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Zchlüchterner Zitung

mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Aatgeber.

Telefon Nr. 65. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.' Telefon Nr. 68.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 28. Samstag, den 5. April 1913. 64. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Das Beileidstelegramm des Kaisers an den Fürsten Heinrich XXVII. Reuß jüngere Linie aus Anlaß des Todes des Fürsten Heinrich XIV. ist äußerst herzlich abgefaßt und gedenkt am Schlüsse der engen Beziehungen des Verstorbenen zu weiland Kaiser Friedrich III. Die Beisetzung des verstorbenen Fürsten Heinrich XIV. ist endgültig auf Freitag, den 4. April nachmittags, festgesetzt.

-- Die bevorstehenden Festlichkeiten am Berliner Hofe, die Hochzeit der Prinzessin Viktoria Luise am 24, Mai und das Regierungsjubiläum des Kaisers werden einen sehr starken Zustrom von Fremden zur Folge haben. Zur Huldigung vor dem Kaiser werden am 17. Juni sämtliche deutschen Bundesfürsten in Berlin anwesend sein.

Für das abgelaufene Etatsjahr haben aus den im Etat der Eisenbahnverwaltung zur Prämierung nützlicher Erfindungen vorgesehenen Mitteln 58 Be- aniten und Arbeitern der Staatseisenbahnverwaltung Belohuungn im Gesamtbetrage von 20 000 Mark für Erfindungen und Verbesserungen, die zur Erhöhung der Betriebssicherheit oder Wirtschaftlichkeit beitragen, be­willigt werden können.

Die polnischen Abiturienten werden von der polnischen akademischen Jugend in der Zeitschrift Brzask" als Waffengefährten begrüßt, deren Ideal nicht der deutscheBursche", sondern das polnische Vaterland, die Wissenschaft und die Tugend sein solle- Die Wissenschaft müßten die jungen Studenten auf einer deutschen Universität suchen; dagegen sollen sie, um die seit ihrer Kindheit empfangene, vergifte e preu- ßisü-e psendo-kultureue Kost auszugutchen, eka' Ezwei Semester lang die polnischen Universitäten in Krakau oder Lemberg beziehen, wo sie reine polnische Kultur atmen und dann nicht mehr an der polnischen Mation zweifeln würden. In der Provinz Posen sind zu Ostern 59 polnische Abiturienten entlassen worden, in Posen 25, Ostrowo 6, Schrimm, Wongrowitz, Bromberg je 5, Hohensalza, Rakel, Gnesen je 3, Meseritz und Liffa je 2. Rechnet man die polnischen Abiturienten in Westpreußen, Oberschlesien usw. hinzu, so steigt die Gesamtzahl auf mindestens 80.

Ausland.

Die neue österreichische Heeresvorlage soll, wie die WienerZeit" meldet, noch vor den Sommerferien eingebracht werden. Die Friedenspräsenzstärke soll um 50 000 Mann erhöht werden, das gestattet eine Mehreinstellung von 25 000 Rekruten das Jahr, die 100 Millionen an einmaliger Kostendeckung erfordern.

Diese Summe soll auf mehrere Jahre verteilt werden. Auch die kürzliche Audienz des ungarischen Minister­präsidenten beim Kaiser steht mit dieser Angelegenheit in Zusammenhang.

Die Kollektivnote der Großmächte wurde dem Minister des Aeußern in Konstantinopel durch den Doyen des diplomatischen Korps Markgrafen Palla- Vicini in Gegenwart der anderen Botschafter überreicht. In der Note wird als Grenze die dierekte Linie Enos- Midia vorgeschlagen. Wie es heißt, erklären die Mächte, sie könnten die Forderung der Kriegsentschä­digung seitens der Verbündeten nicht unterstützen. In der Note wird ferner die Einstellung der Feindseligkeiten von der Annahme der Friedensgrundlagen an verlangt.

