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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6». Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

32 29. Mittwoch, den 9. April 1913. 64. Jahrgang.

J.-Nr. 1920. K. A. Am Sonnabend den Mai cr. Vormittags 10 Uhr findet in Schlüchter-

VE ^run$ statt. -^ M Schlüchtern, den 3. April 1913.

Der Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 3512. Im Interesse der Kreisbevölkerung wird wiederholt darauf hingewiesen, daß die Sprech­stunden bei dem Landratsamte, der Einkommenst! 'er- Veranlagungskommission und dem Kreisausschuß, wie seither auf Dienstag und Freitag, vormittags 912 Uhr, festgesetzt sind.

Schlüchtern, den 2. April 1913.

Der Königliche Landrat:. Valentiner.

Mehrbeitrag.

Die Notwendigkeit einer durchgreifenden Verstärkung der Wehrmacht des Deutschen Reichs wird zurzeit lediglich von der grundsätzlich militärfeindlichen, weil Vaterlandslosen Sozialdemokratie bestritten. In allen anderen Lagern ist man davon überzeugt, daß wir die im Prinzip längst bei uns bestehende allgemeine Wehr­pflicht auch tatsächlich kräftig ausbauen müssen, wenn unsere Heeresmacht auf der Höhe der Zeit stehen, unser Volk wirklich einVolk in Waffen" sein soll. ,

Um dieser Forderung des Tages genügen zu können, braucht das Reich außer den erhöhten Mitteln für fortlaufende Ausgaben die Bereitstellung ungewöhnlich hoher Summen zur Deckung der einmaligen Kosten dieser Wehrmachterhöhung. Es wäre nun ganz gegen alle Grundsätze einer soliden Staatswirtschaft und würde das Reich unnötigerweise nur in neue Schulden stürzen, wollte man den notwendigen einmaligen Geldbedarf in Höhe von voraussichtlich 975 bis 1000 Millionen M. durch eine Anleihe herbeischaffen. Etwas anderes, Größeres mußte geschehen, denn große Ziele erfordern eben auch große Taten.

Vom Kaiser ging die Anregung aus, und die Re­gierung hat den fruchtbaren Gedanken freudig auf« gegriffen : die einmaligen Ausgaben durch eine einmalige Wehrsteuer zu decken. Wie vor 100 Jahren die Regierung Preußens, so wenden sich heute die ver­bündeten Regierungen des Reiches an die Vaterlands­liebe und den Opfersinn der Bürger. Man erwartet

von ihnen, daß sie, die nur durch eine starke Wehr­macht im friedlichen Besitz und Genusse ihrer Güter geschützt werden können, nach ihren besten Kräften einen einmaligen Wehrbeitrag auf dem Altare des Vater­landes werden opfern wollen. Hinter dem Opfersinn der Bürger wollen die Fürsten nicht zurückstehen: wiederum entspringt es einer Anregung des Kaisers, daß zu diesem Wehrbeitrag auch die an sich steuerfreien Fürsten beisteuern werden. Gerade hierdu'ch wird der Gedanke einer allgemeinen, vom ganzen deutschen Volke, von Bürgern wie Fürsten, dem Vaterlande darzubringen- den Opfergabe in glücklichster Weise zum Ausdruck ge­bracht.

Der Wehrbeitrag ist als Vermögensabgabe gedacht und beträgt nach § 1 des Gesetzentwurfes durchweg 0,5 vom Hundert des Vermögens. Eine Staffelung nach der Höhe des Vermögens ist nicht geplant, weil dem allerhand Veranlagungsschwierigkeiten entgegen­stehen. Um Ungleichmäßigkeiten, Härten und Bevor­zugungen zu vermeiden, sollen einerseits auch Personen mit hohem Einkommen (von 50 000 Mt. an) zum Wehrbeitrage herangezogen werden, anderseits aber sollen die kleineren Vermögen (bis zu 10 000 M.) bei- tragsfrei bleiben. Berücksichtigt man ferner, daß auch für die Bezahlung des fälligen Beitrages bequeme Fristen vorgesehen sind (die Hälfte einen Monat nach Festsetzung, die andere Hälfte erst am 31. März 1915), und daß in Notfällen Stundung bis zu 3 Jahren zu­gebilligt werden kann, so muß man sagen, daß die Regierung alles getan hat, um einer Bedrückung oder Belästigung der Beitragspflichtigen vorzubeugen.

Genaue Bestimmungen des BegriffsVermögen im Sinne dieses Gesetzes", ausführliche Vorschriften über die Wertermittlung, über die Abgrenzung des Kreises der beitragspflichtigen Personen und über das Verfahren bei Veranlagung des Vermögens und Er­hebung des Wehrbeitrages werden das Ihrige dazu tun, eine glatte Durchführung des großen Gedankens zu gewährleisten, sobald der Entwurf Gesetz geworden sein wird.

Es darf erhofft werden, daß die Regierungsvorlage in ihrem Kerne Gesetz werden wird; denn soviel läßt sich schon jetzt sagen: alle bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme erkennen die unbedingte Großzügigkeit und grundsätzliche Notwendigkeit des Gedankens eines all­gemeinen Wehrbeitrages an.

