ZchlüchlernerMung
mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 6$. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raunt 12 pfg.
M 38.
Samstag, den 10. Mai 1913.
64. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 4612. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, innerhalb 5 Tagen anzuzeigen, ob und welche Wandertage r im Rechnungsjahre 1912 vecsteuert worden sind. Dabei ist gleichzeitig der Steuerbetrag und weiter anzugeben, in welchen Gewerbesteuerklassen die betreffenden Personen oder Firmen für 1912 veranlagt waren.
Fehlanzeige ist nicht ersmderlich.
Schlächtern, den 3. Mai 1913.
Der Königliche Landrat. I. B.: Schultheis.
Pfingsten.
Willkommen, Fest der Pfingsten,
Im wunderschönen Mai;
Du bringst dem Walde neues Grün, Du läßt die Blumen wieder blühn. Und unter deinem warmen Hauch Regt's sich in jedem Busch und Strauch, Drum sei gegrüßt.
Du bringst der schönen Gaben, •
Des Segens noch viel mehr!
Du bringst der stillen Jüngerschar, Was ihr vom Herrn verheißen war; Den heiligen Geist, den Tröster wert, Nach welchem jedes Herz begehrt, Den bringst du uns.
Und grünen auch die Felder,
Und blühet auch die Flur:
Du zeigst uns eine schönste Au, Benetzt mit Regen und mit Tau; Te.. Garten Gottes, fest umhegt.
— Der Herr der Gärtner, der ihn pflegt, — Den zeigst du uns.
Willkommen Fest der Pfingsten,/
Im wunderschönen Mai; /
Es grünt und blühet um uns I«, Doch in uns grünt's und blüht/ noch mehr;
Da draußen tausendstimmiger Sang, Doch in uns noch viel heller Klang, O schönes gest-/__
■n.
der Christenheit er- Blütenreichtum der nd laden zur frommen tmacht. Zuglerch ist stlichen Kirche. Jener lt in Erinnerung, da h, und die Apostel
Ierbotere Ufade.
Kriminalroman wn Otto Viehofer. 28
Seine Eltern waren schoffrüh gestorben, und ihnen in den Tod gefolgt waren auch hlb die Geschwister. Nur ein einziger, recht" behäbiger, bebillter älterer Herr mit graumeliertem Vollbart undHauHaar folgte, zusammen mit dem Geistlichen, bem Sarge Schwergebeugt schritt er neben dem Pfarrer, dem er ich als Rentier Küster vorgestellt hatte, einher, und setzt dem in gedämpftem, feierlichem Tone seine und des Ermordeten Familienverhält- nisse auseinander. Er wäre ei Onkel des Verstorbenen erzählte er, und sei in Brüssel, er Hauptstadt Belgiens, ansässig Auch er sei in jungt Jahren nur ein armer Schlucker gewesen, hätte sich jwch durch steten Fleiß, ungeheure Energie und Umsir emporgearbeitet und lebte eben jetzt in den angenehen Verhältnissen eines Rentiers Er sei, obwohl kerndersch sowohl von Geburt als auch von Gesinnung, dem duschen Vaterlande leider viele Jahre fern gewesen, w habe seine deutsche Reichsangehörigkeit durch Eintcaurg in die Matrikel beim deutschen Konsul in Brüss schon mehrmals erneuern müssen, da man ja bekaunich nach zehnjähriger ununterbrochener Abwesenheit an dem Vaterlande die Staatsangehörigkeit verliere. Unio wolle er nun, da er einmal hier sei, die Gelegenheit gärig ausnutzen, und die ländliche Einsamkeit in dieseutilleu Winkel seines geliebten Vaterlandes längere Zerenießen. Seme vom harten Ringen und dem Getöse deöroßstadt hart mitgenommenen Nerven wolle er Hievieder stählen. Familie hätte er nicht, er sei Junggese. Und obwohl er mit dem Ermordeten seit dessen Kdheit fast gar nicht In persönliche Berührung gekomuu sondern nur durch ehr spärlichen Briefwechsel mit ihnn Verbindung ge- tanben, so war er ihm, da er stetsin braver Junge jewesen, doch sehr aus Herz gewachseand Friedrich hatte hn auch einmal beerben sollen. Aldings ganz unver-
plötzlich mit neuen Zungen redeten. Seitdem hat der Geist der christlichen Religion seinen unaufhaltsamen Siegeszug gehalten. Der Glaube an den Gott, der durch Christi Geist wirken will, hat ja Ströme von Märtyrerblut gezeitigt, aber immer ist es wie eine Aussaat für die Kirche gewesen. Der Glaube hat an dem Gebetswunsche des Pfingstpsalmes festgehalten: „Tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und der freudige Geist erhalte mich!"
