mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
Mittwoch, den 13. August 1913.
Jahrgang.
Amtliches.
Biehfenchenpolizeiliche Anordnung.
Zum Schutze gegen die Weiterverbreitung der in der Gemeinde Eidengesäß aufgetretenen Schweineseuche und Schweinepest wird auf Grund des § 18 des Viehseuchen-Gesetzes vom 26. Juni 1909 (R. G. Bl. S. 379) und des § 272 der Preußischen Vieh- seuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 Folgendes bestimmt:
Z 1. a) An der Grenze des Ortes Eidengesäß fitfb Tafeln mit der deutlichen und haltbaren Aufschrift:
„Gesperrt wegen Schweineseuche und Schweinepest" leicht sichtbar anzubringen.
b) Die an Schweineseuche oder Schweinepest erkrankten oder der Ansteckung verdächtigen Schweine dürfen aus dem Gehöfte nur m" ortspolizeilicher Genehmigung und nur zur m Schlachtung entfernt werden. Die Schlachtung darf außer auf dem abgesperrten Gehöft in einer am Ort oder in dessen Umgebung befindlichen Schlachtstätte oder in einem öffentlichen Schlachthause stattfinden.
c) Die Einfuhr von Schweinen darf nur mit ortspolizeilicher Genehmigung erfolgen.
d) Durch das Sperrgebiet dürfen Schweine nicht getrieben werden und nur unter der Bedingung durchgefahren werden, daß die Transporte darin nicht anhalten.
c) D er gemeinschaftliche Weidegang von Schweinen aus den Beständen verschiedener Besitzer und die gemeinschaftliche Benutzung von Schwemmen werden verboten.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden nach den §§ 74 ff. des Viehseuchen- gesetzes vom 26. Juni 1909 (Reichs-Gesetzblatt S. 519) bestraft.
§ 3. Diese Anordnung tritt sofort in Kraft. Sie wird aufgehoben, sobald die Gefahr der Seuchenver- schleppung beseitigt ist.
Gelnhausen, den 8. August 1913.
Der Königliche Landrat:
I. V.: gez. v. Claer, Regierungs-Neferendar.
J.-Nr. 9036. Vorstehende Viehseuchenpolizeiliche Anordnung wird hiermit veröffentlicht.
Schlüchtern, den 11. August 1913.
Der Königliche Landrat: Valentin er.
Bmifches Reich.
— Truppenübungsplatz Altengrabow. Seine Majestät der Kaiser mit Gefolge ist mit Sonderzug hier eingetroffen. Der Kaiser begab sich sofort, nachdem er
Verbotene Ufade.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 57
Auf dem Korridor schon begegnete die Zofe dem Diener, fix und fertig bereits zur Abreise. Er nahm aus der Hand Annas das Geld sowohl wie das Zeugnis, unterwarf beideS einem prüfenden Blick, und dann war Papier und Mammon in seiner Tasche verschwunden.
„Adieu, Fräulein Anna, leben Sie wohl!"
Tipptapp, ging es schon die Freitreppe hinunter, hinweg über den Hof und hinein in die Finsternis. He,, war das nun fein, der Kaiserstadt ging es entgegen, hinein in die große, schöne Welt. Nur noch sieben Kilometer hatte er in der Dunkelheit hier zu tapsen, die Eiseft- bahn würde das weitere tun, und dann war es aus da? mit für immer —ja, für immer. Ach, wie dankbar er doch dem rotbärtigen Herrn von heute nachmittag wgr. Ein Dach hatte der ihm gezimmert — ein vornehmes Dach, wo er unterkriechen konnte auf der Stelle, ja, auf der Stelle hatte der Herr gesagt. Wollte Gytt, er träfe d?tt noch einmal in der Stadt, er würde ihm die Hand dafür küssen. ■
So schritt Konrad freudig aus, und riachdein er um terwegs noch den Stallburschen getroffen, war er auf einmal in der Kreisstadt angelangt. Leider hatte er da keine Zeit mehr, um nach demjenigen zu suchen, der m dieser Stunde am meisten sein Herz bewegte, denn der Zug, der ihn heute nach Berlin bringen sollte, fuhr m einer halben Stunde. Und da ging sein Kopf nur rechts und links auf dem Markte, aber der rotbärtige Herr war nirgends zu erblicken. .
Nicht nur nicht zu erblicken war der „ Stellen« ermitt« l-r", sondern der war als solcher überhaupt von der Bildfläche verschwunden. Vorausgesehen hatte der die Dinge, die da kommen würden, was ja schon aus sei« ner Bemerkung im „Roten Löwen" dem Diener gegenüber zu ersehen gewesen war: „Sollte Ihnen jedoch schon.
am Bahnhof zu Pferde gestiegen war, auf den Truppenübungsplatz. Hier begann eine Uebung der Garde- Kavallerie-Division und der Kavallerie-Division A. gegen einander unter Leitung des Generalinspekteurs der Kavallerie Generalleutnants v. d. Marwitz. Hieran schloß sich eine Uebung des Kavalleriekorps, und zwar exerziermäßige Uebungen unter dem Befehl des Kaisers. Das Wetter ist gut.
