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Zchliichterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt» Rlonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6$. Mochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «3.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

Mittwoch, den 15. Januar 1913.

64. Jahrgang.

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Zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers findet

UUntag, den 27. Januar d. Is. 2 Ahv nachmittags

im Gasthose zum Stern ein Festessen statt.

Es wird zu demselben höflichst eingeladen und um zahlreiche Beteiligung gebeten.

Das trockene Gedeck kostet 3 Mark. Die Liste zum Einzeichnen liegt im Gasthof zum Stern offen.

Schlächtern, den 14. Januar 1913.

Für den Magistrat: Albrecht, Bürgermeister.

Für die Stadt­verordnetenversammlung :

H e n r i ch s, Stadtverordnetenvorsteher.

Deutsches Reich.

Neuer Erlaß über Verdingungen. Ein Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten weist darauf hin, daß bei Verdingungen bestimmte Ursprungsorte oder Bezugsquellen im allgemeinen nickt vorgeschrieben werd»» dürfe«. Lite Borschrift rotlT im Interesse der Ver­waltung einen möglichst großen Kreis schaffen, aus dem Angebote entgegenzunehmen sind; anderseits will sie im volkswirtschaftlichen Interesse einem möglichst großen Kreis von Handel- und Gewerbetreibenden Gelegenheit geben, mit der Verwaltung in Verbindung zu treten. Der verlangte Gegenstand oder die verlangte Leistung ist im Sinne der bestehenden Vorschriften bei der Aus­schreibung bestimmt zu bezeichnen, so daß die Anbieter genau übersehen können, was von ihnen verlangt wird. Es sind aber hierbei alle Ausdrücke und Hinweise zu vermeiden, die zu dem Irrtum Veranlassung geben können, daß bestimmte Ursprungsorte oder Herstellungs­weisen und dergl. vorgeschrieben werden sollten, während tatsächlich die Absicht nur darauf gerichtet ist, ein gleichwertiges Erzeugnis zu erhalten. Dies gilt nament­

Eigene Wege.

Roman von M. von Bünau. 40

Der Sanitätsrat hatte ihm schon einige Male Andeu­tungen über das viele Reiten seiner jungen Frau ge­macht, die mau nicht gut auf ein kollegiales Interesse an der Gesundheit Dinas schieben konnte.

Diua selbst wußte nichts von dem Neid, den sie er­weckte, und wenn sie es gewußt hätte, sie würde sich auch nicht viel darum gekümmert haben.

Viel Feind', viel Ehr'! Das ist mein Wahlspruch," versicherte sie übermütig, als Borchers ihr vor dem Ball einige Andeutungen machte.

Seit Jahren hatte sie nicht mehr getanzt, weildie­ses frivole Vergnügen ihrer Denkungsart widerstand" .. und heute? Heute freute sie sich auf das Fest wie ein Backfisch auf seinen ersten Ball.

Ihre Toilette erforderte viel Nachdenken, Zeit und Geld. Dafür gelang sie aber auch wunderschön.

Sie lief heimlich öfter in ihr Schlafzimmer, in dem der ganze Staat ausgebreitet über den Betten lag, und freute sich an der schillernden weißen Seidengaze des Rockes, an den leuchtend roten Mohnblumranken, die so graziös die Taille garnierte». Ein paar von den bren­nend roten Blüten wollte sie kranzförmig in ihr braunes Haar stecken.

Sie nahm die schmalen, weißseidenen Ballschuhe und drückte sie an sich.

Sie wußte selber ganz genau, daß es nicht allein das Tanzen war, auf das sie sich so rasend freute.

Sich selbst konnte sie nicht belügen, obgleich ihr bei dieser Erkenntnis helle Schamröte in die Wangen stieg.

Auch die alte Frau Borchers regte die seltene Fest­lichkeit f^r auf. Sie bestand darauf, bei Dinas Anziehen zugegen sein zu wollen, was diese auch in einer An­wandlung reuiger Freundlichkeit wirklich gestattete, trotz- Hem die vielen Ratschläge, Ansichten und unmodernen

lich auch für die durch Die neuere Technik ausgebildeten Herstellungsweisen ähnlicher, dem gleichen Zwecke die­nender Gegenstände. Sofern mit Rücksicht auf die stark fortschreitende Entwickelung der Technik bei Aufstellung der Verdingungsunterlagen für die hier in Rede stehen­den Berchältniffe- besondere Fragen auftrrten sollten, wird sich Gelegenheit geben, in geeigneten Fällen von der in früheren Erlassen erörterten Zuziehung von außerhalb der Verwaltung stehenden Sachverständigen Gebrauch zu machen.

Der Reichstag beendete am Donnerstag die Besprechung der Interpellation über den Wagenmangel auf der Eisenbahn. Das einzige bemerkenswerte Re­sultat der ganzen Interpellation ist eine Erklärung des Präsidenten des Reichseisenbahnamtes Wackerzapp, daß der Wagenmangel im westlichen Industriebezirk, insbe­sondere die Verkehrsstockungen links vom Rhein, nicht im geringsten mit irgendwelchen Mobilisierungsvorbe­reitungen etwas zu tun gehabt hätten. Alle derartigen Behauptungen seien aus der Lust gegriffen. Insbe­sondere sei es unsinnig, aus Verkehrsstockungen auf den Gütergleisen Schlüsse zu ziehen auf etwaige Schwierig­

Aeußerungen der alten Dame auch einen geduldigeren Menschen hätten nervös machen können. Zum Schluß be­wunderte die Schwiegermutter allerdings laut. In gro­ßem Bogen, um nicht auf die Schleppe zu treten, ging sie um die elegante Gestalt in dem schimmernden weißen Kleid herum.

