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mit amtlichem Kreisblatt» Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 6». Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
Samstag, den 16. August 1913.
Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 4292 K. A. Der Metzger Jakob Link zu Hinkelhof beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Vollmerz gelegenen Grundstück, Karienblatt A Parzelle Nr. 160 ein Schlachthaus zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubWigm. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht
Dienstag den 2. September d. Js.
Vormittags 10 Uhr
vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung des Unternel v. der Einwendungen vorgegangen werden.
Zeichnungen und Beschreibungen fre ~ ' ^unm während bf*1 Dien Monden im Büro oe» Kreis-Ausschusses eingesehen werden.
Schlächtern, den 12. August 1913.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: V a l e n t i n e r.
Der Kaiser in Mainz und Kreuznach.
Mainz, 13, Aug. (Der Kaiser bei der Truppenschau.) Der Kaiser ist im Sonderzug um 8 Uhr vormittags am Bahnwärterhaus 39 angekommen. Dasselbe liegt an der Strecke Mainz-Alzey. Der Kaiser trug die Uniform des 116. Jnf.-Regts. Vom Gefolge des Kaisers hat Flügeladjutant Oberstleutnant Mulius den Oberstleutnant v. Holtzing abgelöst. Zum Empfange waren erschienen: der Großherzog und die Großherzogin von Hessen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, ferner u. a. der Generalinspektor v. Eichhorn, Kommandierender General v. Schenck, der Gouverneur von Mainz, Generalleutnant v. Cathen. Nachdem der Kaiser die Anwesenden begrüßt hatte, stieg er zu Pferde. Alsbald begann auf dem Großen Sand ein Exerzieren des Ulanenregiments Nr. 6. Das Wetter ist schön.
Mainz. Der Kaiser und die großherzoglichen Herrschaften wurden bei ihrem Einzüge in Mainz aufs herzlichste begrüßt. Die Truppen bildeten auf dem Einzugswege Spalier. Am Schloß wurde der Kaiser, nachdem die Feldzeichen eingebracht waren, vom Oberbürgermeister Göttelmann begrüßt. Um 12'/, Uhr war Frühstückstafel bei dem Großherzog und der Großherzogin.
Mainz. Anschließend an das Exerzieren begann um 974 Uhr eine Gefechtsübung, die um 10 Uhr abgebrochen wurde. Der Kaiser hielt darauf Kritik ab. Dann folgte der Parademarsch, wobei der Kaiser, der Großherzog, die Großherzogin und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen ihre Regimenter vorführten. Die Kavallerie und die Fußtruppen trugen durchgehends feldgraue Uniform. Der Parade wohnten auch die beiden jungen Söhne des Großherzogspaares im Wagen bei. Nach dem Vorbeimarsch ritt der Kaiser mit dem Großherzoge an der Spitze der Feldzeichen in Mainz ein.
* *
Kreuznach. Nach der Kaiserparade in Mainz be- gab sich der Kaiser mit Gefolge in mehreren Automobilen über Bingen und Stromberg nach der Ober- försterei Entenpfuhl zur Enthüllung des mitten im Soonwald errichteten Denkmals für den „Jäger in Kurpfalz." Auf dem Festplatze hatten 4500 Kcieger- Vereinsmitglieder und 6oO Forstbeamte aus den Regierungsbezirken Koblenz und Trier Aufstellung genommen. Der Kaiser wurde am Denkmal vom Landrat v. Nasse empfangen und begrüßte dann die geladenen Ehrengäste, unter denen sich Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemec und der Oberpräsident Frhr. v. Rhein- baben befanden. Der Kaiser in Hofjagduniform begrüßte, während die Kapelle der Forstschule in Hachen- burg den Präsentiermarsch spielte, die Forstbeamten und Kriegervereine und hielt vor dein Denkmal eine Ansprache, worauf die Hülle sank.
Kreuznach. Nach halbstündigem Aufenthalt im Walde trat der Kaiser im Automobil die Fahrt nach Homburg v. d. H. an.
Neichstagsabgeordneter Bebel f,
Zürich, 13. August. Der deutsche Reichstagsabgeordnete August Bebel ist gestorben.
Zu Passug in Graubünden in der Schweiz verstarb am Mittwoch früh im Alter von 74 Jahren der Führer der sozialdemokratischen Partei und langjährige Reichstagsabgeordnete August Bebel. Die Beisetzung findet nicht in Berlin, sondern in Zürich statt, wo Bebel ein Landhaus besaß, in dem er während der parlamentarischen Ferien sich aufzuhalten pflegte. Von dem sozialdemokratischen Triumvirat, Liebknecht, Singer und Bebel, ist dieser nun als der letzte dahingegangen. Liebknecht starb schon im August 1900 im Alter von 74 Jahren, Singer im November 1910 im 65. Lebensjahr. Bedeutender für die Partei als diese beiden
Männer war August Bebel und es ist noch ungewiß, wer an seiner Stelle die Führung übernehmen wird. Die Autorität des Verstorbenen besitzt kein einziger von den Epigonen.
