Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Ureisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
M 4L Mittwoch, den 21. Mai 1913. 64. Jahrgang.
Amtliches.
Haus- und Grundstücks - Verkauf.
Der Kreis beabsichtigt, das Kreisbaumschulgrund- stück nebst Gärtnerhaus zu verkaufen. Das Grundstück grenzt an die Gemarkungen Schlüchtern und Herolz, liegt direkt an der Landstraße Schlüchtern—Herolz und ist daher ohne weiteres Baugelände. Um dem kleinen Handwerker und Arbeiter die Möglichkeit zu bieten, sich ein eigenes Heim zu gründen, soll das ganze Kreis- baumschulgelände in Parzellen von 12—15 Ar Größe geteilt und diese als Bauplätze zum möglichst billigen Preise abgegeben werden. Das Kaufgeld kann zu einem geringen Zinsfuß und geringem Abtrag und auf Wunsch ohne jegliche Anzahlung lediglich gegen Sicherheitshypothek stehen bleiben. Außerdem erhält jeder Käufer, sobald er die Fläche bebaut hat, 10—12 gute junge Obstbäumchen unentgeltlich, auch werden die zum Hausbau erforderlichen Zeichnungen vom Kreisbauamt kostenlos angefertigt.
Kaufliebhaber, welche von dieser günstigen Gelegenheit Gebrauch zu machen beabsichtigen, wollen sich bei dem Unterzeichneten oder im Kreis - Ausschußbureau melden.
Kaufangebote, welche sich auf das ganze Grundstück beziehen, können gleichfalls Berücksichtigung finden.
Schlüchtern, den 20. Mai 1913.
Der Vorsitzende des Kreis - Ausschusses : 2788 K.-A. Valenttner.
J.-Nr. 1982. K. A. An die Gemeindevorstände der Landgemeinden.
An Kreisbeihülfeu zur Deckung der Kosten für die Unterhaltung der ländlichen Fortbildungsschulen für 1912 sind angewiesen worden:
1.
Der
Gemeinde
Ahl
8,21
Mark.
2.
II
//
Ahlersbach
17,06
//
3.
//
Altengronau
34,12
//
4.
//
Bellings
22,11
5.
//
//
Breitenbach
27,79
6.
//
Breunings
24,01
7.
II
//
Elm
66,34
8.
r/
//
Guudhelm
31,60
9.
,/
//
Herolz
22,75
//
10.
z,
//
Heubach
32,22
w
11.
ii
II
Hinterstem«»
24,01
//
12.
//
"
Hohenzell
21,48
//
13.
//
//
Hütten
25,27
//
14.
//
//
Jossa
32,22
w
15.
//
II
Kerbersdorf
22,75
II
16.
ii
//
Klosterhöfe
21,48
//
17.
//
Kressenbach
21,48
//
Feröotene Ffade.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 31
„Ich werde Ihnen nichts in den Weg legen," sagte ziemlich kühl endlich der Kommissar, „im Gegenteil, wenn Sie meiner Hilfe bedürfen sollten, werde ich Sie unterstützen, wie es meine Pflicht erheischt. Niemand soll hier erfahren, wer Sie sind, Sie bleiben eben immer nur der „Onkel aus Brüssel!"
„Ich danke Ihnen vielmals, Herr Kommissar, aber bitte, grollen Sie mir nicht, wenn ich wirklich zu einem anderen Resultate gelangen sollte, als Sie!"
„I, wo werd' ich doch, Herr Balthasar, ich wünsche Ihnen sogar viel Glück dazu!"
Der Kommissar hatte, wenn auch mit innerem Widerstreben, dem Privatdetektiv die Hand gereicht, und war dann hinter der Schloßmauer verschwunden.
