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chlüchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

.M 44.

Samstag, den 31. Mai 1913.

64. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Eine Hochzeits-Gedenkmedaille hat der Herzog Ernst August von Cumberland zur Erinnerung an die Vermählung seines Sohnes mit der Prinzessin Viktoria Luise modellieren lassen. Die Medaille trägt auf der Vorderseite die Brustbilder des Brautpaares, auf der Rückseite sind die Wappen der Häuser Hannover und Preußen angebracht und die Wahlsprüchesuscipere et finire" bezw.uunquam retrorsum als Umschrift zu lesen.

Von den Ordensauszeichnungen anläßlich der Hochzeit ist am interessantesten, daß der König von Spanien der Prinzessin Viktoria Luise den Maria- Luisen-Orden verliehen hat. Kaiser Wilhelm hat u. a. dem Leiter des russischen Hofministeriums Fürsten Kotschubei den Roten Adlerorden I. Klasse, dem Chef der Kanzlei des Hofministeriums Generalleutnant Mossolow die Brillanten zum Roten Adlerorden I. Klasse, den Flügeladjutanten des Zaren von Drenteln und Grafen Nieroth den Kronenorden II. Klasse mit dem Stern verliehen. Der König von Großbritannien und Irland hat u. a. dem Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes von Jagow und dem deutschen Bot­schafter in London Fürsten Lichnowsky das Grvßkreuz des Viktoriaordens, der Kaiser von Rußland hat u. a. bem Staatssekretär v. Jagow den Alexander-Newsky- Orden, dem Unterstaatssekretär Zimmermann den St. Annenorden I. Klasse verliehen. König Georg verlieh ferner dem Major Grafen Kanitz, den Rittmeistern Grafen zu Dohna-Lauck und Freiherrn von Gayling sowie dem Oberleutnant Freiherrn von Rheinbaben und dem Leutnant von Eynern den Viktoria-Orden. Auch der älteste Wachtmeister und diejenigen Unter­offiziere des Regiments, die Ehrenposten vor den Gemächern des Königs bildeten, wurden ausgezeichnet. Dem Reichskanzler hat der Kaiser von Rußland einen silbernen, mit Edelsteinen besetzten Schrein als Andenken verehrt. Der König von England hat dem Reichs­kanzler das Großkreuz des Viktoriaordens verliehen.

Ausland.

Eine neue Kriegsgefahr droht infolge der Zwistigkeiten zwischen Bulgarien und Griechenland. Die bulgarische Regierung ist entschlossen, falls Griechen­land einen Schiedsspruch in der Frage von Saloniki nicht annehmen und die Entscheidung der Mächte nicht zulassen will, sowie auch Serbien seinen bisherigen Standpunkt iu der Abgrenzungsfrage beibehält, die hieraus entstehenden Folgerungen zu ziehen. Die leitenden Staatsmänner und der Generalstab in Sofia hätten die Ueberzeugung, in jeder Hinsicht stark genug

Mröotene Made. "

Kriminalroman von Otto Viehofer. 84

Nun, mochte kommen, wer da wollte, für ihn gab's kein Hin und auch kein Zurück mehr. Seine einzige Ret- tung war eben nur der wahrheitsgetreuesteOnkel aus Brüssel".

So hatte er sich denn auch wieder stadtwärts gewandt und schritt, wie niedergedrückt vom Kummer, mit lang­samen, gemessenen Schritten einher, ohne sich umzusehen.

Und auf einmal klapperten die Hufe des Pferdes in schlankem Trab an ihm vorbei, und die rollenden, leich­ten Räder wirbelten ihm ein paar Erdklümpchen vor den Gummibauch. Und gleichzeitig fiel ihm auch ein schwe­rer Stein vom Herzen, denn im Wägelchen saß nicht die Baronin von Paltzow, sondern Fritz, der Stallbursche.

Ein Gedanke hatte den Detektiv durchzuckt: der Stall­bursche mußte ihn mitnehmen.

He he, mal anhalten!" rief er ihm nach.

Fritz drehte sich um, schaute, zögerte einen Moment, rnrd schon hatten die gestrafften Zügel das Pferd zum Stehen gebracht.

Entschuldigen Sie, junger Mann," bat Herbert Bal- thasar,wollen sie mich nicht mitnehmen zur Stadt, ich bin nämlich schon sehr ermüdet. Auf ein gutes Trink­geld soll's mir nicht ankommen. Und übrigens, wir ken­nen uns doch bereits. Auf dem Kirchhof sind Sie ge­stern gewesen ebensogut wie ich. Der Onkel bin ich vom erschossenen Friedrich."

Ja, ja, mir kennen uns schon, gnädiger Herr," er­widerte der Stallbursche geschmeichelt. Und dann dienernd von seinen Knien die Schutzdecke zurückschlagend und die zügelfreie Hand hinabreichend:Bitte,gnädigerHerr,hän­gen Sie sich an meinen Arm, ich ziehe Sie so herauf, das geht leichter, als wenn ich erst abspringen und Ih­nen von unten nachhelfen mürbe."

