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mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. SS» wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «s.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
32 47. Mittwoch, den 11. Juni 1913. 64. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 6532. Am Mittwoch, den 18. Juni nach- mittags 2'/, Uhr findet im Kreistagssaale eine Sitzung des Kreisausschusses für Jugendpflege statt. Hierzu lade ich auf diesem Wege nicht nur die Herren Mitglieder des Ausschi.sfes, sondern jeden ein, dem die Förderung dieser wichtigen Sache im Kreise am Herzen liegt.
Schlüchtern, den 9. Juni 1913.
Der Königliche Landcat: Valentiner.
Mit bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 4 d. Mts. durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie auf den 12. Juni 1913 in die Haupt-und Residenzstadt Berlin zusammenberusen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die Eröffnung der Tagung am 12. Juni 1913 vormittags 11 Uhr in gemeinschaftlicher Sitzung beider Häuser im Sitzungssaale des Hauses der Abgeordneten stattfinden wird,, Berlin, den 5. Juni 1913.
Der Minister des Innern: Von Dallwrtz.
I. Nr. 6585. Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht.
Schlüchtern, den 9. Juni 1913.
Der Königliche Landrat. J. V.: Schultheis.
I -Nr, 6586.1. Den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern des Kreises geht heute ein Postkartenformular: „Auszug aus dem Er- hebungsbogen über die landwirtschaftliche Bodenbenutzung" zu. Ich ersuche, dieses Formular sorgfältig aus-zufüllen und sofort, spätestens bis zum 14. d. Mts. hierher zurück- zusenden.
Schlüchtern, den 9' Juni 1913.
Der Königliche Landrat: J. V. : Schultheis.
J.-Nr. 595 K.-A. Fortgesetzte Klagen und Beschwerden der Wegebauverwaltung veranlassen mich, die zum Schutze der Straßen und Wege erlassene Kreispolizeiverordnung vom 12. Februar 1851 und die Bezirkspolizeiverordnung vom 22. April 1892 erneut in Erinnerung zu bringen. Hiernach ist das Weiden von Vieh in den Straßengräben und auf den Banketten und Böschungen gänzlich verboten. Ferner aber müssen beim Austrieb zur Weide die Tiere zusammengekoppelt und so geführt werden, daß sie die Bankette nicht betreten. Die Landwirte des Kreises ersuche ich, die Vorschriften gewissenhafter als seither zu beachten. Uebertretungen müßte ich in Zukunft bestrafen.
Schlüchtern, den 24. April 1913.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Verbotene Ufade.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 87
Und der Herr Geheimrat hielt auf einmal inne, blickte voll den andern an und sagte: „Jawohl, Sie Edler, beschützen! Und so eine Frau wie die Baronin von Paltzow ist des Schutzes wert! Sie ist es nicht nur wert, sondern sie ist es auch dringend bedürftig gewesen, denn Sie können gar nicht glauben, was die Arme gelitten hat. Ich hab mich davon überzeugen können, als ich am Obduktionstage an ihrem Krankenzimmer vorüberschritt. Geschrien hat sie da — geschrien in ihrem Fieberwahn, daß es hallte den Korridor entlang."
„O, die arme Frau Baronin," bedauerte der Detektiv. „Schreien — na ja, da hat im Wahn der Mörder ihres Gemahls vor ihr gestanden, und da schrie sie wohl um Hilfe?" ,. »So war's, mein Herr! Hilfe! schrie sie, Ponto, zu Hufe ! Komm, komm schnell, Ponto, sie wollen mich holen!"
„Und ihren toten Gemahl rief die Kranke da?"
„Bewahre der hat ja Egon geheißen. Jedenfalls ist Ponto ein naher Verwandter von ihr."
Beinahe in den Sessel hinter ihm wäre der Detek- gesunken, denn das, was ihn da eben vor die Stirne geschlagen, war schwerer, wuchtiger, als er es je erwartet hatte. Ein Name war ihm genannt worden — in fei= »er Gutgläubigkeit und Vertraulichkeit hatte der alte Gehelinrat ihm den an den Kopf geschleudert. Und in welchem Zusammenhänge: Komm, komm schnell, sie wol- len mich holen! Und über allen Zweifel erhaben mußte die Baronin dastehen, in dem sie umgebenden Volke so-
V m der Gesellschaft, daß man auch nichts, ab- loiut Nichts an ihr übel genommen, nicht einmal die- fen Ponto! Nun ja, im Fieberwahn redete so mancher dummes Seng. Aber woher stammte denn der Fieberwahn der Baronin? Er war doch einzig und allein nur die Folge ihrer inneren Unruhe, ihrer Angst vor ^em Kommenden. »Komm, komm schnell, sie wollen mich
I. 10594. Der auf Donnerstag, den 19. Juni d. Js. in Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks Handelns im Stadtbezirke außerhalb des Viehmarktplatzes vor und während der Dauer des Marktes verboten.
