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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. Gs. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M L5. Mittwoch, den 30. April 1913. 64. Jahrgang.

Amtliches.

Kreis-Viehversicherungs-Attstalt.

Nach Prüfung der vorläufigen Abschlußergebnisse für das Rechnungsjahr 1912'/* 1231/3 13, ist zur Deckung der Ausgaben die Erhebung folgender Prämien für das zweite Halbjahr erforderlich:

I. Nindviehversicherung: 60 Pfennig (anstatt 70 Pfennig in den letzten Jahren) von 100 Mark Ver­sicherungssumme.

II. Pferdeversicherung : 1 Mark von 100 Mark für Pferde, welche nur im Landwirtschaftsbetrieb ver­wendet werden und l1/« Mark von 100 Mark für Pferde der Gewerbetreibenden, Beamten, und solcher Landwirte, die nebenbei noch Lohnfuhren leisten (wie bisher.)

Die Einzahlung und Ablieferung der Prämien an die Kreiskoulmunalkaffe dahier muß bis spätestens zum 17. Mai d. Js. bewirkt sein

Die Herren Bürgermeister wollen diese Bekannt­machung den Herren Ortsvertretern zur Kenntnis vor­legen lassen und dieselben in den örtlichen Geschäften im Interesse der Viehbesitzer tunlichst unterstützen, denn nur durch die kostenfreie Verwaltung der Anstalt und durch die dankenswerte Mitarbeit der Ortsvertreter usw. kann die Anstalt mit so geringen Prämien ihre wohltätigen Aufgaben erfüllen.

Schlächtern, den 24. April 1913.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.

Himmelfahrt.

Ein Maientag, lichtrein und golden, Voll Blütenschnee und Blumenduft Goldkäfer hängen in den Dolden, Frühlerchen schwirren in die Luft: Sehnsucht und Freude mild gepaart zur Himmelfahrt.

In jeder Menschenbrust ein Stürmen, Ein heilges, das gen Himmel dringt, Und laut von allen Kirchentürmen Ein Sehnen durch den Aether klingt: Ein Flügelschwingen eignet Art s'ist Himmelfahrt.

S'ist Himmelfahrt. Geheimes Weben Durchflutet die geweihte Luft; Ein heilges hehres Himmelstreben Weht aus der öffnen Ostergruft. All unser Wünschen, liebezart, hält Himmelfahrt.

Werßotene Made.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 23

Und die Beulen würden heilen auch ohne Verband, nur tüchtige Kühlung war am Platze. Aber wo konnte er m diesem Augenblick au Kühlung denken, jetzt, wo dieser Stall noch den Doppelmörder und seinen Helfer barg! Vor allen Dingen mußten die fort, fort ins nächste Kran­kenhaus. Aber stärken wollte er die noch, ein wenig la­ben, denn die lagen ganz matt und bleich auf ihrer Streu, und ihre Augen starrten glanzlos ins Leere.

Herr Wirt," bat er den Schenkwirt,nun holen Sie, bitte, einen guten Kognak, wir müssen unsere Opfer ein wenig stärken!"

No dös fehlte grad noch, so'ne Mörders auch noch bestärke!" wehrte der Wirt wieder entschieden ab.

Ich bitte Sie dringend, Herr Wirt, nein, im Na­men des Gesetzes befehle ich Ihnen: holen Sie auf der Stelle etwas Stärkendes herbei für die beiden hier, es wird Ihnen alles bezahlt werden!"

Das hatte geholfen, der Bauer war aus dem Stall gestürzt, und auch schon wieder zurück, in den Händen eine Flasche guten Kognaks und ein Gläschen dazu.

Ohne Groll und ohne Haß übte Spiegel nun seinen Samariterdienst. Jedem vier Schnäpse spendete er, m der Annahme, daß sie ausreichend seien, einem Gewohnherts- tnnker das Blut wieder neu zu beleben.

. Und er hatte sich nicht geirrt, denn zusehends kehrte rn beider Antlitz die ursprüngliche Farbe zurück, und ihre Augen fingen wieder an zu glänzen.

Da mußte er ihnen denn endlich feine Erkennungs- "wrke zeigen, und sie bekannt machen mit dem, wetzen beschuldigte. ,, , . , .

.Aber wild flammte es da wieder auf bei den beiden, ötzchend fuhren plötzlich die Flüche aus ihren Zahnen, und

Empor!

Zum Himmelfahctsfest!

