mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. es. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
32 53. Mittwoch, den 2. Juli 1913. 64..Jahrgang.
Amtliches.
Bekanntmachung
J.-Nr. 3217 K. A. Auf der am 21. Mai d.Js. stattgehabten Ziegenbock-Körung sind folgende Böcke an- bezw. abgekört worden:
Lfd. Nr.
Besitzer
Wohnort
Alter des Bockes
an-abgekört
zurückgestellt
erhielt Kör« Nr.
1
Gemeinde
Altengronau
IW
ja
1
2
PP
i I.
ja
3
PP
Breitenbach
3 J.
ja
3
4
//
Elm
1 J.
ja
5
PP
Herolz
2 I.
ja
6
Hütten
2 J.
ja
4
7
Bellings
2 J.
ja
2
8
Heubach
1 I.
ja
5
9
Möller
Sinter^«™
I I.
ja
6
10
Gemeinde
Jossa
2 J.
ja
7
11
II
Mottgers
3 I.
ja
12
II
Oberkalbach
1 I.
zurück
13
Steinau
2 J.
ja
14
M
II
1 I.
ja
15
PP
Maroß
I J.
ja
16
II
Soden
4 J.
ja
17
PP
Salmünster
4 J.
ja
18
"
PP
2 J.
ja
8
19
PP
L^warzensekr
3 I.
ja
9
20
f/
Wallroth
i I.
ja
10
21
üMersM
1 J.
ja
11
22
PP
Sannerz
1 J.
ja
23
II
Weiperz
1 J.
ja
12
24
Marborn
3 J.
ja
13
25
Pf
Schlüchtern
2 J.
ja
14
26
PP
PP
1 J.
ja
15
27
Sperzel
Mottgers
1 J.
ja
28
Spähn
Jleutngtonan
1 I.
zurück
Der mit Nr. 2 gekörte Ziegenbock darf nicht in Bellings, der mit Nr. 3 nicht in Breitenbach, der mit Nr. 9 nicht in Schwarzenfels und der mit Nr. 13 nicht in Marborn verwandt werden.
Schlüchtern, den 18. Juni 1913.
Der Landrat: Valentin er.
^ta^^tauf^
J.-Nr. 3577. K. A. Mittwoch, den 2. Juli, Mittags 127i Uhr wird auf dem Terrain der neuen Kreisbaumschule (Friedhof) der Graswuchs versteigert.
Schlüchtern, den 30. Juni 1913.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Berta.
MröoLene Ufade. z
Kriminalroman von Otto Viehofer. 44
Aber auch nur einen Moment, dennschon sprang Herbert Balthasar vom Tisch auf, holte aus seiner Ueber- ziehertasche wieder den Adelskalender herbei und fing an, sich von neuem darin zu vertiefen.
Aber halt, er hatte ja seiner Wirtin versprochen, das Eßgeschirr wiederzubringen. —
So, das war geschehen, und nun mußten die feu» dalen Namen da drin wieder herhalten. Umfangen wurden sie von dem forschenden, unbebrillten Auge des Detektivs, gemustert und fixiert, bis daß sie tanzten und sich drehten vor lauter Empörung. —
Und da — der Detektiv schien sich schon verliebt zu haben in einige von ihnen: er schrieb sie in sein Notizbuch, nickte befriedigt, und dann steckte er den Kalender wieder fort.
«Die kommen vorerst in Betracht," murmelte er vor sich hin, „denn das sind die, deren Träger in der Nähe dieses Schlosses wohnen. Nicht Städter stnd's, sondern eingesessene Landherren."
Der Detektiv nahm nun seinen Bleistift und fing an, Vornamen eines jeden notierten NamenS zu verzerren und zu verdrehen; bald setzte er den einen voran, bald den andern, und bald zog er die Buchstaben einzeln heraus und bald setzte er sie wieder zusammen.
Dieses Spiel mochte er wohl gut zwei Stunden getrieben haben, als er mit einem Male vom Stuhle auf- sprang, als sei er plötzlich irrsinnig geworden, und triumphierend halblaut ausrief: „Ponto — endlich, endlich hab' ich Dich, Ponto! Dank, Dank der gütigen Vorsehung für diesen Lichtgedanken!"
Wieder gesetzt hatte sich Herbert Balthasar, und da las er, um sich die ganze schwere Arbeit noch einmal ordentlich vor Augen zu führen, mit jubelnder Seele Halblaut vor sich hin: »Peter Oliver Norbert Teophrl
I. 12036. Der auf Donnerstag, den 10. Juli d. Js. in hiesiger Stadt angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks Handelns im Stadtbezirke außerhalb des Viehmarktplatzes vor und während der Dauer des Marktes verboten.