Der französische Senat hat den von der Kammer bereits angenommenen französisch-spanischen Marokko­vertrag angenommen. In der Aussprache erklärte der Minister des Aeußeren Pichon, zwischen den Vorteilen, die sich die beiden Vertragschließenden gegenseitig zu­gestehen, bestehe Gleichheit. Frankreich und Spanien seien solidarisch in der Ausführung des Werkes der Zivilisation in Marokko. Zum Schluß begrüßte der Minister den glücklichen Abschluß der Verhandlungen, die den beiden Ländern einen neuen Grund geben werden, sich zu verständigen und zum besten beider zu- sammenzuarbeiten.

Die Lage in China wird immer ernster. Juanschikai, Ministerpräsident Schaopingschun und andere hervorragende Persönlichkeiten Pekings erhielten Droh­briefe, daß sie das Schicksal Sungtschiaojen teilen würden, wenn sie fortführen, China zugrunde zu richten. Der Gegensatz zwischen der Kuomintangpartei und der Regierung in Peking wächst. Beide sind der «nsicht, die Gerichtsverhandlung werde die Schuld des andern an der Mordtat erweisen. Die Juanschikai nahestehende Peking Iipao" berichtet von der Aufdeckung einer Verschwörung der Geheimgesellschaft Tschungschetang zur Wiederherstellung der Mandschudynastie. Durch eine angebliche Verbindung mit dem Hutuktu in Urga habe man sich die Neutralität Rußlands gesichert. Man beabsichtige loszuschlagen, wenn die Mandschurei während der mongolischen Expedition von Truppen entblößt sei.

Die Beisetzung König Georgs von Griechenland. In Gegenwart einer ungeheuren Menschenmenge fand am Mittwoch in Athen die Leichenfeier für König Georg statt. Von auswärtigen Fürstlichkeiten waren Prinz Heinrich von Preußen und Prinz Ernst August von Cumberland erschienen. 60 Erzbischöfe und Bischöfe zelebrierten ein Hochamt. Nach dem Gottesdienst setzte sich der Leichenzug von der Kathedrale aus zum Larissa-

Bahnhof in Bewegung. An der Spitze des Trauer« zuges ritten zwei Züge Kavallerie; ihnen folgten Pionier- und Infanterie-Abteilungen mit Musik, der Generalstab, der Magistrat von Athen und die Geist­lichkeit des ganzen Landes. Offiziere trugen die Orden des Königs. Das Geschütz, auf dessen Lafette der Sarg gestellt war, wurde von Matrosen gezogen. Die Adjutanten des Königs und die Gardeoffiziere bildeten Spalier. Hinter dem Sarge wurde das Lieblingspferd des verstorbenen Königs geführt. In dem Zuge folgten dann König Kaustantin, der Kronprinz, die Prinzessinen und fremden Fürstlichkeiten. Im ersten Ho; wagen folgte Königin Olga, im zweiten die Großfürstin Maria von Rußland und in den weiteren Wagen die übrigen weiblichen Mitglieder des Hofes, sowie das diplomatische Korps. Auf dem Bahnhof wurde der Sarg von den Prinzen von der Lafette in den Wagen getragen. Die königliche Familie nahm mit den Gästen im Sonder- zuge Platz. 101 Kanonenschüsse wurden abgefeuert.

Lokaler und Proviujielles.

Schlüchtern, den 4. April 1913.

* Wie wir erfahren, findet Sonntag den 13. April imHessischen Hof" eine Versammlung zwecks Be­sprechung über die Regimentsfeier der 13er Husaren in Dietenhofen statt. In dieser wird näherer Bericht von der am 6. April in Frankfurt stattfindenden Ver­sammlung erstattet und gleichzeitig werden die Pro­gramme von der Regimentsfeier ausgehändigt. (Näh. siehe Inserat.)

* Das für Sonntag den 6. d. Mts. geplante Kirchenkonzert ist mehrfacher Hindernissen wegen bis auf Weiteres verschoben.

