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ZchlüchtenmZeitung

mit amtlichem Areisblatt. , , Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 63. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. SS.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 59.

Mittwoch, den 23. Juli 1913.

64. Jahrgang.

Amtliches.

Ich weise daraufhin, daß alle Anträge auf Ge­staltung von Haussammlungen für das Jahr 1914 mit dem vorgeschriebenen Kollektenorganisationsplan spätestens bis zum 1. August d. Js. unmittelbar an den Herrn Oberpräsidenten hier einzureichen sind. Bei Kollekten, die sich über den hiesigen Bezirk hinaus auch auf den Regierungsbezirk Wiesbaden erstrecken sollen, sind für jeden Bezirk getrennte Anträge (an den Herrn Oberpräsidenten) einzureichen.

Anträge die nach dem 1. August d. Js. eingehen, können nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Kollekten zur Beseitigung eines Notstandes dienen sollen und die Anträge nicht vorher eingereicht werden konnten.

Cassel, den 10. Juli 1913.

Der Regierungs-Präsident: Im Auftrage:

_____gez. Bossart.____

J.-Nr. 3847 K.-A. Der Gastwirt Andreas Röder zu Neuengronau beabsichtigt auf seinem in der Gemar­kung Neuengronau gelegenen Grundstück, Kartenblatt E II Parzelle Nr. 300/188 ein Schlachthaus zu er­richten. Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu- bringen. Nach Ablauf dieser Frist sönnen Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden. '

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht

Donnerstag, den 7, August 1913, vormittags 10 Uhr,

vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleich­wohl mit Erörteruug des Unternehmens bezw. der Ein­wendungen vorgegangen werden.

Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Büro des Kreis-Aus- schusses eingesehen werden.

Schlüchtern, den 22. Juli 1913.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses : B e r t a.

Die Revolution in China.

London, 21. Juli. Die Provinz Tukien mit der Hauptstadt Tutschou hat gestern ihre Unabhänglichkeit erklärt.

Rom, 21. Juli. Drohende Meuterei in der vatikanischen Schweizergarde. Die Schweizergarde droht mit einer Meuterei. Der Vatikan will dagegen eine radikale Umformung des ganzen Korps vornehmen, das auch beträchlich verkleinert werden soll. Im

Vatikan drängt man, diesen Entschluß so schnell wie möglich zur Ausführung zu bringen, um weitere Meutereien zu vermeiden. Man fürchtet, daß unter Umständen die fremden Mächte zum Einschreiten ge­zwungen sein würden, falls die am Vatikan wohnenden Fremden bedroht fein sollten. Man will auf jeden Fall auch nur diplomatische Verhandlungen vermeiden, die Garantien für die Sicherheit der die apostolischen Paläste bewohnenden Fremden in sich schließen Würden.

Rom, 21. Juli. Kardinalstaatssekretär Merry del Val leitete eine strenge Untersuchung der Zwischenfälle bei der Schweizergarde ein. Oberst Repond setzte seinen unterbrochenen Urlaub fort. DieTribuna" verzeichnet das Gerücht, daß die Schweizergarde vielleicht aufgelöst Würde und auf neuen Grundlagen wieder gebildet wird.

Deutsches Deich.

Zur braunschweigischen Thronfolgefrage wird im Gegensatz zu einer Nachricht, nach der neue Ver- handlnngen mit dem Prinzen Ernst August über eine endgültige Verzichtleistung auf Hannover eingeleitet worden seien, folgendes halbamtliches gemeldet: Eine Klärung kann erst erfolgen, wenn der Bundesrat wieder Zusammentritt und zu dem neuen Anträge in der braunschweigischen Frage Stellung genommen haben wird. Vor dem Ferienantritt hat der Bundes­rat in dieser Frage irgendeiwas Neues weder beschlossen noch erörtert.

Berlin. Der Reichsanzeiger veröffentlichte am Montag in seinem Amtlichen Teil die Verleihung der Königlichen Krone zum Noten Adlerorten 1. Kl. mit Eichenlaub an den Staatssekretär des Rcichsschntzamts Wirkt. Geh. Rat Kühn.

Königsberg. Um das Erbe des Grafen Kanitz. Als nationalliberaler Kandidat für die Reichstagsersatz- wahl in Ragenit-Pillkallen ist der Kommerzienrat Ventzki aus Graudenz aufgestellt worden. Die Kandi­datur wird von den Fortschrittlern unterstützt.

Berlin. Der russische Kriegsminister in Berlin. Am Mittwoch trifft auf der Rückreise von Kissingen nach Petersburg der russische Kriegsminister Suchom- linow hier ein. Er wird zwei Tage in Berlin Aufent­halt nehmen.