August Bebel, der schon seit einer Reihe von Jahren sich wegen seines Herzleidens Schonung auferlegen mußte, war am 22. Februar 1840 in Köln geboren und erlernte das Drechslerhandwerk. Im Alter von 24 Jahren machte er sich in Leipzig selbständig. Schon frühzeitig beschäftigte er sich mit Politik. Seit 1862 stand er schon in der deutschen Arbeiterbewegung und drei Jahre darauf wurde er Vorsitzender des Leipziger Arbeiterbildungsvereins und Mitglied des ständigen Ausschusses der deutschen Arbeitervereine. Im Jahre 1867 wurde er als Mitglied des Norddeutschen Reichstages gewählt und gehörte von 1871 an als Vertreter von Glauchau-Meran, Dresden-Stadt, Hamburg, Straßburg und wieder Hamburg ununterbrochen der deutschen Volksvertretung an. Bebel war der letzte Abgeordnete, der seit 1867 dem Reichstag angehörte. Er war dem Lebensalter nach der Dritte unter sämtlichen Reichstagsabgeordneten. Aelter als er sind nur die beiden Polenfürsten Nadziwill und v. Czarlinski. Der alte Bebel gehörte trotz feiner radikalen Parteistellung zu den Abgeordneten, die stets das Ohr des Hauses finden. In höherem Alter suchte er auch mäßigend auf die Stürmer in seiner Partei einzuwirken, wenn er auch den Revisionisten keine Konzession machte und den scharfen Parteistandpunkt niemals verließ.
Matsches Reich.
— % Abänderung des Militärstrafgesetzbuchs im Sinne der Zulassung mildernder Umstände bei Ausschreitungen am Tage der Kontrollversammlung ist nunmehr Gesetz geworden. Dazu schreibt amtlich die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung": „Der vom Reichstag beschlossene Gesetzentwurf, betreffend Aenderung des Militärstrafgesetzbuches, war in der Sitzung des Bundesrates vom 3. Juli 1913 den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden. Nachdem inzwischen sämtliche Bundesregierungen ihre Zustimmung zu dem Gesetzentwurf erklärt haben, ist die Vorlage von Seiner Majestät dem Kaiser vollzogen worden. Das Gesetz wird nunmehr im „Reichsgesetzblatt" erscheinen."
— Bei der Beerdigung der Verunglückten von Swinemünde hat der Kaiser durch Landrat v. Bötticher einen Kranz mit seinen Initialen niederlegen lassen. Die Kaiserin hat das Landratsamt von Swinemünde telegraphisch beauftragt, allen von dem Unglück Betroffenen ihr herzlichstes Beileid auszusprechen.
Verbotene Asade.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 88
Ohne daß eresgewollt,wardemDetektivdas„Hahaha" entfahren, er sah plötzlich scharf nach der Tür hin, hinter welcher seine freundliche Wirtin vorhin verschwun- den war, aber nein, die kam nicht, die hatte es nicht gehört. Hastig schlürfte er da den wirklich starken Kaffee hinunter, taute ein Brötchen dazu und dann eilte er auf sein Zinrmer, um sich für die £our nach Schloß Tram- Pitz fertig zu machen. Es war die höchste Zeit, denn eben schlug es neun Uhr und bis er an seinem Ziel anlangte, würde es fast elf Uhr sein. Als erster mußte er da sein, auf alle Fälle, denn wer wußte, ob ihm sonst nicht noch einer zuvor kam und ihm den Rang bei der Frau Baronin ablief. Steuer gab es auf den Schlössern hier ringsum genug.
Um die ganze Litanei des Trampitzer Doppelmordes von fetten seiner Wirtin nicht über sich ergehen zu lassen, hatte Herbert Balthasar ihr nur durch ihren zehnjähri- M Sohn kurz mitteilen lassen, daß er auf die Stellen- sache gehe und erst spät nachmittags wiederkommen werde, und dann hatte er das Gasthaus verlassen.
So schritt er nun rüstig Schloß Trampitz zu, geschnie- kelt und gebügelt, in der Tasche die tadellosen Zeugnisse.
