Schlüchtemer Zeitung
mit amtlichem Arsisblatt. MonatsbeilagG Landwirtschaftlicher Ratgeb^.
r-l-f°» Nr.«». : Illustriertes Sonntagsblatt? Telefon Nr. 65,
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum'l2 pfg.
M 22.
Amtliche».
Bekanntmachung.
Beim unterzeichneten Kommando werden am 1. Oktober 1913 mehrere Zweijährig-Freiwillige (Schreiber) eingestellt.
Gewandte Leute mit schöner Handschrift, welche auf einem Büro mit Erfolg tätig waren und eine tadellose Führung nachweisen können, wollen sich umgehend unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, der Schul- und sonstigen Zeugnissen melden.
Hanau, den 7. März 1913.
Königl. Bezirkskommando Hanau a. M.
Palmsonntag.
Palmsonntag! Die Lüfte voll Lieder,
Am Wiesenrand Veilchen erblühn,
Und junge Menschen nun wieder
In erster Liebe erglühen.
Sie wollen den König begleiten
Auf seinem festlichen Gang,
Sie wollen Palmen ihm breiten, Wo er den Weg zieht entlang.
Der König, umklungen von Psalmen,
Sein Antlitz mit Trauern verhüllt.
Noch ehe hinwelken die Palmen.
Hat ihm sich das Schriftwort erfüllt:
„Sie werden ihn hassen und schmähen,
Sie werden ihn bringen in Not!"
O wollt ihr zur Seite ihm stehen, Der für euch erlitten den Tod?
Palmsonntag! Ihr ivollt am Altare
Dem König geloben die Treu'.
Das Seligste euch widerfahre:
Liebt ihn, der euch liebte, stets neu.
Im weihet, dem Manne der Schmerzen,
Das Beste, was Jugend entzückt.
Sein Bild tragt als schönstes am Herzen,
So seid ihr auf ewig geschmückt.
Palmsonntag.
Viele Hunderte junger Menschenkinder beginnen in diesen Tagen, deren Mittelpunkt als Konfirmationstag der heutige Palmsonntag ist, das erste Jahr in ihrepr eigentlichen Leben, in dem Leben, das identisch ist mit Kampf. Voll rosiger Hoffnung ist der Ausblick, mit Freuden ist die Schultasche in die Ecke geworfen worden. Die Kinderschuhe wurden bei Seite gestellt, guten Mutes hat man Abschied genommen von Lehrern und Mitschülern, mit denen man so manches Jahr zusammen einem Ziele zugestrebt — jetzt beginnt das
verbotene Made.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 7
„Nun, dann hoffen wir, daß wir uns auch heute in Fango nicht täuschen," beschwichtigte sich der Untersuchungsrichter.
Die Gruppe war unausgesetzt zu beiden Seiten des Weges gegangen, um etwaige Spuren so nach Möglichkeit zu schonen, und wenngleich auch einer oder der andere der Herren seine Ausführungen gemacht, so waren ihre Augen doch unentwegt auf die Landstraße zu ihren Füßen und rechts und links auf das Gebüsch gerichtet gewesen. Suchen, spähen — spähen, suchen, wie vor ihnen der Hund, das war ihnen schon in Fleisch und Blut "bergegangen. Sie teilten sich ja in zwei Ichs: das eine sprach und dachte, nickte und schnitt Gebärden, und das andere stierte und forschte und kombinierte unentwegt. —
„Fango, hierher!" rief Wölfert mit einem Male seinen Hund zurück und nahm ihn beim Halsband, denn He waren in unmittelbarer Nähe des Gendarmen angelangt, der immer noch den Tatort absperrte.
Freudig begrüßte der das Erscheinen des Gerichtes und der Kriminalpolizei, denn er wußte, daß er jetzt von seinem Posten erlöst werden würde. Gestanden hatte er seit gestern abend, als ihn der Befehl des Amtsvor- stehers hier festgebannt, und zwar seit Anbruch des Tages mutterseelenallein; denn da waren die beiden Knechte emgezogen worden.
„Haben Sie während Ihrer Wache hier nichts Der- vachtiges wahrgenommen?" fragte der Untersuchungs- nchter gespannt den Gendarm.
„Nein, Herr Landgerichtsrat, nichts!" erwiderte der Gendarm, der die Herren bereits kannte.
„So! — Na, dann sind Sie vorläufig hier entlassen. Wenn wir Sie brauchen sollten, lasse ich Sie rufen. Un- ternehuren Sie bis aus weiteres ohne Befehl keine wel-
Samstag, den 15. März 1918.
neue Leben! Meist bleibt nichts als die Erinnerung. Freilich wird diese Erinnerung immer intensiver, je älter der Mensch wird, und immer mehr vermischt sich dann die Erinnerung mit dem wehmütig sehnsüchtigen Gefühl, noch einmal so jung, so lustig, so ungebunden und so ohne Sorgen sein zu können.
