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mit amtlichem RreisblaLt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Mochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 52. Samstag, den 28. Juni 1913. 64. Jahrgang.

Wer eiie Uiterirecta

Die im 64. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen ; Postabonnenten, welche bis spätestens 30. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, " ~ g daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreiche« Bestellungen ^uf das mit dem 1. Juli 1913 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung"

Deutsches Reich.

Kiel. Die Hohenzollern mit dem Kaiser an Bord lief, gefolgt vom Sleipner um 1 Uhr aus der Schleuse von Holtenau unter dem Salut der Kriegs­schiffe in den Kieler Hafen ein Beim Passieren der Kaiserjacht brächte die in Parade stehende Mann­schaft drei Hurras für den Kaiser aus. Auch die Besatzung des italienischen Panzerkreuzers Amalfi, der im Großtopp die deutsche Kriegflagge wehen hatte, begrüßte den Kaiser mit drei Hurras. Die Hohen­zollern machte an ihrer gewohnten Liegestelle in der Nähe der Seebadeanstalt fest.

Zu der Erklärung des Prinzen Ernst August nimmt der Führer der Welfenpartei, Freiherr von Schelenburg, in derDeutschen Volkszeitung" in folgender Weise Stellung:In dem am 19. d. Mls. zur Veröffentlichung gelangten Schreiben Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Ernst August Herzog zu Braun- schweig und Lüneburg ist ein staatsrechtlicher Verzicht auf die hannoveranische Rechte des welfischen Fürsten­hauses nicht enthalten. Es entfällt somit für die Deutsch- Hannoversche Partei jeder Grund zur Beunruhigung. Sie ist sich jedoch der Verpflichtung voll bewußt, die eine etwaige Thronbesteigung Sr. Königl. Hoheit des Prinzen in Braunschweig ihr auferlegen würde. Sie wird durchaus den Erwartungen entsprechen, die Se. Königl. Hoheit der Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, in seinem Briefe an das herzoglich-braunschweigische Staatsministerium vom 15. Dezember 1906 zum Ausdruck gebracht hat, in dem er die feste Zuversicht aussprach, daß die Han­noveraner alles unterlassen würden, was geeignet wäre, die Stellung seines Sohnes als Herzog von Braunschweig zu erschu eren."

Der Reichstag setzte am Sonnabend die zweite Lesung der Wehrvorlage mit Erörterungen über Militärjustiz, Soldatenmißhandlungen und körperliche Jugendpflege fort. Die sozialdemokratischen Anträge hierzu wurden von allen bürgerlichen Parteien als un­annehmbar empfunden, und der Abg. von Brockhausen

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Mröotene Made.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 42

Und auch das niedrige Gestrüpp ringsum ließ ab­solut nicht erkennen, woher derKletterer hier gekommen, und wohin er gegangen war. Also blieb nur wieder der geheimnisvolle Baum. Der, und der andere jenseits der Mauer, sie mußten beide mehr erzählen dem De­tektiv. Eine Kletterprobe mußte jetzt folgen.

Herbert Balthasar verlöschte seine Lampe, steckte sie zusammen mit der Lupe in die Tasche, und schon waren seine Späheraugen wieder bebrillt.

Ruck, ruck, der Detektiv saß im Gezweig des mäch­tigen Baumes. Seinen Rock hatte er mitgenommen nach oben, denn er wußte ja nicht,was seiner noch harrte jen­seits der Mauer. Wirklich, bequem zu erklettern war der Baum, wie geschaffen für einen nächtlichen Schleicher.

Herbert Balthasar ließ sich nun an einem der Aeste oben ein wenig hinab und mit einem Male stand er auf der dicken Mauer. Vorsichtig spähte er in den Schloß­park hinab, und als sich da nichts regte, beugte er sich nach vorne, seine Hände ergriffen einen dicken Ast, ein kleiner Schwung, und schon befand er sich in der Baum­krone jenseits der Mauer, also im Parke.

Wieder lauschte er einen Moment. Nein, nichts Ver­dächtiges, absolut ungestört war er hier. Also dann konnte es ja wieder abwärts gehen, sein Fuß mußte den Boden treten da unten. , .

Hatte der Detektiv Beim Hinaufklettern vorhin seinen Stock in der Hand lang an den Ast gelegt, an dem er sich hinnufgezogen, so hakte er jetzt dessen stark gebogene Krücke vorn in seine lleberzieherklappe. Dann suchten seine Hände einen festen Halt, und allmählich senkte sich sein Körper hinab.

