Zchlüchterner Zeitung
Rlonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
mit amtlichem Rreisblatt.
Telefon Nr. 65.
Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt
Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
Samstag, den 21. Juni 1913.
64. Jahrgang
Die im 64. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
Wer b UMW daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post" geltest nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. April 1913 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 26. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, ' 'ert wird. Wer später bestellt, muß Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt
die Expedition der „Schüchterner Zeitung".
♦ Stiftungsfest bes
Am Samstag, Sonntag und Montag, den 21., 22. und 23. d. M., begeht unser Kriegerverein sein . 40 jähriges Stiftungsfest und verbindet mit dieser Feier diejenige des Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs, des obersten Kriegsherrn des deutschen Soldaten. Als vor nunmehr 40 Jahren alte Kriegskameraden sich zusammenschlossen/ den Verein ins Leben zu rufen, hatten sie als Ziel ins Auge gefaßt: Pflege patriotischer Gesinnung und treuer Liebe zu Kaiser und Reich, Förderung der materiellen und geistigen Interessen der Mitglieder des Vereins und ihrer Angehörigen. Mit Herz und Hand fürs Vaterland! Wie der Krieger- verein alle Kräfte einsetzt, die hohen Ziele zu erreichen, das ist uns allen kund. Und darum begrüßen wir ihn bei seinem Jubelfeste und wünschen ihm für seine Beratungen in unserm Städtchen Heil und Segen! Die Krieger aber, die aus unserem schönen Hessenlande hergeeilt sind, um mit unserm Verein zu feiern und zu be- raten, heißen wir in unserer Kinzigstadt herzlich willkommen^ Mögen sie die besten Eindrücke und die schönsten Erinnerungen mit nach Hause nehmen!
V Herzliches Glückauf zum Uviegev-Iubilaumsfest in Schlüchteru.
^^ Mit Gott für König und Vaterland.
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Bekanntmachung.
Für Herbst 1913 wird noch ein freiwilliger Schneider zur Einstellung gesucht.
Gesuche nebst selbstgeschriebenen Lebenslauf und Meldeschein zum freiwilligen Eintritt sind alsbald einzureichen.
Hanau, den 16. Juni 1913.
___________________Königliches Bezirkskommando.
Deutsches Reich.
— Der Reichstag hielt am Sonnabend zur Feier des Kaiserjubiläums eine kurze Festsitzung ab, zu der
außer den Volksvertretern aller bürgerlichen Parteien der Reichskanzler mit allen Staatssekretären sowie die meisten Bundesratsvertreter erschienen waren. Der Reichstags Präsident hielt eine von echter Vaterlandsliebe und Treue zum Hohenzollernhause durchwehte Rede, die von dem ganzen Hause mit lebhaften Beifall aufgenommen wurde. Nach einer kurzen Erinnerung an die beiden ersten deutschen Kaiser, den greisen Gründer des Deutschen Reiches und den edlen Dulder auf dem Thron, pries der Präsident unserem Kaiser als erhabenen Friedenssürsten, der sein starkes Heer nicht
verwendet hat, um kriegerische Lorbeeren zu pflücken und militärischen Ehrgeiz zu befriedigen, hob ferner das unerschütterliche Pflichtgefühl und Pflichtbewußtsein Wilhelms II. hervor und stellte mit freudiger Genugtuung fest, daß unserem Kaiser infolge seiner vortrefflichen Eigenschaften als Mensch und Herrscher vom ganzen deutschen Volke ein herzliches Gefühl der Verehrung und Liebe entgegengebracht werde. An die innigsten Wünsche für eine weitere lange, glückliche und segensreiche Regierung des Kaisers knüpfte er ein dreimaliges Hoch, das von allen Versammelten
Verbotene Ffade.
Kriminalroman von Otto Viehofer.
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„Mit dem Herrn Baron und der Frau Baronin war ich dort vor fünf Jahren, und da habe ich mir die prächtige Gegend gleich ordentlich angesehen und auch die schönen Villen und Häuschen — ins Herz stahl sich mir da alles gleich. Viel schöner ist es da, als in Deutschland — viel schöner. Und einsehen kann ich da wirklich nicht, warum wir denn dort nicht ebensogut wohnen sollten als wie die anderen Leute!"
Obwohl Marie selber einige tau|enb Mark ihr eigen nannte, hatte sich nun doch zu ihrer Liebe aus einmal eine gelinde Bangigkeit gesellt. „Aber — aber das viele Geld, Liebster, das so ein Haus dort kosten wird, und dann das teure Leben da? Teuer muß es doch da sein, denn sonst würden nicht Barone Hinreisen."
»Geld hin, Geld her," sagte stolz Johann, „Geld hat auch mancher Diener und nicht nur sein Herr. Alles da, Mariechen, habe viel, viel gespart in meinem Leben, und wenn wir Deines noch dazu nehmen, wird es schon reichen für uns beide. Na, und wo nicht, so können wir während der Reisezeit doch nur ein paar Zimmer vermieten, viele Herrschaften sind dort im Sommer, und ste bezahlen auch gut. Nicht wahr, mein Schatz, ist so ein Plan nicht gut?"
