Einzelbild herunterladen
 

mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «S. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «s.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

4 Samstag, den 11. Januar 1913. 64. Jahrgang.

Zum Frieden.

Auch nachdem am Montag die Friedensverhand­lungen in London unterbrochen worden sind, bleibt es unwahrscheinlich, daß der Krieg von neuem beginnen werde. Bei den Mitgliedern der Balkanliga ist nach den gebrachten Opfern und dem bisher Erreichten keine Kriegslust mehr vorhanden, und die Türken mögen sich inzwischen an der Tschataldschalinie noch so stark ge­macht haben, zu einem offensiven Vorstoß zum Eutsatze von Adrianopel fehlen ihnen die Kräfte. Diese Festung wird sich nicht mehr lange halten können, wenn ihr nicht von außen her Hilfe kommt. Die Zeit läuft hier gegen die Türken, und wenn sie fest entschlossen wären, um keinen Preis in die Abtretung von Adrionopel zu willigen, hätten sie ihrerseits die Londoner Verhand­lungen schon abbrechen müssen. Ob schließlich etwa der Ausweg gewählt wird, daß Adrianopel als offene Stadt Mlter Schleifung der Festungswerke türkisch bleibt o^er öo der Greysche Vorschlag durchgeht, daß um Adrianopel eine neutrale Zone gelegt wird, laßt sich noch nicht klar erkennen.

Der zweite große Gegensatz auf der Friedens­konferenz betrifft die im Aegäischen Meere vor der kleinasiatischen Küste liegenden türkischen Inseln, die größeren Teils von Griechen bevölkert sind, weshalb sie von dem Balkanbund für Griechenland beansprucht werden. Die Türkei weigert sich, sie abzutieten, weil dadurch die Sicherheit der kleinasiatischen Küste, in deren Häfen gleichfalls das griechische Elemeut stark vertreten ist, gefährdet werden würde.

Während die Frage, wer künftig Herr von Adria­nopel sein soll, die Großmächte nicht mehr interessiert als der von der Türkei bereits zugestandene Besitzwechsel -auf- hen_^eim4iäUd^n-JSd)aupl^ Äutjp mil Ausnahme von Albanien, werden sie in der Jnselfrage ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Mit ihr hat sich auch bereits die Botschafterkonferenz in London be­schäftigt. Zunächst werden die Großmächte nicht zu­geben können, daß die vier vor dem Eingang in die Dardanellen gelegenen Inseln Tenedos, Lemnos, Jm- bros und Samothrake definitiv in griechischen Besitz ük ergehen. Allenfalls könnte man an eine Neuirali- sirrung denken. Was den übrigen bisher türkischen Jrselarchipel betrifft, so würde sich die Forderung der Griechen, ihre dort vorhanndenen Stammesgenossen der türkischen Herrschaft zu entziehen, auch in der Form der Autonomie erfüllen lassen. Jedenfalls müßte dafür gesorgt werden, daß keine fremden Militärstationen und Kriegshäfen in unmittelbarer Nähe des türkischen Fest­landes erstehen. Man darf annehmen, daß sich beide

Eigene Wege. «

Roman von M. von Bünau. 39

Warum redetest Du Herrn von Bredow mitRitt­meister" an?" fragte sie plötzlich unvermittelt.

Er nannte mich ja auch Herr Doktor," antwortete Borchers harmlos.

Das ist etwas anderes."

Warum denn?"

Weil.." Dina stockte.Jedenfalls ist es nicht üblich, in Gesellschaft jemand bei seiner Charge attzursden," fuhr sie hastig fort.

Nun, dann kann ich ja ein andermalHerr von Bre­dow" sagen. Hat der Rittmeister viel in Zandöw bei Deinen Eltern verkehrt?"

Nein, nur mein Bruder Bruno kennt ihn."

Und deshalb macht er uns seinen Besuch und will mit Dir reiten?"

Nein, darum nicht." Sie schob die Blumenschale auf dem Tisch bald hier, bald dorthin. Ihre fahrigen Be- w zungen fielen Borchers auf.Ich habe Bredow im Marienstift gepflegt," sagte sie endlich leise und rasch. Deshalb hielt er es wohl für höflich, uns einen Besuch zu machen."

Woher wußte er denn, daß Du hier lebst?"

Dina lachte ungeduldig.Ich traf ihn gestern zufällig. Bist Du nun zufrieden?"

Wenn Du mit ihm reitest," so mußt Du ihn auch einmal einladen, entgegnete Bo/chers.Das geht nicht anders."

Gut. Ganz, wie Du willst."

Dina ging unter irgend einem Vorwand nach der Küche. Das Gespräch schien ibr peinlich zu sein. Borchers sah ihr kopfschüttelnd nach.

Aber auch fernerhin f-Nd er noch häufig Deranlas- ^M sich Mr sMe Frau M wunden. Dinas Stim-

Kriegsparteien in der Jnselfrage beim Friedensschluß den Wünschen der Großmächte fügen werden.