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Zum Teufel, was war denn das? ,

L An^ogen hatte HMrt Balthajar feine bqunmn-

erklärte treffend, daß diese Anträge lediglich gestellt seien, um eine Herrschaft des Parlaments über das Heer zu begründen. Oberst Langermann von Erlen- camp nahm die militärischen Vorgesetzten gegen sozial­demokratische Vorwürfe gebührend in Schutz, desgleichen der Kriegsminster von Heeringen, der auch einen dreisten Ausfall gegen den jüngsten Dankerlaß des Kaisers würdig zurückwies. Recht warmherzig trat der Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.) ein für die auf vaterländischen Bodenstellenden Jugend-und Turnvereine.

KusLand.

Die Aburteilung des Mörder Schewket Paschas ist nunmehr erfolgt. Zwölf Personen, die der direkten Teilnahme an der Ermordung Mahmud Schewket Paschas oder der Anstiftung dazu angeklagt waren, sind zum Tode verurteilt worden. Darunter befinden sich der frühere Direktor der politischen Polizei Muhib, der frühere Kapitän Kiazim, der Fähnrich Chevji, der Leutnant Mehmed Ali, Topal Tewfik, Zia und die drei geflohenen Mörder Nazmi, Hikmet und Abdur- rahman. Prinz Sabah Eddin, Scherif Pascha und der frühere Minister des Inneren Reschid wurden zu schweren Strafen verurteilt. Die Verurteilten werden an verschiedenen Stellen der Stadt gehängt. Prinz Sabah Eddiu richtete an die Polizei ein Schreiben, in dem er mitteilte, daß er sich seit 70 Tagen an einem sicheren Orte versteckt halte und ruhig den Gang der Untersuchung verfolge.

Dem Besuch des Präsidenten Poincar« in London schreiben französische Blätter eine besondere Bedeutung zu und hoffen davon ein energisches Ein­greifen der Triple-Entente in die Lösung der Balkan­konflikte. Ministerpräsident Barthou übernimmt während der Abwesenheit des Ministers Pichou, der den Präsidenten auf seiner Londoner Reise begleitet interi» mistisch die Leitung des Ministeriums des Aeßeren.

Cherbourg. Schwerer Unfall beim Salutschießen für Poincarb. Bei den Salven, die zu Ehren des am Montag nachmittag hier eingetroffenen Präsidenten Poincarö abgefeuert wurden, hat sich ein Unglücksfall

den Schenkel wieder, ein Ruck seiner Armmuskeln war gefolgt, und regungslos saß er nun auf dem Aste und lauschte und spähte in den Park hinein.

Da paff!

Verdammt noch mal, eine Kugel war es gewesen, wirklich eine Kugel, wie auch schon beim erstenPaff". Na, da hörte aber doch alles auf! Wer konnte das nur gewesen sein, der zu solch abendlicher Stunde hier das Blei verpaffte? Vielleicht der Gärtner, oder gar einer der beiden Inspektoren des Schlosses? Und welch moderne Waffe der Schießer nur gehandhabt hatte: kein lauter Knall, kaum war es zu vernehmen gewesen, das Gepaff.

Piff! Paff! und trockene Aeste wirbelten in die Tiefe.

Himmeldonnerwetter, die Schüsse galten ja ihm, dem nächtlichen Spion!

Ha, das war deutlicher, als er es je vermutet hatte- Aber zurück, nur zurück von dein gefährlichen Posten hier, ehe es noch einmal paffte.

Damit der Stock sich von dem Ueberzieher nicht etwa löse und dem Schützen in die Hände falle, hatte der Detektiv ihn wieder quer in die Hand genommen, ein paar Griffe, ein Tritt auf die Mauer, wieder ein paar sichere ©risse, und Herbert Balthasar stand schon wieder auf festem Boden außerhalb des Parkes.

Und da, wieder piff, paff!

Wahrhaftig, der verteufelte Kerl da drinnen wollte ihn kalt machen einfach beiseite schaffen den nächtli­chen Schleicher. Gut war es nur, daß er hier schon auf gedecktem Boden stand, denn sonst hätte jener fern Ziel vielleicht schon erreicht.