Beuischss Reich.

Das Regierungsjubiläum des Kaisers. Die Festlichkeiten zum Regierungsjubiläum des Kaisers werden nach dem hisher festgesetzten Programm bereits am 9. oder 10. Juni mit einer großen Zivil- und

Militärgalacour beginnen. Es folgen dann im weiteren Verlaufe der Woche Theateraufführungen und Gala­diners und am 14. Juni die Gratulation und Huldi­gung der deutschen Bundesfürsten. Der 15. Juni, der eigentliche Jubiläumstag, ein Sonntag, wird mit Rücksicht auf den Todestag Kaiser Friedrichs still be­gangen werden, am 16. Juni, dem Hauptfeste, finden die Huldigungsfestzüge, die großen Volksfeste und die Ausschmückung statt. Es wurde auch angeregt, 80 große deutsche Städte aufzufordern, sich durch eine be­sondere Huldigung an der glanzvollen Ausschmückung der Straße Unter den Linden zu beteiligen.

Der deutsche Reichstag beschäftigte sich am Donnerstag mit Rechnungssachen, Wahlprüfungen und Petitionen. Während es bei dem ersten und dritten Punkte der Tagesordnung zu keiner besonderen Aus­sprache tarn, rief die Prüfung der Wahl des frei­konservativen Abgeordneten von Oertzen eine lange, lebhafte Debatte hervor. Die Kommission hatte be­antragt, die Wahl für ungültig zu erklären, weil über 400 grundsätzlich wahlberechtigte Insassen einer Lungen- Heilanstalt des Wahlkreises von der Teilnahme an der Wahl ausgeschlossen worden waren. Demgegenüber beantragte der freikonservative Abgeordnete Dr. Arendt, die Wahl zur nochmaligen Prüfung an die Kommission zurückzuverweisen, da doch erst klargestellt werden müsse, ob denn jene 400 Personen nicht bloß grundsätzlich, sondern auch tatsächlich wahlberechtigt gewesen wären. Nach einer ziemlich erregten Erörterung schritt das Haus zur Abstimmung über beide Anträge, und gegen die Parteien der Rechten und des Zentrums wurde die Wahl für ungültig erklärt.

Das preußische Abgeordnetenhaus steht in der Debatte über Kultus und Unterricht. Besorgnisse des Zentrumsabgeordneten Dr. Dittrich, daß die katholischen Orden durch unnötige Vorschriften eingeengt würden, wußte der Kultusminister v. Trott zu Solz mit guten, sachlichen Gründen einwandsfrei zu zerstreuen. Der angeregten Frage einer Festlegung des Ostertermins stand er sympathisch gegenüber. Zwischen dem sozial­demokratischen Abgeordneten Hoffmann und dem Fort- schriltler Cassel, der die Unterstützung bedürftiger Synagogengemeinden fordert, kam es zu einem leb­haften Wortgefecht, das an heiteren Zwischenfällen nicht gerade arm war, im übrigen dem Sozialdemo- kraten wegen eines grob beleidigenden Ausfalls auf das nationale Empfinden des Hauses einen Ordnungs­ruf einbrachte. Der Liberale hatte die Genugtuung, schließlich die grundsätzliche Zustimmung des konser­vativen Abgeordneten Winkler im Punkt der Religio­sität zu erlangen. Bei der Besprechung des Falles Traub wurden von liberaler Seite schwere Angriffe

W

Ieröotene Ffade.

Kriminalroman von Otto Viehofer.

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Wieder ein Beweis, daß die Tat nur von solch einem Individuum wie dieser Pole eines ist, begangen worden sein kann. Sehen Sie ja zu, Herr vonBehlow," wandte der Untersuchungsrichter sich wieder speziell an den Kri- minalkommissar,daß Sie des fraglichen Schießeisens habhaft werden können; denn das schließt, falls wir es in seinem Besitz, ober auch nur als Eigentum dem Po­len nachweisen können, gegen ihn die Beweiskette. Und dann geht's erbarmungslos um seinen Kopf. Mord ist's gewesen natürlich vorläufig nur bei dem Kutscher die Obduktion Hat's ergeben."

Landgerichtsrat Schwerdtmann hatte eine Pause ge­macht und schon wandte er sich wieder an die beiden Her­ren:Nun, meine Herren, haben Sie noch irgend etwas, worüber Sie sich noch nicht ganz klar sind?"

Nein, Herr Landgerichtsrat, absolut nichts," kam es von den beiden andern zurück.

,Na, dann empfehle ich mich Ihnen."

Kriminalkommissär wie Amtsvorsteher verbeugten sich und verließen das Zimmer.

Halt, Herr von Behlow," riefda derUntersuchnngs- eichter den Kommissar noch einmalzurück,Spiegel soll mir sofort das ganze Beweismaterial Herdringen, das will ich gleich nütnehmen, um die fraglichen Sachen vom Gerichtschemiker sofort untersuchen zu lassen."

