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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeb^-.

Telefon Nr. HT Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 14 Samstag, den 15. Februar 1913. 64. Jahrgang.

Rückblick der Hanauer Handelskammer auf das Wirtschaftsjahr 2913

In der Plenarsitzung der Hanauer Handelskammer am 5. d. M. hielt deren Vorsitzender, Herr Kommen zienrat Canthal, unter Bezugnahme auf die von Herrn Dr. phil. Grambow ausgearbeitete Einleitung zum Jahresbericht der Handelskammer für 1912, folgende Ansprache:Meine Herren ! Die aus unserem Handels­kammerbezirk eingegangenen Berichte über das Wirt­schaftsjahr 1912 lauten der großen Mehrzahl nach dahin, daß der Geschäftsgang im allgemeinen recht zu­friedenstellend war. In fast allen Branchen wurden erhöhte Umsätze erzielt; inwieweit sie auch höheren Nutzen brachten, läßt sich allerdings nicht mit Sicher­heit erkennen. Aber erfreulicherweise haben wir ja von Jahr zu Jahr eine fortschreitende Entwicklung und eine Kräftigung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage in unserem Handelskammerbezirk feststellen können und so wird dies auch ohne Zweifel im abgelaufenen Jahre der Fall gewesen sein. Nur einige wenige Gewerb- zweige haben über das Jahr 1912 ungünstig berichtet: die Goldkettenindustrie, welche unter dem Wechsel der Mode und starker Konkurrenz litt, und die Silber- Warenindustrie, für welche sich zu gedrückten Preisen noch eine Steigerung des Silberpreises gesellte. Wir können hier die Hoffnung aussprechen, daß auch diesem Fabrikationszweige, wie der gesamten Hanauer Edel­metallindustrie die Vorteile zugute kommen werden, welche der Neubau der Königl. Zeichenakademie bringen soll, dessen Genehmigung nach den vorliegenden Plänen demnächst zu erwarten steht und für dessen Förderung wir auch unsererseits der Stadtverwaltung unseren leb­haften Dank an dieser Stelle aussprechen wollen, litt- - gist stige Berichte sind uns noch zugegangen aus der Bierbrauerei- und der Spirituosmindustrie, welche die Nachwirkungen der letzten Steuererhöhung noch nicht überwunden und außerdem mit einer erheblichen Ver­teuerung der Rohmaterialien zu rechnen haben. Ge­radezu notleidend müssen wir bedauerlicherweise das Baugewerbe nennen, und mit ihm befinden sich alle damit zusammenhängenden Branchen in gedrückter Lage; herbeigeführt bezw. noch verschärft durch die Geldspannung und die politische Unsicherheit. Zweite Hypotheken sind ja überhaupt kaum zu haben und für erste werden von einzelnen Banken bis zu 45/8 Prozent neben einer hohen Provision gefordert! Und gerade in unserer Stadt Hanau haben die beteiligten Gewerbe mit den zahlreichen in ihnen und durch sie beschäftigten Personen besonders schwere Zeiten durchzumachen, und leider sind gerade hier über das Baugewerbe zum Teil Katastrophen von früher nie gekanntem Umfange herein­gebrochen. Der starke Konjunkturaufschwung der ersten

Roman von M. von Bünau.

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Die Lampe warf einen hellen Schein auf des Kran­ken blasses Gesicht.

Der Sanitätsrat besah die Hand. Er konnte seinen Schrecken kaum verbergen.

Dina beobachtete scharf ihres Mannes Züge. Er wech­selte ein paar lateinische, ihr unverständliche Worte mit dem Kollegen.

Der Sanitätsrat faßte sich, aber seine beruhigenden Reden klangen Dina merkwürdig gezwungen und falsch in den Ohren.

Er schlug Borchers vor, sich sofort ins Krankenhaus bringen zu lassen.

Warum? Ich kann meinen Mann ebensogut hier pflegen," widersprach Dina.