Auf Grund des § 47 der viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 wird bestimmt, daß nach 9 Uhr vormittags Tiere nicht mehr zum Markt gebracht werden dürfen.
Besonders mache ich noch darauf aufmerksam, daß durch den 2. Zugang (vor der Lindenstraße) zum Viehmarktplatz nur voruntersuchtes Vieh aufgetrieben werden darf.
Fulda, den 23, Juni 1913.
Der Landrat: gez. Freiherr von D o e r n b e r g.
Bekanntmachung.
Für Herbstj1913 wird noch ein freiwilliger Schneider zur Einstellung gesucht.
Gesuche nebst selbstgeschriebenen Lebenslauf und Meldeschein zum freiwilligen Eintritt sind alsbald einzureichen.
Hanau, den 16. Juni 1913.
Königliches Bezirkskommando.
Derlisches Reich.
— Homburg v. d. H. Die Kaiserin in Homburg v. d. H. Wie nunmehr bestimmt feststeht, wird die Kaiserin am 5. Juli zu seinem etwa siebenwöchentlichen Aufenthalt in Homburg v. d. H. eintreffen und im Schlosse Wohnung nehmen.
,— Der Reichstag erledigte am Donnerstag die zweite Lesung des einmaligen Wehrbeitrags; mehrere Aenderungsanträge der Konservativen wurden zu gunsten der Komissionsbeschlüsse abgelehnt. In der Debatte nahm Graf Westarp (konf.) Gelegenheit, sozialdemokratische Angriffe auf angebliche Steuerscheu in kons. Kreisen als haltlose Verleumdungen und Verdächtigungen zurückzuweisen. Von den Vorlagen zur Deckung der dauernden Ausgaben wurde das Reichsstempelgesetz mit geringen Abänderungen in zweiter Lesung ange- nommen. Am Freitag wurde nach der .Erledigung mehrerer kurzer Anfragen zunächst der Gesetzentwurf betreffend die privaten Lehrer und Erzieher debattelos in allen drei Lesungen angenommen. Sodann wurde die zweite Lesung der Deckungsvorlagen fortgesetzt bei dem Anträge der Konservativen, die Besitzsteuer durch
Omar Graf vonBruckhoff,MajoratsherraufSchloßBruck- Hoff im Kreise M."
Ja, das war nun der Ponto der Baronin von Paltzow! Das war der Kosename, zusammengesetzt der Reihe nach aus den Anfangsbuchstaben der fünf Vornamen des Grafen. Schöne Namen das alles, jedenfalls hervorgeholt aus dem verwitterten StammbaumseinesGeschlechts! Und ganz in der Nähe lag das Schloß dieses Grafen, kaum zwei Kilometer entfernt von dem der Baronin. Ah, ah, Ponto, der Kosename, und die Kletterspuren am Baum an der Schloßmauer — wie reimte sich das zusammen! Er war's gewesen, der Graf, der da die Kugeln pfeifen ließ vorhin, — und nicht der Gärtner oder einer der Jn- spektoren! Nun, sehen mußte Herbert Balthasar denjenigen, der ihm nach dem Leben getrachtet hatte —, sehen von Angesicht zu Angesicht und ohne Schießeisen, noch ehe er sich an dessen Fersen heftete! —
1S. Kapitel.
Es war sehr spät geworden, als Herbert Balthasar am gestrigen Abend sich zur Ruhe gelegt hatte. Aber dafür hatte er auch die Genugtuung, daß er heute mit vollständig geklärten und stark geänderten Ideen hervortre- ten konnte.
Er hatte nämlich beschlossen gehabt, Knall und Fall von der Bildfläche hier zu verschwinden, denn die Kugeln im Schloßparke hatten ihm doch ein gar zu bedenkliches Lied gepfiffen.
Es war jetzt achteinhalb Uhr morgens, die Zeit also, an welcher der Landbriefträger in der Schenke zu erscheinen pflegte, um den Kohlmannschen Eheleuten aus der nahen Stadt das Kreisblatt zu bringen.
Herbert Balthasar stellte sich vor die Haustür, als wolle er ein wenig die frische Morgenluft genießen. Und da kam auch schon der Briefträger angestapft, pustend und hastig „Guten Morgen, Herr!"
„'n Morgen, Herr Beamter! Nun, nichts für mich?"
„Nein, nichts, Herr, nur das Kreisblatt bringe ich."
