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mit amtlichem Rreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6». Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 85.

) Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mitAreisblätt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

* sM 8. Samstag, den 25. Januar 1913. 64. Jahrgang.

1 Amtliches.

J.-Nr. 405 K. A. Die nächste Bullenkörung findet Samstag, den 15. Februar er. vormit-

: tags 10 Uhr in Sterbfritz statt.

Schlächtern, den 22. Januar 1913.

Der Landrat. I. V.: E b b i n g h a u s.

j Kaisers Geburtstag.

Schon blähn sich wiederum die Fahnen Schwarz- weiß und rot stolz in dem Wind, Verkünden wie auf schnellen Bahnen Im Zeitenlauf ein Jahr verrinnt, Und wie an diesem Freudentage, Der jubelnd durch die Lande zieht, Vereint zu einem Herzensschlage Ein Volk auf seinen Herrscher sieht!

I Gott grüß Dich, Friedensfürst und Kaiser,

Zu Deinen! Wiegenfeste heut', An dem des Lorbeers grüne Reiser Das deutsche Volk Dir dankbar beut; Für ernste Pflichterfüllung, Treue

e Um das geliebte Vaterland,

j Die immer herrlich Dich aufs neue

[ Mit diesem inniglich verband!"

,Kennst Du doch nur das eine Streben, e In rastlos schaffenssreud'gem Müh'n i Der Wohlfahrt Deines Volks zu leben, Sowie des Reiches frischem Blühn! Kraftvoll trittst Du nach allen Seiten Für seine Macht und Größe ein, Doch nicht mit Kampf und blut'gen Streiten/ Nur in des Friedens goldenem Schein!"

Für diese edlen Herzenstriebe Ist heut' voll Dank Dein Volk zu schau'n, Ein Hauch von echter, warmer Liebe Zieht für Dich durch die deutschen Gau'n. Vom Rhein bis zu dem Weichselstrande, Und von der Alpen mächt'gen Höh'n Bis zu der nord'schen Wasserkante Preist Dich ein frohes Lustgetön!"

Doch nicht im Vaterland alleine, Weit draußen auch auf wildem Meer, Weht hoch am Mast im Sonnenscheine

Des Reiches Flagge hin und her;

Und wo auch deutsche Laute klingen,

, Selbst dort im dunklen Erdenteil,

Auf dem schwer unsre Brüder ringten, Tönt jauchzend es:Dem Kaiser Heil!"

So betet an dem Jubeltage

Wasdeutsch" heißt in der ganzen Welt, Daß uns der Himmel frei von Plage Noch lange Deutschlands Stolz erhält, Und daß sich um den Kaiser schare Sein Volk als schönste Dankeszier, Laut schall' es noch recht viele Jahre: Du Friedenshort, Gott sei mit Dir!"--

H. L.

Zum Geburtstage des Kaisers.^

Ein Freudentag für alle, die ihr deutsches Vater­land lieb haben, ist es, wenn unsers Kaisers Geburts­tag gefeiert wird, und umso mehr in diesem Jahre, wo der Kaiser auf 25 Jahre einer gesegneten Regierung zurückblicken darf. Und diese Freude erschöpft sich nicht in bloßen Tafelreden und bunten Fahnen, sie kommt aus dem innersten Herzen treuer Untertanen. Sie ist ein frohes und dankbares Bekenntnis zur deutschen Reichseinheit und zu ihrein obersten Träger und För­derer, dem deutschen Kaiser. Dazu gesellt sich die Liebe und Verehrung für die kaiserliche Persönlichkeit in noch ganz anderem Sinne. Wir wissen, was wir an unserm

Kaiser haben. Seine unermüdliche Pflichttreue auch im kleinsten, seine rastlose, tapfere Schaffenskraft auf allen Kulturgebieten, sein weltoffener, moderner Sinn, verbunden mit einer tiefen, schlichten Frömmigkeit, wem sollte das nicht das Herz abgewinnen?

Die Fürsorge des Kaisers für Heer und Flotte ist zugleich das aufrichtige Bestreben, unserm Vaterland den Frieden zu wahren und die damit zusammen­hängenden Segnungen. Möchte dabei das treffliche

Wort des Monarchen bedacht und befolgt werden: Ich glaube, daß durch das Studium der Geschichte das Volk eingeführt werden kann in die Elemente, aus denen seine Entstehung und seine Kraft sich aufgebaut haben. Je mehr und eingehender die Geschichte dem Volke eingeprägt wird, desto sicherer wird es Verständ­nis für seine Lage gewinnen und dadurch in einheit­licher Weise zu großartigem Denken und Handeln er­zogen werden." Aus diesen Worten spricht ein lebens- warmer, durch und durch deutscher Idealismus auf ge­sunder, realer Grundlage. Gerade in unseren Tagen, wo der internationale Umsturzrummel seine widerlich brutalen Manieren so unverhüllt zum Vorschein bringt, möge von den Treuen, den Verständigen, den Vater­landsliebenden umso eifriger das Banner hochgehalten werden, auf dem geschrieben steht: Mit Gott für König und Vaterland, mit Gott für Kaiser und Reich!

