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Zchlüchtemer Zeitung

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

mit amtlichem Rreisblatt.

Telefon Nr. 65.

Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

3& 43.

Mittwoch, den 28. Mai 1913.

64. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 5379. Am 2. Juni d. Js. findet im Deutschen Reiche eine besondere Zahlung der Schweine statt. Die Zähleinheit ist wie bei der allgemeinen Vieh­zählung die viehbesitzende Haushaltung. Die näheren Bestimmungen enthalten die den Ortspolizeibehörden in den nächsten Tagen zugehenden Listenformulare C u. E Zählkarten werden nicht ausgegeben.

Die Ortspolizeibehörden ersuche ich, nach Maßgabe jener Bestimmungen im Interesse einer pünktlichen und ordnungsmäßigen Ausführung des Zählgeschäfts als­bald die erforderlichen Anordnungen zu treffen, ins­besondere die Zähler zu bestimmen, die Zählbezirkslisten rechtzeitig auszugeben und nach erfolgter Zählung die Gemeindelisten aufzustellen und mit den dortseits nach- zuprüfenden Zählbezirkslisten sofort, spätestens bis zum 5. Juni d. I. hierher einzureichen.

Schlüchtern, den 14. Mai 1913.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Wichtig für Gartenbesitzer.

Nach dem Bericht des Kreisgärtners tritt der amerikanische Stachelbeermehltau an verschiedenen Orten auf. Der Mehltau ist ein sehr rasch um sich greifender Pilz. Er befällt die Blätter, Triebe und Früchte des Stachelbeerstrauchs und überzieht sie mit einer zarten weißen mehligen (später kaffeebraunen ledrigen filzigen) Schicht und wird den Früchten sehr schädlich. Die befällenen Beeren verkümmern, platzen auf und fallen ab oder verderben durch hinzutretende Fäulnispilze. Zur Bekämpfung des Mehltaupilzes wendet man Kupservitriolkalkblühe oder Schweselkaliumbrühe an. Am schnellsten und besten wird der Mehltau beseitigt indem man die befallenen Sträucher schonungslos sofort ausgerodet und verbrennt. Die Gartenbesitzer des Kreises ersuche ich, ihre Stachelbeerbestände auf das Vorhandensein des Mehltaus zu untersuchen und beim Vorfinden des Pilzes mir alsbald kurze Mit­teilung zu machen. Wenn es gewünscht wird, werde ich den Kreisgärtner an Ort und Stelle senden.

Schlüchtern, den 27. Mai 1913.

________ Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 5041. Das diesjährige Aushebungsgeschäft für die Miliiärpflichtigen aus dem Kreise Schlüchtern findet am 6. und 7. Juni d. Js. im Saale desHess. Hofes,, hierselbst statt und beginnt um 9.30 Uhr vormittags.

Die Militärpflichtigen haben sich hierzu eine Stunde vor Beginn des Geschäfts, also um 8 30 Uhr, pünktlich einzufinden.

Militärpflichtige, welche ohne genügende Entschuldi­gung im Termin nicht erschienen, oder bei Aufruf ihres

MröoLene Afade.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 33

Karo, paß auf, rings holherum, immer ringsherum!" instruierte er mit kreisendem Arm seinen Hund, und dann stellte er sich dicht neben den Detektiv und fing an zu erzählen. , .

Aber derOnkel aus Brüssel" hatte fortwährend Zwl- schenfragen gehabt, und auch jetzt wieder fragte er, den Blick schmerzlich auf das Gras vor sich gerichtet, nur so obenhin:Nicht wahr, und die Frau Baronin war sehr unglücklich, als man ihr plötzlich die Nachricht überbrachte, der Herr Baron sei ermordet worden?"

O, Herr, o, gnädiger Herr, die soll gleich ganz weg gewesen sein, in OhnOhnmacht ist die gleich gefallen. Und der Herr Doktor mußte kommen noch in der Nacht. Viele Stunden hat sie gelegen ohne Besinnung; ja, so lag sie lange, und wie sie dann wieder zu sich gekom­men, und das Gericht und die Polizei da war, da wurde sie gleich wieder bewußtlos. Und keiner durfte reist ins Zimmer, nicht mal die Jungfer!"

Na ja," spann Herbert Balthasar weiter,so etwas ist nicht so einfach. So wär's mir auch bald ergangen, als ich von dem Doppelmorde in den Zeitungen gele­sen, als ich wußte, daß derjenige, der zusammen mit fei» MM Herrn gefallen war, mein Neffe sei."

Der Detektiv hatte eine kleine Pause gemacht, und nun tastete er vorsichtig weiter:Nun, und dann wurde es der armen Frau Baronin bald wieder besser?"

Bald nicht, gnädiger Herr, erst nach ein paar Ta­gen."

Hin, na ja, nach ein paar Tagen erst, an welchem Tage denn?"

O, das ist geiveseit, grad als sie den Mörder ge« fangen hatten. Das soll die gnädige FrguBaronin gleich jek - beruhigt haben."

