Zchlttchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. SS. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
Mittwoch, den 22. Januar 1913
64. Jahrgang.
Zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers findet
tllonta^ den 21. Januar d. Is. nachmittags 2 Ahv
im Gasthose zum Stern dahier ein gemeinsames Festessen und abends 8 Uhr in der Turnhalle ein
<!^ gemeinsamer Kommers
statt.
Zn beiden Festlichkeiten wird hiermit höflichst eingeladen.
Preis des trockenen Gedecks im Gasthof zum Stern 3 Mark.
Die hiesigen Vereine haben in dankenswerter Weise beschlossen, den Kommers durch musikalische und theatralische Darbietungen zu verschönern.
Schlüchtern, den 21. Januar 1913.
Der Festansschnszr
Albrecht.
Fbbingliniis.
Hengsberger.
Heinrichs.
Amtliches.
J.-Nr. 331. Mit Rücksicht darauf, daß das diesjahr. Musterungsgeschäft schon im Monat Februar stattfinden wird, ersuche ich die Herren Bürgermeister u. Gutsvorsteher die Rekrttttermtgsflammtotteir für 19 U—1913 und etwa noch nachträglich eingehende Reklamationen, sobald wie möglich, spätestens bis zUM 28. d. Mts. hierher einzusenden. Etwa später noch stattfindende Anmeldungen Militärpflichtiger ersuche ich mir sofort anzuzeigen.
Schlüchtern, den 16. Januar 1913.
Der Zivil-Vorsitzende der Ersatz-Kommission J. V.:
Ebbinghaus.
Bekanntmachung.
J.-Nr. 198 K. A. Die Gemeinde Altengronau vertreten durch den Bürgermeister Ullrich und der Landwirt Konrad Schomann zu Schwarzenfels, beabsichtigen in der Sinn auf ihren in der Gemarkung Mottgers gelegenen Grundstücken, Kartenblatt F 3 Parzellen
Eigene Wege.
Roman von M. von Bünau. 42
Jetzt erst wurde sie aufmerksam. „Aus Zandow? Ich habe lange nichts von Hause gehört. Was, mein Gott, was ist denn?"
.„Mutter schwer erkrankt. Zustandsehrernst.Dina muß sofort Herkommen. Grünwald," las Borchers.
Dina riß ihm das Telegramm aus der Hand. „Die Mutter . ." Ihre Stimme versagte. „Mutter, meine Mutter!" Sie sah sich wie irr um. „Ich will fort, gleich auf der Stelle."
„Vor morgen früh sieben Uhr geht kein Zug. LegeDich doch noch ein paar Stunden hin," bat Borchers.
„Schlafen, während meine Mutter stirbt?"
„Vielleicht ist es nicht so schlimm."
„Wenn es nicht sehr schlimm, ja hoffnungslos wäre, würden sie mir nicht telegraphiert haben."
Darauf wußte Borchers nichts zu sagen. „Leg Dich zu Bett!" bat er noch einmal.
Sie machte nur eine abweisende Bewegung. „Packen will ich," sagte sie gebrochen. „Und dann fort.. nur fort."
Sie sah an ihrem glänzend weißen Kleid herunter und schauerte zusammen.
„Ich habe getanzt, während meine Mutter vielleicht mit dem Tode rang. Warum, ach, warum riefen sie mich nicht früher?"
Ihre Sachen waren schnell gepackt. In ihrem Reisekleid den Hut auf demKopf, die kleine Reisetasche umgehangen, ging Dina ruhelos auf und ab, bis endlich die Droschke vorfuhr, um sie nach der Bahn zu bringen.
Ein grauverhangener Frühlingsmorgen war es, an dem Dina zum ersten Male seit ihrer Heirat ihrer alten Heimat zufuhr. Sie drückte sich nach dem Einsteigen fröstelnd in die Ecke des Abteils.
; Borchers breitete noch eine Decke über ihre Knie. Sie
Nr. 134 und 135 gemeinschaftlich eine Bewäsferungs- anlage zu errichten.
Ich bringe dies Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes ki mir schriftlich in 2 Exemplaren anzubringen Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht:
Freitag, den 7. Februar er. vormittags 11 U^t
vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Ausbleibens der Unternehmer oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung der Unternehmen bezw. der Einwendungen vorgegangen werden.
Die Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Büro des Kreisausschusses eingesehen werden.
Schlüchtern, den 16. Januar 1913.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
J.^V.: Ebbinghaus.
nickte nur stumm, als er sie bat, ihm sofort ihre Ankunft und über den Zustand ihrer Mutter zu schreiben. Er blieb noch auf dem Bahnsteig stehen, bis bet Zug sich in Beivegung setzte. Er hoffte, sie würde ihm noch einen Gruß zuwinken oder wenigstens einen freundlichen Blick mit ihm tauschen.
Nichts, das Fenster blieb hochgezogen. Dina saß regungslos in ihrer Ecke.
Der graugelbe Qualm der Lokomotive biß ihm in die Augen. Er strich sich über die feuchten Wimpern.
Mit einem seltsam wehen Gefühl im Herzen trat er den Rückweg an.