Im übrigen beruht die Hoffnung auf ein endliches positives Ergebnis der Friedenskonferenz darauf, daß durch das allerseits wahrnehmbare Ruhebedürfnis das Gewicht der Ratschläge der einigen Großmächte verstärkt worden ist.

* *

Die Vermittelung der Mächte.

Die Botschafter der Großmächte in London hatten kürzlich mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Grey eine Konferenz, in welcher die Frage der Vermittelung der Mächte zwischen der Türkei und dem Balkanbund besprochen wurde. Man neigt jedoch der Meinung zu, daß die Kriegführenden der Vermittelungsaktion der Großmächte zuvorkommen und unabhängig von Friedenskongreß und Botschafterceunion eine Verein­barung treffen werden. Hartnäckig erhält sich in London das Gerücht, daß zwischen Schükri Pascha, dem Festungstommandanten von Adrianopel, und dem Führer der bulgarischen Belagerungsarmee bereits Unterhand­lungen wegen Uebergabe der Stadt eingeleitet wurden.

Der Wortlaut der Note, die den türkischen Friedens­delegierten in London überreicht werden soll, ist von der Bolschafrerreunion bereits festgestellt worden. Es wird darin betont, daß die Großmächte das Wiederauf- flackern des Balkankrieges nicht zugeben würden. Der Wortlaut der von den Großmächten der türkischen Regierung in Konstantinopel zugedachten Note ist jedoch noch nicht festgestellt worden, sodaß auch noch nicht ge­sagt werden kann, wann die Note überreicht werden wird. Nach einer Pariser Meldung besagt der Ver- mittelungsvorschlag der Mächte an die türkische Regierung, daß auf dem durch Schleifung der Festungs­werke von Adrianopel freiwerdenden Grund und Boden r -.i i-'Ott GKrditteit-.erviLM W'wbM soll. Dann wäre die Möglichkeit der Schaffung zweier selbständiger Stadt- verwaltungen, der türkischen und der bulgarischen, ge­geben, die sich über die gemeinsamen städtischen Ange­legenheiten zu einigen hätten. Die Kosten für die Durchführung des Planes sollen von der Türkei und an Bulgarien zu gleichen Teilen getragen werden.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Reichstag und das preußische Abge­ordnetenhaus haben ihre Sitzungen wieder aufge. nommen.

Straßburg i. E. Prinz Joachim von Preußen ist zur Fortsetzung seiner Studien an der Kaiser Wilhelm- Universität wieder hier eingetroffen. Erbprinz Franz Josef von Turn und Taxis, der ebenfalls an der hie­sigen Universität immatrikuliert ist, wird hier erwartet-

^Mta^aMBMBMMSBBEaMmBa^aroittmiiWM^^ mung war sehr wechselnd, bald überaus angelegt und heiter, dann wieder tief melancholisch.

Täglich um drei Uhr holte Bredow sie zum Ausritt ab. Von diesen Ritten kam sie immer mit so glänzen­den Augen und rosigen Wangen wieder, daß Borchers nicht das Herz hatte, ihr das Vergnügen zu stören, ob­gleich er sehr bald bemerken mußte, daß sowohl an sei­nem Stammtisch wie im Krankenhause, ja sehr bald in der ganzen Stadt über diese Ritte gesprochen wurde.

Die nach Mühlfurt kommandierten Offiziere bildeten den Gegenstand regsten Interesses. In welchen Häusern und Hotels die Offiziere verkehrten, was sie taten und trieben, alles wurde besprochen, kritisiert, bewundert, ver­urteilt, je nach Geschmack. Gut- oder Böswilligkeit der Beobachter.

Daß Dina natürlich von allen, die sie kannten oder auch nicht kannten, für schrecklich hochmütig verschrien wurde, die einzige Dame war, in deren Haus die Of­fiziere viel verkehrten, denn die Leutnants von Bredows Schwadron folgten sofort seinem Beispiel und machten alle bei Borchers Besuch, das erregte natürlich viel böses Blut. Besonders da die Herren bei dem Bürgermeister und allen Honoratioren der Stadt nur Karten abgaben, ohne den Versuch zu machen, nähere Beziehungen anzu° knüpfen, während sie bei Borchers, der noch nicht einmal Chefarzt war, mindestens zweimal in der Woche ihren Tee tranken.

Dina war zu taktvoll, um bei diesem zwanglosen Ver­kehr ihrem bescheidenen Haushalt einen eleganteren An­strich geben zu wollen. Minna stellte alles zurecht, Dina goß den Tee ein und bediente ihre Gäste selber. Die alte Frau Borchers ganz eingeschüchtert über den vor­nehmen Besuch, tat den Mund kaum auf. Auch Borchers sprach nicht mehr, wie die Höflichkeit als Hausherr erfor­derte.