Herbert Balthasar setzte nun seinen Weg fort zu der kleinen, etwa noch vierhundert Meter entfernten Schenke, in der er sich eingemietet hatte. Ja, ja, nun war's wie-" der nicht recht, daß er den Herren in den Kram paßte. Aber danken würden sie es ihm zu guter Letzt, danken dafür, daß er Wenzel Koczmierski ihren Händen entriß und ihnen anstatt seiner einen — oder vielleicht auch mehrere andere zuführte. Ha, er brauchte keinen Hund, viel weniger zwei — wie die da im Schlosse —, spüren wollte er schon selber. Witterung hatte er bereits ein wenig genommen, und morgen sollten seine Fühler weiter tasten — tasten den Weg entlang, der zum „Tatort" führte. —
Herbert Balthasar war an der Schenke angelangt, und er begab sich gleich auf sein Zimmer, das, gänzlich fern dein Wohn- und Schlafraum seiner Wirtsleute, zu ebener Erde gartenwärts belegen war.
. Drinnen mußte er sofort Licht machen, denn es Kar mittlerweile dunkel geworden. Schnell trat er dann "vor den kleinen Spiegel, um sich zu überzeugen, ob an „Onkel Mt»r" noch alle« in Ordnung sei.
18. Der
Gemeinde Marjoß
32,22 Mark.
19. „
„ Mottgers
32,22 „
20. „
„ Neuengronau
25,27 „
21. „
„ Niederzell
22,75 „
22. „
„ Oberkalbach
32,22 „
23. „
„ Oberzell
33,49 „
24- „
„ Reinhards
22,75 „
25. „
„ Romsthal
22,75 „
26. „
„ Sannerz
22,75 „
27. „
„ Sarrod
22,75 „
28. „
„ Schwarzenfels
32,22 „
29. „
„ Seidenroth
21,48 „
30. „
„ Sterbfritz
44,86 „
31. „
„ liegen
22,75 „
32. „
„ Ulmbach
22,75 „
33. „
„ Uttrichshausen
34,12 „
34. „
„ Vollmerz
21,48 „
35. „
„ Wallroth
32,22 „
36. „
„ Weichersbach
32,22 „
37. „
„ Weiperz
21,48 „
38. „
„ Züntersbach
32,22 „
Die
Beträge sind bei der Kreiskommunalkasse als-
bald zu erheben.
Schlüchtern, den 9. Mai 1913.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:
Valentiner.
Deutsches Reich.
— Die preußischen Landtagswahlen. Bis zum Montag mittag lagen in Berlin die Endergebnisse der Wahlmännerwahl von 276 Wahlkreisen vor. Danach sind 393 Abgeordnete als gewählt anzusehen und 50 Stichwahlen sind erforderlich. Bisher sind gewählt: 141 Konservative, 48 Freikonservative, 57 Nationalliberale, 25 Volkspartei, 101 Zentrum, 12 Polen, 2 Dänen, 7 Sozialdemokraten. An den 50, Stichwahlen beteiligen sich 21 Konservative, 14 Freikonservative, 23 Nationalliberale, 14 Volkspartei, 6 Zentrum, 1 Pole, 1 Bund der Landwirte, 1 Deutsch-Sozialer, 19 Sozialdemokraten. Die Konservativen gewinnen 7 und verlieren 10, die Freikonservativen gewinnen 1 und verlieren 5, die Nationalliberalen gewinnen 8 und verlieren 4, die Volkspartei gewinnt 4 und verliert 5, das Zentrum gewinnt und verliert 4, die Sozialdemokraten gewinnen 1, die Polen verlieren 2.
— Zur Vermählung der Prinzessin Viktoria Margarete mit dem Prinzen Heinrich XXXIII. Reuß j. L. ist in Berlin eine große Zahl von Fürstlichkeiten eingetroffen, u. a. der Fürst Reuß j. L., der gleichzeitig seinen Antrittsbesuch am Berliner Hof macht, mit dem Erbprinzen Reuß j. L. und der Prinzessin Viktoria Feodora Reuß j. L. Ferner trafen ein Prinzessin Heinrich VII. Reuß j. L, Prinzessin Heinrich XXXII.