Nur der ihr wohlbekannte Jagdwagen aus Zandow erwartete Dina auf der Station. Aber nicht der alte Kutscher, sondern ein junger, fremder Bursche in gelbbrauner Livree hielt die Zügel. Den mochte sie nicht nach der Mutter Befinden fragen, so sehr auch die Frage auf ihren Lippen bräunte; denn der gleichgültigen Miene des Burschen gegenüber entsank ihr der Mut immer wieder.
Sie stieg schnell auf den hohen Sitz. In ihren Mantel gewickelt, sah sie während der raschen Fahrt auf die Felder der heimatlichen Gegend, über die der Frühling seinen ersten, verheißungsvollen Schimmer breitete.
Jede Biegung des "Weges, jeder Graben, jede Weide am Bach war ihr vertraut. Waren es wirklich erst zwei und ein halbes Jahr, seit sie die Heimat nicht sah? Eine Ewigkeit schien ihr zwischen heute und dem Tage der Abreise zu liegen.
Die Fenster des Herrenhauses von Zandow glänzten wie Feuer im letzten Strahl der untergehenden Sonne.
Auf dem dick mit Stroh belegten Hof fuhr der Wagen lautlos vor das Haus. Ein Diener stand vor der Tür, um der Aussteigenden zu helfen. _
„Wo ist der gnädige Herr?" fragte Dma mit blassen ^^Der gnädige Herr? Ich weiß nicht., wahrscheinlich im Krankenzimmer."
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J.-Nr. 727. Der im Vorjahre wegen der schlechten Schneeverhältnisse nicht abgehaltene Schneeschuhkursus für Lehrer soll bei weiter günstigem Schnee- wetter in der Zeit vom 28. bis 3 0. d. Mts. in Gersfeld stattfinden.
Diejenigen Herren Lehrer, welche an dem Kursus teilnehmen wollen, ersuche ich, sich am 28. d. Mts., vormittags 10 Uhr, auf dem Marktplatz in Gersfeld einzufinden. Schneeschuhe sind mitzubringen.
Schlüchtern, den 20. Januar 1913.
Der Königl. Landrat. I. V.: Ebbinghaus.
Das 2. Kurhessische Feldartillerie-Regiment Nr. 47« Fulda nimmt zum Oktober 1913 noch Zweijährig- Freiwillige an.
Junge Leute, die im Besitze eines gültigen Meldescheines sind, können sich Mittwochs und Freitags bis 10 Uhr Vormittags auf dem Geschäftszimmer des Regiments zur ärztlichen Untersuchung melden. Schneider, Schuhmacher, Sattler, Köche, Schreiner, Buchbinder, Landwirte, Gärtner, Schlosser, Schmiede, Schreiber usw. werden bei der Annahme bevorzugt.
„Wie geht es meiner Mutter?"
„Ich glaube, es steht nicht gut..."
Dina warf ihren Reisemantel ab. Geräuschlos drückte sie die Tür auf, die zum Wohnzimmer der Mutter führte.
Alles leer. Etwas Totes, Unbewohntes lag über dem einst so sonnig-heiteren Zimmer. Der Nähe der Krankenstube wegen mochte der Salon wohl jetzt unbenutzt bleiben.
Sie schlich auf den Zehenspitzen zur Tür des Schlafzimmers und legte das Ohr an, um etwas zu hören. Nichts, kein Laut, kein Flüstern drang zu ihr. Sie hielt es nicht länger aus, drückte die Klinke nieder und trat ein.
Dämmeriges Licht herrschte in der Stube. Sie konnte nur eine Gestalt mit einer großen weißen Schürze, einer weißen Mütze auf dem Kopf deutlich sehen, die sich über das Bett beugte. Ein Gefühl von Eifersucht regte sich in ihrem Herzen. Warum mußte die Fremde ihrer Mutter Dienste leisten? Waren dazu nicht die Töchter da?
Sie ging vorsichtig auftretend bis in die Mitte des Zimmers. Hulda, die im Schattenhinter dem Bett stand, winkte ihr heftig mit der Hand zu, zurückzugehen. Dina stand wie festgebannt.
Feodore, die am Fußende des Bettes saß, schlich zu ihr heran, schob ihren Arm in den der Schwester und führte sie fast gewaltsam wieder hinaus. In der Helle des Sa- lons sah Dina vorwurfsvoll in das vom Weinen ver- schwollene Gesicht der Schwester.
„Feodore, was soll das heißen? Warum ruft Ihr mich erst jetzt? Warum laßt Ihr mich nicht zu Mama? Sie ist doch so gut meine Mutter wie Eure!"
„Ja, ja." Feodore hielt das Taschentuch vors Gesicht gedrückt. „Wir dürfen sie nicht aufregen. Dein plötzlicher Anblick würde sie erschrecken und könnte ihr verraten, wie schlecht es um sie steht."
„Ihr seid ja um sie, Du und Hulda!"
„An uns ist sie schon gewöhnt. Wir sind sofort gekommen, als sie krank wurde, und haben sie seitdem nicht verlassen." 190,18*