ner
mit amtlichem AreisblaLt.
Telefon Nr. ©5.
Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
Mittwoch, den 23. April 1913
64. Jahrgang
Landtagswahl.
Den nach meiner Kreisblattverfügung vom 5. v. Mts. — J.-Nr. 2440 — zu Wahlvorstehern für die Wahl der Wahlmänner ernannten Herren Bürgermeistern werden in den nächsten Tagen die auf Grund der Ur- wählerlisten für die Urwahlbezirke aufgestellten Abteilungslisten zur öffentlichen Auslegung gemäß § 9 des Reglements vom 14. 3. 03,20. 10. 06, (s. Sonderbei- lage zum Regierungs-Amtsblatt Nr. 4 von 1907) von welchem ein Druckexemplar mit dem Formular zum Wahlprotokoll übersandt werden wird, zugehen.
Die Abteilungslisten sind alsbald nach Empfang im Geschäftslokal des zum Wahlvorsteher ernannten Bürgermeisters während dreier Tage und zwar am 24., 25. und 26. d. Mts. zu Jedermanns Einsicht öffentlich auszulegen.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher der zu den Urwahlbezirken gehörigen Gemeinden und Gutsbezirke haben alsbald, jedenfalls aber vor dem 24. d. Mts. in ortsüblicher Weise besannt zu machen, daß 1flungsliste des Urwahlbezirks während der oben -^nometen Zeit zu Jedermanns Einsicht öffentlich ausgelegt ist und dabei gleichzeitig das Lokal, in welchem die Abteilungsliste ausliegt, zu bezeichnen. Darüber, daß diese Bekanntmachung erlassen worden ist, ist eine Bescheinigung, zu der ein Formular übersandt werden wird, auszustellen und sofort an den betreffenden Wahlvorsteher abzusenden.
Die Herren Wahlvorsteher ersuche ich, dafür zu sorgen, daß auch während ihrer persönlichen Abwesenheit die Abteilungsliste zur Einsichtnahme zur Verfügung steht. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß über Einsprüche gegen die Abteilungslisten in den Städten der Magistrat und in den Landgemeinden der Unterzeichnete zu entscheiden hat. Die Herren Wahlvorsteher in den Stadtgemeinden haben deshalb die Verhandlungen über die Einsprüche nebst den Entscheidungen der Abteilungsliste beizufügen, während die Herren Wahlvorsteher der Landgemeinden die Einsprüche mit den Abteilungslisten mir zur Entscheidung vorzulegen haben.
Die Bescheinigung über die öffentliche Auslegung der Abteilungslisten der städtischen Urwahlbezirke ist von dem betreffenden Magistrat auszufertigen, wohingegen die Bescheinigung aller übrigen Abteilungslisten durch mich erfolgt.
Nach Ablauf der Auslegungsfrist sind mir die Abteilungslisten nebst der Bescheinigung über die Veröffentlichung des Termins der Auslegung, sowie die in den Landgemeinden erhobenen Einsprüche sofort wieder einzusenden. Diejenigen Listen pp., welche am 28. b. Mts. nicht hier eingehen, werden durch einen besondern Boten auf Kosten des betreffenden Wahlvor-
Wröotene Ufade.
KriminalMman von Otto Viehofer.
21
Die beiden Knechte ließen plötzlich Kardätsche, Striegel und Mistgabel fallen, rissen weit ihre Mäuler auf und starrten den Eingetretenen an wie ein Gespenst.
„Meine Herren," sagte er ruhig und bestimmt, „ich bin nicht der vermeintliche Wanderbursche, den Sie gestern abend so verspotteten, sondern ich bin Königlich Preußischer Kriminalbeamter, der in geheimer Mission bei Ihnen Obdach suchte. Zur Bestätigung meiner Behauptung diene Ihnen diese Marke hier."
Spiegel hatte die bronzene Erkennungsmarke, deren starke seidene Schnur um seinen Hals geschlungen war, aus der Westentasche gezogen und hielt sie den beiden Knechten entgegen. Dann fuhr er fort: „Ich bitte Sie, ja keinen Lärm zu schlagen, und ich will Ihnen das Weitere mitteilen. Hören Sie: Der eine der beiden Wanderburschen, die dort im Kuhstall noch fest und selig schlafen, ist ein Doppelmörder. Er hat den Baron von Paltzow auf Schloß Trampitz und dessen Kutscher ermordet; jedenfalls haben Sie von dem Doppelmorde auch schon gehört. Es gilt nun, den Kerl im Schlafe zu überraschen, zu knebeln und ihn dann dem Arm der Gerechtigkeit auszuliefern, wozu Sie beide und Ihr Herr mir Ihre Hilfe leihen werden. Aber große Vorsicht und Un- erschrockenheit ist Bedingung, denn der Kerl dürfte nicht nur über große Körperkräfte, sondern auch über einen Revolver verfügen, und außerdem ist anzunehmen, daß der Riese, der ihn begleitet, sich auf seine Seite sMgt. Was das Bündel hier anbetrifft, so habe ich es dem Mörder bereits abgenommen, und ich lege es einstweilen hrer W den Futterkasten, bitte es ja nicht anzurühren! — „A ^ie sind genügend unterrichtet und nun führen sie fÄn die Schenkstube, wo ich unauffällig Ihren Herrn Qen kann. Allein will ich mich in so früher Stunde
stehers abgeholt werden. Auch die mit der vorgeschrie- vorzulegen.