Es war in den schönen Maientagen in den schwäbi­schen Bergen. Goldig lag der Sonnenschein über dem grünen Tal mit seinem silbernen, vielgewundenen Fluß, und wie ein krauser Teppich breitete sich das erste Buchengrün über die Höhen. Jung und froh waren wir durch die grünen Wälder emporgestiegen zur lichten Höhe. Linde Luft umfächelte die Wangen, von drüben grüßte die weiße Kapelle auf einsamer Bergeshöhe, aus der Tiefe von den Türmen klangen die Glocken da noch eine, und noch eine! Dann verhallte die letzte und nunStille nah und fern." Da schwieg die laute Lust, und da war's also wirklich, wie es der gemütvolle schwäbische Sänger empfunden: O süßes Grau'n, geheimes Weh'n! Als knieten viele ungeseh'n und beteten mit mir. Der Himmel nah und fern, er ist so klar und feierlich, so ganz, als wollt' er öffnen sich."

Es war Himmelfahrtstag! Und es waren Heimat­klänge der oberen Welt, die die Seele berührten mit leisen Schwingen. Himmelan empor, empor! Alle Wesen, die gesund sind, streben empor. Der blaue Hinimel und die goldene Sonne haben's ihnen angetan. Da jauchzt die Lerche im blauen Aether, und möcht' das All erschwingen; da breitet der Baum alle Arme aus und reckt seinen Scheitel empor, das goldene Licht zu umfangen; ja selbst der Halm auf dem Anger und die Blume auf der Wiese recken sich auf, kehren sich dem Himmel zu. So auch der Mensch! Aber in ge­segneten Stunden, wenn die Andacht das Herz berührt, da ist's ihm nicht genug an dem blauen Hinimel mit seiner Sonne, er fühlt, drß er hinüber muß über des Aethers Bläue. Sie ist ihm nicht weit und tief genug : Himmelan schwing dich, mein Geist, denn du bist ein himmlisch Wesen."

Einst, vor langen Jahrhunderten standen auch an einem Himmelfahrtstage einfache, im Kampf des Lebens hart gewordene Männer auf einem Bergeund sahen gen Himmel". Nicht Sehnsucht war's, was sie bewegte, es war siegbewußter Glaube:Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz." Ihre Sonne war zum ewigen^Gotteshimmel emporgestiegen das Licht der Welt.^ Ihm zogen ihre Herzen nach. Empor, empor und himmelan! Das war ihre Losung geworden. Sie wurden keine Schwärmer, aber auf rauhen Wegen, die sie geführt wurden, trug sie dieser Himmelfahrtsglaube. Aus den Kerkern, in die man sie warf, schwang er sich empor in jauchzenden Psalmen, in den Martern, die man ihnen schuf, erfüllte er ihre Herzen mit Krait, in den Kämpfen des Lebens und Leidens war der Himmel­

Sehen Se, sehen Se, da haben's, geehrter Herr Ge- Heimpoliziste, dös sagt ich ja: de Mörders auch noch be­stärke!" ärgerte sich der Schenkwirt von neuem und faßte nach seinem schmerzenden Oberarm.

Und nun erwog Spiegel: Teufel, die beiden krieg- tens schließlich fertig und stellten sich trotz der schweren Verwundung noch auf die Beine! Und ivas sie dann anrichteten, das konnte niemand wissen. Also mußte er doch wohl sicher gehen, sicher gehen bis ins Kleinste.

Er zog mit einmal zwei starke Fesseln aus der Tasche, beugte sich über den Polen und befahl dem, die Hände auf der Brust zusammenzulegen.

Anstatt aber zu gehorchen, schleuderte Wenzel Kocz- mierski dem Geheimpolizisten neue Flüche und Schimpf- worte entgegen, und seine Fäuste fuhren drohend in die ^Da machte Spiegel kurzen Prozeß:Herr Wirt Knechte, angefaßt hier!" _ nr

Die Finger von acht Händen bohrten sich mdre Arme des Polen, und im Nu war ihm die Fessel angelegt.

Aber bei dem andern, da ging das nicht so schnell. Hatte der schon versucht, während der Fesselung seines Freundes dem zu helfen, so wehrte er sich selber wie em Löwe. Ja, wie die Tatzen eines Löwen fuhren seine Rie­senfäuste dazwischen und schleuderten ein paarmal die Angreifer zur Seite. . ,

Aber endlich war auch er überwunden, und in ohn­mächtiger Wut knirschte er nun mit den Zähnen, daß es nur so krachte im Stall.

So," höhnte der Schenkwirt,so 'ne Fessel is besser als ön Kognak!"

Spiegel befahl nun seinem Wirt, sofort anspannen zu lassen, um die Verwundeten fortzufahren, und ein Knecht wurde auch gleich damit beauftragt. Er selbst aber eignete sich des Polen Bündel an, und ging mit dem Wirt nach dem Kuhstall, um auch die beiden Knüttel aus

fahrtsglaube ihre Gewißheit:Lasfet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?" Es ist eine fröhliche Sache um solchen Glauben, er schafft keine Kopfhänger, sondern reißt Herz und Sinnen empor zu froher Gewißheit in rauhen Wegen:Auf Christi Himmelfahrt allein ich meine Nachfahrt gründe."

