ZchlüchternerMung
mit amtlichem AreisblaLt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 62. Wschenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
Mittwoch, den 2. April 1913,
Amtliches.
Landtagswahl 1913.
J.-Nr. 3278. Im Anschluß an meine Verfügung vom 14. d. Mts. Nr. 2440 A (Kreisblatt Nr. 11) ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die Urwählerlisten gemäß '§ 4 des Reglements vom 14. 3. 1903 und 20. 10. 1906 (siehe Sonderbeilage zum Regierungs-Amtsblatt Nr. 4 von 1907) alsbald drei Tage lang öffentlich auszulegen und, mit der vorgefchriebenen Bescheiniguug versehen, bestimmt bis zum 8. April d. I. hierher ein« zureichen. Ort und Zeit der Listenauslegung sind rechtzeitig vorher in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden und die Herren Gutsvorsteher haben mit der Urwählerliste auch die etwaigen Einsprüche mit gutachtlicher Aeußerung zur Entscheidung hierher vor- zulcgen.
Hinsichtlich der in die Urwählerliste einzutragenden anrechnungsfähigen Steuern wird noch folgendes bemerkt:
a) Bei Wählern, denen ein Gewinnanteil aus der Beiteiligung an einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zufließt, ist der veranlagte Einkommensteuerbetrag, also einschließlich des nach 8 71 Einkommensteuergesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 19. Juni 1906 (Gesetzsammlung Seite 259) uner- hoben bleibenden Steuerbetrages, der auf derartige Gewinnanteile entfällt, in die Listen einzustellen.
b) Was die Auslegung der Worte „Wo direkte Gemeinde-Steuern nicht erhoben werben" in § 3 des Gesetzes vom 29. Juni 1893 (Gesetzsammlung Seiw 103) anbelangt, so ist durch die Neuregelung des Kretsabgabenwesens durch Gesetz vom 23. April 1906 (Gesetzsammlung S. 159.) eine Aenderung der früheren Rechtslage in Gutsbezirken überhaupt nicht und in den Gemeinden nur insoweit herbeigeführt worden, als die direkten Kreissteuern in Gemeinden unter allen Umständen als direkte Gemeindesteuern gelten.
c) Nach § 20 a Einkommensteuergesetzes in der Fassung vom 26. Mai 1909 .(Gesetzsammlung Seite 349) bleiben die auf Grund der §§ 19, 20 a. a.
O. gewährten Ermäßigungen außer Betracht bei Berechnung der zu entrichtenden Steuerbeträge für Wahlzwecke. Auf Grund dieser Bestimmung in ihren Steuersätzen ermäßigte oder staatssteuerfrei gestellte Wähler sind mit den Steuerbeträgen in die Wählerlisten einzustellen, die sie ohne die ihnen zuteil gewordene Ermäßigung oder Befreiung zahlen müßten.
Zu den in § 1 Abs. 2 des Gesetzes vom 29. Juni
Ferbolene Made.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 14
„Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Schwerdtmann," verneigte er sich. Und dann fuhr er fort: „Verzeihen Sie schon, Herr Geheimrat, daß ich Sie durch einen Knecht nur mündlich habe rufen lassen, meine Maßnahmen hier waren so dringende und eilige, daß es mir gänzlich unmöglich war, mid) nach Papier, Tinte und Feder um= zusehen, um Ihnen durch ein paar Zeilen die Sache hierzu erklären. Aber gewiß hatten Sie in Ihrem Städtchen schon gehört von dem, was hier vorgefallen."
„O, ich war so ziemlich von allem unterrichtet, Herr Untersuchungsrichter, und es bedurfte Ihrer amtlichen Zeilen durchaus nicht mehr. Unsere ganze Stadt wußte gestern abend schon von dem scheußlichen Verbrechen. — Ja, und ehe ich an meine Arbeit gehe, Herr Landgerichtsrat: Wie ich hörte, befindet sich mein Kollege Birkner bei der kranken Baronin. Der könnte mich ein wenig unterstützen bei der Obduktion, denn mein mitgebrachter Kollege ist noch sehr jung und in solchen Dingen wenig erfahren. Ich hatte aber leider niemand anders gleich bei der Hand."
„Aber gewiß doch, Herr Geheimrat, gewiß doch, ich habe durchaus nichts dagegen,-ja, gerade lieb ist's mir, wenn die Sache gut klappt und bald beendet wird, denn meine Zeit hier ist sehr beschränkt. Unter allen Umstän- den muß ich heute abend noch mit dem letzten Zuge nach Berlin zurückfahren."
„Es dürfte ja feststehen, daß der Tote ausschließlich an Verblutung gestorben ist infolge der Schußverletzung, aber immerhin, es sind da doch noch andere Punkte in Betracht zu ziehen, die erst durch die Obduktion völlig geklärt werden können, wie vor allen Dingen der Schußkanal selber."