Zu schön!" fand sie ihre Dina heute mit den roten Mohnblumen im Haar.

Borchers stimmte in die laute Bewunderung ein. Er sah seine Frau heute zum ersten Male in großer Toi­lette, denn an ihrem Hochzeitstage hatte sie nur ein ho­hes, schlichtes weißes Kleid getragen. Die Schönheit ihrer zartgerundeten Arme, die graziöse Linie des Halses frap­pierten ihn.

Sie ließ ihm aber nicht lauge Zeit zum Staunen. Hastig nahm sie ihr weißes, pelzgefüttertes Cape um. Es ist schon spät, wir müssen fahren!" meinte sie ha­stig.

Der Doktor folgte ihr, nachdem er dem Mädchen noch genau die Adresse, wo er zu finden sei, ausgeschrieben hatte für den Fall, daß ein Patient nach ihm schicken sollte.

* * *

Der Kasinosaal strahlte im Festglanz neu aufgestell­ter Lichter am Kronleuchter, ausgestaubter roter Woll- gardinen vor den Fenstern und blank gewichster Dielen.

In einer Ecke, hinter einer Efeuwand, saß die Musik­kapelle und schmetterte die sehnsüchtigsten Walzerklänge.

Bredow und seine Kameraden kamen sofort auf Bor­chers zu, um Dina zu engagieren oder ihr schon verspro­chene Tänze ins Gedächtnis zu rufen.

Borchers stellte Dina schnell erst einigen Frauen sei­ner Kollegen vor. Sie wechselte aber nur ein paar flüch­tige Worte mit den Damen. Dann kam schon der Ritt­meister, um sie zum Tanz abzuholen.

Einige Minuten stand Borchers und sah dem Tan­zen zu.' Es war leicht, zwischen den schwarzen Fracks und bunten Toiletten die hellblaue Uniform Bredows

keiten im Falle einer Mobilisierung. Im Kriegsfalle würde mit einem SchU ge die gan ze Organisation des Eisenbahnwesens eine andere, und von Verkehrsstockungen könne dann keine Rede mehr sein- Schließlich wurden noch Kahlprüfungen erledigt. Am Freitag wurden zunächst rurze Anfragen beantwortet und sodann die Denkschrift über die Beamtenorganisation der Reichspost- und Telegraphenverwaltung besprochen. In der Dis­kussion wurden allerlei Wünsche und Vorschläge ver- laulbart, namentlich wurde von den Abgg. Dr. Oertel (kons.) und Werner (wirtsch. Vg.) gegen die Anstellung weiblicher Kräfte, welche die Militäranwärter ver­drängten, Front gemacht. Die Denkschrift wurde der Budgetkommission überwiesen. Schließlich begründete Staatssekretär Dr. Lisco noch die Novelle zum Handels­gesetzbuch über die Konkurrenzklausel. Der Staatssekretär ging davon aus, daß es gerechtfertigt erscheine, dem Prinzipal, welcher die Vorteile der Konkurrenzklausel genieße, auch Opfer auferlegen. Er ist der Ueberzeu­gung, daß die Anwendung der Konkurrenzklausel durch die Novelle in Zukunft stark beschränkt werden würde. In eine Diskussion wurde nicht mehr eingetreten.

und Dinas weißes Kleid im Auge zu behalten. Wie schön die beiden tanzten. Sie schienen kein Ende finden zu können.

Borchers fuhr erschrocken aus seinen Gedanken auf. Der Sanitätsrat klopfte ihm auf die Schulter und ver­wickelte ihn sofort in ein Gespräch, das sogar hier im Ballsaal von Fachausdrücken wimmelte und daher allen übrigen unverständlich bleiben mußte. Borchers sah nur noch, wie Dina am Arme ihres Tänzers ein paarmal hin und herging. Als er sich endlich vom Sanitätsrat los machen konnte, war sie verschwunden.

Aber er schämte sich, gewissermaßen hinter ihr her zu spionieren.Es ist ja ganz natürlich, daß sie am lieb­sten mit den Offizieren tanzt, beschwichtigt er sich selber. Die übrigen Anwesenden dachten aber keineswegs so nachsichtig wie der Gatte. Es war gut, daß Dina es nicht hören konnte, wie man ihreauffallende Toilette, ihr Tanzen, ihr kokettes Benehmen" in allen Tonarten durchhechelte.

Da Borchers nicht tanzte, wurde er sehr bald an einen Whisttisch im Rauchzimmer gesetzt mit mehreren gelang­weilten Ballvätern zusammen, die bei Bier und Zigar­ren Trost suchten. Im allgemeinen spielte Borchers gern eine Partie, aber heute quälte ihn eine merkwürdige Un­ruhe. Immer wieder sah er die beiden schlanken Gestal­ten zusammen tanzen, er sah den weltentrückten Ausdruck im Gesicht seiner Frau, des Rittmeisters Augen, mit de­nen er sie ansah. Er vergab in seiner Zerstreuung den besten Stich zur Entrüstung seines Partners.

Der Ball ging unterdessen fröhlich weiter. Die Ball­mütter klagten über Hitze und Staub, sahen aber doch mit großem Interesse weiter zu. Alle steckten die Köpfe zusammen, wenn Dina, stets im Arm eines blauen Rei­ters, vorbeiwirbelte.

Sie müssen ja schon todmüde sein, gnädige Frau!" sagte endlich Bredow. Er trat zu Dina, die gerade eine Extratour mit einem der Leutnants beendete, 190,18^