* Die Eheleute Ludwig Freund hier, Brückenauer- straße, feiern am Sonntag, den 6. April d. I. ihre goldene Hochzeit. Wir gratulieren.

* Nächsten Mittwoch findet in Frankfurt der große Pferdemarkt verbunden mit Verlosung statt; wer sich noch ein Los sichern will, beeile sich solches zu kaufen, da der Verkauf der Loose von Montag ab aufhört.

* Klaffenlotterie. Die Loose zur 4. Klasse müssen bis zum 7. ds. erneuert werden.

* Oberkalbach. Vergangenen Sonntag den 30. März d. I. wurde hier wie im vorigen Jahre, ein Familien- abend abgehalten, der in recht gemütlicher Weise ver­lief. Zahlreiche Erwachsene sowie die schulentlassene Jugend hatten sich hierzu in dem Saale des Gastwirts Lang eingefunden. Herr Pfarrer Blendin eröffnete den Abend mit einer kurzen Ansprache und hieß alle Anwesenden herzlichst willkommen. Es folgte dann

Meröotene Ufade.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 15

Und Johann war plötzlich wieder aufgetaucht; den läuferbelegten Korridor nur mit den Fußspitzen berüh­rend, blieb er ängstlich und in sichtlicher Erregung vor dem Krankenzimmer stehen, so eines etwaigen Winkes Doktor Birkners gewärtig.

Aber Geheimer Sanitätsrat Striebel schüttelte leise verwundert das Haupt: Wen rief denn die Baronin im­merfort in ihrem Fieberwahn? Der ermordete Baron hatte doch, so viel er wußte, Egon geheißen und nicht Ponto! Nun ja, ein sonderbarer Name war's und als Arzt durfte man darauf absolut nichts geben, denn bei Fieberkranken hörte man ja oft recht wunderliche Dinge I--

Der Kreisarzt war schon wieder draußen.

»Es ist ja auch keine Kleinigkeit, was die arme Ba­ronin über sich ergehen lassen muß!" sagte teilnahms­voll der Untersuchungsrichter, als ihm der Kreisarzt die Dinge da drinnen geschildert.Da muß ja eine zarte Dame vollends in Fieberwahn verfallen. Nun, hoffent­lich rächen wir die grauenhafte Tat sehr bald! Kom­men Sie, bitte, meine Herren, dort in der Remise ist alles vorbereitet für Sie! Die Leiche liegt auf einem be­festigten, sehr breiten Brett und das Tageslicht hat ge­nügend Zutritt. Und gestört werden wir dort keinesfalls, denn der zweite Inspektor hat die Leute allesamt anibie Arbeit getrieben. Und sollte die Obduktion nun etwas länger dauern, als es mir zuerst erwünscht war, nun, gegen den Wind läßt sich nicht blasen! Und der letzte Zug nach Berlin geht ja auch erst nach elf Uhr, da komme ich dann schon noch zurecht."

Wie die Fleischer standen die beiden Aerzte drinnen in der Wagenremise, hoch aufgeschlagen die Hemdärmeln angetan mit großen, schneeigen Obduktionsschürzen, sUnd das Seziernjesser blinkte. Und der Geruch ngch Wa­

genschmiere und dem Ledergeschirr war mit einem Mal verschwunden, und anstatt seiner durchflutete eine Aether- wolke den primitiven Raum schwer und atembeklemmend. Armer Friedrich, nicht genug war's mit den Grausam­keiten, die der Mörder an Dir verübt, nein, unermüd­lich drängte man ein auf Deinen toten, jungen Körper! Jüngst die Klauen des Satanas und nun das Messer Aeskulaps! Aber würde man, da man Dein junges Fleisch zerfetzte, das Geheimnis entschleiern, das hinter Deiner durchlöcherten, kalten Stirn schlummerte?

So, Kollege, so ist's recht: immer noch tiefer hinein ins Fleisch mit dem Messer, aber ja vorsichtig, damit wir keine größeren Blutgefäße verletzen!"

