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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
T-l-so« Nr. «S. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.' Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
Mittwoch, den 12. März 1913.
Amtliches, »ekauntrnachitug.
Beim unterzeichneten Kommando werden am l. Oktober 1913 mehrere Zweijährig-Freiwillige (Schreiber) eingestellt.
Gewandte Leute mit schöner Handschrift, welche auf einem Büro mit Erfolg tätig waren und eine tadellose Führung nachweisen können, wollen sich umgehend unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, der Schul- und sonstigen Zeugnissen melden.
Hanau, den 7. März 1913.
Königl. Bezirkskommando Hanau a. M.
Ein Tag des Crinnerns und Gelobens.
(Zum 10. März.)
Voll und feierlich tönten am 10. März, an dem Geburtstage der edlen Königin Luise, der stillen Dulderin auf dem Throne, der eS leider nicht vergönnt war, das Morgenrot einer neuen Zeit mitzuerleben, die Glocken durch Deutschlands Gauen, um das deutsche Volk an jene große Zeit vor hundert Jahren zu erinnern, da unsere Väter das Joch der napoleonischen Fremdherrschaft von sich warfen. Und das deutsche Volk hat allen Grund, jener Zeit mit stolzer Freude zu gedenken; denn wäre auch nichts errungen worden, so würde doch der Geist, der damals das Volk durchwehte, demselben fort und fort zum Stolze gereichen, der Geist, der alles irdische Gut, Ruhe und Frieden, ja selbst das Leben gern zum Opfer bringen will für die Freiheit und Ehre des Vaterlandes. Jene Zeit erhob die Herzen mit solcher Allgewalt, daß sie nur ihrer großen gemeinsamen Pflicht gedachten und > le Leidenschaften und Eigennutz zurücke..n. J^r. fühlte, daß der schwere Sieg nur im Glauben und in der Zucht gewonnen werden könne, und so ist die Zeit der Befreiungskriege zugleich die Befreiung von den Banden des Unglaubens geworden.
Wenn daher die Sozialdemokraten im Berliner Rathause erklärten, das Volk habe gar keine Veranlassung, jener Zeit feierlich zu gedenken; das Volk sei damals um seine Versprechungen betrogen worden, und noch bis auf den heutigen Tag sei die staalsbürger« liche Gleichberechtigung nicht erreicht, so ist das eine ganz törichte und verwerfliche Geschichtsfälschung. Denn die damalige einmütige Erhebung des deutschen Volkes galt nicht einem abstrakten Freiheitsbegriff, nicht dem Erringen parlamentarischer Freiheiten und Rechte, sondern der Befreiung von der napoleonischen Fremdherrschaft. Deshalb ist es auch richtiger, von den Befreiungskriegen statt den Freiheitskriegen zu reden. Das hat bereits kein Geringerer als Fürst Bismarck
Meröotene Ufade.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 6
„Nur viel Ruhe müssen Sie haben, gnädigste Baronin, Ruhe und immer wieder Ruhe, dann werden Sie bald wieder Ihrer Nerven Herr sein," sprach Doktor Birkner denn auch auf die Erwachte ein. „Und," fuhr er tröstend fort, „der Herr Baron wird schon noch kommen zu seiner heißgeliebten Gemahlin, er wird schon bald zurück- tommen von der Reise. Ja, gnädigste Frau Baronin, der Herr Baron ist nur plötzlich verreist — dringender Geschäfte halber verreist; tot ist er nicht, nein, er ist nicht tot, gesund und munter ist er. Der Dürkopp ist ein Narr gewesen, daß er seiner gnädigen Herrin in der Rage gestern so etwas vorschwatzte. Lachen muß man über solch tölpelhaften, leichtfertigen Menschen — lachen, Frau Baronin!"
Bei seinem letzten Satz hatte der alte Arzt sein Gesicht in hundert Falten gezogen, also daß es aussah, als ob er selber lachte.
Und siehe da, die Suggestion war vollkommen gelungen: ein kaum wahrnehmbares Lächeln glitt über die bleichen Züge der Baronin, gleichsam als schenkte sie dem Arzte vollen Glauben, als hoffte sie in diesem Augenblick auf die gesunde Rückkehr ihres Gemahls. Ihr schönes Auge heftete sich wie dankend an das des Hausarztes.
Da ward plötzlich leise und schüchtern an die Tür gepocht.
Doktor Birkner schritt hinzu und öffnete vorsichtig. Da sah er in das bleiche, alle Spuren der größten Auf- j reguug tragende Antlitz Annas, der Kammerjungfer der Baronin.