Die Gerichtsverhandlung in derKruppange- legenheit" sollte nach einem Zeitungsbericht auf aus­drücklichen Wunsch des Kriegsministeriums unter strengstem Ausschlüsse der Oeffenilichkeit stattfinden." Dieses Gerücht trifft jedoch, wie jetzt halbamtlich mitgeteilt wird, ganz und gar nicht zu. Die Ent­

scheidung über Ausschluß der Oeffenilichkeit liegt vielmehr ausschließlich in dem freien Ermessen des erkennenden Gerichts, ebenso wie es bei den bürger­lichen Gerichten der Fall ist. Ein Schweigebefehl an die militärischen Zeugen ist nicht ergangen.

Die mutige Tat des Leutnants Dittmar vom 4. Magdeburgischen Pionierbataillion, der am 19. Mai mit eigener Lebensgefahr vier Kanalisationsar­beiter zu retten versuchte, die bei Reparaturarbeiten an einem großen Abflußkanal in Charlottenburg durch giftige Gase betäubt und in dem fast zwei Meter tiefen Wasser ertrunken waren, hat jetzt die allerhöchste Anerkennung und Auszeichnung gefunden. Dem mutigen Offizier ist für seine brave Tat der Kronenorden 4. Klasse verliehen worden.

Der Besuch des Völkerschlachtdenkmals und die Besichtigung seiner Jnnenräume, Krypta und Ruhmeshalle, ist feit dem 18. April 1910 gestattet. Seit diesem Zeitpunkt hat sich, wie es ja auch ganz natürlich ist, der Besuch im Verlaufe der verflossenen drei Jahre von Jahr zu Jahr bedeutend erhöht. Es besuchten das Denkmal im Jahre 1910: 90 011 Erwachsene und 13 023 Kinder, 1911: 141286 Erwachsene, 21822 Kinder und 647 aktive Militärs (bis zum Feldwebel aufwärts), 1912: 206 688 Er­wachsene, 27 834 Kinder und 5038 Militärs, 1913: (bis 31. Mai); 91385 Erwachsene, 11804 Kinder und 2707 Militärs, also zusammen 612 245 Personen. Auch der Besuch durch Vereine (in den obigen Zihlen mit einbegriffen) ist immer mehr ge­wachsen, ebenso mehren sich im Gedenkjahre die patriotischen Feiern am Denkmal.

Wegen Beleidigung des früheren Kriegsministers wurde in Leipzig der verantwortliche Redakteur Lieb­mann der sozialdemvkralischenLeipziger Volkszeitung" zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt. Er hatte bei der Einbringung der neuen Wehrvorlage geschrieben, Herr von Heeringen habe seinen Posten 'wie ein Feldwebel" ausgefüllt und seials gehorsamer Zög­ling des Kommiß eingeschwenkt, um sich selbst als verständnislosen Ignoranten hinzustellen," obwohl er noch ein Jahr vorher eine weitere Verstärkung des Heeres für unnötig erklärt habe. Wegen dieser Be­leidigung war die öffentliche Klage erhoben worden.

DaS Vordringen der Polen in Westpreußen ist unverkennbar. Vor einigen Monaten zählte der Kupiec", der Organ der polnischen Kaufmannschaft, diejenigen Städte Westpreußens auf, in denen sich polnische Kaufleute niederlassen könnten. Dieser Rat ist anscheinend eifrig befolgt worden, denn in der letzten Zeit ging in Westpreußen eine Anzahl deutscher Geschäfte in polnische Hände über. Auffallend ist,

verbotene Ufade.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 51

So oben waren die beiden, ein kurzes Stutzen, die Tür ging auf, Wenzel Koczmierski stand vor dem Un­tersuchungsrichter, zu seiner Linken immer noch der be­waffnete Aufseher.

In den Mienen des Landgerichtsrats Schwerdtmann lag es wie verhaltener Triumph, gepaart mit Milde. Ja, er hatte Glück mit diesem Polen: dessenKleiderhatte er vom Gerichtschemiker unterfmfjen lassen, und der war, unter Anwendung der mobernften Hilfsmittel, im staube geivesen, Blutflecke darin zu entdecken. Kleine Blutflecke verwaschen und verrieben, wie man sie nur bei Ver­brechern zu finden pflegte. Genau zu sehen waren sie noch auf der stark vergrößerten Photographie. Und auch die Blutproben, dieder Kriminalschutzmann Spiegel dem Tat­orte entnommen, hatten sich als Menschenblut erwiesen. Also was fehlte da noch an dem Jndizienbau des Unter­suchungsrichters ? Nur noch ein paar kleine Steine, und die würde er heute noch Zusammentragen im Kreuzfeuer gegen den Gegangenen. Selbstverständlich würde er zu- fjachst äußerste Milde walten lassen, er wollte zu dem Gefangenen zunächst sprechen als Mensch zum Menschen, vielleicht kam er dann auch so zum Ziel, vielleicht legte er dann endlich ein offenes Geständnis ab. ^^^v.«

»Nun, Koczmierski," sprach er den an,Sie habest in der Charitee bei Ihrer Vernehmung durch den Krimr- ^jnmissar fortgesetzt geleugnet,denBarouvonPaltzow "d seinen Kutscher ermordet zu haben, und da will ich oyiien einmal was sagen: Seien Sie nun doch endlich einmal ein vernünftiger Mensch und gestehen die Tat dtzen ein. Denn sehen Sie mal: erstens sind der Beweise gegen Sie doch gar zu viele, als daß Sie mit Ihrem "ugnen durchdringen könnten, und zweitens erleichtern U durch ein offenes Geständnis nicht nur für alle Zeit M Gewissen, sondern Sie dürfen dann auch auf Milde

Richter rechnen. Ich frage Sie also: Haben Sie den Ba­ron vonPaltzow und dessen Kutscher ermordet?"

