die Unterschrift des Briefes nachgeahmt. Man setzte die hiesige Polizei in Kenntnis. Inzwischen trafen bei der jSpörkassenverwaltung mehrere dringende Telegramme ein, in denen um sofortige Uebersendung des Betrages ersucht wurde. Die hiesige Kriminalpolizei ermittelte nun in dem geheimnisvollen Absender des Sparkassenbuches einen schweren Verbrecher, der schon längst von den Strafbehörden gesucht wurde. In den Besitz des Buches ist er zweifellos durch einen Diebstahl gelangt. Seltsamerweise ist von der Galle selbst, keine Spur zu finden. Trotz eingehender Nachforschungen vermochie man sie bisher nicht zu ermitteln. Es wird daher vermutet, daß das junge Mädchen das Opfer eines Verbrechens geworden ist.
— Würzburg. (Ein 81 jähriger vor dem Traualtar.) Herr Kasernhausmeister Martin Pfort, ein in weiteren Kreisen bekannter Veteran von 1866 und 1870/71, feierte am Samstag zum zweiten Male Hochzeit. Pfort ist 81, seine Frau 43 Jahr alt.
— Neustadt, (Kreis Kirchhain). Die älteste Einwohnerin der Stadt, Frau Witwe Herz Levi, beging am Freitag die Feier ihres 95. Geburtstages. 6 Kinder, 27 Enkel und 13 Urenkel umscharten die Mutter, Groß- und Urgroßmutter an ihrem Ehrentage.
— Ueber die romantische Entdeckung eines Baritons durch den Wiener Hofoperndirektor Gregor wird aus Ostende berichtet: Eines Abends hörte Gregor, der gegenwärtig in Ostende zur Kur weilte, von seinem Balkon aus eine prachtvolle Natur-Baritonstimme den Prolog aus „Bajazzo" singen. Auf seine Nachforschungen stellte sich heraus, daß der glückliche beneidenswerte Besitzer dieser Stimme der — Kellner war, ein junger Italiener, der ihn täglich im Hotel de l'Ocöan bediente Rasch war im Kgl. Theater eine Probe arrangiert, die so günstig auSfiel, daß die Anwesenden, unter denen sich außer Herrn und Frau Gregor noch Oberregisseur Coimi von der Newyorker Hammerstein-Oper, Anton von Roy, Schriftsteller Max Rikoff aus Paris, Dirckwr Jindä von der Monnaie in Brüssel und Kapellmeister Van Rankte aus Leipzig befanden, den jungen Sänger mit Beifall überschütteten. Der bisherige Kellner soll eine erstklassige Ausbildung erhalten, und nach der Ansicht der Sachverständigen dürste er als Sänger eine glänzende Zukunft haben.
— Einem eigenartigen Unfall fiel in Mannheim der neun Jahre alte Sohn eines Arbeiters zum Opfer. Er kroch beim Versteckspielen in einen Koffer, dessen Schloß zuklappte, so daß der Knabe nicht mehr heraus konnte. Als man nach längerem Vermißtsein den Knaben luchte, fand man ihn erstickt vor.
— Die Neigung, namentlich in Küchenfragen, am althergebrachten festzuhalten, wird der deutschen Hausfrau vielfach zum Vorwurf gemacht. Und doch hat sie auch ihr Gutes. Nehmen wir nur das Gebiet der Küchenhilfsmittel, auf dem fast täglich Nachahmungen alleingeführter Fabrikate sich überbieten, sei es durch angeblich billigere Preise, sei es durch Zugaben, Gutscheine usw. Verdient da die Hausfrau nicht vielmehr Lob, die in recht verstandener Sparsamkeit beim Bewährten bleibt? Weiß sie doch, daß die alterprobte Marke — nennen wir z. B. Maggi's Würze — vor Enttäuschungen bewahrt. Die heutigen teuren Zeiten mit ihren hohen Lebensmittelpreisen usw. verbieten ja von selbst jeden unwirtschaftlichen Versuch.
Sprüche
Hat unrecht man getan, Was man dann tief bereut, Und wieder gut zu machen Gibt's keine Möglichkeit — Solch — selbst verschuldet — Leiden, JW nicht das tiefste Leid?
