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mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Kaum 12 pfg.
»M 48. Samstag, den 14 Juni 1913. 64. Jahrgang.
Im 25jiljrip lltjittiin^iiliiliw St. NWöl Kais» WM 11.
am 15» Juni 1913»
Laßt wehen die Fahnen beim Glockengeläut, Alldeutschland zu mahnen des Zubeltags heut I
Hinweg nun mit allem, was uns mag entzweien, Und hell übertöne den Ruf der Parteien, Wie einst vorm Jahrhundert der Ehre Gebot!
Auf, laßt uns in Treuen, Gelübde erneuen: Dir, Herr, unserm Kaiser getreu bis zum Tod!
Ein Vierteljahrhundert beherrscht du das Reich, Geliebt und bewundert, gefürchtet zugleich.
Denn du bist Gebieter des Volkes in Waffen, Die mächtige Flotte hast du ihm geschaffen, Der Lüfte Erobrer gehorcht deinem Wort . . .
Heran, wen's gelüstet! Zur Abwehr gerüstet, So dient unser Kaiser dem Frieden als Hort!
Die heiligen Güter beschirmt deine Hand;
Der Wohlfahrt Behüter bist du unserm Land 1
Du ehrest die Arbeit und förderst den Handel,
Du blickst auf des Flügelrads rastlosen Wandel,
Du gibst uns das Losungswort: Volldampf voraus I
Auf glücklichen Wegen führ uns mit Segen I
Gott schütz' dich, o Kaiser, dein Reich und dein Haus.
Dem deutsche« Kaiser zum Jubeltag.
Wenn der Morgen des des 15. Juni 1913 heraussteigt, werden durch das weite Deutsche Reich die Glocken läuten. Es ist Kaisertag! In Millionen deutscher Herzen findet der mächtige Klang seinen Widerhall; die Seele des Volkes steht auf, und den Thron des Deutschen Kaisers umbraust der Ruf: Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands 1
Deutschlands Kaiser versteht die Seele seines Volkes und den gewaltigen Akkord der vielen tausend Glockenklänge.
Heute sind's Jubelklänge.
Auch vor 25 Jahren haben die Glocken geläutet. Einmal, als gerade die ersten Boten des Frühlings ins Land zogen, und einmal, als die Rosen blühten. Es waren dumpfe Trauerklänge.
Am 9. März 1888 ging der Ruf durch die deutschen Gaue, daß der erste Deutsche Kaiser die Augen geschlossen hatte zum ewigen Schlafe. „An mir wird man stets den Vater des Volkes finden", hatte er gesprochen, als er im Jahre 1861 die Regierung angetreten, und den Vater des Volkes verlor Deutschland in ihm am 9. März 1888. Er hatte in den Tagen der tiefsten Erniedrigung Deutschlands an der Seite seiner vielgeprüften Eltern die schweren Leiden mitge- macht, die der kriegsgewaltige Korse über das Vaterland verhängt hatte. Er war an der Hand seines Volkes gegangen, als es das Letzt^seiner armseligen Habe aufraffte, als es aufstand und die Ketten abwarf, als es mit mächtigen Streichen den fremden Eroberer niederschlug. Er war mit den Söhnen seines Volkes auf den Schlachtfeldern von Königgrätz, von St. Privat und Sedan ge
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standen, und mächtiger als je ein Siegesruf ist an sein Ohr das erste Kaiserhoch im Schlosse von Versailles geklungen.
Nun ruhte er sanft gebettet auf dem Ruhm seiner Taten, beweint von seinem Volke, das er groß und glücklich gemacht hatte.
Hinter dem Leichenwagen des ersten Deutschen Kaisers schritt allein Kronprinz Wilhelm. Gewiß erfüllte seine Seele nicht nur die Trauer um den Heimgegangenen großen Kaiser, sondern auch wehe Sorge um deu Vater, dessen Stelle er vertrat. Nicht mit froher Zuversicht hatte Kaiser Friedrich das Erbe seines Vaters angetreten. Wohl mit dem Willen, das Werk des Vaters fortzuführen, so lange die Kraft reichte, begleitet vom Segenswunsch des deutschen Volkes. Aber ein düsterer Schatten fällt schon in den Aufruf des Kaisers. Er fühlt die Nähe des ernsten Paladins, der stumm den Königen das Zepter aus der Hand nimmt. Er spricht bescheiden nur von der Zeit, „die nach Gottes Ratschluß meiner Regierung beschieden sein mag". Schon nach 99 Tagen lag die reckenhafte Gestalt des Kaisers auf der Bahre; über dem freundlichen milden Antlitz lag die Blässe des Todes, der schöne Bart war in den langenTagendesstummenTodeskampfes weiß geworden. Ueber SchloßFriedrichskron war die Flagge auf Halbmast gegangen und wieder erklangen Totenglocken von der Maas bis an die Memel. Drüben im Mausoleum von Charlottenburg, wo Kaiser Wilhelm neben seinen Eltern ruht, waren die Kränze kaum verwelkt. Und schon türmten sich neue über dem Sarge des Sohnes in der Fricdenskirckw.