Das Auge des Polen war aufgeflammt, und seine muskulöse Rechte zuckte an der Fessel, als wollte sie auf­fahren in wilder Wut:Nein, hab' ich nicht ermordet Baron, auch nicht Kutscher, nichts hab' ich ermordet, ge­tan rein nichts. Hat mich überfallen Kriminalschutzmann an Stall und niedergeschlagen wie eine Hund um rein gar nichts. Hund verfluchter war der, mich sie da woll­ten morden mich, und nicht ich einen andern! Hunde sind alle, die mich festhalten hier alle!"

Der Gefangenenaufseher war bei diesen wild heraus­geschleuderten'Worten an den Gefangenen noch näher herangerückt, und unwillkürlich hob sich seine Rechte, der Untersuchungsrichter hingegen bewahrtevollkommen seine Ruhe.

Wenzel Koczmierski," sagte er,hören Siedoch, was ich Ihnen vorhin sagte: Das Leugnen nützt Ihnen nichts, seien Sie hier vernünftig, und Ihre Richter werden Ihnen das zugute rechnen. Ich spreche zu Ihnen ja nur als Mensch, und da können Sie, wiederum als Mensch, stch Ihr Herz mirgegenüberdoch erleichtern. Nun wie ist es?"

Nichts hab ich zu erleichtern, nichts, nur Fesseln sind schiver, nehmen Sie mir ab, die auf der Stelle ab," gab der Pole trotzig zurück.

Nun waren dem Untersuchungsrichter mit einem Male alle guten Vorsätze geschwunden, seine Mienen hatten wie­der den gewohnten Ernst angenommen:Sie haben mein menschliches Handeln abgelehnt, Koczmierski, ich spreche also zu Ihnen jetzt nicht mehr als Mensch ziun Men­schen, sondern als der Untersuchungsrichter zum Verbre­cher Und da werden Sie mir nunmehr mit Respekt klare und deiitliche Antworten geben. Sagen Sie mal: woher stammen die Blutflecke in Ihrem Kittel und m der Hose?"

Landgerichtsrat Schwerdtmann sah den Gefangenen mit durchdringenden Blicken an.

' Astete in Hose und Jacke?" staunte der erregt.

lind dann aber gleich wieder ganz gelassen:Nu, von Nasenbluten, dieNose hat niir geblutet."

Ah so, nun ja, das übliche Nasenbluten. Wann hat Ihnen denn die Nase geblutet?"

O, das ist schon geivesen, als ich noch nicht war auf Schloß Trampitz."

Soso! Also nicht am Wege dort wurden Ihre Klet» der bespritzt?"

Nein, bin ich nicht gewesen an Weg."

Und wie kamenJhre Holzschuhe an den OrtderTat?"

Meine Schuh, ja, was weiß ich, wie die hinkamen dort. Hatt' ich sie vergessen am Tag in Schloßgarten, als ich arbeitete bei Gärtner."

Nun, und wie tarnen die wieder in Ihr Bündel hinein?"

Hab ich sie geholt aus Park, als Inspektor und alle Leute fort waren von Hof, um zu suchen Baron und Kutscher, braucht ich sie doch, als ich wollt ausrücken."

Also Sie wußten da bereits, daß der Baron und sein Kutscher tot waren?"

Ja, hab ich gewußt."

Ueber das Antlitz des Untersuchungsrichters huschte der Triumph:Ha, Wenzel Koczmierski, in die Falle sind Sie gegangen. Im Kuhstall der Dorfschenke sagten Sie zum Kriminalschutzmann Spiegel, Sie wüßten nichts von der Ermordung des Barons und dessen Kutscher. Also was Sie nicht freiwillig wollten vorhin, das tun Sie jetzt unfreiwillig, Sie legen unbewußt ein Geständnis ab. Oder wie erklären Sie sich denn nun diesen Widerspruch ?"

Der Pole schwieg, und der Untersuchungsrichter schrieb zu dem Konto des Gefangenen eine neue Schuld. Dann fuhr er fort in seinem Kreuzverhör:Und wie war es mit den Holzschuhen, wie fanden Sie die denn gleich, in dem ftoetfinftern Park? Sie hatten doch kein Licht, ja durften überhaupt keines anzünden, wollten Sie da nicht gesehen werden." ... 197,18*

Gefunden hab ich die gleich mit eine Griff, wußt ich doch ganz genau, wo ich sie hatt' hingestellt am Tag."