Das wohl, aber die Behandlung wird wahrscheinlich einen operativen Eingriff verlangen. Wir müßten Bor- chers also doch ins Krankenhaus bringen," meinte der Sa­nitätsrat zögernd.Jedenfalls sollen Sie aber trotzdem bei ihm bleiben. Ich werde das von derOberin erreichen.

Dafür werden wir dankbar sein." Borchers griff mit der gesunden Hand nach Dinas Kleid.

Sie beugte sich über ihn und strich ihm das Haar aus der Stirn.Anderen konntest Du helfen, Dir selber nicht!" sagte sie mit erstickter Stimme.

t Er lächelte etwas mühsam.Willst Du Mutter oor- vereiten und die nötigen Sachen zusammenpacken las­sen?" bat er.Der Herr Sanitätsrat möchte noch einen Augenblick allein bei mir bleiben." .

Dina ging in das Schlafzimmer ihrer Schwiegermut- 1er. Die alte Frau sah ihr schon mit ängstlichem Ge­sichtsausdruck entgegen.

Es geht wohl schlecht mit Richard? Ich hörte vor» chin Minna fortlausen." ,.

elf Monate des abgelaufenen Jahres hat in letzter Zeit einem Wechsel Platz gemacht, und zwar bekanntlich unter dem Eindruck der Balkanwirren, die nur mit Mühe und unter banger Sorge zu lokalisieren gelungen ist. Daß auch weiter der Ausbruch eines Weltkrieges vermieden werde, hoffen wir bestimmt. Aber schon die bisherige Unsicherheit hat Verluste genug verursacht. Z. B. unserer als Luxusbranche besonders empfindlichen Edelmetallindustrie ist ein Teil des Weihnachtsgeschäfts verloren gegangen, und man muß auch ernstlich für das Frühjahrsgeschäft fürchten; schon jetzt ist teilweise die Arbeitszeit verkürzt, und die damit verbundenen ^ohnausfälle wirken auf andere Gewerbzweige zurück.

wird eine Branche nach der anderen hineingezogen «rathen in die Folgen des Balkankrieges. Nicht anders ist es im Großen: aus unserer nationalen Wirtschaft ist in den letzten Dezennien eine Weltwirtschaft geworden, die starken Bande des Weltverkehrs verknüpfen uns eng mit allen Vorgängen weithin. Infolgedessen müssen Störungen im Handels- und Kreditverkehr an irgend­einer Stelle auch uns mittreffen. Ein Weltkrieg gar, in welchen auch Oesterreich, Rußland und deren Ver­bündete eingreifen, würde m. E. ein unübersehbares Unheil stiften, neben der Maffenvernichtung von Menschenleben und Gütern namentlich auch eine finanzielle Katastrophe auf der ganzen Welt mit den nachteiligsten wirtschaftlichen Folgen auf Jahre hinaus herbeiführen. Gerade in Deutschland verdanken wir in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Beziehung eine ungeheure Förderung den letzten 40 Friedensjahren. Ueberdies waren die Zeiten und Ziele von 1813 und 1870 wesent­lich andere: um die Fremdherrschaft abzüschütteln, um die Reichseinheit zu erringen, hat das ganze Volk sich damals erhoben und sich entschlossen und opferwillig dem Feinde gegenübergestellt. Aber nur um eine vor­übergehende, wenn schon sehr lästige Ungewißheit zu beseitigen, darf kein Krieg begonnen werden. Wir hoffen auch sicher, daß unsere ruhig erwägende und bewährte Politik der Friedenserhaltung erfolgreich und mit Ehre die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwinden wird, und daß wir bald wieder besseren Zeiten entgegengehen werden."

Deutsches Reich.