„Ach, geben Sie die Zeitung nur her, ich lese sie doch
Erhöhung und Veredelung der Matrikularbeiträge auf- zubringen. Trotzdem der Präsident des Abgeordnetenhauses Abgeordneter Dr. Graf Schwerin- Löwitz den Standpunkt derKonservativen in längerer Rede vertrat, wurde derAntrag mit fast allen Stimmen der Linken und des Zentrums abgelehnt. Von den Ecgänzungsstücken des Besitz- steüergesetzes wurde die Zuckersteuer beibehalten, der Scheckstempel aufgehoben. Der Rest der Vorlage betreffend Aenderungen des Finanzwesens wurde angenommen. In rascher Folge gelangten dann auch die einzelnen Abschnitte des Reichsvermögenszuwachssteuergesetzes zur Annahme unter Ablehnung eines Antrages Westarps auf Ausschaltung des Kindeserbes. Die Reichs-Wertzuwachssteuer wurde aufgehoben, dagegen eine gesetzliche Steuerpflicht der Bundesfürsten festgestellt, obwohl von konservativer Seite und von dem Reichsschatzsekretär Kühn schwere Bedenken dagegen geltend gemacht wurden.
— Im Spionageprozeß Jäuicke wurde der Angeklagte wegen vollendeten Verbrechens gegen das Spionagegeseß zu 6 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Diese Strafe wird mit der ihm in Aurich wegen Diebstahls auferlegten Zuchthausstrafe von 3'/, Jahren zu einer Gesamtstrafe von 9 Jahren Zuchthaus vereinigt. Das Reichsgericht hat auf Grund dreies Sachverständigengutachten angenommen, daß Jänicke die Geistesstörung nur simuliert. Er hat den Obersignalmaat Ehlers bewogen, ihm Teile des geheim zu haltenden Signalbuches der deutschen Marine zu geben, die dann an die englische und die französiche Regierung verraten wurden.
Ausland.
— Rom. Die Zusammenkunft des Königs von Italien mit dem deutschen Kaiser in Kiel wird in hiesigen politischen Kreisen die größte Bedeutung bei» gemessen, umsomehr als der Minister des Aeußeren Marquis di San Giuliano den König Viktor Emanuel begleitet und den deutschen Reichskanzler in Kiel treffen wird.
— Ueber Scharmützel zwischen Serben und Bulgaren treffen trotz der Beilegung des Konflikts nach wie vor Meldungen ein. Zuletzt hat ein Kampf zwischen Bulgaren und Serben-bei Zlatowo stattgefunden. Die Bulgaren wurden zurückgeschlagen. Dieser Kampf soll viel ernster gewesen sein, als irgend einer der früheren Zusammenstöße. Der Generalstabschef Putnik, der in Belgrad erwartet wurde, ist aus Anlaß dieses Kampfes im Hauptquartier in Uesküb geblieben.
zu allererst und werde sie dann meinen Wirtsleuten übermitteln."
„Schön, Herr, hier, bitte!"
„Danke, Herr Postrat, und damit Sie nicht gänzlich leer ausgehen in dieser Schenke, so nehmen Sie wenigstens einen guten Glimmstengel mit auf den Weg!"
Der Detektiv hatte dem Briefträger eine Zigarre ge* reicht, der dankte, steckte sie sofort in Brand, grüßte unterwürfig und stapfte dann qualmend wieder von bannen.
So, der Detektiv hatte seinen Zweck erreicht: er war mit dem Briefträger in Berührung gekommen, welches Frau Kohlmann drinnen in der Küche sicher wahrgenommen haben mußte. Er eilte nun schnurstracks nach sei- nem Zimmer, als ob er vom Briefträger etwas ganz Wichtiges empfangen hätte, und nach ein paar Minuten schon stürmte er wieder hinaus und hinein in die Küche seiner Wirtin: „Frau Kohlmann — denken Sie nur, Frau Kohlmann, soeben habe ich eine Depesche erhalten, der- zufolge ich in geschäftlichen Angelegenheiten sofort nach Brüssel zurückkehren muß. Ich werde demnach gleich den Zug benutzen, der um ein Uhr mittags den Bahnhof in der Stadt verläßt."
Frau Kohlmann hatte die Kaffeetasse, die sie gerade im Begriff gewesen war abzuwaschen, wieder ins Wasser fallen lassen und starrte offenen Mundes Herrn Küster an, als war er plötzlich vom Himmel gefallen.
„Ja, ja, das ist leider Wahrheit, Frau Kohlmann," versuchte der Detektiv seine Wirtin wieder in die Wirklichkeit zurückzurufen. „Das ist leider unabänderlich, und da mir heute der Weg zur Stadt zu beschwerlich sein dürfte, so werde ich persönlich bei der Frau Baronin vorsprechen, und mir ein Fuhrwerk zum Bahnhof von ihr erbitten, hoffentlich wird sie mir das nicht abschlagen."
Und Frau Kohlmann hatte nun begriffen.
„Herr Jeses, Herr Jeses Herre — Herr Küster, so — so plötzlich wollen Sie uns verlassen?" trippelte sie in der kleinen Küche uniher, als wußte sie nun gar nicht, was vorerst anzufangen sei, 197,18*