Was beim Engelsange der Weihnacht dämmernde, harrende Erwartung, was am offenen Ostergrabe lebendige Hoffnung, was aus dem Berge der Himmelfahrt froher Glaube war, das ist nun selige, unumstößliche Gewißheit geworden, die niemand erschüttern, niemand rauben kann. Der Geist ist unser, der Geist der Kraft, die den Tod und die Welt überwindet, der Geist der Klarheit, die das Dunkel durchlichtet und die Zukunft hell macht, der Geist der Kindlichkeit, die fest am Vater hängt und ihres Heimatsrechtes sicher ist. Zu bedauert' ist der Armselige, der von diesem Geiste keinen Hauch verspürt, der in dem Wahne lebt, ohne ihn fertig und froh werden zu können. Er geht blind und blöde, mit verbundenen und verhaltenen Augen durch die Pracht der Lenzwelt; aus den Blumensternen und den Blütenaugen grüßen ihm des Todes Boten und Zeichen entgegen, und mitten in der sonnendurch- glühten Lenzmilde umweht ihn eisiger Frostschauer des Grabes. Der Menschengeist allein vermag uns nicht über uns selbst hinwegzuheben; seine Schwingen werden durch die bleierne Schwere des Menschentums immer wieder erdwärts gezogen, und wenn sie ihn wirklich illnansiraaen üfierJb'stt Dunstkreis des Irdischen,—dann verliert er sich wirr und irre in der Unendlichkeit. Der Pfingstgeist hat uns erst zukunftsklar, wegsicher, himmels- heimisch gemacht, uns Ziel und Richtung gewiesen und hat die Menschheit sich wiederfinden lassen im Sonnenlichte des Glaubens.
Pfingstgedanken haben etwas Tröstliches für alle Zeit. Dem vielen menschlichen Irren und Tasten gegenüber steht der Geist der Wahrheit und Klarheit. Wer davon durchdrungen ist, dem sind Welt- und Menschengeschicke nicht bloß die dunklen, rätselhaften Labyrinthe eines blinden Zufalls, und die Verse des Eichendorffschen Morgengebets finden im Herzen einen mächtigen Widerhall,:
Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
Will ich, ein Pilger, froh bereit,
Betreten nur wie eine Brücke
Zu dir, Herr, überm Strom der Zeit.
In die Unruhe unserer Tage soll Pfingsten den Geist des Friedens tragen; ein stilles Sichgeborgen- wissen trotz aller Sorgen und Nöte, das ist eine herr
hofft, denn der Verstorbene hätte von dem Reichtum seines Onkels gar keine Ahnung gehabt, für ihn wäre der Onkel in Brüssel immer noch der arme Schlucker von einst gewesen. Und er glaube auch nicht, daß Friedrich mit ihm hier viel Aufheben gemacht habe, ja, er nehme an, daß er es nicht einmal für nötig befunden habe, seines Onkels überhaupt, auch nur zu erwähnen. Und er, Küster, habees nuralleindemUmstande,daßereinedeutsche äeituug lese, zu verdanken, daß er von dem grausigen
nde seines Neffen erfahren.
Diese Mitteilungen des alten Herrn hatten den Pfarrer aufs angenehmste berührt, und er sprach ihm denn auch für dessen väterliches Mitgefühl dem Toten gegenüber seine Anerkennung aus.
„Und wo, mein verehrter Herr, haben Sie denn Wohnung genommen?" fragte der Pfarrer, als der Zug den halben Weg zum Kirchhof bereits hinter sich hatte.
„Ich mietete mich bei dem Gastwirt Kohlmann da unten ein, Herr Pfarrer."
„Nun, würden Sie da nicht lieber zu mir übersiedeln, Herr Köster? Ich wohne gleich im nächsten Dorf. Solch freundliche, christliche Herren wie Sie sind mir stets willkommen. Ich würde Ihnen ein gemütliches Zimmer einräumen lassen, und an der nötigen Bedienung sollte es nicht fehlen.
„Sie könnten somit bei mir Ihre Tage doch bedeutend angenehmer verbringen als hier in dem kleinen, ungemütlichen Gasthause."
„Ich danke Ihnen von Herzen für das freundliche Anerbieten, Herr Pfarrer, bebaute aber, davon keinen Gebrauch machen zu sönnen. Ich will die paar Wochen, oder auch vielleicht Monate, ganz und gar für mich leben, mit niemandem in Berührung kommen, um meinen Nerven so die Möglichkeit einer vollen Gesundung zu geben. Und das Stäbchen, das man mir hier im Gast-- Hause einräumte, istsoganzdazu angetan. Niemand stört mich da, denn der Gastwirt und seine Frau sind sehr ruhige, alte Leute, die vorzugsweise ihrer Hof-und Feld- |
liche Schutzwehr im Leben. Und unwillkürlich wird dann auch der Geist der Liebe und der Zucht und der Geist des Glaubens walten. Wo man Pfingsten von ganzem Herzen erfahren und ergriffen hat, da hält man es mit dem frommen Dichter Spitta:
Es ist ein frei Geständnis
In dieser unser Zeit,
Ein offenes Bekenntnis
Bei allem Widerstreit,
Trotz aller Feinde Toben,
Trotz allem Heidentum
Zu preisen und zu loben
Das Evangelium.