Der Reichstag begann am Sonnabend die zweite Lesung des Justizetats. Abg. Dr. Cohn (Soz.) erging sich in wüsten Angriffen gegen die Justiz. Staatssekretär Dr. Lisco wies die Angriffe mit Entrüstung zurück und stellte sodann einen Gesetzentwurf über die Ge­bühren für Schöffen und Geschworene und eine Revision der Spionagegesetzgebung in Aussicht. Abg. Holtschke (kons.) trat für Anwendung der Prügelstrafe gegen Zu­

ruhig.Er will Richard gern ins Krankenhaus bringen lassen."

So schlimm ists?" Das alte, gute Gesicht verzog sich gramvoll.Darf ich zu ihm?" bat sie.

Später. Ich muß jetzt packen. Ich bleibe bei Richard imKrankenhaus. DuhältsthierdasHausin Ordnung,ja?"

Die alte Frau nickte. So schnell sie konnte, zog sie sich an. Dina packte indessen alles Notwendige für sich und ihren Mann zusammen und gab Minna noch An­ordnungen für den Haushalt. Da hörte sie schon die Haus­tür wieder gehen. Das war gewiß der Sanitätsrat, der ^Aie^ief schnell ins Schlafzimmer. Borchers saß gegen Kissen gelehnt aufrecht im Bett. Ein merkwürdiger Aus­druck lag in seinen großen, hellen Äugen.

Richard, was sagte der Sanitätsrat?" fragte sie hastig.

Errätst Du es nicht, Dina?" sagte Borchers leise.

Nein, um Gottes willen sag es mir!"

Ich muß mir die Hand, vielleicht auch den ganzen Arm abnehmen lassen. Das Leichengift ist in den Kör­per gedrungen, eine Amputation kann allein mich noch retten."

Dina sank vor dem Bett in die Knie. Sie legte die Stirn gegen die gesunde Hand des Kranken. Ein stechen­der Schmerz, quälende Reue durchfuhr sie.Richard, Ri­chard I" schluchzte sie auf.

Armes Kind, ja Dich triffts auch hart. Einen Krüp­pel zum Mann!"

Wenn es nur das ist, was Dich quält." Sie hob ihr tränenüberströmtes Gesicht zu ihm auf.Wie gern will ich Dir helfen, alles für Dich tun und schreiben. Du sollst sehen, ich arbeite mich rasch ein." .

Nein, Dina, ein Krüppel kann nicht Arzt fern.

Sie sah, daß große Schweißtropfen auf seiner Stirn standen.Wenn Du nur gesund wirst, ist alles gut, tro-

Kind, Du bist sehr großmütig." Er wandte den Kopf

hälter und Roheitsverbrecher ein. Abg. Warmuth (Rp.) begründete ausführlich eine Resolution, die einen größeren Schutz der Hypothekengläubiger fordert. Er trat weiter für eine Beseitigung der Härten im Konkursverfahren ein und wandte sich gegen die ausführliche Besprechung von Verbrechen in der Presse, wobei er als .Beispiel den Fall Sternickel heranzog. Am Montag wies Abg. Dr Ablaß (fortsch. Vp.) die Angriffe des Abg. Dr. Cohn (Soz.) auf den Richterstand zurück und. ver­langte Reformen bei der Behandlung von Geisteskranken im Zivilprozeßverfahren. Staatssekretär Dr. Lisco stellte eine eingehende Prüfung der von dem Vorredner gegebenen Anregungen hinsichtlich geisteskranker Personen im Zivilprozeßverfahren in Aussicht. Abg. v. Tram- pczynski (Pole) klagte über angebliche parteiische Recht­sprechung gegen Polen, und Abg. Dr. Landsberg (Soz.) suchte in breiter Weise weiteres Material zur Begründung der Behauptung beizubringen, daß die Richter vielfach ihre anerzogenen Vorurteile zu wenig überwinden und dadurch ihren Urteilen den Charakter der Klassenjustiz geben. Der Abg. Bolz (Z) wies nochmals den Vor- wurf der Klassenjustiz zurück und forderte eine Revision des Gesetzes über die Gesellschaften mit beschränkter Haftung.