Früher gab es noch eine sichtliche Erinnerung an die Schulzeit bis in die ältesten Tage hinein, doch nimmt diese Sitte, man möchte sagen leider, immer mehr ab. Sie findet sich nur noch an manchen kleinen Orten: die Sitte des sogenannten Stammbuchs oder kurzweg des Albums. Manche prächtigen Zeilen echten Volkshumors fanden sich in diesen Stammbüchern, wie sich die älteren unter unseren Lesern und Leserinnen Wohl noch entsinnen werden. Aber leider ist es ja eine bekannte Tatsache, daß der echte, wahre Volkshumor immer mehr zurückgeht, besonders in Nord- und Mitteldeutschland, wo er früher auch noch genug Heimstätten hatte. Er wird meist zur bissigen Satire oder zum öden Wortspiel, von denen sich dann weitaus die meisten Witzblätter nähren. Und von diesem unter dem grimmen Kampf ums Dasein immer mehr unterdrüAen lächelnden Pflänzlein Volkshumor möchten gerade noch recht viele Aussaaten geschehen.
Das sei auch eine Mitgabe an die jungen Christen, die nun ins Leben treten: Laßt euch euren Kindersinn nicht rauben, freuet euch über das Schöne und lacht über die kleinlichen Sorgen hinweg! Diese Mitgabe, dieses Samenkorn ist ebenso der Beachtung wert wie das in Goldschnitt gebundene Buch und all die tausenderlei guten Lehren, die heute gegeben, morgen vergessen sind. Nicht, daß sie überhaupt überflüssig wären, aber huret euch vor bem Zuviel; Wenig und gut! Das bleibt.
Und unter dem Wenigen, da sei den neuen Bürgern der freudige, freundliche Sinn stets bewahrt. Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen leichtem Sinn und Leichtsinn. Nicht schäme dich nun mit einem Male der Spiele und des Gefühlslebens deiner Kindheit und denke womöglich, Bier und Zigarre und Schimpfen am Biertisch, das mache dich zum rechten Manne! O nein ! Behalte deinen guten Kindersinnn, bewahre vor allem deine Ideale! Das ist ein Spruch, der nicht bloß den Neukonfirmierten nötig ist, sondern sehr vielen, die schon lange, lange ihr Konfirmationsröcklein ausgezogen haben. ___________________'
Deutsches Reich.
— Der Reichstag nahm am vergangenen Sonnabend zunächst das Etatsnotgesetz in zweiter und dritter Beratung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an. Beim Etat der Schutzgebiete entspann sich eine aus
tereu Streifen, damit Sie dann gleich zu erreichen sind. Verstanden?"
„Jawohl, Herr Landgerichtsrat."
Der Gendarm schlug seine Stiefelabsätze zusammen, machte Kehrt und ging.
„Ah, da sind ja eine Menge Blutspuren!" blieb Untersuchungsrichter Schwerdtmann plötzlich vor einer rötlichen Stelle inmitten des Weges stehen; er bückte sich gespannt herab. „Schade, schade nur, daß sie vom Regen stark verwischt worden sind!"
„Jawohl, Herr Landgerichtsrat, und hier sind die auffallend großen Fußtapfen, von benyt ich vorher auch schon berichtete; schon fast zerstört sind sie von den Pferdehufen. Und da die Radspuren, wo der Wagen des Barons umwendete," erläuterte der Amtsvorsteher.
„Ah, das ist wirklich köstlich: Blutspurenund dieFuß- tapfen des oder der Täter! Und dazu der Beweis, daß der Wagen hier umwendete, also daß wir uns auf alle Fälle am Tatort befinden. Bei Gott, was wollen wir da noch mehr! — Hund auf die Spur, Schutzmann, und zwar zuerst auf die Fußtapfen!"
„Jawohl, Herr Rat," erwiderte Wölfert. Er führt« Fangos Nase auf einen der Fußabdrücke und ließ den Hund frei: „Such', Fango, such' Spur!"
Nicht schnell genug war der Spürhund losgekommen, fast hätte er im Eifer seinen Herrn umgerissen. Als wollte er die Fußspuren da unten verschlingen, so ging das von einer zur andern. Die Nase witterte und schnupperte, hob sich und senkte sich wieder und gab stoßweise Geräusche von sich, als sei ein kräftiges Niesen über ihn hereingebrochen. Und die Rute arbeitete und pendelte in einem fort.
Da — nun fing der Hund an einen Kreis zu ziehen quer über den Weg, bald war er an der linken Seite der Straße, bald au der rechten — immer rundum, als war er plötzlich toll geworden.