Möchte der Pfingstgeist allen treuen Christen eine rechte Stärkung bedeuten! Es soll ja gleich Weihnachten und Ostern eine fröhliche, selige, gnadenbringende Zeit sein; und nicht bloß für die paar Feiertage, sondern für das ganze, vielbewegte Arbeits- und Alltagsleben möge die beglückende Losung in Kraft bleiben:
Christ, unser Meister, Heiligt die Geister.
Freue dich, freue dich, o Christenheit!
Deutsches Reich.
—- Das preußische Herrenhaus nahm am Sonnabend ohne wesentliche Debatte die Ostmarkenvorlage an. Bei der Uebersicht über die Ausbildung und Fortbildung von Jugendpflege'n im Jahre 1912 wandle sich der Berichterstatter General Freiherr von Bissing scharf geger bte Jugendfengerei der Sozialdemokratin Debattelos wurde der Gesetzentwurf betreffend Abänderung von Zusammenlegungs- und Gemeinheitsteilungsgesetzen genehmigt. Die Vorlage zwecks Förderung der Landeskultur und der inneren Kolonisation rief eine lebhafte Aussprache hervor, in der namentlich der Graf zu Rantzau sich als Großgrundbesitzer sehr warm für die innere Kolonisation erklärte und der Unterstaatssekretär Dr. Küster den Regierungsstandpunkt darlegte. Schließ» lich wurde die Vorlage mit einer Resolution des Fürsten zu Jnn- und Knyphausen angenommen. Sodann nahm das Haus den Entwurf eines Eisenbahnanleihegesetzes an und erledigte mehrere Petitionen. Am Montag ermächtigte das Haus seinen Präsidenten, dem Kronprinzen zum Geburtstage die Glückwünsche des Hauses auszusprechen. Dann wurde der Gesetzentwurf betr. die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahnen nach dem Anträge des Berichterstatters von Heydebreck nebst zwei Resolutionen angenommen. Der Eisenbahnminister von Breitenbach erklärte, die Elektrisierung der in Betracht kommenden Strecken habe mit der Elektrisierung der preußischen Staatsbahnen nichts
arbeit nachgehen; das bißchen Ausschenken und meine kaum nennenswerte Bedienung besorgen die Leutchen nur so nebenher. Sehen Sie, Herr Pfarrer, nicht nur Ihre geschätzte Gastfreundschaft war ich gezwungen auszuschla- gen, sondern auch die der Schloßherrin hier, der Frau Baronin von Paltzow. Als sie nämlich gehört, daß ich hier angekommen sei und längere Zeit verweilen wolle an der "Stätte, da mein seliger Neffe einhergewandelt, schickte sie sofort den Diener zu mir und ließ mir sagen, sie würde sich sehr freuen, den Anverwandten des seiner Herrschaft allezeit treu ergebenen Kutschers unter ihrem Dache beherbergen zu können. Natürlich, Herr Pfarrer, war zu meinem größten Bedauern mein Ablehnungsgrund derselbe wie bei Ihnen."
„Ja, die Frau Baronin hat ein gutes Herz," sagte der Pfarrer, „wenngleich sie auch jetzt, nach der grauenvollen Tat, mit ihrem Personal etwas rigoroser verfährt als früher. Letzteres ist ja nur zu erklärlich, denn der- jenige, welcher ihr den Gemahl raubte, war eben ein Mitglied dieses Personals gewesen; doch hegt sie gegen die Leute eine starke Antipathie, und nur dem treuen, braven Kutscher Friedrich bewahrt sie ein Andenken übers . Grab hinaus."
„Ganz recht, Herr Pfarrer, und ich bedaure nochmals, der gnädigen Frau Baronin und auch Ihnen mich so geben zu müssen, wie es meinem innersten Herzen widerstrebt. Aber der Verstand muß auch hier wieder den Vortritt haben vor dem Herzen — und hoffentlich wird man mir beiderseits das nicht verübeln."
Der Pfarrer schwieg, denn der Leichenzug hatte be« reits das offene Grab erreicht.
Was sich da nun abspielte, war herzergreifend: baS langsame Herabsenken des mit Kränzen reich beladenen Sarges in die Gruft, der schwarze Gürtel der Leidtragenden, und inmitten desselben als Gegenstück ein einziger Verwandter des Entschlafenen, der alte, würdige } Herr mit dem entblößten grauen Haupte. 197,18*.