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ZchlüchternerMum

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratg^er.

Telefon Nr. HT. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 12. Samstag, den 8. Februar 1913. 64. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 346. K. A. Die Termine für die Abhaltung der diesjährigen Lehrkurse in der Kreisbaumschule zur Ausbildung von Obstbaumwärtern sind wie folgt fest­gesetzt :

1. Hauptkursus.

Vom 31 März bis 19 April einschließlich.

Aufzucht des jungen Baumes, Schnitt und Formieren, Behandlung älterer Bäume, Ausputzen, Veredelungen. Belehrung über die wichtigsten Obstbaum-Schädlinge und Krankheiten Nutzen des Kalkanstriches.

2. Sommerkursus.

Bom 4. August bis 9 August einschließlich.

Sommerbehandlung der Obstbäume, Pincieren- Ausbrechen von Früchten rc.

3. Herbstkursus.

Vom 1. Oktober bis 4. Oktober einschließlich,

Obsternten, Sortieren, Verpacken, geeignete Ver­wertung, Verkauf, Aufbewahrung des Obstes rc.

Die drei Kursabschnitte bilden einen zusammen­hängenden Lehrgang. Sie sind sämtlich unentgeltlich. Ueberdies wird der Kreis auch in diesem Jahre jedem dem Arbeiterstand an gehörenden Teilnehmer als Ersatz für ergangenen Arbeitsverdienst eine Beihülfe von 1 Marl pro Tag zahlen, vorausgesetzt, daß die gleiche Summe von der zugehörigen Gemeinde gezahlt wird.

Da die Obstbaumpflege im Kreise noch recht viel zu wünschen übrig läßt und dies fast ausnahmslos damit begründet wird, daß es an ausgebildeten Obstbaum­wärtern fehle, darf ich wohl voraussetzen, daß die Ge­meinden die günstige Gelegenheiten benutzen und min­destens je einen geeigneten Mann an den diesjährigen Kursen in der Krusbaumschule teilnehmen lassen.

Anmeldungen erbitte ich bis spätestens 15. März d. I. Dabei ersuche ich, anzugeben, ob die Teilnehmer mit nötigen Geräten, wie: Baumsäge, Veredelungs­messer, Baumschulscheere, Hippe und Abziehstein ver­sehen sind, oder ob Lieferung gegen Bezahlung ge- wünscht wird. Der Herr Kreisgärtner ist gern bereit, den Bezug der Geräte zu Fabrikpreisen zu vermitteln.

Ich bemerke noch, daß die Kursusteilnehmer stets so frühzeitig entlassen werden, daß sie jeden Tag nach Hause gehen können und daher eine mit Kosten ver­bundene Uebernachtung nicht nötig haben.

Schlüchtern, den 23. Januar 1913.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: _____________I. V.: Ebbinghaus.__

Brutsches Reich.

Der Reichstag nahm am Sonnabend das Gesetz über die vorläufige Erleichterung der Fleischeinfuhr in dritter Lesung nach längerer Debatte, in der jedoch kein

Roman von M. von Bunan.

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Nun, Dina, wollen wir mal durch den Garten ge­hen," sagte Grünwald freundlich.Du wirst mich wohl auch bald wieder verlassen? Borchers entbehrt Dich ge­wiß?"

Seine Mutter ist ja bei ihm," meinte Dina.

Wenn ich Dir nützlich sein kann, Vater, bleib ich noch gern bei Dir."

Dein Platz ist jetzt bei Deinem Mann, Kind. Ich muß mich doch ans Alleinsein gewöhnen." Ein tiefer Seufzer hob seine Brust. Vorläufig weiß ich noch nicht, wie es werden soll. An allen Ecken, in jedem Winkel

fehlt mir die Mutter." t r .

Dina faßte die Hand des Vaters und druckte sie ler- denschaftlich an ihre Lippen.Vater, habe mich doch rote« der ein bißchen lieb!" bat sie mit erstickter Stimme.Ich war damals im Unrecht, ich sehe es jetzt ein, jetzt, wo es zu spät ist."

Grünwald war so erstaunt überdiesenplötzlichen Ge­fühlsausbruch, daß er sich auf die nächste Bank setzte und Dina an seine Seite zog. Er legte den Arm um ihre Schultern und zog den hübschen braunen Kopf an seine Brust. _ , .

Armes, kleines Ding," sagte er leise.Hast keine " ' ' - - chl jetzt besonders gut ge­

Mutter mehr, da muß ich wo'

gen Dich sein!"

Er streichelte und küßte die Tochter, wie wenn sie noch das kleine, unbändige Kind von einst wäre, das einen ihrer wilden Streiche bereute und gutmachen wollte.