Schlüchtern, den 18. April 1913.
benen Bescheinigung versehenen Abteilungslisten der
Städte sind mir zu diesem Termin zur Einsichtnahme
J.-Nr. 4146.
Uebersicht der Jmpftermine im Kreise Schlüchtern für das Jahr 1913.
Jmpfbezirk und Jmpfarzt
. Jmpfort
Jmpflokal
Tag und Stunde
der Impfung
der Nachschau
I. Bezirk.
Jmpfbezirk
Vollmerz -
Gastwirtschaft Freund
20. Mai 2'/. Uhr nach.
27. Mai 27, Uhr nach.
Schlüchtern
Herolz
„ Nau
20. „ 4 „ „
27. „ 4 „ „
Schlüchtern
Kleinkinderschule
23. „ 9 „ vor.
30. „ 9 „ v.
Jmpfarzt
Elm
Gastwirtschaft Stoppel
2. Juni 2 „ n.
9. Juni, 2 „ n.
Medizinalrat
Hütten
„ Winhold
2. „ 4 „ n.
9. „ 4 „ n.
Dr. Cauer
Hohenzell
„ Kohlhepp
5. „ 9 „ v.
2. „ 9 „ v.
Bellings
„ Kreß
5. „ 10 */. „ v.
12. „ 10% „ v.
Marjoß
„ Heinbuch
5« // 2 „ n»
12. „ 2 „ n.
Wallroth
„ Fehl
10. „ 9 „ V.
17. „ 9 „ v.
Breitenbach
„ Möller
10. „ 10 „ v.
17. „ 10 „ v.
Kressenbach
„ Lotz
10. „ 11 „ v.
17. „ 11 „ v.
II. Bezirk.
Jmpfbezirk
Sterbfritz
Gastwirtschaft Böhm
2. Mai 3 „ n.
9. Atai 3 „ h.
Sterbfritz
Weiperz
„ Klug
3. „ 8 „ v.
10. „ 8 „ v.
Sannerz
„ Lotzenius
3. „ 9 „ v.
10. „ 9 „ v.
Jmpfarzt
Gundhelm
„ Löffert
6. „ 8 „ v.
13. „ 8 „ v.
Dr. Hebel
Oberkalb ach
„ Lang
6. „ 10 „ v.
13. „ 10 „ v.
Uttrichshausen
„ ' Stoppel
6. „ 12 „ m.
13. „ 11’A „ V.
Heubach
„ Schröder
6. „ 3 „ n.
13. „ 2 „ n.
Breunings
„ Löffert
19. „ 9 „ v.
26. „ 9 „ v.
Neuengronau
„ Schröder
19. „ 10 „ v.
26. „ 10 „ v.
Altengronau
„ Ziegler
19. „ 117» „ v.
26. „ 11 ya „ v.
Jossa
„ W. Müller
20. „ 9 „ v.
27. „ 9 „ v.
Mottgers
„ Günther
21. „ 9 „ v.
28. „ 9 „ v.
Weichersbach
„ Schlott
21. „ 11 „ v.
28. „ 10 „ v.
Oberzell
„ M.ü.iMunt
22. „ 4 „ n.
29. „ 4 „ n.
Schwarzenfels
„ Ullrich
23. „ 9 „ v.
30. „ 9 „ v.
Züntersbach
„ Hohmann
23. „ 11 % v.
30. „ IO72 „ V.
III. Brzirk.
Jmpfbezirk
Hintersteinau
Gastwsch. Ww. Berthold
6. „ 7.8 „ v.
13. „ 72 5 „ n.
Salmünster
Uerzell
„ Darmst. Hof
6. „ 7,10 „ V.
13. „ 7,4 „ n.
Ulmbach
„ Heil
6. „ 11 „ v.
13. „ 2 „ n.
Jmpfarzt
Sarrod
„ Bös
6. „ 2 „ n.
13. „ 1 „ n.
Sanitätsrat
Soden
„ Zum Hirsch
7. „ 9 „ v.
14. „ 9 „ v.
Dr. Kraushaar
Salmünster
Rathaus
4 zz 2 „ n.
14. „ 2 „ n.
Steinau
Gastwsch. z. weißen Roß
8. „ 8 „ v.