Marie hatte sich wieder an seinen Hals geworfen und als Antwort erhielt er von ihr unzählige Küsse.
„Dank Dir, Liebster, Einzigster, tausendmal Dank," hauchten endlich ihre Lippen, als sie des Küssens mübe
Und in Seligkeit schwamm auch Johann, denn so hatte ihn sein Märiechen noch nie gekiißt.
Und da — eine Gestalt kam die Allee entlang und direkt auf das Gewächshaus zu, flink traten deren Füße »en knirschenden, feuchten Kies. -
Die beiden Liebenden waren aufgefahren und Johann trat vor das Häuschen: „Wer ist da, was gibt es denn?"
Ein spöttisches Lachen kam als Antwort. Abermals knirschte der Kies, und die Gestalt war in langen Sätzen schon wieder verschwunden.
Es war Fritz, der Stallbursche, gewesen, der seinen Kleinmut von vorhin sowie auch den Respekt vor Johann schon wieder abgestreift hatte, und sich in seinem jugendlichen Uebermut nur hatte einen Scherz machen wollen mit den beiden.
„Verdammter Bengel, na, warte Du nur!" rief Johann hinterher. Und dann zu seiner Braut gewendet: „Komm, Märiechen, laß uns jetzt gehen, bald wird so ein Esel uns nicht mehr stören." —
14. Kapitel.
Herbert Balthasar hatte sich auf schleunigstem Wege den Gothaischen Adelskalender kommen lassen, um darin den geheimnisvollen Vornamen „Ponto" zu ermitteln. Denn er hatte sich gesagt: Nur ein Adliger kann hier in Frage kommen, weil eine Baronin von Paltzow andern Kreisen schwerlich zugänglich sein dürfte.
Und so hatte er denn heute schon den ganzen Tag in seinem Zimmer gesessen und war Name für Name durchgegangen in dem Büchlein, Name für Name, an- gefangen vom feudalsten Hochadel bis herab zu den simplen „von's". Und nun, da in seinem Zimmer bereits die Abenddämmerung breite Schatten warf, war er endlich damit fertig, leider aber,ohne daßerdenNamen „Ponto" gefunden hatte.
„Eine verteufelte Sache das!" warf er, aufs schwerste enttäuscht, das Buch auf den kleinen Nebentisch.
Ja, wahrhaftig, eine verteufelte Sache war das für ben Detektiv. Da hatte er sein Hirn zermürbt, hatte in lichten Gedanken gefolgert und kombiniert, und nun hatte sich ihm auf seinem Wege mit einem Male eine Mauer entgegengestellt, eine Mauer hoch und dick und düster. Ja, wie sollte er denn nun hinter den geheimnisvollen K^S^
hier ringsum auf den Schlössern die adligen Herren und viele, viele gab es in Berlin und in den anderen großen Städten, und keiner trug den Vornamen Ponto? War das vielleicht nur ein Kosename gewesen?
Nun, wenn es denn wirklich so war, so war es unt so schwerer für ihn, hinter die wahre Persönlichkeit zu kommen. Aber er wollte, er durfte es sich nicht verdrießen lassen, er mußte auf dem einmal eingeschlagenen Wege verharren, er mußte herumkommen um die Mauer, die ihm da die Aussicht versperrte. Und da war es nun vor allen Dingen geboten, daß er näher an das geheimnisvolle Schloß heranrückte, daß er einmal hier hinspähte und einmal dort hineinlugte.Heranpürschen mußte er sich zuerst an die dicke Schloßmauer, um im Gebüsch zu sehen, was es da zu sehen gab. Und dazu war der heutig« Abend wie geschaffen, still, mäuschenstill war es ringsum, kein Mensch würde ihm da über den Weg laufen. Und der Vollmond schien so prächtig und vollkommen weggetaut war der Schnee — wirklich, es galt keine Zeit zu verlieren. Die Baronin? Ach Gott, so scharf war die doch wohl nicht hinter ihm her, als wie er es sich zuerst gedacht hatte. Nein, er war wirklich noch nicht wieder belästigt worden, weder von ihr selbst, noch von irgend einem andern.
Herbert Balthasar hatte in seinem Zimmer gar nicht erst Licht gemacht, er steckte den Adelskalender in die Tasche, warf den Ueberzieher über, nahm Hut und Stock und verscknvand aus dem gemütlichen Stäbchen.
Draußen schützte er seinen Wirtsleuten gegenüber einen kleinen Abendspaziergang vor, und die fanden einen solchen nur durchaus dienlich 'für den „Herrn Küster." Denn er wäre ja auch den ganzen Tag im Zimmer gewesen und der Abend wäre doch auch gar zu schön.
Sicherheitshalber schlug der Detektiv wieder den Fußpfad ein, den er benutzt hatte, als er vor ein paar Tagen nach der Kreisstadt M. gewandert war. Es hatte so den Anschein, als interessiere ihn jetzt weder das Schloß noch dessen Bewohner. - 197.18*.