Der Detektiv mußte nun so schnell wie möglich die­sen unheimlichen Ort verlassen, denn es war nicht aus­geschlossen, daß man ihm auch außerhalb der Mauer eins aufs Fell Brennen konnte. Eiligst wand er sich durch das dichte Gestämme, und als er das hinter sich hatte, ging es in langen Sätzen wieder den Weg entlang, den er ge- kommen wG _____*

ereignet, durch den ein Feuerwerker und ein Artillerist getötet wurden. Sieben Artilleristen sind schwer ver­wundet ins Lazarett gebracht worden; der den Befehl führende Leutnannt ist leicht verwundet. Das Geschütz ist unversehrt. Der Artillerieleutnant, welcher die Abteilung in dem Fort befehligt, räumte ein, daß die Kartuschen, welche für die folgenden Schüsse bereit lagen, unvorsichtigerweise und im Gegensatz zu der Vorschrift hinter und in die Nähe der Geschütze gelegt wurden, welche feuerten. Die fehlerhafte Zündröhre eines abgefeuerten Schusses wurde nach hinten ge­schleudert. Sie fiel auf die Reservekartuschen und setzte sie in Flammen, wodurch mitten in der Gruppe von Artilleristen eine entsetzliche Explosion herbeigeführt wurde. Der bedauerliche Unglücksfall ist demnach einzig und allein auf Unvorsichtigkeit zurückzuführen. Das Material kann in keiner Weise verantwortlich ge­macht werden. Der Leutnant, der leichte Brandwunden erlitten hat, ist in Haft genommen worden. Eine strenge Untersuchung wurde eingeleitet. Präsident Poincarö stiftete für die Familien der getöteten Kanoniere 3000 Franken.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 27. Juni 1913.

* Nun sind die Festtage vorüber. Unsere gute Stadt hat ihr schimmerndes Festkleid wieder abgelegt, und es bleibt uns von dem Feste als ein dauernder Gewinn die frohe ungetrübte Erinnerung. Uebermunden und vergessen sind alle Mühen, aller unausbleibliche Aerger, manche leise Enttäuschung. Alles wird über­wogen durch das Gefühl:Es war alles gut, es war alles schön!" Schon Wochen vorher hatten die Zu- rüstungen zu dem Feste fast die ganze Stadt, Alt und Jung in Athem gehalten, denn nicht nur der sein 40 jähriges Bestehen feiernde Kriegekderein trug die Lasten der Vorbereitungen, sondern alle namhaften Vereine unserer Stadt hatten ohne Zögern und ohne Scheu vor den recht erheblichen Opfern die vom Krieger­verein ausgegangene Anregung zur Beteiligung an der

Und der Himmel war ihm bei dieser Flucht gnädig, denn vor das lachende Mondgesicht hatte sich plötzlich eine Wolke geschoben, und eine starke Dämmerung lag rings in der stillen Flur. Hin und wieder blieb der De­tektiv wohl einmal stehen und lauschte gespannt, ob man ihn nicht gar verfolge, und dann ging es wieder weiter in langen Sätzen, querfeldein auf den Fußpfad zu, und endlich in gerader Richtung auf die Schenke Kohlmann.

Etwa zweihundert Schritte von der Schenke entfernt, hatte er jedoch seine Schritte eingedämmt gehabt, um sich durch den schnellen Atem seinen Wirtsleuten gegen­über nicht zu verraten, aber Beim Betreten des Hauses war er keinem der beiden Alten begegnet, und nun saß er bei trautem Lampenschein schon wieder in seinem Stäb­chen.

Indessen nicht lange war er heute hier ungestört; schon klapperten draußen die Teller, Frau Kohlmann war mit dem Abendbrot im Anzüge.

Das fiel dem Detektiv gleich auf, denn seine Wirtin hatte es doch sonst nicht so eilig gehabt, irgend etwas Wichtiges trieb die Frau jetzt her.

Na guten Abend auch, Herre Herr Küster!" kam Frau Kohlmann schon herein.Haben Sie denn auch gut zurückgefunden bei die plötzliche Finsternis?"

O gewiß, gewiß habe ich gut zurückgefunden, Frau Kohlmann, und guten Abend auch!"

Herbert Balthasar beobachtete scharf die Alte und deut­lich sah er, daß sie wirklich etwas Besonderes hatte hin­ter ihrer runzlichen Stirn.

Und auf einmal, laum hatte sie den Tisch in Ord­nung gebracht, platzte sie heraus, wichtig und stolz, daß sie so etwasihrem Herrn" zu überbringen vermochte: Wissen Sie schon, Herr Küster? Der der Diener im Schloß hat gekündigt, und und was seine verlobte Braut ist, die dicke Köchin Marie, ist von die Frau Ba­ronin rausgeschmissen worden. Beide gehen sie nu zum Ersten Januar^-beides 197,18*