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Nauiens nicht anwesend sind, haben eine Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen zu gewärtigen.

Die Eltern oder sonstigen Angehörigen von Militärpflichtigen zu deren Gunsten reklamiert worden ist, ebenso die über 14 Jahre alten Brüder und Schwestern der Reklamierten haben sich bei Meidung der Nichtberücksichtigung der Reklamation zur Feststellung ihrer Arbeits­fähigkeit im Aushebungstermin persönlich ein­zufinden.

Die Militärpflichtigen haben mit reinem Körper in sauberer Kleidung und in nüchternem Zustande zu erscheinen.

Wünsche hinsichtlich der Zuteilung zu einem bestimmten Truppenteil sind unter Anführung der Gründe spätestens im Aushebungstermtn bei dem Militärvorsitzenden der Oberersatz­kommission vorzubringen. Späterhin vorgebrachte Gesuche haben nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn die Gründe dazu erst nach der Aushebung eingetreten sind.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich diese Bekanntmachung wiederholt auf ortsübliche Weise zu veröffentlichen, und die Militärpflichtigen anzuweisen, ihre Losungsscheine mitzubringen und im Aushebungslokal abzugeben.

Die Herren Bürgermeister rc. haben, sofern aus ihren Gemeinden Militärpflichtige zur Vorstellung ge­langen, im Aushebungsgeschäft selbst anwesend zu sein, auch haben sie dafür Sorge zu tragen, daß die Eltern, sowie die über 14 Jahre alten Brüder und Schwestern der Reklamierten zur Stelle sind.

Die den Herren Bürgermeister rc. später noch zu­gehenden besonderen Vorladungen sind den Militär­pflichtigen gegen Empfangsbescheinigung auszuhändigen. Die Empfangsbescheinigungen sind bis spätestens zum 30. d. Mts. hierher einzureichen.

Schlüchtern, den 15. Mai 1913.

Der Zivilvorsitzende der Ersatzkommission des AushebungsbezirksSchlüchtern

Valentiner.

J.-Nr. 5923. Die Herren Bürgermeister in Soden, Altengronau, Breitenbach, Gundhelm, Hohenzell, Hütten, Klosterhöfe, Moltgers, Oberkalbach, Oberzell, Seidenroth, Ulmbach, Uttrichshausen, Wallroth und Weichersbach werden an die umgehende Erledigung meiner Ver­fügung vom 6. November 1910 I. Nr. 12955, (Kreis- blatt Nr. 47) die Schulunterhaltungskosten be. treffend, nochmals erinnert-

Schlüchtern, den 26. Mai 1913.

Der Königliche Landrat: I. V.: Schultheis.

Balthasar vom Stein aufgesprungen und hätte mit aus­gebreiteten Armen der Vorsehung gedankt, daß sie ihm einen neuen Fingerzeig gegeben hatte in dieser geheim­nisvollen Sache. Ja, wahrhaftig, ein neues Gliedlein zu der Kette, die er schmieden wollte, war ihm soeben in den Schoß gefallen. Wie reihte sich das doch prächtig an die anderen.

Nun hatte er, in umgekehrtem Verhältnis zu der auf ihn eingedrungenen Erkenntnis, der Reihe nach: den stundenlangen Ohnmachtsanfall der Baronin bei der Nachricht von der Tat, die Wiederholung beim Eintreffen des Untersuchungsrichters und der Polizei, de­ren plötzliche Besserung nach der Festnahme des Polen, die veränderte Behandlung der Dienstboten, seine Ein­ladung ins Schloß, und dann gestern den Kranz mit der Widmung. Bei Gott, aufjubeln hätte er mögen, wenn­gleich auch noch so unendlich viele Glieder in der Kette fehlten. Aber er mußte sich beherrschen, mußte weiter den Onkel aus Brüssel" spielen.

Und so pflichtete er, wie nach einer natürlichen Rede­pause, in scheinbarem Schmerze dem Schäfer wieder bei: Nun, das ist doch die größte Genugtuung, die einem je werden kann, wenn derjenige, der einem auf ruchlose Art das Allerliebste raubte, plötzlich in die Hände der Gerechtigkeit fällt. Das hilft einem wieder auf, obgleich man ganz zu Boden geschmettert ist vom Schmerze. Das ist's ja auch, was mir hier Kraft gibt, ein paar Schntte in die schöne Natur zu tun."

Karo! Karo!" schrie auf einmal der Schäfer. Karo

hol' heran!"

Aber der Karo konnte die Schafherde nicht mehr im Zaune halten, wiewohl er auch eifrig bellte und mit flet­schendem Zahn dazwischenfuhr. Immer weiter walzte sich der zottige, duftende Hause ins Feld hinein.

Und da hielt es auch den Schäfer nicht länger.

Na, denn adieu, gnädiger Herr, und meinen Dank auch und mein Beileid nochmal!" lüftete er hastig seine

Mütze. ______

Bekanntmachung.