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Ewig kann in Purpurpracht Nicht die goldne Sonne stehn', Wolken kommen wie die Nacht, Wolken müssen weiter gehn'. Meinst du auch, ein herb Geschick Brech dein junges Glück entzwei, Hoffe auf der Sonne Blick — Und die Wolke zieht vorbei.
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Zwei Dinge find's, die alle Kunst Des Menschseins in sich schließen: Entsagen können starken Sinns Und rechten Sinns genießen.
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Glaubt nicht, daß die Klugheit sich webt Aus der Anzahl von Jahren;
Es gibt viele, die vieles erlebt, Aber wenig erfahren.
Liste der Teilnehmer an der Jubiläumsfeier aus dem Kreise Schlüchtern,
welche in der Kurfürstlich Hessische» Armee gedient haben.
Altvater, Georg, Heubach, 61—64
Antoni, Anton, Salmünster, 64—66
Breidenbach, Joh. Peter, Oberkalbach, 66 Deubert, Adam, Wächtersbach 61—64
Elm, Joh., Weichersbach, 65—66
Faust, Konrad, Oberkalbach, 65—73
Gundersheim, Jakob, Salmünster, 61-64 Hagemann, Christoph, „ 65—66
Hagemann, Ernestus, „ 64—66
Harnischfeger. Heinr. Joh., „ 63—65
Heil, Eduard, Altengronau, 59—61
Hölzer, Philipp, Weichersbach, 58—61
Jfft, Adam, Niederzell, 62—65
Jost, Peter, Oberzell, 65—66
Kling, Joseph, Salmünster, 66
Klüh, Heinrich, Wallroth, 64 — 66
Knöll, Georg, „ 65—66
Koch, Joh. Gg., Schwarzenfels, 62—65
Kraushaar, Joh. Nik., Uttrichshausen, 59—62
Lang, Wilhelm, Seidenroth, 66 — 68
Lang, Heinrich, „ 63- 66
Löffert, Joh., Sterbfritz, 64—66
Marx, Jüdel, „ 62—63
Müller, Konrad, Altengronau, 47—50
Müller, Johannes, Heubach, 63—65
Müller, Kilian, Niederkalbach, 66—68
Ruppert, Joh. Adam, Altengronau, 60—63
Ruppert, „ „ „ 57—58
Ruppert, „ „ „ 66—68
Schlauch, Ludwig Ignatz, Salmünster, 62—63
Schüßler, Konrad, Altengronau, 69—62
Schüßler, Georg, „ 66-68
Strauß, Seligmann, Wächtersbach, 58—61
Wolf, Simon, Salmünster, 63—64
Ziegler, Franz, „ 59—62
Antomobil-Omnibus-Gesellschast im Kreise Gelnhausen G. m. b. H.
Wenn nicht ganz unvorhergesehene Fälle eintreten, soll am nächsten Freitag die Eröffnungsfahrt der Autolinien im Kreise stattfinden. Es war keine Kleinigkeit, die Wagen in der verhältnismäßig kurzen Zeit zu beschaffen, standen doch kaum 6 Wochen Lieferzeit zur Verfügung. Wer aber etwas vom Automobilbau versteht, wird sagen müssen, daß da überall mit Hochdruck gearbeitet worden ist, wenn die Wagen überhaupt fertig geworden sind. Trotzdem werden sich alle Beteiligten freuen,, solche schöne Wagen bekommen zu haben.
Mit diesen Wagen, die alle am Donnerstag in Gelnhausen eintreffen werden, wird am Freitag die Er- öffnungssahrt gemacht werden. Die Fahrt beginnt
Uhr vom Kreishause aus und führt zuerst nach Schöllkrippen, von da über Wiesen nach Bieber und weiter nach Flörsbach, Lohrhaupten, Pfaffenhausen, Oberndorf, Burgjoß nach Bad Orb. Hier wird eine Pause gemacht. Um 2 Uhr wird die Fahrt fortgesetzt nach Schlierbach, Streitberg, Helfersdorf, Birstein, Lichenroth und zurück nach Birstein, woselbst die Fahrt gegen 5 Uhr ihr Ende erreicht. Am Abend fahren die Wagen nach ihrem Stationsort und nehmen am folgenden Tag die fahrplanmäßigen Fahrten auf.