^ Obgleich es dem Detektiv ein Leichtes gewesen wäre,

zu sein, einer Vereinigung von Serbien und Griechen­land entgegentreten zu können. Inzwischen sollen die Griechen Saloniki und seine Umgebung stark befestigt sowie ein Geschwader nach Dedeagatsch gesandt haben, wo die Bulgaren stehen. Das serbische Regierungsorgan Samonprava" gibt dem tiefen Bedauern über den blutigen Kampf zwischen bulgarischen und griechischen Truppen Ausdruck und erklärt, Serbien haben nur den Wunsch, daß die beiden Verbündeten alles aufbieien mögen, um der Gier entgegenzutreten, durch welche die teuren Errungenschaften des letzten Krieges bedroht werden.

Auf revolutionäre Umtriebe sind, wie die Nach­forschungen ergeben haben, die französischen Soldaten­meutereien zurückzuführen. Die Staatsanwaltschaft beauftragte deshalb den Richter Drioux, eine strafrecht­liche Untersuchung einzuleiten. Drioux ordnete eine große Anzahl von Durchsuchungen in den Lokalen verschiedener Gewerkschaften und revolutionärer Ver­einigungen sowie in den Wohnungen zahlreicher revo­lutionärer Agitatoren an und stellte gleichzeitig eine Anzahl von Haftbefehlen aus. In der Umgebung von Paris wurde vor den Toren eines Forts die Frau eines Postbeamten verhaftet, die versuchte, antimili- taristische Flugschriften unter die Soldaten zu verteilen.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchter», 30. Mai 1913.

* Sicherem Vernehmen nach, findet Ende Juli d. Js. in Schlüchtern eine Kreistierschau mit Prä­mierung statt und zwar für Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen. Die Viehbesitzer werden gut tun, ihre Tiere schon jetzt auf die Ausstellung vorzubereiten.

* Den Landwirten kann nicht genug empfohlen werden, bei dem Eintritt günstiger Witterung sobald wie möglich mit dem Grasschnitt für die Heuernte zu beginnen. Nach mehrfachen Erfahrungen tritt in der Regel gegen Mitte Juni eine Regenperiode ein, durch welche die Aussichten auf eine gute Heuernte schon oftmals getäuscht wurden.

* Wie alljährlich so findet in Bad Soden auch dieses Jahr wiederholt ein Kurkonzert statt. Bei dem schönen Wetter dürfte sich morgen der Besuch in den schattigen Anlagen zum Konzert lohnen. Wir wünschen Allen viel Vergnügen!

* Morgen Sonntag findet in Ahlersbach ein Sommerfest statt, wie das Inserat in unserer Zeitung anzeigt, ist für allerlei Kurzweil für Alt und Jung Sorge getragen.

* Auf der diesjährigen Generalversammlung des Vaterländischen Frauenve>eins am 11. Juni d.

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l sich auf den Sitz zu schwingen, so tat er doch, als ob's ihm sehr beichwerlich sei. Sein Fuß setzte sich zögernd auf das Trittbrett, fühlte, zögerte wieder, stemmte sich fest, und mit viel Gepuste und Gestöhne ward er end­lich von dem Stallburschen hinaufgezogen.

So," sagte er oben mit schwerem Atem,nun kön­nen Sie zufahren."

Unterdessen war seine Rechte schon in die Westentasche gefahren und hatte ein Zweimarkstück hervorgeholt. Das reichte er dem Burschen hin:Bitte, nehmen Sie das, Sie sollen, wie ich schon sagte, mich nicht umsonst fah­ren. Ich würde ja Sie und Ihre Herrin betrügen, wollte ich Ihnen diese Fahrt nicht entgelten."

Wie die Wagenfahrt überhaupt von feiten des De­tektivs eine blitzartige, feine Berechnung gewesen, so war auch dieser sein letzter Satz mit voller Absicht gewählt worden.

Und was er damit gewollt, das kam: Unterwürfig dankend und eifrig das blanke Geldstück verstauend, ging der Stallbursche ein:Meine Herrin, sagen Sie, gnädiger Herr? Jaja, die Frau Baronin darf das ja gar nicht wissen, daß ich Sie hier mitgenommen habe. Keiner darf das wissen, denn das Mitnehmen ist uns streng verbo­ten, nicht einmal seine eigenen Eltern oder Geschwister darf man unterwegs mitnehmen. Und ich bitt' Sie, gnädiger Herr, keinem etwas davon zu sagen. Und vor der Stadt werden Sie die Güte haben und ausfteigen, damit uns auch niemand sieht!"

Selbstverständlich sage ich keinem etwas von dieser Fahrt," erwiderte der Detektiv,und ebenso selbstver­ständlich ist's auch, daß ich vor der Stadt Ihren Wagen verlasse. Nein, junger Freund, durch mich werden Sie keine Unannehmlichkeiten haben. Aber wenn's angeht, so fahren Sie, bitte, nur im Schritt, damit meine morschen Glieder nicht so gerüttelt werden. Sie können's ja auf der Rückfahrt, bei der ich Sie nicht in Anspruch nehmen werde, wieder einholen!"