Und wenn wir in diesem Jahre Kaisers Geburts« tag feiern, da schweifen unsere Gedanken zurück um hundert Jahre, da unserm Volke aus tiefer Not Be­freiung und Wiedergeburt geschenkt wurde, da ihm seine tapferen Söhne Ehre und nationales Daseinsrecht wiedererstritten und das fremde Joch zerbrachen. Ge­waltiger und erhebender hat sich nie die Kraft des deutschen Wesens, hat sich nie der Opfermut, die tiefe Heimatliebe und die feste Königstreue unseres Volkes gezeigt als in jenen Tagen, da jeder mit Freuden hin- gab, was ihm das Teuerste war, um das zertretene Vaterland wieder aufzurichten. Auf dem Fundamente des Befreiungsjahres 1813 baute sich dann das Jahr­hundert stolzester deutscher Geschichte auf, zunächst in anbahnender Einigung, bis uns 1870/71 Kaiser und Reich ^chte und die Jahrzehnte nach dein großer- Kriege den gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung, den Ausbau zur Weltmacht. Und diese glänzende Geschichte zeigt uns, daß wir dem Frieden und unserem Volke am besten dienen, wenn wir uns stark erhalten und keine Lücke in unserer Rüstung dulden, wenn wir aber auch neben der militärischen und finanziellen Kriegs- rüstung die ebenso wichtige moralische Kriegsbereitschaft nicht vergessen und dafür sorgen, daß in unserem Volke der vaterländische waffenfrohe Geist erhalten und ge­weckt, die Schädlinge unseres Volkes aber. mit ihrer Aussaat von Staatsfeindlichkeit, Materialismus und Phrasentum am Boden gehalten werden.

Das würde das schönste Geburtstagsgeschenk sein, das wir unserm Kaiser heute darbringen können. Wer so denkt und fühlt, dem wird heute der innige Gebets- und Segenswunsch aus der Seele gesprochen sein: Gott schütze und erhalte unsern geliebten Kaiser! Gott schenke ihm allezeit Kraft zu einer weisen Regierung, und Gott sei auch mit dem ganzen kaiserlichen Hause! Und

SS

Eigene Wege.

Roman von M. von Bünau.

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Ich wäre auch gekommen, wenn ich es nur gewußt hätte."

Wir ahnten ja nicht, wie schlimm es werden würde. Zuerst war es eine heftige Influenza, jetzt sind Lunge und Herz angegriffen."

Ist sie bei Bewußtsein."

Manchmal."

Darf ich nicht wenigstens bei der Pflege helfen? Ich bin doch gelernte Schwester. Ich kann Mama jedenfalls besser pflegen wie eine fremde, bezahlte Person."

Hulda kam jetzt auch herausgeschlichen. Sie sah in Ti­nas erregtes Gesicht und begrüßte sie sehr kalt. Dann wendete sie sich zu ihrer Schwester. Feodore, Mama ist wach. Willst Du nicht beim Umbetten helfen?"

Dina hielt Feodore, die sofort weggehen wollte, am Arm fest.Laß mich helfen, Feodore, ich weiß die Hand­griffe besser."

Feodore zögerte. Hulda aber winkte ihr mit den Au­gen.Die Schwester versteht alles sehr gut. Mamas Jung­fer ist auch noch da. Du mußt einsehen, daß wir Mama erst langsam auf Deine Ankunft vorbereiten müssen," sagte sie, während Feodore schnell hinauseilte.

Ihr hattet ja vorher Zeit genug, Mama auf mein Kommen vorzubereiten," antwortete Dina herb.Wollt Ihr mich gänzlich vorn Krankenbett meiner Mutter fern­halten?"

Wir haben Dich nicht von uns entfernt, sondern Du hast uns aufgegeben, Dina."

Das brauchst Du mir heute nicht vorzuhalten, Hulda. Ich lasse mir mein Recht, meine Mutter zu sehen, nicht von Dir nehnien."

Ich wußte, daß es sofort Aerger und Streit geben würde." Hulda sah die Schwester feindlich an.Ich habe genug gebeten, Dich nicht zu rufen."

Das kann ich mir denken."