Das 2. Kurhessische Feldartillerie-Regiment Nr. 47 Fulda nimmt zum Oktober 1913 noch Zweijährig- Freiwillige an.

Junge Leute, die im Besitze eines gültigen Melde­scheines sind, können sich Mittwochs und Freitags bis 10 Uhr vorm. auf dem Geschäftszimmer des Regiments zur ärztlichen Untersuchung melden. Schneider, Schuh­macher, Sattler, Köche, Schreiner, Buchbinder, Land­wirte, Gärtner, Schlosser, Schmiede, Schreiber u.s.w. werden bei der Annahme bevorzugt.

Der Meldeschein ist beim Landrat zu erbitten.

Hierzu ist erforderlich:

1. eine Geburtsurkunde,

2. eine schriftliche Einwilligung des Vaters ob« des gesetzlichen Vertreters,

3. eine vom Bürgermeister auszustellende Be­scheinigung, daß der sich Meldende durch Zivilverhältnisse nicht gebunden ist und sich untadelhaft geführt hat.

Leute, die bereits vorgemustert und für tauglich be­funden worden sind, können nicht mehr vom Regiment angenommen werden.

Königliches Regiments-Kommando.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat den Prinzen Ernst August zum Rittmeister befördert.

Die Vermählungsfeierlichkeiten im Kaiserhause haben nach dem glänzenden Empfange aller fürstlichen Hochzeitsgäste mit gegenseitigen Besuchen der Fürstlich­keiten, festlichen Banketten sowie einer glänzenden Galaoper ihren Fortgang genommen und am Sonnabend in der standesamtlichen und kirchlichen Trauung des Brautpaares ihren Höhepunkt erreicht. Die lebhafte Anteilnahme der Berliner Bevölkerung zeugte von der herzlichen Liebe und Verehrung, die man dem Braut­paare und dem ganzen Kaiserhause entgegenbringt. Zahllose kostbare und sinnige Geschenke suchten den sichtbaren Beweis für diese innige Zuneigung zu liefern. Mit herzlicher Freude wurden aber auch alle fürstlichen Hochzeitsgäste bei ihrer Ankunft wie bei ihren wieder­holten Fahrten durch die Stadt begrüßt. Die in- und ausländische Presse ist überzeugt davon, daß schon die Anwesenheit so hoher Persönlichkeiten wie des Kaisers von Rußland und des Königs von England eine hohe Bedeutung weit über den Rahmen des rein Persönlichen habe und ihr Gutes für die Verständigung der Völker wirken müsse. Bemerkenswert sind in dieser Hinsicht vor allem die Worte, die König Georg von England in seiner Ansprache an die Deputation der Berliner britischen Kolonie richtete. Er sagte u. a.: Durch

Und dann noch im Davoneilen stadtwärtS auf den Weg zeigend:Dort, dort sehen Sie den großen Baum, Herr, da ist's gewesen mit Ihrem Neffen und dem Herrn Baron! Tausend Schritte sind's wohl noch!"

Danke, danke!" rief der Detektiv ihm nach.

So nun war Herbert Balthasar wieder allein, er griff, da der Schäfer ihn nicht mehr sehen konnte, tüch. tig aus, und auf einmal war er an der Stelle, die ihm jener als Tatort bezeichnet hatte.

Da nahm er flugS die blaue Brille von der Nase, und sein Auge musterte scharf zuerst die nächsten Bäume. Und dann auf einmal bückte er sich zur Erde und suchte Mit unbewaffnetem Auge den Boden ringsum ab..

Ja, da waren wider Erwarten noch ziemlich deut­lich die Spuren eingeprägt, die zur Festnahme Wenzel Koczmierskis geführt hatten. Hm, das war immerhin sehr viel, aber wiederum auch verdammt wenig. Absuchen den Boden aufs genaueste mit der Lupe? O nein, das war nicht nötig, denn was hier zu sehen war, sah er auch mit dem bloßen Auge. Ja, das hatte sein geisti­ges Auge schon längst geschaut. Nicht das Auge allein tat's, sondern auch das Hirn vornehmlich das Hirn/ Das mußte arbeiten, denken, das geheimnisvolle Ding zerfleischen, noch ehe das Auge etwas davon sah. Nur bestätigen sollte das Auge zu guter Letzt.

Der Detektiv setzte seine Brille miedet auf, lehnte sich an den großen Baum und vertiefte sich in Gedanken. Regungslos, die Arme auf der Brust verschränkt und das Haupt ein wenig geneigt, stand er nun da, und nur der hin und wieder pendelnde Stock in seiner Rechten zeigte, daß Leben in ihm sei.

Nur etwa zehn Minuten hatte er so dagestanden, als er aus seinem Brüten plötzlich aufgeschreckt wurde: etwa hundert Meter entfernt kam vom Schlosse her ein leich­tes Gefährt angeklappert. Teufel noch mal, wer sollte das sein? Etwa die Baronin, die ihm schon nachstellte? Ein herrschaftliches Gefährt war'S, daS sah er auch durch seine Brille. _ .. 197^8*