„Nanu," staunte KriminalkommissarvonBehlow,„der wird doch nicht?" ^
64. Jahrgang.
gedehnte Debatte über die Förderung der Baumwoll- kulturen, auch wurden mannigfache Anregungen für weitere Erschließung der Kolonien gegeben, auf die Staatssekretär Dr. Solf bereitwillig einging. Mehrere Beschwerden des Abg. Dr. Quessel (Soz.) über die Verhältnisse in Südwestafrika veranlaßten den Gouverneur dieser Kolonie Dr. Seitz zu längeren Ausführungen, in denen er besonders die Verbannung der verbrecherischen Hottentotten nach Kamerun rechtfertigte und betonte, daß für die Hebung der Gesundheitsverhältnisse in der Kolonie viel getan werde. Beim Etat für Kiamschou wies der Abg. Dr. Heckscher (fortsch. Vp.) auf die hohe Bedeutung des deutschen Schulwesens in dieser Kolonie hin, welches das beste Mittel sei, um deutscher Kultur und deutscher Arbeit Eingang in China zu verschaffen. Staatssekretär v. Tirpitz bestätigte diese Ausführungen und bezeichnete die Universität in Tsingtau als die Krönung des gangen deutschen Schulwesens in China. Die übrigen Etats« kapitel wurden en bloc angenommen. Zum Schluß wies Präsident Dr. Kaempf in einer Ansprache auf die Bedeutung der Jahrhundertfeier hin, darauf ging das Haus bis zum 2. April in die Osterferien.
— Das preußische Abgeordnetenhaus bewilligte am vergangenen Sonnabend zunächst den Etat der Zentral- genossenschaftskasse nach unwesentlicher Debatte. Das Gesetz über die Ausnutzung der oberen Weser zur Elektrizitätsgewinnung wurde in zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen. Dann kam das Ausgrabungsgesetz an die Reihe. Nach dem Gesetz sollen Ausgrabungen wertvoller Altertümer nur in der Weise erfolgen, daß das öffentliche Interesse an der Ford genug der Wissenschaft und Denkmalspflege nicht beeinträchtigt wird. Die Redner aller Parteien erklärten sich mit diesem Grundgedanken einverstanden. Das Gesetz wurde der Justizkommission überwiesen. Die nationalliberalen Anträge auf Erlaß eines Gesetzes über die Polizeiverordnungen und Orisstatute und Zulässigkeit der Anfechtung amtlicher Verfügungen sowie auf Sammlung und Sichtung des vorhandenen Rechtsstoffs wurden angenommen.
— Die Jahrhundertfeier zur Eriuneruug an die Erhebung Preußens ist in der Reichshauptstadt und im ganzen Lande festlich begangen worden. In Berlin fand ein Festgottesdienst im Dom und eine militärische Feier im Lustgarten statt, bei welcher der Kaiser vor dem Denkmal des Königs Friedrich Wilhelm III. einen Tagesbefehl „An mein Heer" verlas. Bei der Feier in Breslau hielt Prinz Eitel Friedrich eine Ansprache. Die Feier in Kiel fand in Anwesenheit des Prinzen Heinrich statt.
Wölfert -nahm nun denHund bei der Binde und führt« ihn abseits vom Wege ins Gras, um dort etwaige Spuren, die das bloße Äuge nicht wahrzunehmen vermochte und die Fango vielleicht entgangen sein konnten, zu entdecken. Das' Gras stand zwar kerzengerade, aber immerhin — irgend woher mußte der oder mußten die Erzeuger dieser Fußtapfen doch gekommen, und ebensoirgend wohin gegangen sein.
„Such', Fango, such' Fährte!" hetzte der Schutzmann den Hund.
Er suchte ja die Fährte, wie toll, der Hund. Er suchte und verfolgte sie, soweit überhaupt eine vorhanden war. Und dann stand er mit einem Mal wie angemauert und blickte ratlos und zaghaft seinen Herrn an. Nein, eine Fährte war nicht links und auch nicht rechts im Grase, nicht vorwärts und auch nicht rückwärts, sondern nur allein in die Straße war die eingeprägt.
„Absuchen mit der Lupe das Gras!" befahl der Untersuchungsrichter. „Vielleicht sind unsere Augen hinterm Glase schärfer als die Nase des Hundes. Und auch gleich nach Revolverkugeln gesucht!"
Im Nu hatten die drei Kriminalbeamten ihre List- putgläser ins Auge geklemmt und haarscharf wurde in gebückter Stellung ringsum das Gras abgesucht. Wie interessant das war: oftmals vergrößert hob sich ein jedes Grashälmchen vom Erdboden ab, als wär's ein kleines Bäumlein, prangend im bunten Herbstschmuck. Wie Kristall schimmerten daran die winzigen Tröpflein, die Ute- gen und Nebel zurückgelassen hatten. Zwischen den einzelnen Pflanzen lagerten Erdklümpcheu, sandig und lose zusammengefügt, die die Räder und Pferdehufe von der Straße abgeschleudert hatten. Hm und wieder lustwan. delten in diesem Urwalde kleine Käfer, räkelte sich langsam und träge ein dicker Regenwurm oder eine Schnecke. Allein von den Fußtapfen der oder des Mörders war absolut nichts zu entdecken, viel weniger noch war eine fffpolDe^ -. — . - - —( ^1^