Auf Grund des § 47 der Viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 wird bestimmt, daß nach 9 Uhr vormittags Tiere nicht mehr zum Markt gebracht werden dürfen.
Besonders mache ich noch darauf aufmerksam, daß durch den 2. Zugang (vor der Lindenstraße) zum Viehmarktplatz nur voruntersuchtes Vieh aufgetrieben werden darf.
Fulda, den 4. Juni 1913.
Der Landrat: gez.: Freiherr von Doernberg.
Kaiser-Wilhelm-IMüums-Stistung
Hohenzollernschloß Abenberg
Aufruf r
Alle Deutschen Gaue rüsten sich, das 25jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät, unseres Allverehrten Deutschen Kaisers, Königs von Preußen/chen Stolz und Hort des Deutschen Vaterlandes, festlich zu begehen. Ein jeder möchte dazu beitragen, den Glanz des Festes zu erhöhen und Sr. Majestät den Beweis zu erbringen! daß das ganze Deutsche Volk einmütig hinter seinem Kaiser steht und daß Se. Majestät ebenso auf sein Volk bauen können, wie das Deutsche Volk sich aus seinen Kaiser verlassen darf. Noch mehr aber würden viele es mit Freude begrüßen, wenn sie dazu beitragen könnten, ®r. Majestät an seinem Ehrentage eine persönliche Freude zu bereiten. Hierzu bietet sich eine willkommene Gelegenheit:
Im schönen Bayernlande, unweit Nürnberg, liegt die stolze Burg Abenberg in dem gleichnamigen Städtchen. Diese Burg wurde unter Heinrich dem Städtebauer im 10. Jahrhundert an der Stätte 'eines früheren Römerkastells zum Schutze der Stadt Abenberg erbaut und den Grafen von Abenberg zum Lehen gegeben. Machtvoll ragt sie empor, ein Zeichen deutschen Fleißes und deutscher Kraft. Das Schloßgebäude (Pallas) ist nie erobert oder zerstört worden. In ihrer Ursprünglichkeit und Schönheit bildet die Burg eine Perle unter den Deutschen Burgen. Aber noch beachtenswerter ist sie durch ihre Geschichte. Etwa um das Jahr 1200 starb das Geschlecht der Grafen von holen!" — Das mußte man ihr lassen: die schweren Ohnmachten hatte sie gut gespielt, aber umsomehr hatte sie das ungewollte Angstgeschrei verraten.
Als ob er aus tiefster Teilnahme eine Pause hatte eintreten lassen, hatte Herbert Balthasardagestanden, und nun holte er endlich nach: „Nun, Herr Geheimrat, ich will der Frau Baronin helfen, helfen insofern, als daß ich den wahren Mörder ihres Gemahls ermitteln werde. Sie häuft dann zu dem einmal vorhandenen Schmerz nicht noch den, welchen ihr das Bewußtsein auslösen muß, ein armer Nächster habe, um die Verletzung ihres heiligsten Rechts zu sühnen, sein Leben unschuldig ein= gebüßt. Und meine letzte Bitte Ihnen gegenüber, Herr Geheimrat, ist nochmalsdie:UebenSiestrengsteVerschwie- genheit über diese unsere Unterredung, mein Unternehmen könnte sonst zunichte werden."
„Aber selbstverständlich, Herr Balthasar! Und nun gute Arbeit, ich bin neugierig, wie die Sache enden wird. Hier, bitte, haben Sie wieder Ihre Legitimation!" —
Der Detektiv war schon wieder auf der Straße. O, wie ihn da die reine, frische Herbstluft umfing, wiewohl das tat seinem perückenbeschwerten Haupte, dem in dem warmen Zimmer schon die Schweißperlen gedroht hatten.
Herbert Balthasar zog sein Notizbuch, schrieb den Namen „Ponto" ein, und dann begab er sich in ein kleines, von Gästen augenblicklich unbesuchtes Restaurant und ließ sich ein einfaches Mittagsmahl geben.
Den Rückweg wollte er nach dem Essen antreten, und dann für heute nichts weiter unternehmen, denn der Tag war ihm schon lohnend genug gewesen. Nur verarbeiten mußte sein Hirn das heutige Ergebnis, prüfen aufs peinlichste, ob seine blitzartigen Folgerungen vorhin auch wirklich stichhaltig seien. Und morgen sollte es dann weiter gehen auf dem eingeschlagenen Pfad. —
13. Kapitel.
Der erste Dauerschnee war herniedergegangen, und wie ein Leichentuch lag er zäh und massig im Park wie in den Gemarkungen des Schlosses Trampstz. M deckte
Abenberg aus. Die letzte Gräfin des stolzen Geschlechtes, Sophie Gcäfin von Abenberg, wurde die Gemahlin des Burggrafen Friedrich II. von Nürnberg, Grafen von Zollern. Diesem brächte sie ihre väterliche Besitzung Abenberg ein. Damit wurde die Burg Abenberg, da ältere Hohenzollernburgen nicht bekannt sind, die Stammburg der Hohenzollern.