Vater, hätte ich auf Dich gehört!" schluchzte Dina ßUf©rünroaIb blieb eine Weile still, dann versuchte er den gesenkten Kopf seiner Tochter aufzurichten.Daß oa 'mal so kommen würde, hab ich mir wohl gedacht, sag ,

Redner mehr zur Sache selbst sprach, an. Dann wurde die zweite Lesung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Nachdem der Abg. Gerlach (Z.) über die Bekämpfung der Tuberkulose gesprochen, entgegnete der Präsident des Reichsversicherungsamtes Dr. Bumm auf die Anfrage des Abg. Laux (Bayr. Bauernbund) über die Schweinepest. Er verwies auf die eingehenden Untersuchungen, die das Reichsgesundheitsamt darüber angestellt habe, deren Resultate in den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts erschienen seien. Die schweren Schäden durch die Seuche hätten ja dazu ge­führt, daß ihre Bekämpfung in das Viehseuchengesetz mit ausgenommen worden ist. Dadurch werde die Be- kämpsung dieser Seuchen auf eine einheitliche Basis gestellt. Auch sei schon ein kleiner Rückgang eingetreten. Ueber den Ausbruch von Seuchen erscheinen schon jähr­liche Mitteilungen. Zurzeit werden drei Sera erprobt. Die Ergebnisse würden seinerzeit mitgeteilt werden. Beim Patentamt trat Abg. Werner (Resp.) für die Beamten des Patentamts ein.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Sonnabend die zweite Lesung des Etats des Ministeriums des Innern fort. Dabei gab Minister des Innern von Dallwitz im Namen der preußischen Regierung eine Erklärung gegen den Beschluß des Reichstags zur polnischen Enteignungsinterpellation ab. Er erklärte ausdrücklich und auf das entschiedenste,, daß dieser Versuch die Zuständigkeit des Reiches überschreite und daß lediglich der preußische Landtag für die Erörterung darüber zuständig sei, ob ein preußisches Gesetz zu Recht oder Unrecht angewendet werde. Jeder Versuch, eine derartige Erörterung in den Reichstag hinüberzuspielen, überschreite die Zuständigkeit des Reichstages. Abg. Stroffer (kons.) forderte oie Freisinnigen auf, nicht nur gegen die Sozialdemokraten zu sprechen, sondern auch gegen sie zu stimmen. Am Montag sprach Abg. Frhr. v Zedlitz (frk.) gegen die Eingemeindung Trep- tows in Berlin und verteidigte das Ministerium des Innern gegen die verschiedenen im Hause erhobenen Vorwürfe. Ebenso Abg. Hammer (kons.), der zugleich einen stärkeren Schutz der Arbeitswilligen und Beibe­haltung des jetzigen Landtagswahlrechts verlangte. Abg. Dr. Seyda (Pole) brächte die alte Klage über Schika- nierung der polnischen Bevölkerung vor. Minister des Innern v. Dallwitz trat ihm entgegen und teilte ferner auf eine Anfrage des Abg. Gronowski (Z.) mit, daß im Reichsamt des Innern eine Novelle, zur Gewerbe­ordnung ausgearbeitet wird, worin die Zensur für Kinematographentheater vorgeschrieben wird. Ein weiterer Gesetzentwurf werde das Plakatwesen einer stärkeren Kontrolle unterworfen.

München. Besuch des Prinzregenten in Berlin.

ein guter, anständiger Mensch, Du hättest es viel schlim­mer treffen können. Er liebt Dich sehr."

Dina sah den Vater groß an mit ihren verweinten Augen.Ja, er liebt mich. Aber er versteht mich nicht, ich ihn nicht."

Du warst doch so für Krankenpflege und all solche Dinge begeistert. Mit dein Geld Deiner Mutter könnt Ihr vielleicht bald ein Krankenhaus übernehmen. Bor­chers ist dann selbstständiger, und Dir, Du kleine Welt­verbesserin, macht das gewiß doch auch Freude."

Das ist alles vorbei, Vater. Mir graut seit meiner eigenen Krankheit vor allen Krankenhäusern, Kliniken, Oberinnen und Schwestern."

Das geht gewiß vorüber."

,Jch glaube nicht. Du darfst auch Borchers das Geld

nicht auszahlen, Vater."

Warum denn nicht, Dina? Deine Schwestern brau­chen kein Kapital. Alles Geld sogleich auszuzahlen, würde mir auch schwer werden. Aber Deinen Anteil kann ich geben. Ich nehme eine Hypothek dafür auf"

Vater, wenn Du mich noch ein bißchen heb hast, tust Du das nicht."

Borchers bat mich aber darum."

Also doch." Sie nagte an ihrer Unterlippe.DieSchwe- stern warfen mir das soeben vor. Ich wollte es nicht alauben. Aber es ist also die Wahrheit! Ich will nicht wie eine Bettlerin vor Euch stehen. Ich nehme nichts. Hörst Du, Vater, nichts."

Sei nicht töricht, es ist Dein Recht '

Ich will kein Recht. Ich will nicht, daß Du mich anders behandelst wie Deine anderen Kinder?'

DeineSchw estern haben reiche Männer, und Dumcht.

''Sage lieber vornehm denkende."

Ich verarge Borchers sein Verlangen seinen Augen­blick Von seinem Standpunkt aus ist sein Wunsch sehr

Aber ich verdenke es ihm," brach Dina leidenschaft­lich "los,Er soll nicht immer an Geld und Gelderwerb

Prinzregent Ludwig von Bayern und Gemahlin werden sich am 6. März zu einem zweitägigen Besuch des Kaisers nach Berlin begeben. Sie werden von dem Ministerpräsidenten Freiherrn v. Hertling begleitet sein.