Als ob er's ahnte, womit sie komme, machte er hastig eine abwehrende Handbewegung und seine Gebärden hießen sie, sich ihres Anliegens in leisestem, ruhigstem Tone ZUMWiAm» s-
ausgesprochen, der im Jahre 1^47 im Vereinigten Landtage dem Abgeordneten von Saucken-Tarputschen erwiderte: „Ich fühle mich gedrungen, dem zu widersprechen, als ob die Bewegung des Volkes von 1813 anderen Gründen zugeschrieben werden müßte und es eines anderen Motivs bedurft hätte als der Schmach, daß Fremde in unserem Lande geboten. Es heißt der Nationalehre einen schlechten Dienst erweisen, wenn man annimmt, daß die Mißhandlung und Erniedrigung, welche die Preußen durch einen .fremden Gewalthaber erlitten, nicht hinreichend gewesen seien, ihr Blut in Wallung zu bringen und durch den Haß gegen die Fremdlinge alle anderen Gefühle übertäubt werden zu lassen."
Der 10. März sollte aber auch ein Tag des Gelobens sein. Auf dem Fundament des Befreiungsjahres baute sich das Jahrhundert stolzester deutscher Geschichte auf, zunächst in jahrzehntelanger Vorbereitung, bis uns die Jahre 1870/71 Kaiser und Reich brachten. Wir haben in Frieden bauen dürfen und den Frieden gehütet, aber die beiden letzten Jahre rüttelten hart an dem Friedensglauben und hämmerten selbst den stumpfen Massen die Gewißheit ein, daß wir jeden Augenblick wieder vor die ernste Probe, vor den Kampf um unser Dasein als Staat und Weltmacht gestellt werden können. Der Mangel einer Heeresverfassung auf breitester Grundlage war die Ursache von Preußens Niedergang im Jahre 1806. Zeigen wir daher jetzt durch einmütige Annahme der neuen Heeresvorlage im Reichstage, daß wir der Väter wert sind, und daß auch uns alle der Wille zum Siege beseelt, der 1813 den Sieg brächte. Bereit sein ist alles, und dem Frieden und unserem Volke dienen wir am besten, wenn wir uns stark erhalte« und keine Lücke in unserer Rüstung dulden, wenn wir aber auch neben der militärischen u. finanziellen Kriegsrüstung die ebenso wichtige moralische Kriegsbereitschaft nicht vergesfen und dafür sorgen, daß in unserem Volke der waffenfrohe Geist erhalten und geweckt, die Schädlinge unseres Volkes mit ihrer Aussaat von Staatsfeindlichkeit und Vaterlandslosigkeit, mit ihrer kosmopolitischen Friedensschwärmerei und Verbrüderungsideen, bei denen Deutschland stets am schlechtesten wegkommen würde, am Boden gehalten werden.
Schließlich wollen wir aber auch noch bedeuten, daß die großen Erfolge vor hundert Jahren darin zu suchen sind, daß das preußische Volk seine sittliche Lebensanschauung und den Glauben an seinen Gott wiedergefunden hatte, was auch unser Kaiser in der alten Preußenstadt Königsberg sowie bei der studentischen Feier in Berlin betont hat. Die Wurzeln der Kraft eines Volkes ruhen in der Gottesfurcht, der Pflicht
Allein die Zofe war so in Rage, daß sie ungeachtet der stummen Warnungen des Arztes laut und polternd herausstürzte: „Herr Doktor, die — die Gerichtskommission ist da und will —will die Untersuchung vornehmen, vielleicht gar — gar die gnädige Frau Baronin vernehmen."
„Potztausend, ist das eine ungeschickte Bande, dieses Gesinde hier!" fluchte Doktor Birknerinnerlich. Am liebten hätte er der Zofe eine Ohrfeige versetzt, aber es hieß a, sich selbst zu beherrschen bis ins kleinste, vielleicht hatte )ie Baronin nichts gehört.
„Die gnädige Frau Baronin ist bis auf weiteres für niemanden zu sprechen, Anna — hören Sie, für niemanden!" sagte er scheinbar vollkommen ruhig und drückte dann das Schloß leise in die Tür und schob den Riegel
vor.
Als er sich aber umwandte, um nach dem Bett seiner Patientin zurückzukehren, da sah er schon wieder die Bescherung: mit geschlossenen Augenlag die Baromn da, fuchtelte krampfhaft mit den Armen umher, unb da — ein durchdringender Schrei und sie war wieder in tiefste Bewußtlosigkeit verfallen. Annas Worte draußen waren ihr nicht entgangen — sie hatten dieses Werk von neuem vollbracht. M
Mit einem Satz war Doktor Birkner bei seinen Medikamenten und mit einem zweiten an dem Bett der Baronin. Nun konnte das Spiel wieder von vorne an- gehen. — ,
5. Kapitel.
Die von der Zofe signalisierte „Gerichtskommission" aber trug vorerst gar kein Verlangen nach der Baronin, denn eS war ihr ja bei Ankunft im Schlosse nutgeteilt worden, daß die Baronin schwer krankdarmederliege. Für sie hieß es, vor allen Dingen draußen die vorhandenen Spuren aüfzunehmen. Erst an Hand der ersten Entdek- kungen sollte dann mit den Verhören begonnen werden.
treue und der Liebe zu König und Vaterland, und uns diese drei als unversteglichen Kraftquell für alle Zukunft zu erhalten und zu stärken, das muß heute unser heiliges Gelöbnis sein.