Diese Worte des Kreisarztes schmeichelten seinem jun­gen Freunde und Kollegen außerordentlich, denn sie be­deuteten ihm eine Anerkennung; eine Anerkennung sei­tens eines alten Berufskollegen, der in seinem Fache Hervorragendes leistetet und der sich sowohl wie andern gegenüber stets kritisch gestimmt war. Ja, das spornte an, und mit jedem Schnitt ging's besser, sicherer mit dem blinkenden, haarscharfen Instrument in seiner Hand.

Verwundert schaute der alte Kreisarzt drein. Und dann kam das zweite Lob:Mein Kompliment, lieber, junger Freund, bei Ihnen geht's ja fixer als bei mir! Sie wer­den noch einmal ein tüchtiger Arzt werden!"

Das finde ich auch!" pflichtete der Untersuchungs­richter, ein wenig lächelnd, bei.In die Fußtapfen eines Bergmann oder Virchow wird er treten!"

O, pardon, Herr Landgerichtsrat," erwiderte etwas verlegen der junge Arzt,das Ziel ist zwar ideal, aber doch ein wenig zu hoch gesteckt!"

Nun, nun, junger Freund, immer geklettert die Stu­fen, solange überhaupt noch irgend welche sichtbar sind)" griff Geheimrat Striebel wieder ein. .

So ging das fort mit dem Gespräch der Drei, her­über und hinüber, und hinüber und herüber; immer m aller Ruhe, in eisiger ®rei^Ä St

Zerstückelung eines vergifteten Kaninchens, nicht aber die eines jungen Menschenkindes.

Und mit einem Male kam das Resultat:Ihre Vor­aussetzung ist vollkommen zutreffend gewesen, Herr Land­gerichtsrat, sagte der Kreisarzt,der Tote ist ausschließ­lich an Gehirnblutung gestorben, heroorgerufen durch die Schußverletzung. Weder eine Spur einer anderen Gewalttat hat sich finden lassen, noch die, daß er in­folge des ausgestandenen Schreckens an Herz- oder Ge­hirnschlag geendet haben könnte. Und die zur Tat ver­wendete Waffe dürfte ein ganz gewöhnlicher Revolver gewesen sein, so wie ihn heute schon jeder Schlingel mit sich führt, Kaliber fünf Millimeter. Der Schuß ist in höch­stens einem Schritt Entfernung abgegeben worden, und der Tod trat auf der Stelle ein."

Nun, das freut mich außerordentlich von Ihnen, Herr Geheimrat, bestätigt zu wissen, und zwar nach zwei Seiten hin. Erstens: wird der fragliche Revolver bei dem Polen, den ich verfolgen lasse, gefunden, so ist der Indizienbeweis ohne weiteres ein vollständiger.Undzwei­tens kann nun der Arm der Gerechtigkeit im Falle des Kutschers mit aller Schärfe gegen den ruchlosen Täter zum Schlagen ausholen, denn diese Tat qualifiziert sich jetzt als ausgesprochener Mord, während, wenn der Tod nicht gleich nach der Tat oder etwa infolge Herz- oder Gehirnschlag eingetreten wäre, nur Körperverletzung mit tödlichem Ausgange, höchstens aber Totschlag vorgelegen hätte."

Ja, ja, die Herren Juristen klassifizieren sie klas­sifizieren und definieren aufs peinlichste. Nur ja nicht zuviel aufgebrummt solch einem Individuum. Meiner Ansicht nach, Herr Landgerichtsrat, ist jeher ein Mörder, der ganz gleich in welcher Weise, auf seinen Mitmen- sche'n eindringt und dessen Leben gewaltsam vernichtet. Kein Unterschied ist's, ob das Opfer nur durch die bloße Faust oder aber durch das gefährlichste Werkzeug deS Täters geendet hat. Und ganz gleich ist's, ob es sein Leben sofort ober erst nach Stunden, ja ngch Tygm aushauchte^