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mit amtlichem 7<reisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65. Mochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
Jg 67.
Mittwoch, den 20. Augnst 1913.
64. Jahrgang.
Amtliches.
Zwetfchenernte.
Um den Obstzüchtern für die in diesem Jahre reichlich vorhandenen Zwelschen annehmbare Verkaufspreise zu sichern; ist der Kreisgärtner bereit, Verkäufe an Privatkäufer, Händler, Konservenfabriken usw. zu vermitteln. Hierzu muß er aber vorher wissen, welche Zwetschenmengen im Kreise verkäuflich sind. Ich fordere daher alle diejenigen, welche sich dieser Vermittlung bedienen wollen auf, dem Herrn Kreis- gärtner Wüstenhagen in Herolz die abzugebenden Zwetschenmengen mitzuteilen. Die Dom Deutschen Pomologen-Verein festgesetzten Mindestpreise sind für dieses Jahr folgende:
I. Gepflückte Zwetschen.
a. Gepflückte beste sortierte Korbware 50 kg 6.— M.
b. „ unsortierte Zwetschen waggon
weise je nach Verabredung 50 kg 4.50 M.
II. Geschüttelte Zwetschen.
a. Für Musbereitung usw. waggonweise 50 k» 3.50 M. dürfen nicht geplatzt sein und beim Versand nicht lecken.
b. Presszwetschen 50KZ-2.50M. Unter diesem Preise sollten nach Ansicht des deutschen sPomologenvereins keine Zwetschen abgegeben werden. Frühzwetschen haben jetzt einen Preis von 50 kg 18 M. Schlächtern, den 19. August 1913.
Der Landrat: Valentiner.
Deutsches Reich.
— Homburg v. d. H. Der Kaiser und die Kaiserin, Prinz Oskar und das Gefolge begaben sich in Automobilen nach Schloß Friedrichshof bei Kronberg, wo abends um 8 Uhr eine Abendtafel zu 30 Gedecken stattfand, an der außer dem Kaiser und der Kaiserin und der Schloßherrschaft Prinz Oskar von Preußen und Prinz Albert von Schleswig-Holstein teilnahmen. Nach aufgehobener Tafel hielt das Kaiserpaar im großen Schloßsaale Cercle ab und empfing hierbei noch Freifrau Willy von Rothschild mit Herrn Schei und Frau geb. Goldschmidt, Freifrau von Beckmann, Fräulein Meta Grunelius und Fräulein Keßler. Um 11 Uhr fuhr das Kaiserpaar mit Gefolge nach Homburg zurück.
— (Prinz August Wilhelm Vertreter des Kaisers bei der Tausendjahrfeier in Cassel.) Das Oberhofmarschallamt hat Herrn Oberbürgermeister Dr. Scholz die Nachricht zugehen lassen, daß Se. Majestät der Kaiser als allerhöchsten Vertreter bei den Veranstaltungen
zur Tausendjahrfeier der Stadt Casfel Seine Königliche Hoheit Prinzen August Wilhelm von Preußen bestimmen wolle.
— Am 3. September sind 25 Jahre verflossen, seit Kaiser Wilhelm zum schwedischen Flaggen-Admiral ernannt wurde. Aus diesem Anlaß wird am 31. August eine schwedische Deputation auf dem Panzerschiff Oskar II. in Stettin eintreffen, die sich nach Berlin begeben wird, um dem Kaiser im Namen der Offiziere der schwedischen Marine einen Chrensäbel zu überreichen. Die Deputation wird u. a. bestehen aus dem Höchstkommandierenden der Seestreitkräfte Admiral Dyrssen, dem Kommandeur v. Krusenstjerna und Kapitän zur See v. Peyron, erstem Hofmarschall des Königs.
— Die Kaiserparaden und das Kaisermanöver werden eine große Zahl hochstehender und erlauchter Gäste nach Posen und Schlesien führen. Die große Parade des 5. Armeekorps vor dem Kaiser findet am 26. August 9 Uhr 30 Min. vorm. bei Posen statt, die Parade des 6. Armeekorps folgt am 29. August 9 Uhr 30 Min. vorm. bei Breslau. Anschließend an die Brigade-, Divisions- und Korpsmanöver des 5. und 6. Armeekorps werden vom 8. bis 10. September die Kaisermanöver abgehalten.
— Die Einlegung der Berufung im Krupp-Prozeß ist nun nicht nur von fast sämtlichen Angeklagten erfolgt, sondern auch der Gzrichtsherr hat Berufung eingelegt und zwar gegen die Zeugleutnants Tilian, Schleuder und Hinst sowie gegen den Oberintendantursekretär Pfeiffer und den Feuerwerker Schmidt. Gänzlich ausscheidcn wird bei dem Prozeß vor dem Ober- kriegsgericht der Angeklagte Droese. Sein Urteil hat, da von beiden Seiten auf Berufung verzichtet worden ist, bereits die Rechtskraft erlangt.