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar hat die letzten Tage seines Aufenthaltes in Homburg v. d. H. noch benutzt, um den Großherzog und der Großherzogin von Hessen in Darmstadt einen Besuch abzustatten. Der Empfang, der dem Kaiserpaar dort bereitet wurde, war außer­ordentlich herzlich. Auch Schwerin hatte fürstlichen Besuch, da der König Christian von Dänemark und seine Gemahlin, die bekanntlich die älteste Schwester des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin ist, dem Großherzogpaare ihre offizielle Visite machten. Jetzte werfen bereits die bevorstehenden Hochzeitsfeierlichkeiten am Kaiserhause, die sich zu einem ebenso bedeutungs­vollen wie glanzvollen Ereignisse gestalten werden, ihren Schatten voraus. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden neben anderen Fürstlichkeiten auch das englische Königspaar und der Zar nebst Gemahlin an den Fest­lichkeiten teilnehmen.

Gravelotte. (KaWrübung bei Metz.) Am Freitag vormittag wurde in der Nähe von Gravelotte eine große -Uebung der Garnison Metz abgehalten. Das Wetter war günstig. Der Kaiser traf gegen 8 Uhr vormittags an. der Feste Kaiserin ein und begab sich nach einer Anhöhe bei St. Hubert, wo er die Entw'.I.lulig ) s Gesichts beobachtete. Ein Zeppelin­schiff und ein Flugzeug waren in Tätigkeit.

Metz. Im weiteren Verlaufe der Uebung bei Gravelotte beobachtete der Kaiser auf der Höhenfläche von Jussy die Entwickelung der blauen Partei aus dem Walde bei Vaux heraus. Um ll3/^ Uhr wurde das Gefecht abgebrochen. Der Kaiser hielt darauf Kritik ab und nahm bei Jusfy den Vorbeimarsch der ganzen Garnison entgegen. Nach Metz zurückgekehrt nahm der Kaiser das Frühstück im Kasino seines Königsinfanterieregiments.

Homburg v. d. H. Die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise sind am Donnerstag abend nach dem Neuen Palais abgereist.

Wildpark. Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise trafen am Freitag vormittag 9 Uhr 35. Min. mit Gefolge von Homburg aus der Fürsten­station Wildpark bei Potsdam ein. Zum Empfang hatte sich Prinzessin August Wilhelm eingefunden, welche der Kaiserin einen Blumenstrauß überreichte.

Aber nun konnte auch der Geheimpolizist nicht wei­

ter, der Kam und die von

pf "hatte ihn doch zu sehr mitgenommen, den gegnerischen Fäusten traktierten Glie- Er erbat sich von dem Wirt

der schmerzten ungemein.

eine kleine Erholung in der Schenkstube.

Kommen Se man rin, Se braver Herr, Se Engel! unn ok Se Düwel, Mudder würd schon wat hebbe für-

Se!" lud der ihn ein mit Galgenhumor.

Und richtig, die dicke, böse Schenkwirtin von gestern abend hatte wirklich was für den verkappten Geheim­polizisten : einen dampfenden, starken Kaffee, und einen; Berg echten Bauernkuchens. Ein Kognak ging noch voraus und dann griffen sie zu und labten sich, beide, der Ge, Heimpolizist und auch der Schenkwirt.

Etwa dreiviertel Stunden später gingS fort auf leich­tem, rfederndem Wägelchen, hin zum Kreiskrankenhaus, wo die Verwundeten als Polizeigefangene untergebracht werden sollten.

Das Bündel des Polen, sowie dessen Knüttel hatte Spiegel dicht neben sich auf den Sitz gelegt.

10. Kapitel.

Sie sind ein wahrer Teufelskerl, meine herzlichste Gratulation zu diesem Erfolg!" streckte Kriminalkommis­sär von Behlow seinem Untergebenen, dem Kriminalschutz­mann Spiegel, die Rechte entgegen, als der auf einmal vor ihm stand, triumphierend die Holzschuhe des Polen in der Hand.Teufel und Hölle," fuhr er dann fort,diese Schuhe nur allein stnd's gewesen, die die Spuren dort traten in den Straßenkot, das sehe ich schon, eye mir anfangen zu messen. Und der Doppelmörder, m welches Krankenhaus haben Sie den doch gebracht? Ich konnte nicht alles verstehen, bei unserm Telephongespräch.'

Der liegt bereits in der Berliner Charitee, Herr Kom-t missar." o . . .

Was Menschenkind, was sagen Sie da, m der Berliner Charitee? Aber warum denn das, ohne jedwede.^ lj*SL» WM