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SchlüchterimMung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 88. Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

32 49, - Mittwoch, den 18. Juni 1913. 64. Jahrgang.

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Die im 64. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiterte Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung^ Wer eine Werktag

W. ' - TTni + n-nli-nnrtiin'M n ^cher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der U|T| p I | PP||Pprj|H wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen 1I llllllllllll Postabonnenten, welche bis spätestens 26. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,

uruu M y daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß

nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. April 1913 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Das Jubiläum des Kaisers.

Der Kaisertag in Berlin.

Berlin, 16. Juni. Der große Tag ist ange­brochen. Schon um 5 Uhr früh waren Tausende unter­wegs, um sich auf der Feststraße Unter den Linden einen guten Platz zu sichern. Strahlend ging die Sonne auf, sie meint es gut und so ist das vielgerühmte Hohenzollernwetter auch dem Kaiser zu seinem Regierungs­jubiläum günstig. Um 7 Uhr soll das große Wecken beginnen, die Berliner haben es aber nicht nötig, ge­weckt zu werden. Sie sind schon lange vor dieser Zeit auf dem Posten. Pünktlich zur festgesetzten Zeit kommen die Spielleute und die Musikkapellen aus dem Schloß. Trommelwirbel erschallt und unter den Klängen des alten LiedesFreut euch des Lebens" zieht das Musik­korps in langsamem Schritt die Linden hinunter. Zu gleicher Zeit ertönen von der Kuppel der Schloßkapelle Choräle. Bis zum Brandenburger Tor ziehen die Kapellen, um dann wieder nach dem Schloß zurückzu- kehren. Um 7r/4 Uhr ertönt vom Kronprinzenpalais her aufgeregtes Hurrarufen und die Menge folgt bem Automobil des Kronprinzen, der eben anfährt. Mit beständigem Grüßen dankt der Kronprinz für die Ova­tionen der Bevölkerung. Im Kasernenhof des Alexander­regiments haben sich inzwischen die zahllosen Kolonnen der zu bem Jubiläumsständchen im Schloß ausersehenen 7000 Schulkinder versammelt. Sanitätsleute und Krankenschwestern sind gleichfalls am Platze, um den Kindern, die durch die Hitze oder Erregung schwach werden, beizustehen. Als der Moment des Abmarsches naht, sind alle wieder frisch und keiner will zurück­bleiben. Kurze Zeit nur dauert die Aufstellung der Kinder im Schloßhof und mit lautloser Stille harren sie des Zeichens zum Beginn. Ein Flüstern: Oben am mittleren Fenster ist inzwischen der Kaiser sichtbar ge­worden, neben ihm gewahrt man die Kaiserin und an den anderen Fenstern die Prinzessin Viktoria Luise mit Gemahl, dem Prinzen Ernst August, ferner die Prinzen Oskar, Joachim, Adalbert, Eitel Friedrich, August Wilhelm, die Kronprinzessin und mehrere andere Prin­

Mröotene Made. .

Kriminalroman von Otto Viehofer. 39

Johann, mein Bester, willst Du das wirklich für mich tun?" hatte nach den Worten ihres Bräutigams die Köchin aufgejauchzt.

Versiegt waren nun vollkommen ihre Tränen, und noch immer schaute sie halb selig, halb zweifelnd das dürre Männchen vor sich an.

Sieh zu, meinen Worten folgt die Tat!" bekräftigte jetzt Johann, die Tür öffnete sich, fiel derb ins Schloß, und schon ging es auf leichten Sohlen die läuferbeleg- ten Korridore entlang, hin zu seiner Herrin.--

Mit Ausnahme von Marie hatte man allgemein an­genommen, daß die Baronin die Kündigung ihres Die­ners nicht annehmen werde, ja, daß sie ihn, der schon bei ihren verstorbenen Eltern auf diesem Schlosse gedient hatte, vielmehr völlig besänftigen, daß sie mit ihm eine Ausnahme machen werde gegen die andern. Und als nach kaum zehn Minuten die Tür sich wieder öffnete und Johann zurückkehrte, hingen aller Augen mit der bangen Jrage an ihm:Nun, wie ist es ausgefallen?"

Und gleich triumphierte seine Stimme:Hallo, die Sache ist getan, frei sind wir alle beide, Mariechen!" Und der braven Tat folgte allsogleich der wohlverdiente Lohn. Mariechen stürzte sich auf das so schwache Männ- lein, die dicken Arme umklammerten seinen faltigen Nacken und laut und schmatzend hagelten unzählige Küsse.