Einstweilen gelten die bereits ausgegebenen Fahr- pläne. Die Güterbeförderung wird erst in ungefähr 14 Tagen ausgenommen werden.
Das Publikum wird gebeten, Wünsche und Beschwerden an die Betriebsleitung in Helfersdorf zu richten. Es soll möglichst allen Wünschen Rechnung getragen werden, aber es wird mancher schon gefunden haben, daß es nicht möglich ist, es allen Menschen recht zu machen. Wenn also hin und wieder Wünsche nicht erfüllt werden, dann muß sich der Wünschende sagen, daß die Erfüllung eben nicht möglich war.
Um mancherlei zu ersparen, sei hier folgende Begebenheit mitgeteilt: Vor einigen Jahren legte sich ein Mann an einer Straße einen Garten an. Jede Minute seiner freien Zeit verwendete er dazu den Garten zu verschönern und die Erträgnisse zu steigern. Darum waren ihm die wenigen Stunden, die er im Garten zubringen konnte, kostbar. Jedoch wurde ihm sehr oft seine knapp bemessene Zeit dadurch verkürzt, daß jeder, der vorbeiging, Ratschläge gab, wie er seinen Garten am besten fertig bekäme. Hätte er alle Ratschläge befolgen wollen, dann o weh! Als es ihm gar zu bunt wurde, machte er vorn an den Zaun ein großes Schild mit der Aufschrift: Später wirds besser! Das half.
Es wurde auch beabsichtigt in jedem Wagen an jeder Haltestelle, vor allem aber bei dem Betriebsleiter für jeden Menschen sichtbar ein Schild mit der Aufschrift : Später wirds besser! anzubringen; es wurde aber deshalb davon Abstand genommen, weil man an- nahm, daß es ihm Kreise Gelnhausen keine Nörgler gibt.
Die Gesellschaft ist für jeden guten Rat, der gegeben wird, dankbar, hofft aber, daß, wenn der Rat nicht befolgt werden kann, sich der Ratgeber nicht beleidigt fühlt.
Das Publikum wird gebeten, den an der Sache Mitarbeitenden ihre nicht gerade leichte Arbeit dadurch zu erleichtern, >daß es sich den Anordnungen der Beauftragten fügt und dadurch einen geregelten Verkehr ermöglicht.
Vom Tage der Betriebseröffnung an gilt der bereits ausgegebene Fahrplan. Am 1. Oktober tritt ein anderer Fahrplan in Kraft. Da im Bezirk der Linie 2 gerade große Manöver ihren Anfang nehmen, soll auf den Manöververkehr Rücksicht genommen werden und läßt sich darum der Fahrplan noch nicht genau für jeden Tag festsetzen. Ein Wagen fährt an besonderen Tagen bei Bestellung von wenigstens 10 Plätzen von Orb aus in das Manövergelände. Ebenso kann bei rechtzeitiger Bestellung außer dem regelmäßigen verkehrenden Wagen ein Wagen auf Station Schlierbach oder Birstein zur Verfügung gestellt werden. Auch hier ist eine Zahlung für mindestens 10 Personen nötig. Die Bestellung von Sonderfahrten nimmt für Orb Herr Gastwirt Schreiber, „Goldner Engel", für Gelnhausen Herr Gastwirt Zipf, für Schlierbach und Birstein die Betriebsleitung in Helfersdorf entgegen.
Alle Bestellungen können durch Fernsprecher gemacht werden. In Gelnhausen ist die Benutzung des Wagens für Sonderfahrten beschränkt. Die Fahrten können nur in der Zeit von 10 ^ Uhr vormittags und 5 Uhr nachmittags ausgeführt werden. Von Orb aus können Sonderfahrten ins Manövergelände jederzeit, sonstige Sonderfahrten von 10'/2 Uhr vormittags ausgeführt werden.
Falsche Freude.
Von Zeit zu Zeit pflegt die Sozialdemokratie dem gewerblichen Mittelstände ihre Liebe zu beteuern, um dessen Angehörige für ihre Parteizwecke einzufangen. Gott sei Dank ist aber die Mehrheit der Angehörigen des Mittelstandes zu klug, um auf den Leim zu kriechen. Die Handwerker und kleinen Kaufleute wissen ganz genau, daß die Liebe der Sozialdemokratie nur in dem Wunsche besteht, das selbständige Handwerk und den selbständigen Kleinhandel so schnell und so gründlich wie nur möglich zu vertilgen.