— Die Anordnung von Vorsichtsmaßregeln gegen Choleragefahr hat der Minister des Innern mit Rücksicht auf die Nachrichten über den Ausbruch von Cholera auf dem Balkan für angezeigt erklärt. Demzufolge hat der Eisenbahnminister die Königlichen Eisenbahndireklionen beauftragt, das Zugbegleitpersonal der für den Verkehr aus den Balkanländern einschließlich Rumänien in Betracht kommenden Züge, namentlich auch die Wartefrauen in den V-Zügen und die Schlaswagenwärter, anzuweisen, Reifende mit Fahrtausweisen aus den Balkanländern einschließlich Rumänien auf ihren Gesundheitszustand unauffällig zu beobachten und für volle Sauberkeit in den von diesen Reisenden benutzten Wagen, besonders in den Aborten, zu sorgen. Für Durchwanderer werden die Bestimmungen im § 9 der Anweisung zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten im Eisenbahnverkehr in Geltung gesetzt.
Ausland.
— Der Verzicht auf Revision des Bukarester Friedens dürfte nunmehr allerseits anerkannt sein, nachdem die Hauptbeteiligten, Rußland und Oesterreich, sich bereit erklärt haben, den Frieden als endgiltig an- zusehen. Rußlands Nachgeben hängt angeblich damit zusammen, daß es „die allslawische Objektivität" wahren will.
— Die Rückkehr der Bulgaren nach Sofia gestaltete sich durch die lebhafte Anteilnahme der Bevölkerung zu einem feierlichen Einzüge. Die einziehenden Truppen setzten sich zusammen aus der in Sofia in Garnison stehenden Division und Abteilungen aus mehreren anderen Garnisonen. Die Straßen der festlich geschmückten Stadt waren von einer gewaltigen Menschenmenge belebt. An der Spitze des Zuges ritt König Ferdinand in Felduniform, mit einem Kranze von Laub auf der Stirn, ihm zur Seite sein Generaladjutant und der Kriegsminister. Von Zeit zu Zeit stimmten die Truppen Kriegslieder an, die von der Menge ausgenommen wurden.
— Neue Unruhen unter den Albanesen werden aus Skutari gemeldet. Eine Abordnung der wichtigsten albanesischen Stämme erklärte, daß die Albanesen mit der Festsetzung der Grenze Albaniens durch die Botschafter-Reunion nicht einverstanden seien. Sollten die betreffenden Großmächte die in dem Protestmemorandum niedergelegten gerechten Beschwerden der Albanesen gegen die Grenzfestsetzung bis zum 20. August nicht anerkennen, so sei ein Krieg zwischen den Albanesen und Montenegro unausbleiblich.
— Zu den Gerüchten von einer Trübung der deutsch österreichischen Beziehungen verbreitet die „Köln. Ztg." folgende Widerlegung: Die Differenz wegen der Revision des Bukurester Friedens wird in einigen deutschen Blättern in Betrachtungen behandelt, die in die sachliche Erörterung eine ganz überflüssige und unerwünschte Schärfe hineintragen. Dabei treten auch wieder längst abgetane Legenden auf, die an den Jagdbisuch des Erzherzog-Thronfolgers in Springe anknüpfen. An alledem ist, wie nochmals festgefteUt werden muß, nichts Wahres. Der Besuch in Springe ist in voller Harmonie verlaufen. Es ist lebhaft zu bedauern, daß solche Geschichten aufgefrischt werden, wo eine vorübergehende und nebensächliche Differenz in den sachlichen Anschauungen zwischen den Bundesgenossen eine besondere Zurückhaltung empfehlen müßte.
Verbotene Ffade.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 59
„Nun, dann sind Sie für ein Jahr gemietet, Ihre Zeugnisse werde ich in Verwahrung nehmen."
Die Baronin hatte sich wieder erhoben und trat näher an den sich verneigenden Diener heran: „Wo haben Sie denn Ihre Sachen, etwa schon mitgebracht?"
„Nein, gnädigste Frau Baronin, mein Koffer befindet sich noch in dem Gasthause, in dem ich übernachtete."
„Ah so, na ja. Also, dann werden Sie sich den noch heute abholen, gleich nach Tisch soll der Stallbursche an- spanuen, und mit Ihnen in die Stadt hineinfahren. Inzwischen aber probieren Sie einmal Ihres Vorgängers Livree an, und iin Falle die Ihnen nicht passen sollte, lassen Sie sich in der Stadt von Fritz in das Kaufhaus Tippelmann führen und verpassen sich dort eine neue. So
und nun lassen Sie sich von Anna, der Zofe, Ihr Zimmer zeigen und richten Sie sich das nach Belieben ein, für heute sind Sie noch von jeglichen Diensten entbunden." - ' *
Fast bis auf die blanken Stiefelspitzen herab war der Kopf des Detektivs gegangen, und nun stand'er schon draußen auf dem Korridor.
Anna, die Zofe, schien bereits auf ihn gewartet zu haben, denn sie tauchte aus irgend einem offenstehenden Zimmer auf, und fragte mit lachendem Gesicht: „Na, sind Sie engagiert?"