Ja, es saß noch alles fest an seinem Körper — und kleidete ihn auch. Das graue Haupt- und Barthaar, die blaue Brille, das runde Bäuchlein: ganz der sich emporgearbeitete Mann. Ja, die Brille deutete darauf hin, daß „Onkel Küster" früher nicht nur mit den Händen, sondern auch mit den Augen gearbeitet hatte, daß sie hineingesehen hatten in die Folianten, bis ihnen das Sehen vergangen war.
Der Detektiv machte sich nun, in der Erwartung, seine Wirtin werde ihm den noch ausstehenden Nachmittagskaffee hereinbringen, im Zimmer ein wenig zu schaffen, allein bei ersehnte braune Trank kam nicht.
„Nun, um so besser," murmelte da Herbert Balthasar, „um so besser, daß man sich hier um mich gar nicht kümmert!"
Er begab sich nach der Schenke, und als er da niemand vorfand, direkt nach der Küche. Was er hier fand, war wohl verlockender Kaffeeduft, aber imnier noch keine Wirtin.
Da trat er denn in den kleinen Hof hinaus: „Frau Kohlmann! — Herr Kohlmann!"
Und siehe da — aus dem Kuhstall kamen die braven Leutchen angelaufen, und die wackelnde Wirtin fand der Selbstvorwürfe nicht genug: „Herr Jeses, Herr Jeses, unser Herre hat ja noch keinen Kaffee, und hat doch all soviel Schmerz um seinen armen Neffen! Vater, Vater, worum hast Du mich denn das nicht gesagt!" Und mit einem Male war sie in der Küche an der großen Kaffeekanne, die sich in der heißen Röhre gewärmt hatte, und der „Vater" kam schon mit einem Körbchen voll harter Semmeln aus der Schenkstube gestürzt: „Nehmen's man nicht übel, Herr, das soll nicht wieder vorkommen!"
„Aber lieberHerrKohlmann, wo werd'ich doch! Nein, nein, lassen Sie sich auch für die Zukunft nur nicht stören in Hof und Garten, das geht vor, ich kann mich schon melden, wenn ich etwas brauche! Denn für meine Nerven und für meinen Kummer ist's nur gut, wenn die Beine ein bißchen in Bewegung sind!"
„Na, na, denn ist man gut!" freute sich die Schenk- Um '"--«)r-rrr?>^g**»^r^»^2^^'*ÖMf^ 5*
Reuß, Prinz und Prinzessin Heinrich XXXIV. Reuß und Prinz Heim ich XXXV. Reuß, der Großherzog uud die Großherzogin von Sachsen, Prinzessin Heinrich XVIII. Reuß, Herzogin zu Mecklenburg, Fürst Stolberg-Wernigerode, Herzog und Herzogin zu Schleswig-Holstein, Herzog und Herzogin von Anhalt und Prinz Heinrich XXXVI. Reuß. Bei dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold fand auf Schloß Glienicke eine Familientafel statt.
— Die Ausstattung der Prinzessin Viktoria Luise ist ausschließlich in Deutschland hergestellt worden. Ein Teil der Möbel wird von einer großen Münchener Firma geliefert. Die Kleider sind in Berlin und in einigen anderen großen Städten, die Pelze meist in Berlin bestellt worden. Die Wäsche wird ausschließlich in Berlin bestellt. Die Brautschleppe ist bereits im Neuen Palais abgeliefert worden. Die vier Meter lange uud zwei Meter breite Schleppe besteht aus echtem, in Krefeld hergestelltem, sehr kostbarem Silbor- ^^'i und stellt eine Ranke von Myrthen- und Orangenblüten dar. Brautschleier, Brauttaschentuch und die Spitzen zu dem Brautkleid sind Handarbeiten der schlesischen Spitzenkunst und von Hunderten von Spitzenarbeill rinnen im Riesengebirge in monatelanger Arbeit vollendet. Das Muster des Schleiers ist die Nachbildung eines alten, geklöppelten Schleiers aus dem Besitze der Kaiserin.