— Bad Homburg. Die Kaiserin und ihre Schwester begaben sich am Montag mittag auf einige Tage nach Wilhelmshöhe.
— Bad Homburg. Mehrere Mitglieder der Host Haltung des russischen Kaisers und der russischen Kaiserin sowie der russischen Reichskanzlei sind am Montag unerwartet in Bad Homburg eingetroffen und haben für mehrere Wochen im Hotel „Augusta" Wohnung genommen. Anscheinend steht dieses Eintreffen mit dem geplanten Aufenthalt des russischen Kaiserpaares in Friedberg und Bad-Nauheim in Verbindung.
— Prinz Heinrich, der Bruder des ■ Kaisers, hat der Insel Helgoland einen Besuch abgestattet. Auf dem Stationsschiff „Carinen" traf er unverwartet zur Inspizierung der neuen Befestigungsanlagen ein. Der Prinz besichtigte auch die 30,5 Zentimeter- Geschütze und die soeben fertiggestellte Flugzeughalle und speiste im Offizierkasino.
— Staatssekretär Dr. Solf hat gestern an Bord des Dampfers „Elenore Woermann" von Dover die Reise nach Westafrika angetreten.
— Der Reichsverband zur Unterstützung deutscher Veteranen hat als eines seiner Hauptziele den Zusammenschluß aller Organisationen ins Auge gefaßt, die sich mit der Veteranenfürsorge beschäftigen. Augenblicklich ist er dabei, ein Sammelwerk zusammenzustellen, das ein Verzeichnis darstellen soll aller dieser Vereine und Verbände, der Bedingungen, unter denen sie Veteranen unterstützen, der Mitgliederzahl, Zweigvereine und Vermögensbestände. Alle diejenigen Vereine und Verbände, die sich mit der Veteranenfürsorge besassen, werden gebeten, dem Reichsverband zur Unterstützung deutscher Veteranen, Berlin W 9, Potsdamerstr. 126, Auskunft zu erteilen sowie möglichst ihre Satzungen beizufügen.
— Für Stiftungen des märkischen Handwerks aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers ist jüngst dem Vorstand der Handwerkskammer zu Berlin durch das Geheime Zivilkabinett der kaiser« liche Dank übermittelt worden. Es waren der von der Handwerkskammer errichteten „Kaiser Wilhelm- Auguste-Viktoria-Stiftung, von deren Zinsen alljähr-
wssns«»
früher etwas Unangenehmes passieren," —und so hatte er denn streng die Straße observiert, die vom Schloß Trampitz her in die Stadt einmündete. Beim ersten Hufschlag, der von dorther gekommen, hatte er den Stall- burschen Fritz erkannt, und als der sich eilends nach der Druckerei begeben, da hatte er sofort gewußt, um was es sich handelte. Die Hotelrechnung hatte er da- beglichen, hatte er seinen mächtigen Koffer genommen, und war ybgereist. In Wirklichkeit aber war Herbert Baltha- sar auf die Hpteltoilettß gegangen, hatte sich da einge- schlosssn, und bei dem hereinflutenden Licht vollständig uMgekleidet.
Und nun, da auf dem Markte der Diener Konrad sich fast die Augen ausschaute nach ihm, saß er im nämlichen Städtchen gerade in einem kleinen Gasthofe in tztfler Seitenstraße, Nichts von Ballast war mehr an seinem Körper, alles war Ursprünglichkeit an ihm, er war wieder Herbert Balthasar wie er leibte und lebte. Natürlich nur resp körperlich, denn in die Fremdenliste des Gasthofes hatte er sich eingetragen als „Kaspar Wessel, herrschaftlicher Diener." Und auf Kaspar Wessel lauteten auch seine tadellosen Zeugnisse, die sein geheimnisvoller Koffer barg. , „
Ah, wie das schön war, sich wieder in aller Ursprünglichkeit bewegen zu können, so ohne Perücke, Brille, Bart und Gummibauch. Noch einmal so elastisch war der ganze Körper. Schmiegsam und biegsam, wie es sich geziemte für einen herrschaftlichen Diener. Aber sein Antlitz mußte er doch wohl ein wenig schminken, wer wußte, ob es K nicht doch noch der Frau Baronin zu alt erschien.