„Natürlich, Herr Landgerichtsrat, natürlich. Und nun . hüte, einen Moment, ich werde bei meinem Kollegen
1893 (Gesetzsammlung S. 103) genannten Wählern, denen an Stelle der Staatseinkommensteuer ein Betrag von drei Mark anzurechnen ist, gehören die auf Grund der genannten Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes staatssteuerfrei gestellten Wähler daher nicht.
d) Es sind nur solche Steuern anrechnungsfähig, die von den Wahlberechtigten auf Grund öffentlich- rechtlicher Verpflichtung gezahlt werden. Die Berücksichtigung auf Grund privat-rechtlicher Verträge übernommener Steuern ist unzulässig.
e) Die Zuschläge zur Einkommen- und Ergänzungssteuer, welche auf Grund des Gesetzes vom 26. Mai 1909 (G. S. S. 85) erhoben werden, bleiben für Wahlzwecke außer Betracht.
Die Wahldruckvorschriften und Formulare werden den Herren Bürgermeistern pp. in den nächsten Tagen zugesandt werden.
Schlüchtern, den 26. März 1913.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 3184. Nach § 4 der Satzung des Feuerwehrverbandes für den Regierungs-Bezirk Eassel ist ein Feuerwehrvertrcter, sowie ein Stellvertreter für den Kreis Schlächtern durch die Orts- und Bezirksbrandmeister des Kreises zu wählen.
Zur Vornahme der Wahl habe ich Termin auf Freitag, den 4. April d. Js. vormittags 10 Uhr im hiesigen Kreishause anberaumt.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Ortsund Bezirksbrandmeister hierzu einzuladen.
Schlächtern, den 26. März 1913.
Der Königliche Landrat: iBalcntUer.
J.-Nr. 1544. K. A. Wiederholt hat der Kreisausschuß beschlossen, den Besuch der landwirtschaftlichen Winterschulen durch Kreisbeihülfen zu unterstützen. Die Beihülfen werden auf Antrag jedoch nur an gering bemittelte Landwirte des Kreises gezahlt, sobald der Nachweis erbracht ist, daß der Ackerbauschüler die Winterschule zweimal hintereinander besucht hat.
Schlüchtern, den 29. März 1913.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.
J.-Nr. 3084. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche m't der Einsendung der Uebersicht über die Verhältnisse der ländlichen Fortbilduugsschule noch im Rückstände sind, werden hiermit daran erinnert.
Die Beläge (Quittungen) über die nachgewiesenen Ausgaben sind mit der Uebersicht einzusenden.
Schlächtern, den 31. März 1913.
Der Königliche Landrat: 3. V.: Schultheis.
Birkner einmal vorsprechen. Wo befindet sich denn ungefähr sein Zimmer, respektive das Krankenzimmer der Baronin?"
„Ganz hinten an der Parkseite zu ebener Erde — aber halt, da ist ja schon der Diener, er wird Sie führen, Herr Geheimrat."
Der alte Kreisarzt stapfte nun die Freitreppe hinauf und ersuchte den dienernden Johann, ihn zu Doktor Birkner zu führen.
Johann aber faßte die Worte des Kreisarztes falsch auf, er dachte, der wolle direkt zur Baronin. Und dagegen sträubte sich sein ganzes Dienertum: „Nein, gnädiger Herr, das darf ich nicht, die gnädige Baronin ist für niemand zu spreche», sie ist sehr krank!" Er vertrat bem alten Herrn fast den Eingang.
„Alter Schafskopf," fuhr Geheimer SanitälsratStrie- bel verdutzt und gereizt den Diener an, „ich habe nicht gesagt, Sie sollen mich zur Frau Baronin führen, sondern zu Herrn Doktor Birkner — zum Arzte, der die Frau Baronin behandelt! Ich bin der Königliche Kreisarzt, und nun führen Sie mich gefälligst zu rhm hin!"
Beklommen führte nun Johann den Kreisarzt den langen Korridor entlang. Seine übergroße Fürsorge für seine Herrin war ihm schlecht belohnt worden.
„Hier, das ist Herrn Doktor Birkners Zimmer," sagte er mit einem Male kurz und entfernte sich sogleich, ohne den alten Herrn auch nur eines Blickes zu würdigen.
„Herein!" ließ sich im Zimmer nach dem Klopfen des Kreisarztes Doktor Birkners Stiinme vernehmen.
Er war aufgestanden und eilte mit vorgestreckter Rechten dem beamteten Kollegen entgegen.
„Nun, Herr Geheimrat, Sie sind gewiß gekommen, um bei der Obduktion des armen Toten da unten meine Hilfe in Anspruch zu nehmen?"
Geraten, Herr Kollege, ich bitte um Ihren Beistand, falls Sie hier irgend abkommen können. Ich habe zwar noch einen Jünger Aeskulaps, der zufällig bei mir zum Besuche weilt^ mitgebracht, aber der hat kapm die Pro- .