Beweis hierfür ist einmal das programmatische Endziel der Sozialdemokratie. Dieses Ziel besteht bekanntermaßen in der Aufhebung aller selbständigen Existenzen. Jedermann soll zum Staatsarbeiter werden, dem Arbeitspensum und Lohn von einer mit diktatorischer Vollmacht ausgestatteten Regierungszentrale zuerteilt werden, in der natürlich die Herren Bebel und Stadthagen ihren wohlverdienten Platz gefunden haben. Für die Errichtung dieses Zieles bilden naturgemäß zahlreiche kleine und mittlere selbständige Existenzen ein weitaus stärkeres Hindernis als eine geringe Zahl großer Existenzen. Mit den wenigen Großen wird man leicht, mit den vielen Kleinen aber schwer fertig. So drängt schon ihr Endziel die Sozialdemokratie mit innerer Notwendigkeit auf die Vernichtung gerade des selbständigen Mittelstandes hin. Nur auf den Trümmern dieses Standes vermag sie ja das Gebäude ihres Zuchthausstaates zu errichten.
Für die Todfeindschaft der Sozialdemokratie gegenüber dem selbständigen Mittelstände beweisend aber ist ferner auch ihr praktisches Verhalten. Alle gesetzgeberischen Maßnahmen, die dazu bestimmt sind, die Lage des Mittelstandes zu bessern und sein Los zu mildern, wie Handwerksorganisation, Befähigungsnachweis, Warenhaussteuer u. a., haben an den Sozial- demokraten von jeher ihre wütendsten Gegner gefunden. Umgekehrt aber sind alle diejenigen Einrichtungen des modernen wirtschaftlichen Lebens, durch die dem Mittelstände das Mark aus den Knochen gesogen wird, von den Herren „Genossen" stets aufs wärmste befürwortet und aufs tatkräftigste unterstützt worden. Das gilt beispielsweise von den Warenhäusern und Konsumvereinen. Es sind dies zwei modern-wirtschaftliche Institute, die im eigentlichen Sinne des Wortes Totengräberdienste am Mittelstände verrichten, und gerade sie erfreuen sich besonderer Wertschätzung und Förderung seitens der Sozialdemokratie.
Daß die „Genossen" den selbständigen Mittelstand aus tiefster Seele hassen, beweist endlich auch das ewige Totenlied, das sie ihm zu singen nicht müde werden. Dieses Totenlied steht mit den Tatsachen in keinerlei Einklang. Wohl sind einzelne Berufszweige des selbständigen Kleingewerbes, wie die Handweberei, dem Untergänge rettungslos verfallen, im allgemeinen aber gilt dies keineswegs. Vielmehr beweist ein Vergleich der Ergebnisse der Berufszählungen von 1882 und 1897 sonnenklar, daß die weitaus überwiegende Mehrzahl der betreffenden Berufszweige sich auch im Strom der großkapitalistischen Entwicklung sehr wohl lebensfähig zu erhalten vermag. Wenn die Sozialdemokratie trotzdem, in handgreiflichem Widersprüche zu den offenkundigen Tatsachen, dem Mittelstände fortwährend die Notwendigkeit seines Unterganges predigt, so läßt sich dies nur so erklären, daß hier einmal der Wunsch der Vater des Gedankens ist und daß anderseits die Absicht vorwaltet, den Angehörigen des Kleingewerbes allen Mut und alle Widerstandskraft gegenüber den Fährlichkeiten und Schwierigkeiten ihrer Lage zu rauben. Wer mir, obwohl ich mich, wie jedermann ersichtlich, bei tüchtiger Selbsthilfe sehr wohl über Wasser halten könnte, unausgesetzt mein sicheres Verderben weissagt, der macht mich mut- und kraftlos, und der ist nicht mein Freund, sondern mein Feind. So aber und nicht anders handelt die Sozialdemokratie gegenüber dem Mittelstände.
Darum mögen die Herren „Genossen" sich noch so freundschaftlich gebärden und noch fo schöne Schalmeien blasen, ein Tor, der aus den Reihen des gewerblichen Mittelstandes darauf hineinfiele.
IMANOLI
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