Als die Beisetzungsfeierlichkeiten vorüber waren und die Trauerversammlung sich aufgelöst hatte, knieten am Sarge des zweiten Deutschen Kaisers in der stillen Kirche noch zwei Männer: der junge Kaiser und der König von Sachsen. Und plötzlich hatte den Sohn der lange niedergehaltene Schmerz um den Vater übermannt, und er begann laut zu weinen. Und Gott der Herr hat den getreuen Sohn in dieser Stunde gesegnet.
, Auf seinen Schultern ruhte nun die gewaltige Last, die der Tod Friedrich dem Dritten abgenommen hatte. Am 18. Juni 1888 erschien sein Aufruf: An mein
fVolk. „Auf den Thron meiner Väter berufen", L sprach der junge Kaiser, „habe ich die Regierung un Ausblick zum König aller Könige übernommen und Gott gelobt, nach dem Beispiel meiner Väter meinem Volke ein gerechter und milder Fürst zu sein, die Frömmigkeit und Gottesfurcht zu pflegen, den Frieden zu schirmen, die Wohlfahrt des Landes zu fördern, den Armen und Bedrängten ein Helfer, dem Rechte ein treuer Wächter zu sein."
Der Kaiser hat sein Wort gehalten. Ein wahrhaft christliches Familienleben nach des Kaisers evangelischem Glaubensbekenntnisse umfaßt die Mitglieder der Kaiserlichen Familie.
Als Pfand dieser christlichen Lebensauffassung haben des Kaisers Söhne an ihrem
tionstage aus der Hand des Vaters folge Christi" entgegengenommen.
Möchte der Kaiser unter seinen treue Helfer finden, christlicher Sitte
Konfirma- die „Nach
Untertanen
und christlicher Lebensauffassung wieder Geltung zu schaffen und die abzuwehren, die Stück für Stück des
schönsten Schmuckes hinauszuschleppen suchen aus dem Hause, in dem das deutsche Volk wohnt.
Als heiliges Vermächtnis hat er übernommen, was sein Großvater gelobt hatte: „Allzeit zu sein Mehrer des Reichs, nicht in kriegerischen Eroberungen, sondern in den Werken des Friedens." Als Kaiser Wilhelm das Zepter ergriff, war eben eine große Wehrvorlage einstimmig ohne Debatte angenommen. Ein Krieg gegen Rußland war zu fürchten; das Bündnis mit Oesterreich war eben bekannt gegeben worden. Selten in den 25 Jahren ist der politische Horizont ganz ohne Wolken gewesen. Wiederholt war die Spannung so weit vorgeschritten, daß
ein Funken den ungeheuren Kriegsbrand herbeiführen mußte. Und in der Hand des Deutschen Kaisers lag das deutsche Reichsschwert, die gewaltigste Waffe der Welt. Millionen von deutschen Soldaten standen bereit, auf ein Wort ihres Herrn aufzu- rücken im Osten oder int Westen. Das Schwert blieb in der Scheide, und der Ruf an die Millionen erging nicht. Ein Mehrer des Reichs in Werken des Friedens wollte der Kaiser sein, so lange der Frieden in Ehren zu erhalten war.
Christlichen Sinn und christliche Tugenden schmücken auch des Kaisers einzige Tochter in ihrem neuen Wirkungskreise als Herrin und Hüterin des eigenen Heims und wohl auch Landesmutter bei einem Volke, das sich seit Jahren und Jahren darnach sehnt, diesen Namen wieder sprechen zu können.
Die Macht und die Größe, den Glanz und die Herrlichkeit des Reichs verkörpert uns der Kaiser. Sein Leben ist allein der Aufgabe gewidmet, das Vaterland groß und glücklich zu machen. Der Preis, den er seiner rastlosen Arbeit gestellt hat, ist, daß Deutschland dastehe vor den Mächten der Erde, reich an Wissenschaft und Kultur, im Besitze einer gewaltigen Industrie, eines weltumspannenden Handels, daß niemand soll kommen können, und sei es, wer da wolle, deutsche Ehre, deutsches Gut anzu- tasten. Blinkend hat Wilhelm II. die Rüstung des Reichs erhalten. Wird es gegen Osten und Westen durch die Macht des Landheeres geschützt, so liegt vor den Toren der Küsten eine Flotte mächtiger Schlachtschiffe, das Werk des Kaisers, das mit seinem Namen in der Geschichte wird verbunden bleiben.
Ein Fürst des Friedens in stählerner Kriegsrüstung. Sein Volk wird die schweren Opfer bringen, die Rüstung stark zu erhalten. Und kommt der Tag, an dem die Sturmglocken des Krieges über das Land läuten, so wird das Volk einmütig dastehen wie vor hundert Jahren. Auch im Brüllen der Schlacht wird die Treue des Volkes bei seinem Kaiser sein.
In Friede und in Streit, in Glück und in Not soll das Band der Liebe das Volk verbinden mit seinem Fürsten.
Gott schütze, Gott erhalte den Deutschen Kaiser,