„Jawohl, mein schönes Fräulein, und Sie möchten 1° gütig sein und mir mein Zimmer anweisen!"
Geschmeichelt schwebte die Zofe vor ihm her, den langen Korridor entlang bis ganz unten vor die letzte Tür. Die öffnete sie: „Hier, das ist Ihr Zimmer!" _
. „Nanu, wohnt denn die Dienerschaft hier nicht oben im Dachgeschoß wie überall in den Schlössern?",
»Das wohl," lachte Anna, „aber Sie nur allein, der
Diener, genießen das Vorrecht, es sich hier unten gemütlich zu machen."
„Warum denn das, bin ich, der Diener, denn vielleicht erhabener als alle andern — als etwa Sie, mein schönes, holdes Fräulein?"
In dein zarten, lachenden Antlitz der Zofe war eine kokette Röte aufgestiegen, aber gleich schwand sie wieder, und die fröhlichen Züge waren plötzlich einem tiefen, traurigen Ernst gewichen. Und leise, fast ängstlich kam nun die Antwort: „Ja — ja, der Herr Baron ist doch ermordet worden und der Kutscher auch, da fürchtet sich die Frau Baronin so ganz allein hier unten, und folglich muß beratener seit derZeit im Parterre wohnen."
Der Detektiv hatte plötzlich die Augen weit aufgerissen und war einen Schritt zurückgetaumelt. „Wie, Fräulein Anna, auf diesem feinen Schlosse hat sich ein Doppelmord ereignet, den Schloßherrn selber hat man sogar ermordet? Wie war denn das nur möglich ?"
Traurig und mit niedergeschlagenen Augen erwiderte Anna: „Ja, leider, so war es hier, aber wie es sich zugetragen hat, das lassen Sie mich Ihnen ein andermal erzählen, ich habe jetzt wenig Zeit." :f ;r ^ . v ,
„Herrgott, Fräulein, das ist aber eine recht traurige Sache hier, und ich hoffe, recht bald zu hören, wie das nur geschehen konnte. — Was ich noch sagen wollte, wo wohnen denn die beiden Inspektoren hier, konnten die denn nicht im Schlosse wohnen und der Frau Batonin die Angst abnehmen ?" . ■
„Ach die, die wohnen hinten im zweiten Hofe, in einem eigens für sie errichteten Häuschen."
1 „Und der Hofmeister und der Gärtner?"
y- „Die wohnen auf dem dritten Hofe mit den verheirateten Arbeitern zusammen." .•.• - ^
„Also keiner ist berufen, die Frau Vatonin zu bewachen, als nur allein der Diener — nur ich?"
K „So ist es."
^ „Na, ^ann werd eich meiner Position hierEhre mgchen,
hoffentlich fürchte ich mich nicht noch selber in diesem großen Schlosse."
Der Zofe war es nun ordentlich gruselig geworden, sie wollte gehen, drehte sich aber noch einmal um: „Punkt eins wird bei uns gegessen, da finden Sie sich nur in der Gesindestube ein. Den andern Korridor entlang, ganz hinten die drittletzte Türe rechts, da finden Sie uns alle beisammen."
„Schön, mein Fräulein."
Die Türe ging zu. 197,18*
So — nun war Herbert Balthasar wohlbestallter Die-» ner der Frau Baronin von Paltzow auf Schloß Tram--, pitz. Und ein Zimmer nannte er sein eigen, klein und niedlich, mit einem sauberen Bett, einem Tischchen, zwei Stühlen und einem Spiegel. Und zur Aufnahme seiner Garderobe und Wäsche sowie des mächtigen, geheimnisvollen Koffers stand da noch ein großer, zweiteiliger Schränk. Auch ein Kleiderriegel befand sich an der Wand, behängen noch mit der Livree seines Vorgängers. Un->, mittelbar an der Tür befand sich die elektrische Klingel, dessen Drähte nach den sämtlichen Gemächern der Baronin führten. Und das einzige Fenster bot eine präch--. tige Aussicht nach bem Parke. Herrgott, dieses Fenster, dieses Zimmer überhaupt, wie paßte das in seinen Plan/ Niemand konnte ihn beobachten hier, wenn er des Nachts schleichen würde, nur er allein, und immer wieder nur erwachte hier unten, wenn die Frau Baronin schlief—, oder auch nicht schlief. Hinaus und herein konnte er durch, das niedrig gelegene Fenster steigen. Und auf den läu-- ferbelegten Korridoren — wie würde er da auf leidsten, Sohlen hin und her huschen. Nur die Türen mußte er, ordentlich schmieren, damit die nicht einmal in den Angeln knarrten. Ha, die ahnungslose Zofe, hätte die gewußt, warum er ihr schmeichelte und warum er nur so! nebenbei nach diesem oder jenem fragte. Ja, schmeicheln-, mußte er, wollte er zu seinem Ziele kommen, überhaupt, allen hier, angefangen mit seiner Herrin bis herab zum Stgllburschen. Lieb sollten sie ihn gewinnen alle — alle.