Im Geiste sah er nun seinen Plan, klar und wohl geordnet bis auf einen einzigen kleinen Punkt. Und die- einzige kleine Punkt war auf Schloß Trampitz der Etallbursche Fritz, mit deut er als „Onkel Köster", ohne seine Stimme zu wechseln, bereits zweimal in nahe Be- Urung gekommen war. Würde der ihn wiedererkennen? Nicht möglich war es ihm gewesen, um nicht Aufsehen erregen, diesen jungen Burschen sich aus dem Wege räumen, und ausgeschlossen war es ebenfalls, daß er °m in Zukunft umgehen konnte. Ja, gerade zusammen- pwllen würde er täglich mit dem, er würde mit ihm gemeinschaftlich das Essen einnehmeit, ihm Befehle über- KWn, mit ihm fahren und werwußtemassonststtoch
alles tun müssen. Aber nur los, frei dein entgegengetreten, solch junge Burschen hatten ja weder Auge noch Ohr für die Dinge, die um sie her passierten. Fritz würde somit die Identität der Stimme „OnkelKösters" mit der des neuen Dieners nicht feststellen können. Und überhaupt, gab es denn nicht tausend ähnliche Menschenstim- men auf der Welt?--
Elf Uhr verkündeten die wuchtigen Schläge vom Trampitzer Schloßturin herab, als die Zofe den werbenden „Diener" den langen Korridor entlang führte. Die Tür ging auf unb Herbert Balthasar stand vor der Baronin.
Wie elegant und tief er seine Verbeugung gemacht hatte. Voll und ganz umfaßten ihn die schönen Augen der Gebieterin von Schloß Trampitz, und ihr sinnlicher Mund hatte sich ein ganz klein wenig geöffnet.
Sie erhob sich vornehm-nachlässig aus dem Sessel: „Es freut mich, Kaspar Wessel, daß meine Annonce einen so schnellen Erfolg gezeitigt hat. Sind Sie heute schon mit der Bahn angekommen oder verweilten Sie bereits in unserer näheren Umgebung ?"
„Verzeihung, gnädigste Frau Baronin, ich traf, von Bremen kommend, bereits gestern abend in M. ein und heute morgen las ich im Gasthause die Annonce."
„Von Bremen kamen Sie, waren Sie da in Stellung und bis wann?"
„Zu dienen, gnädigste Frau Baronin, ich war zwei Jahr dort in Stellung bei einem vornehmen Bankier,' und zwar bis vor acht Tagen, bis zum ersten Februar."
„Sind Sie freiwillig aus Ihrer Stellung gegangen, oder hat man Ihnen gekündigt?"
„Gnädigste Frau Baronin, mein hochverehrter, guter Herr starb plötzlich, die gnädige Frau löste ihren Haushalt auf, um nach Paris zu ihrer verheirateten Tochter zu gehen, und da ich der französischen Sprache nichtmäch- tig bin, so wurde ich entlassen."
„Nun, und da drängt es Sie, auf einem einsamen Landschlosse zu dienen?"
„Verzeihung, gnädigste Frau Baronin, ich binHMrü-,
bereit Jahren bereits auf Landschlössern bedienstet ge» wesen, und ich muß sagen, daß es mir da bedeutend besser gefallen hat als in der großen Stadt. Es ist die Liebe zur Natur, die mich wieder ins Freie führt und, ich will gang offen sein, Frau Baronin, meist sind die gnä« digen Herrschaften auf dem Lande besser als in der Stadt."
Baronin von Paltzow wurde immer interessierter. „So?" sagte sie, während ein feines, kaum merkliches Lächeln über ihre schönen Züge glitt. Und dann fragte sie ihn weiter: „Wie alt sind Sie?"
„Eiuunddreißig Jahre, Frau Baronin," log der Detektiv. ,
„Sie sehen recht gesetzt aus von diesem Alter. Sie sag-, ten, Sie wären bereits früher auf Landschlössern bedien« stet gewesen, war das in dieser Gegend?" *
„Nein, gnädigste Frau Baronin, als geborener Bremenser hielt ich mich meist in der Umgebung meiner Geburtsstadt auf. Nur jetzt, da ich älter werde, treibt e§. mich weiter in die Welt hinaus."
„Haben Sie Ihre Zeugnisse bei der Hand?"
„Zu dienen, Frau Baronin."
Er zog aus seinem schwarzen Rock die Papiere hervor und reichte sie mit einer tiefen Verbeugung der Baronin. ‘
Die ließ sich nun wieder in ihren Sessel fallen und studierte Satz für Satz in jedem Zeugnis. Ja, das gefiel ihr so: vier Zeugnisse in vierzehn Dienstjahren, angefangen mit seinem siebzehnten Lebensjahr, und eines im» mer besser als das anbere. Neben der Bankiersgattin bescheinigten da noch zwei Grafen und ein Freiherr dis Zeugnisse.
Die Baronin hob das Haupt. „Ich will Sie engagieren, Kaspar, und zwar mit dreihundertsechzig Mark Jahresgehalt bei freier Station und Livree. Sollte ich mit Ihnen zufrieden sein, so würde ich keine Bedenken tra-, gen, später zu dem Gehalte noch etwas zuzulegen. Sind Sie damit einverstanden?"
„Ganz zu dienen, gnädigste Frau Baronin, ich sage Mit FreuMt ^u," 197,18*