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mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65.

Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

Mittwoch, den 19. März 1913.

Jahrgang.

Amtliches

J.-Nr. 1239 K.-A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden mit Ausnahme von Sal- münster und Soden ersuche ich, mir innerhalb 14 Tagen zu berichten, ob sie die in meiner Kreisblattverfügung vom 28. November 1912 Kreisblatt Nr. 52 unge­ordnete Aufforderung zum Schutze des Obstbaues PP. erlassen und was sie gegen die Säumigen veranlaßt haben. Nach Anzeige des Kreisgärtners sind die Pflegearbeiten an den Obstbäumen in den meisten Ge­meinden des Kreises noch im Rückstände. In vielen Orten zeichnen sich hierin die Gemeindepflanzungen unvorteilhaft aus. Es ist selbstverständlich, daß wenn die Gemeinden nicht vorbildlich wirken, die Privat­besitzer erst recht säumig sind. Nötig ist es deshalb, daß in erster Linie die Gemeindepflanzungen der Vor­schrift gemäß hergerichtet werden.

Lobenswert ist namentlich die Pflegearbeit an den Obstbäumen im Bezirk der Bahnmeisterei Schlächtern. Dort sind Baumscheiben gelockert, die Rinden entfernt, die Stämmen gekalkt, trockenes Holz entfernt, die Bäume gedüngt und alte nicht mehr tragbaren Bäume beseitigt.

Schlüchtern, den 15 März 1913.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Karfreitag.

Karfreitag, reich an Trauern, Da unser Heiland litt, In heiligem Erschauern Bebt Leib und Seele mit.

O Schmerz, den er getragen,

O Qual und Seelennot!

Für uns aus Kreuz geschlagen, Gemartert bis zum Tod.

Karfreitag, der den Reinen Am Holz des Fluches sah!

Die Sonne ließ ihr Scheinen Am Tag von Golgatha.

Die Erde dumpf erbebte, Der Felsen Brust zersprang,

Weil der verlassen schwebte,

Der liebte lebenslang.

Aus seinen Heilgen Wunden Der Heilsquell sich ergießt,

Das ewige Gesunden In Herz und Adern fließt.

O seliges Genesen

In Jesu Lebenslust!

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Wröotene Ufade.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 9

Ja, der Kommissar hatte vollkommen recht gehabt: nur ein einziger Kerl war hier gewesen, vielleicht gar der eigene Gutsarbeiter des Barons. War's denn nicht möglich? Gewiß doch! Kleiner Streit oder so. Der Kutscher als Zeuge der Tat mußte mit dran glauben. Ah, war das fein, die Spuren hier zu messen. Bald ging's auch an die Sohlen an die wirklichen Sohlen! Mit dem Teu- fel müßte der Kerl im Bunde stehen, sollte man seiner nicht innerhalb der ersten vierundzwanzig Stunden hab­haft werden!--

So, mit dem Messen war's genug, nun den Blitz- apparat heraus! Knick, knack, knips da, da war's gelungen! Auf die Platte gebannt war das Chaos da unten für alle Zukunft. Nun konnte die Zeit von neuem bunte Bilder malen an diesen Ort. Drunter und drüber drüber und drunter, ihn ging's dann nichts mehr an. Halt! bald hätte er's vergessen: Nur eine Blut­probe noch, denn man konnte ja nicht wissen, ob von Mensch oder Tier.

Kriminalschutzmann Spiegel hob da, wo das Blut am stärksten vertreten war, einen Erdklumpen aus, setzte ihn vorsichtig in ein kleines Fach seines Koffers und ver­staute dann auch seine Instrumente. Dann schritt er be­friedigt Schloß Trampitz zu. All das, was sein Koffer barg: Pferdehufe, Menschentritte, Wagenspuren, Hunde­trappen, Blutgerinsel, Straßenkot all das sollte in nicht allzu ferner Zeit paradieren auf dem Tische des Schwurgerichts als untrügliches Beweismaterial gegen den Täter.

Auf dem Schloßhof angelangt, fand Spiegel die ganze Bevölkerung in Aufregung.HerrKommunal"-Kommis- sar, der Friedrich is all gefunden!" rief ihm schon von weitem ein Hofarbeiter zu, in der Meinung, der Schutz-

Was krank an uns gewesen, Sinkt mit ihm in die Gruft.

Ein Neues soll erstehen, Mit ihm zur Osterstund; Des Auferstandenen Flehen, Das betet uns gesund. J. St.

Karfreitagsgedanken.