Wir können gewiß sein, es wird Sr. Majestät eine große Freude bereiten, wenn gerade diese Burg aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums als Veter- anenheim eingerichtet und so auch derer gedacht wird, die an der Errichtung des Reiches im Felde beteiligt waren und Blut und Gut für das Vaterland eingesetzt haben. Haben doch Se. Majestät in hochherzigster Weise jedwede persönliche Spende aus Anlaß des Jubiläums sich verbeten und den Wunsch geäußert, etwaige ihm,stzugedachte Spenden wohltätigen Zwecken zuzn- führen.
^ Die Gesamtkosten betragen etwa 200 000 M. Wir bitten einen Beitrag für das patriotische Werk zu spenden und diesen an Herrn Rechtsanwalt Nicolaus zu Berlin v W. 35, Potsdamer Straße 111, unter Angabe des Stichwortes: Für die Kaiser-Wilhelm-Jubiläums- Stiftung, Hohenzollernschloß Abenberg zu senden, auch im Kreise Ihrer Bekannten für die Sache zu werben. Aus den eingehenden Geldern werden die Kosten für den Ankauf der Burg, ihrer inneren und äußeren Ausstattung und zur Festlegung eines Kapitalgrundstocks für die Unterhaltung und Zwecke der Burg verwendet. Ein etwaiger Ueberschuß wird Sr. Majestät für weitere Veteranenheime zur Verfügung gestellt. Wiewohl mit einem Fehlschlag nicht gerechnet werden kann, wird für den Fall eines Scheiterns der Stiftung zugesagt, daß die eingezahlten Beträge nach Abzug der anteilmäßigen Unkosten zurückgezahlt werden.
Wir bitten bei der Kürze der Zeit bis zum Jubiläum den etwa zugedachten Beitrag schnell zu geben. Je kürzer die Zeit, um so schöner der Erfolg I
Die Namen der Spender werden Sr. Majestät in einem Buche bei Übergabe der Burg übereicht. ES wird deshalb um deutliche Namensschrift gebeten.
Deutsches Reich.
— Truppenübungsplatz Döberitz. Der Kaiser erschien am Montag morgen um 6 y? Uhr auf dem Truppenübungsplatz Döberitz und besichtigte das erste u. dritte Garde-Ulanenregiment. Das Frühstück wurde im Kasino des Lagers eingenommen.
— Der Kaiser und der österreichische Thronfolger. In den Berliner politischen Kreisen verlautet, daß demnächst zwischen dem Kaiser und dem österreichischen Thronfolger eine Begegnung stattfinden wird. Es gilt
zu, was ehedem auf dem herbstlichen Erdboden an Gräsern und sonstigem Gewächs noch ein letztes, kümmer» liches Dasein gefristet hatte.
Er verhüllte dem menschlichen Auge alles, waS da unten im Sterben begriffen war oder auch nur im tie- fen Winterschlaf dem kommenden Frühling entgegen, träumte, er deckte auch die geheimnisvolle Spur zu, dies das Verbrechen an diesem stillen Erdenwinkel hinterlassen hatte.
Nein, auch mit den zwei Spürhunden hatte Krimi- nalkoninlissar von Behlow nichts weiter ermitteln können in der Mordsache, verschollen blieb die Leiche des Barons und verschollen blieb der Revolver, mit welchem die grauenvolle Doppeltat begangen worden war. Auch die tausend Mark Belohnung, die von der Behörde für die Auffindung der Leiche ausgeworfen worden waren, hatten an dieser Tatsache nichts zu ändert vermocht. Und da hatte der Kommissar denn gestern feint Akten zusammengepackt und war mit seinen beiden B«, amten und den Spürhunden nach Berlin zurückgekehrt.
Heute war es Sonntag und zwar schon nach dem Abendessen. An dem abgeräumten Tische in der geräumigen Trampitzer Gesindestube saß das Gesinde noch fast vollzählig beisammen, nur Marie, die Köchin, fehlte, sie war vor ein paar Minuten zu der Baronin gerufen worden.
Und da zerbrach man sich denn die Köpfe, was die gnädige Herrin zu dieser Stunde wohl von der Marie haben mochte.
„Nu," sagte Anna, die Zofe, „ganz einfach: die Frau Baronin wird für die nächste Woche Anordnungen für die Küche treffen."
„Nanu, hat sie denn das sonst schon einmal getan?" wunderte sich Johann, der Diener.
„Nee, das nicht," erwiderte Anna, „aber die Frau Baronin kann doch einmal abweichen von ihrer Gewohnheit, sie tut ja manches uns gegenüber, was sie früher, nicht getan — die fuchst uns eben alle ordentlich ein nach ^JÄStiÄ ... . MM