Die Einzahlung der Krankenversicherungs-Beiträge für die Zeit vom 30. Dezember 1912 bis zum 30. März 1913 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Spätestens vom 14. April d. J.s ab beginnt bie kostenpflichtige, zwangsweise Einziehung der dann noch bestehenden Rückstände.
Kreiskrankenkasse.
Veröffentlichung der neuen Hreres- und Kosten- deckungsvorlagen.
Die „Nordd. Allg. Ztg." erschien Freitag in später Abendstunde und veröffentlichte den Inhalt der Militär- und Deckungsvorlagen. Man hatte angenommen, daß die entscheidende Bundesratssitzung, die zu der ungewöhnlichen Zeit nachmittags 4 Uhr festgesetzt worden war, nur eine kurze Dauer haben würde, da man nach den eingehenden und ausführlichen Beratungen der Ausschüsse nur mit einem kurzen zustimmenden Beschluß gerechnet hatte. Diese Voraussicht traf jedoch nicht ein. Die Bundesratssitzung, die pünktlich um 4 Uhr begann, dauerte vielmehr bis in die siebende Abendstunde hinein. Die zunächst für 7 Uhr abends angekündigte Extraausgabe der ?„Nordd. Allg. Ztg." verzögerte sich daher auch erheblich.
In der Donnerstag Sitzung des Bundesrates gelangten zur Annahme der Entwurf eines Gesetzes betreffend Aenderungen im Finanzwesen, der Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des Reichsstempelgesetzes, der Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke des Heeres, eine Ergänzung des dem Reichstage vorliegenden Entwurfes des Reichshaushaltselats auf das Rechnungsjahr 1913, der Entwurf eines Gesetzes über das Erbrecht des Staates und der Entwurf eines Wehrbeitragsgesetzes.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" teilte am Freilag abend in vorgerückter Stunde mit: Die neue Heeresvorlage sieht eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke von 544 211 auf 661 176 Mann vor.
Die Infanterie hat künftig 669 Bataillone (bisher 651),
die Kavallerie 550 Eskadrons (516,) die Fußartillerie 55 Bataillone (48), die Pioniere 44 Bataillone (33), die Verkehrstruppen 31 Bataillone (18), der T'ain 26 Bataillone (25),
Die Zivilversorgungsentschädigung wird von 12 auf 20 M. monatlich erhöht, die Geldabfindung von 1500 aus 3000 Mark.
Wie die „Nordd. Allgemeine Zeitung" weiter meldet, betragen die fortdauernden Mehrausgaben:
Für 1913 54 Millionen Mark,
motion hinter sich. Und eilig soll die Sache gehen, denn des Untersuchungsrichters Zeit hier ist sehr beschränkt. Auf alle Fälle muß er das Ergebnis der Obduktion noch heute in sein Protokoll bringen lassen."
„So leid es mir tut, Herr Geheimrat," entgegnete bedauernd Doktor Birkner, „aber ich kann hier kaum abkommen. Und wenn, dann wär's höchstens auf eine Viertelstunde, womit Ihnen doch gar nicht gedient sein könnte."
„Aber Sie sitzen doch jetzt so ganz ungestört in Ihrem Zimmer, Herr Kollege, da--"
„Ganz recht," unterbrach ihn der andere, „die Frau Baronin hat eine zweimalige tiefe Bewußtlosigkeit hinter sich und da schläft sie augenblicklich. Aber sie kann jeden Moment erwachen und dann bricht ihre Unruhe von vorne los, sobald sie meiner nicht ansichtig wird. Denn es liegt tiefer bei der Baronin, als man gemeinhin annehmen könnte. Sie fiebert in einem fort und phantasiert das tollste Zeug zusammen und als ob man sie selber morden wollte, so schreit sie dann plötzlich auf. — Also wie Sie sehen, Herr Geheimrat, ich kann hier beim besten Willen nicht fort, es tut mir wirklich aufrichtig leid!"
„Wenn's so ist, dann allerdings nicht, Herr Kollege. Verzeihen Sie schon, daß ich Sie störte. Adieu einstweilen."
„Bitte, bitte, adieu, und gute Arbeit!"
Gerade als sich der Kreisarzt noch abmuhte, tm Korridor den Ausgang zu finden, hallten plötzlich markerschütternde Schreie durch das stille Schloß: „Ponto! Zu Hilfe, Ponto, sie kommen und wollen mich holen! Komm, komm schnell zu mir, Ponto - so komm doch, Ponto!"
Es war die Baronin gewesen, die, wie Doktor Birkner ganz richtig vorausgesehen hatte, schon erwacht war und in ihrer Fieberangst aufgeschrien hatte. Der Kreisarzt hörte zwei Türen schnell sich öffnen und wieder schließen — der Hausarzt war bei ihr. 197,18*