Jawohl, Herr Rat, ich schicke den Beamten sofort damit her."

Die Tür war wieder ins Schloß gefallen.

8. Kapitel.

Etwa fünfunddreißig Kilometer von Schloß Tram- pitz entfernt, wanderte auf vereinsamen, nebligen Land­straße ein mittelgroßer, breitschulteriger Mann, dessen Aeußeres vollkommen demeinesschon stark abgerissenen

sein vom Nebel durchnäßter dicker, schwarzer Schnurrbart

herab, und den abgetragenen Filzhut hatte er tief ins Gesicht gerückt. Seine Füße staken in schmutzigen, klo­bigen und harten Stiefeln, dessen Spitzen hoch aufgewor­fen waren. Und die gedrungene Gestalt umhülli

le ein

abgerissener Ueberzieher, aus dessen einer Tasche eine ge­füllte Schnapsflasche ragte.

Der da so einherschritt, war kein anderer als der Kri­minalschutzmann Spiegel, der, ebenso wie sein Kollege Wölfert und Kriminalkommissär von Behlow, auf der Verfolgung des Polen Wenzel Koczmierski sich befand. Alle drei hatten diesen Trick, als Handwerksburschen ver­kleidet zu gehen, gewählt, um sich an den Verfolgten unauffälliger Heranpürschen zu können. In Kontakt stand man mit SchloßTrampitz.welchesTelephonanschluß hatte, durch stetes Telephonieren. Jeder der drei mußte, sobald er auf einer Poststation anlangte, Nachricht geben über seinen Erfolg oder Nichterfolg. So wußte man immer, ob der Gesuchte von der andern Seite schon gefangen worden sei oder nicht, und traf danach seine Maßnah­men; entweder man kehrte zurück oder man suchte weiter.

Gewandert war Spiegel heute schon seit dem frühen Morgen, leider aber ohne daß er irgend eine Spur des Polen gefunden hatte. Ueberall in den Dörfern hatte er gespäht und war von Haus zu Haus gegangen, fra­gend, ob sein Freund, ein polnischer Landarbeiter von bem Aussehen, der ihm während des Wanderns ab­handen gekommen sei, nicht irgendwo um Arbeit vor­gesprochen oder gar um eine milde Gabe gebeten hätte. Und niemand hatte ihm da Auskunft geben können, alle hatten die Leute verneinend die Köpfe geschüttelt, und ihm dann kurz die Tür vor der Nase zugeschlagen. Im letzten Dorfe, das Poststation gewesen, hatte er dann das Ergebnis Heiner Streife nach Schloß Trampitz berich­tet. Und da hatte man ihm von dort mitgeteilt, daß hinter WenzelKoczmierski bereits einSteckbrief erlassen worden sei.

Und nun fing es bereits stark zu dämmern an, und

gespannt wie er war, hatte er beschlossen, heute nicht weiter zu wandern, sondern im Gasthofe dieses Dorfes zu übernachten. Aberabklappern" mußte er vorerst noch das Dorf um jeden Preis.

So schritt er wieder von Gehöft zu Gehöft, von HäuS- lein zu Häuslein, allein leider nur wieder mit negativem Ergebnis. Aber die Leute waren hier milder gewesen als in den Dörfern vorher, und sie haltendenarmen Hand­werksburschen" wenigstens reichlich beschenkt, und zwar mit ungeheuren Brotriemen und einem derben Stück Speck. Genommen hatte Spiegel es mit Dank, um die Leutchen nicht zu beleidigen und kein Aufsehen zu erregen.

Und nun stand der Geheimpolizist mit vollgepfropf­ten Taschen endlich im leeren Gasthofe des Dorfes. Und da kam mit einem Male die Wirtin hereingepustet, eine Bäuerin, massig und klobig und mürrisch:Na, wat will he denn hier?"

Entschuldigen Se man, Madameken, ich wollte wollte nur höflichst gebeten haben um ein Unterkommen sor de Nacht."

Jo, jo, dat kunnt öd mi schon denke. Solch ZeugZ von Wanderborsche ömmerfurt em beliistge. Schert Euch lieberst an de Orbeit, dat wär völ bäterl"

Entschuldigen Se man, Madamchen, ich hab'bisjetztge- arbeitet unn will nu blos nach delSchlessche, um in deKoh­lengruben anzufangenverstehen Se, in deKohlengruben."

Na, denn ös man got!" Sie rief durch die offen gelassene Tür in die Küche hinein:Liesel, bring dene hier önn'n Stall."

Liesel war die hübsche, dralle Magd der Bäuerin und Schenkwirtin; sie kam auf den Ruf ihrer Herrin flink herbeigetappst und sah sich den abgerissenenWanderbur­schen" erst einmal ordentlich an. Und sie schien gleich tiefer zu schauen als ihre Herrin, denn ihr Blick man- derte unentwegt an dem Dastehenden entlang, immer prüfend bald dessen Züge und bald dessen zerlumpte Hülle. Und bald hatte sie auch eine Erklärung aefun, MÄÄMÖ^ WV