, er wollte erst die Annonce morgen früh abwar- ten. ••*
19. Kapitel.
dem kleinen Gastzimmer, in das sich Herbert Bal- tbalar am andern Morgen von seiner Logrerstube aus begeben hatte, wohnte die Gemütlichkeit. Blitzsauber standen Stühle und Tische da, der gescheuerte Fußboden war mit blendend weißem Sand bestreut und durch dre klei-
lich am Hochzeitstage des Kaisers unverschuldet in Not geratene Handwerksmeister und deren Witwen unterstützt werden, von den Handwerkern des Kammerbezirks Berlin 22237,10 Mk. zugewendet worden, sodaß deren Bestand am Jubiläumstage 44185,40 M. betrug. Ueberdies war vom Jnnungsausschuß der vereinigten Innungen zu Berlin der Beschluß gefaßt worden, zugunsten würdiger einheimischer Handwerksmeister ein „Alten- und Erholungsheim" zu errichten, dem anläßig des Regierungsjubiläums in Form von Spenden 12 000 Mk. zugewendet worden sind. Unabhängig hiervon ist die Tischler-Innung zu Berlin an die Errichtung eines „Altenheims für ihre Mitglieder herangetreten. Diesem Zwecke ist aus Anlaß des Regierungsjubiläums der Betrag von 48 150 Mk. aus Jnnungsmitteln und durch Spenden gewidmet worden.
— Bei einer Besichtigung des Schulschiffes der deutschen Schulschiffscblllervereinigung ließ sich der Kaiser an Land Jnfanterieexerzieren vorführen, sodann in der Batterie Geschützexerzieren an kleinen Kanonen, welche zum Feuern mit Salutkartuschen eingerichtet sind. In der Batterie richtete der Kaiser an die Schüler einige Worte, in denen er den Nutzen hervor- hob, den ihre Betätigung für sie selbst und für das Vaterland hätte, und betonte, daß die Bestrebungen der Vereinigung besonders geeignet seien, die Knaben zur Disziplin und zur Ordnung zu erziehen. Der Kaiser hatte große Freude an den Uebungen und deren exakter Ausführung.
Ausiand.
— Der Kampf um Adrianopel scheint nach dem Friedensschlüsse der Verbündeten und Bulgariens zwischen der Türkei und Bulgarien mit Entschiedenheit ausgenommen zu werden. Wie aus Sofia berichtet wird, zeigt Geschützdonner aus der Richtung Adrianopel — Kütschük-Wak, daß sich dort ein Artilleriekampf entwickelt hat. Die Türken haben ihr Lager im Osten von Mustafa Pascha abgebrochen.
— Als Fürst von Albanien wird in letzter Zeit mit wachsender Bestimmtheil ein deutscher Prinz genannt. Blättermeldungen zufolge ist die Wahl des zukünftigen Fürsten von Albanien auf Prinz Moritz von Schaumburg-Lippe, (Bruder des regierenden Fürsten) gefallen.
— Der Schritt der Großmächte gegen die Türkei ist nunmehr erfolgt; er besteht darin, daß die Botschafter der sechs Mächte dem Großwesir in Konstantinopel bezüglich der Frage von Adrianopel je eine Verbalnote nen Fenster lachte die Wintersonne herein. In breitem Strahl ging das Licht durch den Raum und tanzte flimmernd auf den weißglasigen, breitgerippten Rum- und Arrakflaschen im Regal, neckte sich mit den leeren Bier- gläsern. Und mit dem Licht vereinigte sich die wohlige Wärme, die der braune Kachelofen spendete.
Und wie der Raum, so war auch die junge, verwit- . wete Wirtin, die dem „stellenlosen Diener" da soeben den Morgenkaffee brächte, strahlend sauber, rundlich, lachend.
„So, mein Herr," sagte sie zu ihm und stellte das Tablett auf einen der kleinen Tische, „der wird Ihnen schon munden, er ist ausnahmsweise stark heute, denn ich habe mich in den Kaffeebohnen vergriffen."
„Y, Frau Wirtin, da schädigen Sie ja Ihre Kasse," scherzte Herbert- Balthasar zurück. „Aber mir soll es schon recht sein, als Stellenloser will ich gern das kleine Versehen meiner holden Wirtin wahrnehmen."
Beide lachten harmlos und die freundliche Wirtin war schon wieder in der Küche verschwunden.
Gerade als der Detektiv sich am Kaffeetisch niedergelassen hatte, kam der Briefträger ins Lokal und brächte das Kreisblatt. Kaum war der wieder draußen, da hatte Herbert Balthasar das Blatt an sich gerissen und im Annoncenteil die Annonce der Baronin von Paltzow entdeckt. Was stand da: Nicht unter dreißig Jahren? War es denn möglich? — Donner und Doria, paßte sich das gut. Da brauchte er sich nicht zu schminken, und seine Sorge wegen des vorgeschrittenen Alterswar mit einem Male verflogen. — Die Baronin hatte schlechte Erfahrung mit Konrad Wenzel gemacht. Nein, nein, die Jugend war auch nichts, die war aufsässig, die rannte gleich davon. Jaja, der alte Johann ---! Aber wie, wenn
dre gnädige Frau Baronin sich auch einmal im Alter täuschte, wenn sie mit dem noch trübere Erfahrungen machte als mit der Jugend? Wenn sie Kopf und Kragen zusetzte im Konflikt mit dein Diener nicht unter dreißig: Hahaha! Aber nur erst dort sein, erst einmal dienern im Salon der Frau Baronin I 197,18*