— Die Wahlmännerwahlen zum preußischen Abge- ordnetenhause haben nach den bisher vorliegenden Ergebnissen an der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses gut wie nichts geändert.
— Das Kommando des Kronprinzen als Kommandeur des ersten Leib-Husarenregiments in Danzig« Lanafuhr, das anfangs zwei Jahre dauern sollte, wird verlängert werden. Zunächst dürfte es als bestimmt gelten, daß der Kronprinz im Herbst d. I. die Führung der ersten Leibhusaren noch nicht abgeben wird. Der Kronprinz ist mehr und mehr mit feinem Regiment verwachsen, und die Bedingungen für den Aufenthalt des kronprinzlichen Paares in Dar zig-Langfuhr haben sich im Laufe der Zeit derart angenehm gestaltet, daß sie günstiger kaum noch gewünscht werden können.
— Die Kaiser-Wilhelm-Stistung für erwachsene Beamtentöchter soll anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers um eine reiche Ehrdn» gäbe vermehrt werden. Soeben ist hierüber ein von sämtlichen preußischen Staatsministern unterzeichneter Ausruf den höheren und mittleren Staatsbeamten aller Ressorts zugegangen. Die Stiftung wurde bei der goldenen Hochzeit Wilhelms I. durch Sammlungen unter den Staatsbeamten aller Behörden und durch eine reiche Spende aus der Schatulle des Kaisees ins
wirtin, die eben aus der offenen Küche trat, in den Händen das Tablett mit dem-warmgestellten, noch dampfenden Kaffee.
Herbert Balthasar griff nach Tablett und Semmelkörbchen, und ehe stch's seine Wirtsleute noch versahen, war er damit in seinem Zimmer verschwunden.
Dort saß er dann, schlürfte den dünnen, braunen Trank und schmiedete Pläne für den kommenden Tag.
12. Kapitel.
„Die Sonne scheint so schön, Frau Kohlmann," streckte „Onkel Küster" am andern Morgen seinen grauen Kopf durch die Küchentürspalte, „und da will ich einmal einen ungestörten Spaziergana machen. Um zweites Frühstück und Mittag sorgen Sie sich heute meinetwegen nicht, denn ich weiß nicht, wann ich wiederkomme. Es ist möglich, daß mich meine Beine sogar bis zum Städtchen tragen, und da wird man dann wohl für mich einen kleinen Bissen übrig haben."
„Oh, Herre, — Herr Küster, das tut mich wirklich leid, daß Sie so lange wegbleiben wollen heute von uns!" bedauerte aufrichtig und mit treuem Blick Frau Kohlmann. „Na, aber wenn Sie's so wollen, dann kann ich nichts für, aber der Himmel schenk' Ihnen denn man wenigstens Sonnenschein den ganzen Tag."
„Ich danke Ihnen, Frau Kohlmann."
„Ja, ach ja, aber da will ich Ihnen noch sagen, Herre: da kommen Sie ja grad' vorbei an die böse Stelle, wo Ihr seliger Neffe umgebracht worden ist. Passen Sie man ganz genau auf, wo der große Baum steht rechts am Weg, da ist's gewesen; wohl viertausend lange Schritt soll's weg sein von hier. Da werden Sie sich daS auch wohl noch mit ansehen?"
Diese absichtlich unerbetene Orientierung kam dem Detektiv wie gerufen, nun brauchte er draußen nicht erst lange herumzutasten. Er war der Frau für diesen Dienst sehr dankbar, aber nur kurz erwiderte er: „Ja, ja, daS werde ich noch tun. Und nun adieu einstweilen l"
„Adieu, Herre!" 197,18*