Wundert Dich das vielleicht nach all dem Vorher­gegangenen, daß wir so denken?"

"Nein, es wunbert mich gar nicht." Dinas Stimme klang gebrochen. Sie ging miNchleppenden Schritten nach der anderen Seite des Zimmers.

Wo willst Du hin?" fragte Hulda rasch.

Ich will Papa aufsuchen."

Und ihm vorklagen, wie ich Dich empfangen habe? Der arme Vater, er hat wirklich schon Sorgen genug!"

Dina antwortete nicht. Sie strich sich über das Ge­sicht. Ihre Augen bräunten.Das ist also die Begrü­ßung meiner Schwestern bei meinem ersten Nachhause- kommen. Ich konnte es mir freilich vorher sagen." Sie hörte nicht auf das, was Hulda ihr noch nachrief.

Im Zimmer ihres Vaters blieb sie an der Tür ste­hen. Grünwald drehte ihr, am Schreibtisch sitzend, den Rücken. Als er ihre leisen Schritte hörte, wandte er sich rasch um. Eine angstvolle Frage lag auf seinem Gesicht.

Geht es schlechter, sollich kommen?" fragte er rasch. Dann erst schien er seine Jüngste zu erkennen. Er hielt ihr die Hand hin.Du bist's, Dina ? Ich wußte nicht, daß Du schon da bist. Hast Du Deine Schwestern gesehen?"

Dina nickte nur. Ein erstickendes Gefühl im Halse ver­hinderte sie, einen Laut hervorzubringen. Auch auf dem Gesicht des Vaters fand sie denselben Ausdruck rvie in den Zügen der Schwestern, eine abgemessene, gleichgül­tige Kälte, keine Spur herzlicher Wiedersehensfreude.

Wie eine Fremde, die wahrscheinlich Störung ver­ursachen mirb, nahmen die ihrigen sie auf. Kein warmes Wort, kein liebevoller Blick traf sie. Die Mutter hätte beides für sie gehabt. Aber zu der durfte sie nicht.

Vater!" sagte sie endlich leise.Darf ich nicht bei der Pflege helfen? "Willst Du es Hulda nicht sagen, daß sie mich zu meiner Mutter lassen muß?"

Grünwald strich nervös seinen Schnurrbart hoch.Du wirst ja selbst wissen, mein Kind, daß man Schwerkranke nicht aufregen darf. Hulda pflegt die Mutter seit drei

Wochen. Sie bestimmt auch alles im Hause, ich kann ihr wirklich nicht dazwischen reden. Wenn sie meint, daß es der Mutter schaden könnte, mußt Du verständig sein und Dich fügen. Vielleicht geht es in ein paar Tagen."

Dina nickte still vor sich hin.Ich hätte es wissen können, ich verdiene es wohl nicht anders."

Grünwald hörte die leisen Worte kaum. Jedenfalls antwortete er nicht darauf.

Wiegeht es DeinemMann?" fragte ernacheinerWeile.

Danke, ganz gut."

Willst Du Dich nicht umziehen?"

Dina schüttelte nur stumm den Kopf.

Ich habe vorhin auch Deinen Brüdern telegraphiert. Sie werden wohl in der Nachtkommen," fuhr Grünwald fort.

Kann ich die Zimmer für die Brüder in Ordnung bringen?" fragte Dina rasch.

Das wird Hulda gewiß schon angeordnet haben. Ruh Dich lieber aus."

Ich bin also nur überlästig hier, mache höchstens noch mehr Arbeit. Meine Mutter darf ich nicht einmal sehen. Warum hast Du mich denn kommen lassen?"

Grünwald ließ diesen Ausbruch unbeantwortet. Er beugte sich über seine Schreiberei.Ich muß viele Briefe schreiben. Die Verwandten wollen natürlich Nachricht haben. Wenn Du irgend etwas wünschest, wende Dich nur an Hulda," sagte er endlich.

Dina ging ohne Antwort hinaus. Sie stieg in den zweiten Stock hinauf und trat in ihr altes Zimmer. Ein erstickender Kampfergeruch wehte ihr entgegen. Alle mög­lichen Polstermöbel standen zusammengeschoben, an der Wand, mit Leinenkappen bezogen. Jedes Stück hauchte einen so intensiven Geruch aus, daß ihr die Tränen in die Augen traten.

Sie ging schnell durch das kleine Vorzimmer hinaus. Da stand noch Frederles leeres Bett. Frederle! Wie lange hatte sie nicht an das Kind gedacht. Gleich jetzt wollte sie ihn aufsuchen. Das war doch ein Mensch, eine Seele die sich freute, sie wieder zu sehen. s,YA1M

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