Das preußische Abgeordnetenhaus führte, am Sonnabend die zweite Lesung des Etats des Ministeriums des Innern zu Ende. Abg. v. d. Osten (kons.) sprach ausführlich über den Geburtenrückgang und über den Streit zwischen Krankenkassen und Aerzten. Der Ge­burtenrückgang sei am größten, wo die Sozialdemokratie am stärksten ist, und dort am geringsten, wo im Volke noch der Glaube an die Religion vorhanden ist. Die 1 Sozialdemokrasic lasse sich in dieser süchtigen Frage lediglich von Parteirücksichten leiten. Abg. Dr. Wagner- Breslau (frkons.) erörterte die Ursachen der Prostitution.

Dann besprach auch er den Geburtenrückgang, der schon so weit gediehen sei, daß man unser Jahrhundert nicht mehr das Jahrhundert des Kindes, sondern das der Furcht vor dem Kinde nennen müsse. Beim Bauetat sagte Minister v. Bceitenbach einen Gesetzentwurf über den Ausbau der Oder zu. Am Montag erklärte Abg. Frhr. v. Maltzahn, daß das Wohnungsgesetz ein Landesgesetz sein müsse, daß man seine Freiheit behalten wolle, und daß man mit dem Festhalten an der Kaiser­lichen Botschaft von 1881 bessere Sozialpolitik mache als andere Leute. Auch Abg. Röchling (natl.) stellte sich auf diesen Standpunkt. In der Spezialdebatte wurden energische Schutzmaßnahmen gegen die Ver­heerungen der Sturmflut an den deutschen Meeresküsten verlangt. Abg. Fürbringer (natl.) brächte das Projekt einer deutschen Rheinmündung zur Sprache. Minister v. Breitenbach erwiderte ihm, daß es sich zwar um

Großmütig, wenn ich einfach meine Pflicht tun will ? Bis jetzt habe ich sie nur sehr ungenügend erfüllt."

Du hattest viel zu ertragen, Dina, schon mit mei­ner Mutter. Das wollte ich Dir gern abnehmen. Da­rum sparte ich, deshalb hoffte ich, durch Dein Erbteil so viel zu erübrigen, um meiner Mutter allein eine Häus­lichkeit einrichten zu können. Das ist nun alles vorbei. Du wirst noch länger Geduld iiben müssen."

Dina stockten die Worte auf den Lippen. Auch darin war sie also ungerecht gewesen. Nur um ihr das Leben zu erleichtern, darum legte er so viel Wert auf seine Ein­nahmen.

Gräme Dich nicht darüber," bat sie bewegt.Jetzt könnten wir Deine Mutter gar nicht mehr entbehren. Sie muß von nun an den Haushalt führen, ich werde nur für Dich und Deine Arbeit leben."

Ein weicher, unendlich liebevoll sehnsüchtiger Blick war es, mit dem er die schlanke Frauengestalt umfaßte, die an seinem Bett stand, ein Bild der Schönheit, der

Jugend und Kraft.

Ein Seufzer entrann viel erreichen wollen fi

) ihm.Ich hatte noch so ch," sagte er leise.Das ist

nun alles vorbei."

Sie beugte sich über ihn und küßte seine blassen Lip­pen.Ich rufe jetzt Deine Mutter. Sie will Dich doch auch sehen, Richard. Ich .. ich habe dann auch ein paar Worte zu schreiben."

An Deinen Vater?"

Ja, an den auch." , _ . z

Wie recht er hatte, daß er sich unserer Heirat rot- versetzte," seufzte Borchers.Nun habe ich Dich ins O^^Sag das nicht. Ich bin froh, sehr froh, daß ich Dir jetzt helfen darf.Sie ging schnell zurTur

Borchers deckte die gesunde Hand über dre Augen. <

Ohne weiter zu zaudern nahm Dina einen Briefbo­gen und warf ein paar Zeilen darauf mit ihrer großzü».