Jahres Nachm. 21/, Uhr im Kreishaus wird eine Ausstellung von Bildern gezeigt werden, welche die große Zeit vor 100 Jahren, die Zeit der Befreiungs­kriege vor den Blicken der Beschauer wieder erstehen lassen und teils die Kriegs- und Geisteshelden jener Tage teils die großen geschichtlichen Ereignisse jener Periode darstellen. Die Ausstellung verfolgt den Zweck wert­volle Werke deutscher Künstler, die wohl in der Groß- ftubt mit ihren permamente (permanenten) Kunst­ausstellungen in weiteren Kreisen bekannt und jedermann zugänglich sind, den Bewohnern der kleineren Städte und des Landes vorzuführen und darzubieten. Nähere Einzelheiten über diese Vaterländische Gedächtnis- Ausstellung von 1813, mit welcher auch eine Bücher- ausstellung verbunden ist, werden in der nächsten Nummer unseres Blattes bekanntgegeben werden.

* Lustiger Abend. Von Salzschlierf wird uns folgendes mitgeteilt: Gestern Abend trat zum ersten Male hier die Tiroler SängertruppeAlmen- rausch und Edelweiß" auf. Derartige Sängertruppen haben immer eine besondere Anziehungskraft und so hatte sich denn auch ein zahlreiches Publikum eingefunden, sodaß der Rathaussaal bis auf den letzten Platz besetzt war, trotzdem die Besucher derartiger Veranstaltungen in den letzen Jahren nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht haben. Der Truppe geht ein guter Ruf vor. aus, und überall, wo diese aufgetreten ist, sprechen die Zeitungen über ihre Leistungen lobende Anerkennung aus, denen wir uns nach dem gestrigen Auftreten nur an­schließen können. Schon bei der ersten Nummer des sehr reichhaltigen Programms merkte man, daß man eine erstklassige Truppe vor sich habe. Lobend hervor­gehoben werden müssen zunächst die gemeinsamen Gesänge, Gesang, Zitherspiel, Jodler und ab und zu dazwischen ein Schnalzer fanden dabei ein recht harmonisches Zusammenwirken. Wer ist wohl nicht ein Freund von einem steirischen Lied, und wer hört nicht gern.* die oberbayrischen Jodler? Ihm war Gelegenheit geboten, sich an den recht natürlichen Jodlern der schönen Annemirl, unterstützt von den prächtigen Altgesängen der Lieserl und dem herrlichen Zitherspiel der Monerl zu ergötzen. Ein Freund von Humor kommt voll und ganz auf seine Rechnung. Die humoristischen Vorträge des Herrn Direktors Hans Ziegler erregten durch die geschickte ungekünstelte Vortragsweise uud das urkomi­sche Minenspiel des Humoristen einen durchschlagenden Heiterkeitserfolg, daß manchem Besucher vor Lachen Tränen in den Augen standen. Auch seine nichts ver­letzenden Kalauer waren von großem Lacherfolg. Wer Liebhaber vom Zither- und Geigenspiel ist, fand Genugtuung in 2 Geigensolis mit Zitherbegleitung und 2 Zithersolis, die vomFranzerl" und.Monerl"

Jawohl, gnädiger Herr, das kann ich!"

Alles nach Wunsch ging dem Detektiv: Zeit hatte « nun bei der langsamen Fahrt noch genügend, den Bur­schen gehörig auszuhorchen, und sicher war ihm dessen Diskretion. Und künstlich griff er da wieder zurück auf» des Stallburschen Aeußerungen über das Mitnehmen: Na ja, bezüglich des Mitnehmens hat die Frau Ba­ronin vollständig recht: nicht jeder kann, ausgenommen Ihre Angehörigen, anständig sitzen in solch einem Wa­gen, beschmutzen würde man ihn und schließlich noch die Polster zerreißen. Nur feine Herrschaften gehören da hinein und deren Dienerschaft. Hab' ich nicht recht, jun« ger Freund?"

Jawohl, Herr."

Sehen Sie, und, nicht wahr, es kommen viele fremde Herren ins Schloß? Viele werden da abgeholt und auch wieder fortgefahren? Und auch heute holen Sie jemand ab?"

Nein, heute nicht, gnädiger Herr, heute habe ich in der Stadt nur etwas zu bestellen für die Frau Baronin. In den letzten Tagen habe ich, abgesehen von ein paar Verwandten, überhaupt keinen mehr abgeholt, aber frü­her, als der gnädige Herr Baron noch lebte, da ja, da kamen fremde Herren, und die wurden dann auch ab- geholt und auch wieder fortgefahren."

In diesem Wagen, oder auch in anderen?"

Jawohl, wenn's nur einer war, wurde er meistens in diesem Wagen gefahren, waren's aber mehrere, so kam ein größerer heran."

Auch der, in welchem der Herr Baron ermordet wurde?"

Jawohl, aber eben nur, wenn's mehrere Herren wa­ren."

Und nicht wahr, die Herren waren dann per Bahn angekommen?"

Stimmt so, gnädiger Herr, meistens warsn'S hohe Herren aus der großen Stadt," 197 18g