Ein hoher, heiliger Gedenktag für die Christenheit ist der Karfreitag. Der Gemeindegesang weist auf das Haupt voll Blut und Wunden, die Predigt verkündigt den Kreuzestod des Erlösers. Die evangelische Er­zählung berichtet, wie bei der Tragödie von Golgatha die ganze Natur mitgetrauert habe. Kann es auch etwas Erschütternderes geben, als die furchtbare Tat­sache, daß der Heiland der Welt zum schimpflichsten Tode verurteilt wurde von verblendeten, fanatisch er­regten Menschen, die es nicht einsehen wollten, daß in diesem Weisen von Nazareth ihr eigentlicher und gött­licher Messias erschienen war ! Und diese Schuld senkt sich bleiern schwer auf die Menschen überhaupt. Es liegt ein tiefer, herzbewegender Sinn in Paul Ger­hardts Passionsversen:

Nun, was du, Herr, erduldet, Ist alles meine Last, Ich hab' es selbst verschuldet, Was du getragen hast.

Aber was die Leute zum Bösen wenden wollten, das gedachte eine höhere Weisheit in Gnade und Segen zu verwandeln. Der Gekreuzigte sollte der Sieger über die Sünde sein. Au ihm dürfen sich alle flüchten, die mühselig und belauert sino.

Das Vaterhaus ist immer nah, Wie wechselnd auch die Lose; Es ist das Kreuz auf Golgatha, Heimat für Heimatlose.

Alle die vielen Sorgen und Wirren des Menschen­lebens, alles Suchen und Sehnen der menschlichen Seele, alles kann Kraft und Klarheit, Heil und Trost gewinnen durch Christi bitteres Leiden und Sterben. Sein Kreuz verklärt und vertieft unser Kreuz, wie es einer unserer besten geistlichen Liederdichter sagt:

Bist du ein Christ, nimm auf dich die Beschwerden, Beklage nicht so endlos deinen Schmerz!

Denn der Gekreuzigte vermag ins Herz

Dir doch nicht ohne Kreuz gesetzt zu werden.

So darf am Karfreitage auch der Ton einer heiligen Freude erklingen. Es ist wie eine wunderbare Er­füllung der altprophetischen Hoffnung:Gott will nicht den Tod des Sünders, scndern daß er sich bekehre und lebe!" Tausendstimmig soll's durch die andächtig

rascht hatte Spiegel aufgehorcht und mit langen Schrit­ten steuerte er über den Hof, der Wagenremise zu, in der er seine Gefährten erblickte.

Und was fand er da? Die Leiche des ermordeten Kutschers, lang ausgestreckt auf einem Brett. Furchtbar mit Blut besudelt war das bleiche Antlitz sowohl als auch der Mantel und die Livree. An der linken Stirn­seite, da, wo der Haaransatz sich befand, war deutlich der Quell des Blutes gezeichnet, es war der Ausgang der Kugel, die in die rechte Nackengegend, unterhalb des Oh­res', eingedrungen war und die dem jungen Manne das Leben gekostet hatte. Abgesehen von der grauenhaften Entstellung durch das Blut waren die Züge des Toten jedoch auffallend milde, ein Zeichen, daß er jäh und ohne jeglichen Todeskampf sein junges Leben ausgehaucht ha­ben mußte. Und neben ihm lag der hohe, steife Hut, an der linken Vorderseite ebenfalls durchlöchert.

Aber o weh, was war denn das? Beide Hosenbein- linge waren in Kniehöhe geplatzt?

Spiegel schritt näher hinzu und musterte scharf die betreffenden Stellen. Da trat sein Kollege Wölfert herzu und erläuterte in gedämpftem Tone:Ja, sehen Sie, Herr Kollege, der arme Friedrich hat sogar noch nach sei­nem Tode eine grausame Tat über sich ergehen lassen müssen; man hat ihm die Knie gebrochen."

Die Knie gebrochen, warum denn das?"

Nun, damit er Platz hatte dort in dem Hohlraum unter dem Kutschersitz."

Was Teufel, im Wagen selbst habt Ihr ihn gefun­den in demselben Wagen, den wir uns schon so ge­nau angesehen hatten?"

Natürlich, fest hineingepreßt war er in den Kasten unterm Kutscherbock und die gebrochenen Unterschenkel waren genau parallel an die oberen herangezogen."

Na ja, Platz in der Breite hatte er ja da drinnen, denn wie man sieht, war er janureinschwachlicherMemch.

Und wie habt Ihr ihn denn entdeckt?" _____J

feiernde Christenheit rauschen: Versöhnt erlöst!

In Wolframs Parzival spricht ein würdiger Greis im Blick auf Karfreitag:Er hat sein heiliges Leben um unsre Schuld dahingegeben, sonst wär' der Mensch ver­loren !" Das ist und bleibt das gewaltige Thema aller Karfreitagspredigt, und es ist zugleich eine beredte Mahnung, nun auch allewege einen ehrlichen, freudigen Dank zu bekunden. Die bloße Augenblicksstimmung tut es nicht, und wenn sie noch so zart und rührend wäre.