AMand.

Von 227 688 im Jahre 1911 eingestellten französischen Rekruten konnten 7859 (=3.45 Prozent) nicht lesen und schreiben. Bon 271499 im selben Jahre eingestellten deutschen Rekruten waren nur 34 (=0.01 Proz.) ohne Kenntnisse im Lesen und Schreiben. Schulbildung in fremder Sprache hatten in Deutschland 1911 noch 27 Rekruten gegen 3672 im Jahre 1891 und 128 im Jahre 1901. Davon entfielen im Jahre 1911 auf die Bezirke mit polnischer Bevölkerung 13, mit dänischer 4, auf Elsaß-Lothringen 6.

Wieder wird eine Niederlage der Franzosen in Marokko gemeldet. Eine größere marokkanische Abtei­lung, die vom Qued-Nün herkam, hat nordwestlich von Adrar eine Abteilung französischer Schützen angegriffen, die heldenmütigen Widerstand leistete, jedoch unter schweren Verlusten unterlag. Ein Leutnant und drei Unteroffiziere wurden getötet. Eine Rekognoszierungs­abteilung von 350 Gewehren hat die Verfolgung der Feinde ausgenommen. In Pariser kolonialen Kreisen glaubt man, daß der Ueberfall bei Adrar, welcher einem Offizier und drei Unteroffizieren das Leben gekostet hat, wahrscheinlich auf eine durch die marokkanischen Ereig­nisse in Mauretanien verursachte Gärung zurückzuführen ist. DerTemps" meint, es wäre notwendig, daß Frankreich und Spanien neue Abkommen träfen, um dem Treiben der mauretanischen Räuberbanden ein Ende zu machen.

Ende 1911 bestanden 427 polnische Genossen­schaften im Weichselgebiet mit rund 370O^»*^iebern. Das Kapital der Genossenschaften betrug nu ^»«ionen Rubel, also rund 250 Millionen Mark. Da aber von einer Anzahl Genossenschaften keine Berichte vorliegen, so kann man das Kapital wohl auf etwa 300 Millionen Mark schätzen. DerDziennik Berlinski" weist darauf hin, daß die dem Verbände der polnischen Erwerbs­und Wirtschastsgenossenschaften für Posen und West­preußen angehörenden Genossenschaften Ende 1911 über ein Kapital von mehr als 300 Millionen Mark verfügt haben, obwohl die Zahl der Polen in Posen und West­preußen wesentlich kleiner ist als im Weichselgebiet. Daß es den Polen in Preußen sehr viel besser ergeht als in Galizien und dem Weichselgebiet, hat vor einiger Zeit erst wieder dieGazeta Grudziondzka" einräumen müssen.

Eine wichtige Aenderung der amerikanischen Verfassung hat der amerikanische Senat in Washington

denken. Pfui, sogar von den Armen erpreßt er Honorare. Vater, ich habe mich in ihm geirrt. Er ist anständig den­kend, sagst Du, gut. Aber anständig denken und vornehm handeln ist zweierlei. Ich halte eS nicht aus, mit solcher niedrig gesinnten Natur zu leben."

Du übertreibst, und urteilst viel zu scharf."

Ich stoße mich aber ewig daran. Wund und weh stoße ich mich!" schrie sie auf.

Aber Kind, er muß doch Geld verdienen. Du bist eine kleine, überspannte Person."

Meinetwegen. Ich will lieber überspannt wie geld­gierig sein. Und ich nehme nichts von Mamas Vermö­gen, nichts, und wenn ich hungern sollte."

Grünwald schüttelte den Kopf.Wk

Grünwald schüttelte den Kopf.Wenn Du es nicht nimmst, dann schicke ich Borchers direkt die Zinsen. Mach

Dir doch das Leben nicht unnütz schwer. Auch wanderen Ehen geht nicht immer alles glatt."

Da ich ihn nicht liebe, müßte ich ihn wenigstens achten können," warf Diana finster ein.

Du hast alle Veranlassung, ihn zu achten. Nein, daß ich Borchers noch einmal gegen Dich in Schutz nehmen müßte, das hätte ich mir wahrhaftig nicht träumen lassen."

Hättest Du mich doch damals eingesperrt, geschla­gen, bis ich vernünftig geworden wäre und diese Heirat aufgegeben hätte. Ich wollte Dir es heut auf den Knien danken!" schluchzte sie auf.

Was hat Borchers Dir denn getan?"

Nichts hat er mir getan. Aber ich liebe ihn nicht, Vater, steh mich nicht so erschrocken an. Ich kann es nicht ändern." Dina legte die Hände vor ihr glühendes Ge­sicht.

Grünwald nahm sie ihr fastrauh herunter.Dina steh mich an. So, mir gerade in die Augen. Muß ich mich Deiner schämen?"

Nein, Vater."

Der alte Herr atmete auf.Also, Dina, sei jetzt mal fest. Schluck das 'runter. Du mußt bei Deinem Mann

bleiben!"

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