Zwischen Dina und den jungen Offizieren ritz dagegen die Unterhaltung ab. Nach dem einfachen Essen saßen alle in ihrem Zimmer, rauchten und hörten dem tem­

Als Staatssekretär des Auswärtigen Amts an Stelle des verstorbenen Staatssekretärs v. Kiderlen- Waechter ist der Kaiserliche Botschafter in Rom von Jagow in Aussicht genommen. Gottlieb Eugen Günther von Jagow, am 22. Juni 1863 in Berlin geboren, studierte in Bonn die Rechte. 1889 wurde er Regier­ungsreferendar in Oppeln und im November 1892 Regierungsassessor. Als solcher arbeitete er zunächst bei der Regierung in Potsdam, wurde 1895 zum Aus­wärtigen Amt beurlaubt und als Attache der Botschaft in Rom überwiesen, von wo er 1896 zur preußischen Gesandtschaft in München und im folgenden Jahre zu der in Hamburg als Sekretär versetzt wurde. Im Oktober 1897 wurde er zweiter Sekretär der Botschaft in Rom und im Dezember 1899 Legationsrat. Im Juli 1900 ging von Jagow als Gesandtschaftssekretär nach dem Haag, und im März 1901 kehrte er aber­mals nach Rom zurück, wo er die Stelle des ersten Botschaftssekretärs bekleidete. 1906 wurde er als Wirklicher Legationsrat und Vortragender Rat in das Auswärtige Amt zurückberufen. Ein Jahr später er­hielt er den Charakter eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers; am 2. Dezember 1907 wurde er als Gesandter beim Großherzog von Luxem­burg beglaubigt. Am 9. Mai 1909 trat er seinen Posten als deutscher Botschafter beim italienischen Hofe an.

Eine große militärische Hundertjahrfeier wird auf Befehl des Kaisers am 10. März in allen mili­tärischen Standorten Preußens stattfinden. In Berlin wird der Kaiser selbst die Feier abhalten, für Breslau ist Prinz Eitel Friedrich mit seiner Vertretung beauf­tragt worden. Die Feier besteht in der Niederlegung von Kränzen und in Festgottesdiensten und Paraden des Militärs und der Kriegervereine.

-^^us Vtu RenpryrSvekwcyiungen V« pvuü[ty*H Presse klingt ganz zuversichtlich die Hoffnung auf Wiederherstellung des Polenreiches heraus.Man hat uns aus den Zigeunerwagen vertrieben, doch die Hoff­nung auf eine bessere Zukunft haben wir nicht verloren," heißt es in dem Festartikel derGazeta Torunska", der wie folgt schließt:Wir wünschen uns, daß jeder einzige aufgeklärte Pole ein Apostel der nationalen Idee werde, damit die Bezeichnungpolnischer Agitator", mit der die Feinde uns bedenken, mit dem Namen Pole" zusammenwächst, dann wird uns keine satanische Macht'erdrücken." Klingt das wie eine Chamade, so lassen die galizischen Blätter laute Fanfaren ertönen. So derKurjer Lwowski":Ob das kommende Jahr das letzte unserer Gefangenschaft sein wird, ist schwer zu sagen. Wie es aber auch kommen möge; das eine ist gewiß, daß es uns in schnellerem Tempo als seine

peramentvollen Spiel der Hausfrau zu. Jeder fühlte sich augenscheinlich sehr behaglich, den Hausherrn vergaß man beinahe ein bißchen und die alte Frau, die still in ihrer Ecke strickte, gänzlich.

Borchers kam es so vor, als ob seine Frau immer weiter von ihm fort und in ihr altes Leben zurückglitte, ohne daß er ihr folgen oder sie zurückhalten konnte. Gern hätte er den Verkehr mit den Offizieren wieder abge­brochen, aber er wußte nicht, wie er das ohne Unhöflich- keit fertigbringen sollte, und tröstete sich mit dem Ge­danken, daß mit dem Abmarsch der Dragoner bald alles, zu Ende sein würde.

Das konnte nicht mehr lange, höchstens noch drei Wochen dauern.

Die Damenwelt Mühlfurts ließ daher ihren Vätern und Gatten keine Ruhe, einmal wollten sie doch auch die interessanten Offiziere kennen lernen. Gehörten denn die der hochmütigen Frau Doktor Borchers allein? Sollte nur die ihr Vergnügen von dem jetzt völlig beigelegten Streik haben? 190,18*

DerHarmonieball" der Kasinogesellschaft, bei dem zwar nie Harmonie herrschte, war "bisher der Unruhen wegen hinausgeschoben worden, aber jetzt zum Schluß des Kommandos sollte und mußte er noch abgehalten werden, und nach vielem Hin und Her gingen wirklich die Aufforderungen zu dem geplanten Fest herum.

Auf Dinas Wunsch sagte auch Borchers sein und ihr Erscheinen zu. Daß seine junge Frau gern einmal tan­zen wollte, war ja begreiflich, und in der angenehmen Aussicht, sie bald wieder ganz für sich allein zu haben, wollte ihr Borchers nicht die Freude verderben, obgleich er mit Recht befürchtete, daß Dinas Schönheit und Ele­ganz, vor allem ihr vieles Tanzen mit den ihr jetzt so gut bekannten Offizieren ihr viele Neider und Feindin­nen erwerben würde. Die Familie seines Chefarztes na­mentlich, die aus einergrämlichenMutter und viergrundch häßlichen Töchtern bestand, sah das gewiß höchst ungern,