Wer vom Karfreitag einen wirklichen Segen haben will, der muß ihn dankbar mit in sein Berufsleben, sein Haus und sein ganzes Wünschen und Handeln nehmen, den gekreuzigten Herrn und Heiland. Viel­leicht erregt es bei armseligen Geistern Widerspruch und Spott. Was tul's? Der Karfreitsgsglaube ist doch kein leerer Wahn. Eine christliche Weltanschauung ohne Golgatha wäre ein Widerspruch in sich selbst. Da gilt es eben tapfer zu bekennen. Das Zeugnis der persönlich innerlichen Erfahrung ist wahrlich keine geringe Sache. Möge es nach wie vor unzähligen Christminenschen aus der Seele gesprochen sein, was im 14. Jahrhundert ein frommer Sänger im gläubigen Gebetstvn bekannte:

Gegen aller Feinde Stürmen Laß mich, Herr, dein Kreuz beschirmen, Deine Gnade leuchte mir!

Deutsches Reich.

Das preußische Herrenhaus nahm am Donners­tag in einer ganz kurzen Sitzung debattelos zwei Vor­lagen über Errichtung von Amtsgerichten sowie die Novelle zum Gesetz über die Haftung des Staats für Amtspflichwerletzung von Beamten an und erledigte dann ebenfalls debattelos mehrere Petitionen gemäß den Anträgen der Kommission. Am Freitag wurde die Grenzvorlage für die Kreise Calba-Jerichow und ihre Amtsbezirke ebenso wie im Abgeordnetenhause unverändert angenommen. Der vom Hause mit einigen Aenderungen am Regierungsentwurf bereits einmal angenommenen Hinterlegungsordnung wurde in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung en bloc zugestimmt. Sodann erstattete Bergrat Remy den Bericht der Handelskommission über den Betriebsbericht der preußischen Bergverwaltung für das Rechnungsjahr 1911. Das Haus nahm den sehr eingehenden Bericht zur Kenntnis und ging nach Erledigung einer Petition in die Osterferien.

Das preußis che Abgeordnetenhaus setzte zunächst die Beratung über den Antrag der Budgetkommission, kinderreichen Unterbeamten Teuerungszulagen zu ge­währen, und über mehrere andere Anträge über dieselbe

Fango, Kollege, Fango, das geniale Tier hat's voll­bracht. Sie haben ja gesehen, wie er vom Platze stob. Und dieses Tempo hielt er inne die ganze Tour, so daß ich ihn fortwährend habe anrufen müssen. Und ohne Halt ging's dann über den Hof hinweg bis zur verschlossenen Remise, die er laut und freudig verbellte. Na, Schliissel vom Oberinspektor holen und aufschließen war dann für mich eins. Und hineinstürmen und den Kutscherbock ver­bellen war für Fango auch eins. In höchsteigener Per­son war da der Herr Kommissar auf den Kutscherbock geklettert und hatte Polster und Deckel heruntergerissen und ja, und da hatten wir die Bescherung."

Herr Oberinspektor," wandte sich jetzt der Untersu­chungsrichter an Eisele, der als Einzigervon denSchloß- bewohnern unter den Beamten hatte verweilen dürfen, schicken Sie, bitte, sofort nach dem Kreisarzt! Ich ließe bitten, sogleich die Leiche hier zu obduzieren. Und ist der Bote zurück, dann versammeln Sie mir, bitte, sämtliches männliches Gesinde unddieArbeiterdiesesHofesanirgend einem passenden Orte. Aber wie die Leute gehen und ste­hen, in Holzschuhen oder Pantinen, je nachdem! Wird Ihnen das möglich sein?"

Aber gewiß, HerrUntersuchungsrichterlJctztimSpät- herbst haben's dieLeute nicht so eilig mit der Arbeit. Und überhaupt, wo es sich um den seligen gnädigen Herrn Baron und den guten Friedrich handelt, da stelle ich Ihnen sofort den ganzen Hof auf den Kopf, wenn sie s nur wünschen!"

O, das ist ein schöner, menschlicher Zug, Herr Ober- inspektor. Aber ich stelle Ihnen noch eine Bedingung: Lassen Sie bei den Leuten nichts verlauten, daß sie aus meine Anordnung sich versammeln müssen! Irgendein un-r auffälliger Vorwand Ihrerseits wird sich doch wohl fin» den lassen!"

Die Leute sollen nicht erfahren, wer nach ihnen Ver­langen trägt, Herr Rat. Einen Vorwand werde ich schon finden." . . ... 197,18^