auch daß er überdasgrausigeVerbrechen aufTram- pitz bis ins kleinste unterrichtet sei, erwähnte er.

Gerade das letztere war's ja gewesen, was die Wir­tin des laugen und breiten über den Detektiv hatte aus­schütten wollen, und nun man ihr darin zuvorgekom­men, war sie zufrieden.

Herbert Balthasar bezahlte sein Nachtlogis, ließ sich viel Glück wünschen, wurde eingeladen, bald mal wie- derzukommen, und dann fuhr der Wagen davon.

Unterwegs konnte der Detektiv kaum einige Gedanken fassen, denn Fritz war jetzt dermaßen ausgelassen, daß es ihn arg belästigte. Das Bier und die Zigarren hatten es getan.

Fritz," warnte er da den Stallburschen,seien Sie ja nicht auch so ausgelassen, wenn wir auf den Hof kom- men, denn die Frau Baronin kann am Fenster stehen und Sie zu Gesicht bekommen. Sie wittert da gleich die Kneipe, und was es bann setzen kann, das wissen Sie doch von meinem Vorgänger!"

Das hatte geholfen. Fritz benahm sich sofort recht artig, ja, er verstieg sich sogar zu einem Satz, der dem andern Freude bereitete.

Sie haben recht, Kaspar, und ich danke Ihnen auch dafür," sagte er.

Endlich war nun Kaspar wieder in seinem Zimmer. Er packte die neue Livree aus uudhiug sie in den Schränk.

So da hing sie fein bis morgen früh, heute wollte

Kraftbewußtseins muß der 2. September jedem Menschen lieb und teuer sein, dem ein deutsches Herz in der Brust schlägt. Und kein bloßes Recht, nein, eine heilige Pflicht ist es für das ganze Volk, diesen Tag, der so recht eigentlich mit Blut und Eisen unser heutiges Deutschland zum untrennbaren Ganzen zusammengeschweißt hat, nie zu vergessen, ihn stets zu feiern als vaterländischen Ehrentag und als Er­innerungsfest freudigen Stolzes und inniger Dankbar­keit gegenüber unseren heldenhaften, echtdeutsch gesinnten Vätern.

In dieser Auffassung und in dieser Festfreude wollen wir uns auch weder beirren lassen mit der übertriebenen Rücksicht, die allzu schwächliche Volks­genossen auf dasdurch immerwährendes Wieder- aufreißen alter Wunden leicht verletzliche Nationalgefühl der Franzosen" glauben nehmen zu müssen, noch auch durch die hansische Bespöttelung und die geifernde Hetze, mit der die Sozialdemokratie uns die Freude an Sedan zu verleiden sucht. Eben diese schmähsüchtige Feindschaft derHerren Genossen" richtet sich ja im letzten Grunde gar nicht gegen das Sedanfest, sondern gegen die darin zum Ausdruck kommende Vaterlands­liebe und gegen denMilitarismus", die denvater- landslosen Gesellen" in ihrem internationalen Ver­brüderungsrausch in gleicher Weise verhaßt sind.

Wenn etwas uns noch bestärken kann, den Tag von Sedan als Markstein in der Entwicklung des deutschen Volkes zur Einigkeit und Größe fest-froh zu feiern, so ist es gerade dieser fortdauernde, wütende Anprall der Sozialdemokratie. Gerade das ist ein Beweis für den hohen Wert, den Sedanfeiern als wirksamstes Mittel zur Stärkung und Hebung des vaterländischen Gefühls im Volke haben. Andererseits mahnt dieses rücksichtslose Verhalten der Sozialdemo­kratie daran, daß wir wie nach außen, so auch nach innen sein und bleiben müssenallezeit kampfbereit für des Reiches Herrlichkeit!"

Die Kaisertage in Posen.

Posen, 26. August. Die Kaiserin ist, von Bad Homburg kommend, im Sonderzuge um 4 Uhr Montag nachmittags hier eingetroffen. Zum Empfang hatten sich vor dem neuen Kaiserpavillon eingefunden die in Posen bereits eingetroffenen Prinzen und Priuzeffinnen des Königlichen Hauses, Prinz August Wilhelm und Gemahlin, Prinz Oskar und Prinz Joachim, ferner die zum Dienst bei Ihrer Majestät bestimmten Kammer- Herren Schloßhauptmann Graf v. Hutten-Ezapski und Zeremonienmeister v. Hardt.

er sich's noch bequem machen, die paar Stunden ver­bringen im eigenen Anzug. Und die Uniform seines Vor­gängers konnte ja da hängen bleiben am Kleiderriegel, bis irgend ein entgegengesetzter Befehl kam. Denn in seinem Schranke hatte die nicht Platz, wo sollten denn seine Sachen hin, und vor allen Dingen der Koffer. Ja, der Koffer, der mußte besonders gehütet werden, im ver­schlossenen Spinde mußte er noch stets verschlossen sein.

Herbert Balthasar stellte den Koffer nun hinein in den Schränk, öffnete ihn vorsichtig und dann entnahm er ihm vor allen Dingen einen bequemen Hausauzug.

Als er ihn dann mit seinem schwarzen Anzug ver­tauscht hatte, ging's weiter mit dem Kramen und Ord­nen im Koffer. Alles mußte darin bei der Hand sein, falls er später einen eiligen Griff hineintun sollte.

Ein Bund Schlüssel war's, das der Detektiv da zu- letzt in seinen Händen betrachtete, sie stammten noch aus seiner früheren Tätigkeit. Große, mittlere, kleine und aller- kleinste Exemplare waren es; sie waren bestimmt, sich zu drehen und kehren in den Schlössern und Schlößchen aus Schloß Trampitz. 197,18*

20. Kapitel.

Vier Wochen waren verstrichen. Herbert Balthasar stand in der neunten Vormittagsstunde in seinem klei­nen Zimmer und rieb sich die Stirn. Donner und Doria, was nun anfangen jetzt? All die Nächte hindurch hatte er auf der Lauer gelegen im sogenannten blauen Zim­mer das war das Zimmer, das, ohne damit durch eine Tür verbunden zu sein, an das Boudoir der Ba­ronin angrenzte und gelauscht und gespannt, und nicht ein einziges verräterisches Wort war durch das von ihm gebohrte kleine Loch unter der Tapete an sein Ohr ge­drungen. Dumpf waren alle Worte an der jenseitigen Mauer verhallt alle. Und sämtliche Schubfächer der Baronin hatte er durchstöbert, ohne auch nur ein ein­ziges kompromittierendes Papierschnitzelchen aufzufinden.