15. „ 8 „ v.
Romsthal
„ K. Roll
9. „ 7,9 „ v.
16. „ 7s 9 „ v.
Marborn
„ K. Weber
10. „ 8 „ v.
17. „ 8 „ v.
sofort Lärm schlagen in der Meinung, ich, der „Strolch", hätte irgend etwas Böses im Schilde."
Die beiden Knechte standen immer noch wie gelähmt. Sie hatten von den grausigen Vorgängen auf Schloß Trampitz zwar schon gehört und dieselben auch schon genügend besprochen gehabt, aber all das, was in dieser Beziehung soeben auf sie eingedrungen, war mit gar zu großer Plötzlichkeit und Wucht gekommen. Und dann: der Herr Geheimpoliziste da vor ihnen hatte sie mit „meine Herren" angesprochen. Ja, war es denn überhaupt schon vorgekommen in der Welt, daß man einen Bauernknecht mit „Herr" titulierte? — Zu dämmern fing's ihnen wieder an, und allmählich erholten sie sich von dem Schreck. Nun, wenn das ein so vornehmer, freundlicher Herr war, der Poliziste da vor ihnen, dann wollten sie dem schon gerne Beistand leisten. Vor den beiden im Stalle da drüben wollten sie sich schon nicht fürchten, denn sie waren doch ihrer vier. Sausen sollten ihre Knochenfäuste da, — sausen, wenngleich man ihnen auch einen Revolver entgegenstrecktel
Als ob sie schon im Kampfe ständen, so strafften sich mit einem Male die Muskeln der beiden Knechte, und ihre Fäuste ballten sich.
„Kommen Sie, Herr," sagte da der ältere von ihnen, und führte den Geheimpolizisten in die Schenkstube, in der soeben das Licht aufflammte.
Drinnen in der Schenke war man ebenso überrascht, wie vorhin im Stalle. Die dicke Wirtin, die zusammen mit den Mägden schon in der Küche geschaltet, eilte mit weit geöffnetem Munde nach dem ehelichen, hofwarts belegenen Schlafzimmer, um ihren Gatten zu wecken, und er, ein kleiner, untersetzter Mann, fuhr m ferne Kler- der und rannte nach vorne, als stand der ganze Hof.rn ^,',Das"wußte ich, das wußte ich schon gestern abend, daß der Mann hier kein richtiger Wanderbursche ist !
y , ™ r , ..... Oft.»« »4^ ODrtfSöf mn hnnnpifpr
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Mörder in unserem Kuhstall — nee, nee, nicht zu sagen ist das I" zeterte sie dann weiter. —
Gehörig instruiert hatte Spiegel den Schankwirt und auch dessen Knechte. Zustürzen wollten er und der Schankwirt plötzlich auf das Heulager und den Polen fesseln, während die beiden Knechte dessen Begleiter verhindern sollten, zu seinen Gunsten einzugreifen. Und die Liesel sollte die Laterne halten.
Nun tappten die vier Männer über den dunklen Hof, vorsichtig und mäuschenstill. Und vor ihnen und hinterher zitterte das unsichere Licht in Liesels Hand; wie die verzerrte Angst schlich es sich um die Beine der Männer und machte deren Knie ein wenig erbeben.
Und auf einmal blieb die kleine Gruppe wie angewurzelt stehen, und aller Augen rissen sich auf, als sähen sie ein Gespenst: langsam hatte sich die Stalltür geöffnet, und vor ihnen stand — Wenzel Koczmierski. —
Konnten die andern sich nur schwer erholen von der plötzlichen Ueberraschung, so hatte der Geheimpolizist feine Geistesgegenwart im Augenblick wiedererlangt.
„Die Kriminalpolizei ist hier, ergib Dich, Wenzel Koczmierski I" donnerte er ihn an. Und dann gleich, ohne die Wirkung seiner Worte abzuwarten, an die andern: „Das ist der Doppelmörder, los, faßt ihn!" und im selben Moment stürzte er sich allen voran auf Wenzel Kocz« miersti.
„Mich lassen in Ruh, hab ich doch nichts getan, was soll heißen das!" schrie entsetzt der Pole auf, ein gewaltiger Ruck seines massiven Körpers — und er hatte sich aus den ihn umklammernden acht Händen befreit.
Aber einen Moment nur, und schon gellte seinestlmme wieder über den Hof: „Hilfe, Kamerad zuHilfelMrch ermorden sie wollen hier, Hilfe, Hilfe!" 197,18
Da öffnete sich die Stalltür zum zweiten Mal, und heraus stürzte der Riese. Wuchtig, massig, mit dämvni- schem Antlitz: „Hunde verfluchten, wat wollt Ihr, mal wollt Ihr von dem?" dröhnte sem Baß über den Hof. und sein Körper warf sich auI^E.^^
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