Deutsches Reich.
— Das Kaiserpaar im Mausoleum. Auf das Mausoleum in Charlottenburg, die stille, in Park und Busch liegende Ruhestätte des alten Kaisers und anderer Hohenzollern, waren gestern die Gedanken von Millionen gerichtet. Am Vormittag freilich war die Besuchsmöglichkeit für das Publikum beschränkt; wie immer am 9. März war er der kaiserlichen Familie Vorbehalten. Eine sehr zahlreiche Menge hatte sich am Tor des Schloßparkes versammelt und säumte auch den Zu- fahrtsweg von der Berliner Straße aus. Sehr schön machten sich die Gebäude der Elisabether-Kaserne in ihrem schlichten Schmucke. Ein einfaches Tannengewinde zog sich von Fenster zu Fenster. Dazwischen hingen bekränzte runde gelbe Schilde mit gelben Schleifen mit den Namen von hervorragenden Schlachten aus den Freiheitskriegen und auch dem deutsch-französischen Kriege. Um 1174 Uhr nahten drei kaiserliche Kraftwagen mit dem Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise, der jungen Braut. Die Tore öffneten sich und die Herrschaften fuhren ein. Am Eingang zum Mausoleum nahmen sie prächtige Kränze entgegen und stiegen dann zur Gruft. Das Mausoleum trug herrlichen Blumei schmuck. Zahlreiche Kranzspenden waren auch schon eingetroffen, u. a. von der verwitweten Frau Großherzogin von Baden, der Tochter Kaiser Wilhelms. Bei der Abfahrt (wie schon bei der Anfahrt) wurden die Majestäten von dem Publikum ehrfurchtsvoll begrüßt.
— Berlin. Für die Nationalspende zu Kaisers Jubiläum für die christlichen Missionen in den deutschen Kolonien hat Baron von Schröder-Hamburg-London 100 000 Mark gespendet.
— Der Reichstag setzte am Donnerstag nach debatteloser Erledigung des Etatsnotgesetzes die Beratung des Kolonialetais fort. In der Debatte wurden allerlei Wünsche vorgebracht. So wünschte Abg. Semmler (natl.) die schleunige Errichtung eines Denkmals für die in Afrika gefallenen Soldaten, worauf Staatssekretär Dr. Solf mitteilte, daß die Vorbereitungen für die Errichtung des Kolonialdenkmals schon weit gediehen seien und daß gegenwärtig mit Berlin wegen der Platzfrage verhandelt werde. Abg. Liebert (Rp.) betonte den Wert der Eisenbahnen für die Ausschließung der Kolonien. Zum Schluß legte Staatssekretär Dr. Solf noch einmal ausführlich den Stand-
dem Amtsvorsteher von gestern abend,Kriminalkommissär von Behlow und den Kriminalschntzleuten Wölfert und Spiegel. Die letzteren Drei gehörten zu den gewiegtesten Kriminalisten des Berliner Polizeipräsidiums. In ihrer Begleitung befand sich noch Fango, der berühmte Polizeihund, den Wölfert selbst dressiert hatte.
„Vorwärts nun, auf die Fährte, meine Herren!" befahl der Untersuchungsrichter, nachdem er sich vom Amtsvorsteher über die Geschehnisse noch eingehend hatte unterrichten lassen und sich den verhängnisvollen Wage« genau angesehen hatte.
Kriminalschutzmann Wölfert holte seinen Hund herbei und nun ging's los, im Geschwindschritt über den Schloßhof, am Park vorbei und entlang den schlüpfrigen Weg, hin zum Tatorte. Fango, der Hund, konnte gar nicht erwarten, bis er auf irgend eine Fährte gesetzt wurde. In weiten Sprüngenschoß erseinemHerrnooraus,schnupperte hier und da am Boden, kam mit klugen, fragenden Augen zu seinem Gebieter zurück und schoß dann wieder nach vorne.
„Der ist heute wieder mit allen Fasern seines Spür- Hundetums dabei, Herr Landgerichtsrat," freute sich Kriminalkommissär von Behlow. „Hoffentlich hält er, was er verspricht!"
„Ich fürchte gar, der Hund ist schon ein wenig zu nervös, Herr Kommissar," erwiderte der Untersuchungsrichter. „und das ist manchmal gar nicht gut. Er könnte in seinem Eifer manches übergehen."
„O nein, Herr Rat, der nicht, Fango nicht. Der ist wie ein entschlossener, genialer Mensch, der in seinem ungestümen Drang ohne Schlacken ist, der seinen Götter- funken mit Hurra ausnützt und schon am Ziele ist, wenn ein anderer mit seinem Zögern und Ueberlegen noch weit im Hintertreffen ist." DerKommissar hatte sich zu Schutzmann Wölfert gewendet: „Nicht wahr, Wölfert?"
„Jawohl, Herr Kommissar," erwiderte er geschmeichelt. . , , . - - - v — ... 197,18*