Ja, und auch die anderen standen nun wieder da, wunderten sich bald über die Baronin, bald über Jo­hann, und bald über die feurige Marie. Nein, was man doch alles erleben konnte auf so einem Schlosse. Jüngst war es doppelter Mord gewesen mit Untersuchungsrich- ter, Polizei und Spürhunden, nun war es wieder dop­pelte Kündigung und ganz am Ende stand eine Hoch- »«MWt,- ;. -L*'. <»____

zessinnen. Das Zeichen zum Beginn wird gegeben und laut schmettern die Kinder die seit langem einstudierten Lieder in den Schloßhof. Dem Kaiser scheint diese Huldigung der Kleinen sehr zu gefallen, sein Antlitz strahlt und wiederholt nickt er den Kindern zu. 20 Mi­nuten dauern die Vorträge, dann richtet der Kaiser eine kurze Ansprache an die Kinder, ungefähr des Inhalts: Ich danke Euch, meine lieben Kinder, Ihr habt mir eine große Freude gemacht, Ihr habt Eure Sache hier ganz vorzüglich gemacht." Die Kinder jubelten dem Kaiser zu und lange dauerte es, bis sich der Schloßhof wieder von den kleinen Sängern geleert hat.

Inzwischen werden die Vorbereitungen zur großen Defilier- und Gratulationscour getroffen. Nach dem Ständchen der Kinder nahm der Kaiser die Glück­wünsche der Familienangehörigen, die sich inzwischen sämtlich im Schlosse versammelt haben, entgegen, dann gratulierten ihm die Herren und Damen der näheren Umgebung und sodann die des Hofes. Um 9 Uhr be­gann die Auffahrt der Teilnehmer an der großen Gratulationscour, und die riesigen Menschenmengen, die sich Unter den Linden und den anstoßenden Straßen versammelt hatten, bekamen ein farbenprächtiges Bild zu sehen. Die Generäle usw. usw. kamen in Hof­equipagen und Galakarossen sowie Automobilen ange­fahren. Ein hübscher kleiner Zwischenfall, der die Auf­fahrt ein wenig unterbrach, ereignete sich bei der Auf­fahrt zum Empfang im Schloß. In der langen Reihe der Wagen erschien plötzlich eine ganz einfache Miets- dro schke, in der Generalfeldmarschall Graf Hacseler saß. Kaum wurde die Droschke bemerkt, als sie jubelnd von den Scharen des Jungdeutschlandbundes umringt wurde. Die Jungen ließen den Wagen nicht weiter. Der alte General teilte nach allen Seiten Händedruck aus und bat die Jungen, ihn weiterfahren zu lassen, es dauerte jedoch mehrere Minuten, bevor diesem Wunsch Folge gegeben wurde.

Pünktlich um 11 Uhr begann die große Gratula­tionscour im Rittersaal des Königlichen Schlosses. Hier überreichten die einzelnen Deputationen ihre Geschenke

Du hast ja jetzt Zeit, Mariechen, komm, ich habe Dir noch manches zu sagen," lud Johann seine Braut ein und schritt voran aus bem Zimmer.

Natürlich ließ Mariechen sich das nicht zweimal sa­gen, ihre umfangreiche Persönlichkeit verschwand hinter der Tür, und beide waren schon im Schloßgarten.

Dort hatte, in Hinsicht darauf, daß die Frau Baronin vielleicht einen kleinen Spaziergang im Parke unterneh­men könnte, der Gärtner wieder fleißig geschaltet. Hoch aufgeschanfelt lag der lichte Schnee zu beiden Seiten der Alleen und Gänge, und die hoben sich nun ab von dem sanften, strahlenden Weiß wie dunkle, geheimnisvolleWas- serläufe, um endlich weit hinten an der Mauer verschlun­gen zu werden vom schwarzen Gebüsch.

Ins Gewächshaus wollen wir gehen,"sagte Johann zu seiner Braut,das ist unverschlossen, und da können wir, unberührt von der fenchtkalten Luft, ungestört plan- dern."

In seliger Erwartung der Dinge, die da kommensoll« ten, schritt Marie neben ihrem Bräutigam einher. Wirk­lich, zu überraschend war ihr das alles gekommen. Daß Johann einmal Ernst mache würde mit der Hochzeit, da­ran hatte sie während der ganzen Jahre ihrer Verlobung zwar niemals gezweifelt, aber daß er die Courage ha­ben würde, urplötzlich hier Schluß zu machen und ste vom Flecke weg zu heiraten, das nein, das hatte sie sich nicht träumen lassen.

Aber er mußte fleißig gespart haben, der Johann, mußte mehr blaue Lappen sein eigen nennen, als er es ihr immer gestanden, denn sonst wäre er doch noch vor­sichtiger gewesen zu guter Letzt!

So, Mariechen, hier ist längs der Wand eine Holz­bank gezogen," sagte Johann, im Gewächshause ange- lanqt,darauf wollen wir uns niederlassen, belauschen kann uns hier niemand, denn der lichte Schnee wurde uns jeden' Schleicher sofort verraten. Und überdies habe ich den Grünlingen vorhin ordentlich gegeigt, da wer­

und Adressen. Eingeleitet wurde die Cour durch das Staatsministerium, an dessen Spitze sich der Reichs­kanzler befand. Als der Kaiser das Schloß verließ, feuerte die im Lustgarten aufgestellte Leibbatterie den Königssalut ab.

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*

Glückwünsche des Auslandes.

Wien. Kaiser Franz Joseph hat anläßlich des RegierungSjubiläums des Deutschen Kaisers nachstehen­den Armeebefehl erlassen: Se. Majestät Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König von Preußen, begeht das Jubiläum seiner 25 jährigen segensreichen Regierung. Seit dem Jahre 1881 darf sich mein Heer der Ehre rühmen, Se. Majestät zu den Seinen zu zählen. Viel­fältig sind die Beweise von Anteil und Huld, die Se. Majestät nicht allein den Regimentern, die mit Stolz seinen erlauchten Namen führen, sondern auch meiner gesamten Wehrmacht bei allen Anlässen, die Sr. Maje­stät auf sie lenkten, zu geben geruht hat. Wenn jetzt Heer und Flotte im Deutschen Reich den Allerhöchsten Kriegsherrn in Begeisterung zujubeln, dann stimmen auch Oefierreichs-Ungarns Kriegs- und Seeleute freudig ein. Ich an deren Spitze bringe Se. Majestät, meinem teuren Freunde und erhabenen Verbündeten, den Gruß meines Heeres, meiner Landwehren und meiner Kriegs­marine. Es ist unser aller Herzenswunsch: der All­mächtige mit der Fülle seiner Gnade betreue Se. Majestät Kaiser Wilhelm bis in fernste Zukunft zum Wohle seiner ruhmreichen Wehrmacht und zum Heile des Deutschen Reiches.

Wien, 16. Juni. Franz Joseph.

London. Der Lordmayor hat dem Kaiser durch die Botschaft die Glückwünsche der Bürger von London zu seinem Regierungsjubiläum übermitteln lassen. In allen deutschen Kirchen des Vereinigten Königreichs fand am Sonntag ein Dankgottesdienst statt. In Manchester amtierte der deutsche Geistliche zusammen mit dem Bi- chof von Manchesier.

Rom. Aus Anlaß des RegierungSjubiläums des Kaisers hat der Minister des Aeußern ein Tele-

den uns die wohl sowieso in Ruhe lassen. So so, gib Deinen Arm her, und dann höre zu, was ich Dir noch zu sagen habe."

Ganz nahe herangerückt war die Köchin an ihren Bräu­tigam, ihre Arme umklammerten dessen Hals.

Mariechen," hub der alte Diener an,Mariechen, mir ziehen also am kommenden ersten Januar beide hier von bannen, und da ist zunächst die Frage aufgetaucht, wo bleiben wir vor der Hand, ich meine solange, bis ich uns ein Heim erworben habe? Ich beantworte nun die Frage wie folgt: Du gehstzu Deiner verheirateten Schwe­ster nach Landsberg, und ich begebe mich, da ich we­der Eltern nochGeschwister mehrhabe,zu meinem Freunde Rudloff, einem Bäckermeister in Soldin. Dort wird auch unsere Hochzeit stattfinden. Einverstanden, Mariechen?"

Ja ja, mein Lieber, Liebster," hauchte Marie.

Und Johann, dessen gealtertem Herzen diese Kose- worte vollends Jugendfeuer verliehen, fuhr fort:Nun, und dann höre weiter: Habe ich dort die Vorbereitun­gen für die Hochzeit getroffen, so mache ich eine größere Reise, und zwar bis nach der Schweiz."

Was was, nach nach der Schweiz?" war Ma­riechen mißtrauisch verwundertund ihn unterbrechend auf­gefahren.Nach der Schweiz was willst Du denn da?"

Jawohl, nach der Schweiz, an den Genfer See will ich fahren, um uns dort ein feines Häuschen zu kau« fen."

Marie traute ihren Ohren nicht. Das summte und sang und klang da in ihnen, als hatten sie irgendwo die schönste Musik vernommen.

Aber, Johann, das hast Du mir noch nie verraten. Ein feines Häuschen willst Du uns kaufen, und noch dazu am Genfer See? Um alles in der Welt, Liebster, sag, wie kommst Du denn gerade auf die Schweiz?"

Ganz einfach, Mariechen, weil ich dort mit der Herr­schaft gewesen bin. Ja, ja, besinne Dich doch nur, Du wärest doch schon hier/'- L 197,18j